Memel: Unterschied zwischen den Versionen

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== Persönlichkeiten ==
== Persönlichkeiten ==


'''Andersen, Hedwig''', *9.6.1866 Memel, +29.3.1957 Schönborn. Begründerin der deutschen Atem-und Stimmforschung, zusammen mit '''Clara Schlaffhorst'''. <ref>http://de.wikipedia.org/wiki/Hedwig_Andersen</ref>
'''Andersen, Hedwig''', *9.6.1866 Memel, +29.3.1957 Schönborn. Begründerin der deutschen Atem-und Stimmforschung,zusammenmit '''ClaraSchlaffhorst'''.<ref>http://de.wikipedia.org/wiki/Hedwig_Andersen</ref>


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Version vom 7. Januar 2011, 19:53 Uhr

Bitte beachten Sie auch die Datensammlung aller bisher erfassten Personen aus dem Memelland


Das Wappen der Stadt Memel, an einem Haus der Friedrich-Wilhelm-Straße nahe der Börsenbrücke, 2009.
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Memel, Friedrich-Wilhelm-Straße vor 1918. Auf der Karte von Ostpreußen findet sich Memel im Norden rot unterstrichen.
Handzeichnung um 1650 über die Aufteilung des zum Althof gehörigen fiskalischen Geländes. Erkennbar: Zitadelle, Stadtkirche und Litauische Landkirche, Börsenbrücke mit aufziehbarem Tor, Wasermühle Janischken, Stadtwaage, Richtstätte in Schmelz mit Galgen und Rad.
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Memel, Friedrich-Wilhelm-Straße vor 1918. Rechts der Turm der Reformierten Kirche, links auf der anderen Straßenseite die Front der Jakobus- oder Landkirche; Blick vom Steintor.
Blick vom Wall

Hierarchie

Regional > Litauen > Memel

Regional > Historisches Territorium > Deutschland 1871-1918 > Königreich Preußen > Ostpreußen > Kreis Memel > Memel


Einleitung

Memel, 2. Jahrhundert Aldajaborg und Aldeska, 1290 Memelburg, n. 1420 Glaupeda, n. 1422 Klawppedda, v. 1785 Cleupeda, Kreis Memel, Ostpreußen

  • Kreisstadt mit Bahnstation
  • Am Nordende des Kurischen Haffs
  • 118 km nördlich von Königsberg
  • Älteste Stadt Ostpreußens
  • 1252 vom Livländ. Schwertbrüderorden gegründet
  • Lit. Name: Klaipeda

[2]

Allgemeine Information

Neujahrskarte von Memel um 1900

1905: Kreisstadt im preußischen Regierungsbezirk Königsberg, die nördlichste Stadt des Deutschen Reiches, an der Mündung der schiffbaren Dange in das Memeler Tief, welches das Kurische Haff mit der Ostsee verbindet, Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Osterode-Memel und Memel-Bajohren, hat zwei evangelische, eine englische und eine katholische Kirche, Synagoge und (1905) mit der Garnison (ein Bataillon Infanterie Nr.41) 20.687 Einwohner, davon 862 Katholiken und 899 Juden.

An gewerblichen Etablissments bestehen eine Fabrik zur Herstellung chemischer Produkte, zwei Schiffswerften, ferner Eisengießereien, Maschinenfabriken, eine Seifenfabrik, Zellulose-, Zigaretten-, Essig-, Kerzen- und Tauwerkfabrikation, Bierbrauerei und Branntweinbrennereien. Der Handel wird durch ein Vorsteheramt der Kaufmannschaft, durch 12 Konsulate fremder Länder und eine Reichsbankstelle (Umsatz 1904: 223,5 Mill.Mark) unterstützt und ist bedeutend in Holz, Leinsaat, Flachs, Hanf, Steinkohlen, Dungmitteln und Fischen (besonders Heringen) etc. Die Reederei zählte 1904 außer einer größern Anzahl von Küstenfischerei-Fahrzeugen etc. 15 Dampfschiffe zu 8.168 Registertonnen Raumgehalt. In dem geräumigen, durch Molen geschützen und mit einem Leuchtturm versehenden Hafen belief sich der Seeverkehr 1903 auf 570 angekommene Seeschiffe zu 201.110 Registertonnen und 598 abgegangene zu 207.550 Registertonnen.

Memel ist Sitz eines Landgerichts, eines Hauptzollamtes, einer Prüfungskommission für Lotsen und Seefahrer, eines Lotsenkommandos und einer Rettungsstation für Schiffbrüchige und hat ein Gymnasium, Schullehrerseminar, Präparandenanstalt, Navigationshauptschule, ein Waisenhaus und ein Aussätzigenheim. Zum Landgerichtsbezirk Memel gehören die vier Amtsgerichte Heydekrug, Memel, Prökuls und Ruß. In der Nähe die großen Dörfer Bommelsvitte und Königlich Schmelz und das Forsthaus Försterei mit Seebad.

[3]


Name

Die Stadt liegt in der kurischen Landschaft Pilsaten. Der heutige litauische Name bezieht sich auf die kurische Vorlage.

In skandinavischen Quellen wird der Ort im 2. Jahrhundert n.Chr. Aldajaborg genannt. Aldeska war der schalauische Name der Memel (Fluss). Im Friedensvertrag vom Melnosee (27. Febr. 1422) fiel zum ersten Mal der Alternativname Klaipeda: "et castrum Memel in Samogitico Cleupeda appellatum" (und die Memelburg, in Samogitien Cleupeda genannt).

Aldeska oder Aldajaborg beschreibt einen Hafen mit Festungsanlage.

  • prußisch-schalauisch "aldija" = Schiff, Boot, Kanu

Memel bezieht sich auf das Haff und den Unterlauf des Memel-Flusses.

  • kurisch "memelis, mimelis" = stiller, langsamer, schweigender
  • lettisch "mēms" = stumm, sprachlos (vgl. dazu den lettischen Fluss Mēmele)

Klaipėda/ Glaupeda/ Klawppedda/ Cleupeda beschreibt die Lage des Ortes. Frei übersetzt: flacher, offener Grund.

  • kurisch "klais" = flach, offen, frei
  • lettisch "klajš" = offen
  • kurisch "ped" = Fuß, Fußsohle, auch Grund

dagegen litauisch

  • "klaipikas" = das Schieftreten der Füße, mit den Füßen schaufeln
  • "klaipyti" = das Zertreten, Niederdrücken, zu Boden drücken

[4] [5] [6] [7] [8] [9]


Zum heutigen Gebrauch des Namens Memel siehe auch: Das memelländische Erbe.

Wappen

Wappen Memel

Die Ursprünge des Wappens in Gold auf rotem Grund lassen sich bis auf Siegel aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts nachweisen. Das alte Wappen von Memel wurde von der Stadt Klaipėda übernommen und zeigt in der Mitte den zinnenbewehrten Burgturm der Memelburg (von der Wallanlage geschützt), an beiden Seiten von hölzernen Baken flankiert (Bake in Bommelsvitte und "Galgenbake" in Schmelz). Das stabile Ruderboot deutet auf die Lage der Memelburg am Kurischen Haff und stellt die Fähre zur Kurischen Nehrung dar. Die vier Sterne weisen auf eine Zeit, als der Seemann noch ohne Kompass navigieren musste. Die heutige litauische Stadtflagge verwendet die Farben des Memellandes auf einer vertikal geteilten Flagge. In der Mitte ruht das Stadtwappen. [10]


Einwohner

1905. 20.687

1939. 41.297

Kirchliche Einteilung/Zugehörigkeit

Die Johanniskirche zu Memel von der Marktstraße aus.

Bei der Gründung der Stadt 1253 wurde der Bau von drei Kirchen durch Bischof Heinrich von Kurland ins Auge gefasst: St. Marien sollte Burgkapelle sein, St. Johannis Stadtkirche werden und St. Nikolaus dem Gottesdienst der Landbevölkerung bestimmt seit. St. Marien verschwand mit dem Eingehen der Burg.

Evangelische Kirchen

Wählen Sie bitte ein Kirchspiel aus:

Marienkirche, älteste Memeler Kirche.
St.Johannis, eine der ältesten Kirchen Memels für die deutsch sprechende Memeler Stadtbevölkerung (Stadtkirche).
St. Nikolai, eine der ältesten Kirchen Memels für die prußisch und kurisch sprechende Landbevölkerung (Landkirche).
Jakobuskirche, Nachfolgerin der alten Landkirche St. Nikolai, für die baltische Sprachen sprechende Memeler Landbevölkerung.

[11]


Reformierte Kirche, hier gehörte auch später die Gemeinde der Englischen Kirche zu.
Parochie Vitte, nur kurze Zeit im Norden von Memel bestehend.
Englische Kirche (English Church)
Baptistengemeinde
Christliche Gemeinde
  • Seuberlich, Erich: Die Reformierten Prediger in Memel. Altpreußische Geschlechterkunde 1936, S. 4-8.

Katholische Kirche

Katholische Kirche, für Stadt und Landbereich Memel.

Synagoge

David.jpg

Hier fehlen noch Informationen.

  • Johannes Sembritzki schreibt in seinem Buch "Memel im neunzehnten Jahrhundert (Der "Geschichte Memels" zweiter Theil)" 1902:
    • Die Juden, deren Anzahl 1842 nur 69, 1855 schon 289 betrug, vermehrten sich durch Zuwanderung aus den russischen Grenzdistricten sehr schnell; 1867 waren 887, 1875, also nach nur 20 Jahren, 1040 und 1880 sogar schon 1214 in Memel. Durch die Ausweisungen der achtziger Jahre verminderte sich diese Zahl wieder bis auf 861 in 1890, war dann 1895 wieder auf 936 gestiegen, ist aber 1900 auf 899 heruntergegangen. Ihr ältester Gemeindebesitz ist ihr Friedhof; auch die sogenannte polnische Synagoge in der Hinteren Wallstrasse 2 und das Dampfbad Schlächterstrasse 4 bestehen schon sehr lange und werden schon zu Anfange der 40er Jahre erwähnt. Nachdem auf Anordnung der Regierung die gesamte Memeler Judenschaft sich zu einer Synagogengemeinde zusammengethan, deren Statut wie dasjenige der Beerdigungs-Zunft (Chewra-Kadischa) am 9. Mai 1862 bestätigt wurde, wurde am 9. August 1874 der Grundstein zum "Lehrhaus" (Beth-Hamidrasch), dem Gotteshause für die russisch-lithauischen Juden, gelegt und dasselbe im September 1875 geweiht, 1886 aber auf dem angekauften Grundstücke Kehrwiederstr. 3 die deutsche Synagoge, welche solange in Miethsräumen untergebracht war, erbaut.

Hinzugekauft wurde dann am 1.Juli 1898 für 24.000 Mk. das anstossende ehemalige Altstädtische Schulgebäude, wozu die Baronin von Hirsch-Gereuth zu Paris 20.000 Mk. spendete, und es besitzt nun die Gemeinde "einen Grundstückscomplex von solcher Grösse und Güte, wie sich dessen nur eine kleine Anzahl grösserer Gemeinden rühmen kann" (Dr. Rülf).

  • Die Cultusbeamten der deutschen Synagoge waren (Stand 1902):
    • Lehrer und Prediger P. Stadthagen, schon 1858 hier Bäckerstr. 11/12 (wo damals das Betlocal der deutschen Juden war) wohnhaft, gestorben 1865,
    • Rabbiner Dr. J. Rülf, vom 1. December 1865 bis 1. April 18898, langjähriger Redacteur des "Memeler Dampfboot", sowie Verfasser mehrerer philosophischer u.a. Schriften,
    • seitdem Herr Rabbiner Dr. Em. Carlebach.


  • Adressbuch 1931

Gemeindesynagoge Kehrwiederstraße, Vorsteher: W. Nafthal
Alte Synagoge, Synagogenstraße, Vorsteher: Leon Scheinhaus
Beth-hamidrasch, Baderstraße, Vorsteher: A. M. Kaplan

Synagogengemeinde Memel
Rabbiner Dr. L. Lazarus,
Rabbiner J. Rabinowitz,
Kantor u. Lehrer: Joseph Kahn.

Vorstand:
W. Nafthal, Bernhard Scheinhaus, Jacob Jawschitz, Dr. H. Jacobsohn, Joseph Schulmann
Repräsentanten:
Leon Scheinhaus, Dr. Kallenbach, W. Ehmann, Isaak Jawschitz, Moses Friedmann, A. Hannemann, S. Maisels, H. Markuschewitz, A. Rosenthal, Ing. Rubin, S. Rudeitzky, A. Stoch, Jakob Werblowsky.


Juden in Memel

  • Den Artikel und eine Liste jüdischer Bewohner des Memellandes finden Sie auf der Seite Juden im Memelland.

Standesamt

Zugehörige Ortschaften

Zum Standesamt Memel gehörten 1907 folgende Ortschaften:

Kurisches Haff, Memel.


Standesamtsregister

Die Standesamtsregister von Memel sind unvollständig erhalten im Litauischen Historischen Staatsarchiv in Wilna. Verfilmungen sind auch bei den "Mormonen" vorhanden.


  • Geburten 1875-1895, 1897-1902, 1904-1906, 1908-1909, 1911-1915
  • Heiraten 1874, 1877-1889, 1892-1895, 1897-1898, 1900-1909, 1911-1914, 1916-1917, 1920-1939
  • Sterbefälle 1874-1889, 1891-1906, 1909, 1911-1913, 1915


Hierbei ist nicht sicher, ob die einzelnen Jahrgänge vollständig oder nur teilweise erhalten sind !

Die Heiratsregister 1920-1939 sind nicht verfilmt, aber sollen im Litauischen Historischen Staatsarchiv vorhanden sein.


Friedhöfe

Städtischer Friedhof

Der Städtische Friedhof von Memel findet sich auf einer eigenen Seite.

Bewohner

Folgende Familien bzw. Personen lebten in Memel oder stehen mit diesem Ort in Verbindung:



Persönlichkeiten

Andersen, Hedwig, *9.6.1866 Memel, +29.3.1957 Schönborn. Begründerin der deutschen Atem-und Stimmforschung,zusammenmit ClaraSchlaffhorst.[12]

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Argelander, Friedrich Wilhelm August, *22.3.1799 Memel, + 17.2.1875 Bonn. Deutscher Astronom. Sohn eines Kaufmanns und Reeders, studierte in Königsberg. 1823 wurde er Observator an der Sternwarte Turku/Finnland. 1828 Professor an der Universität Helsingfor. 1837 Sternwartdirektor in Bonn.[13]

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Bruhn, David, * 30.9.1727 Memel, + 27.4.1782 Berlin. Evang. Theologe, Prediger und Kirchenlieddichter. [14]

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Bublath, Joachim, *12.3.1943 Memel, Physiker und Fernsehmoderator. [15]

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Johann Peter Mählers: Einleitung in die Lieder-Geschichte des jülich und bergischen Gesangbuchs, Mülheim/Rhein 1762:

M. Simon Dach, ein gekrönter Poet, geboren in Memel 1605, den 29. Juli. Wurde anfangs Conrector an der Dom-Schule, hernach Prof. Poesios zu Königsberg in Preußen. Starb 1659, den 15. April. In denen geistlichen Liedern war er unvergleichlich und in denen Uebersetzungen der Psalmen ungemein glücklich.

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Esch, Arno, *6.2.1928 Memel, + 24.7.1951 Moskau. Esch studierte Rechtswissenschaften in Rostock und war Mitglied der Liberal-Demokratischen Partei. 1949 wurde er verhaftet, 1950 in Schwerin u.a. wegen Spionage zum Tode verurteilt und am 24.7.1951 in Moskau hingerichtet. 1990 wurde Esch durch den Obersten Gerichtshof der Sowjetunion rehabilitiert.[16]

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Hobrecht, James Friedrich Ludolf, *31.12.1825 Memel, + 8.9.1902 Berlin. Stadtplaner und Stadtbaurat in Berlin. [17]

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Auszug aus: Hans Wolfgang Quassowski, Die von den Russen 1758-1762 in Ost- und Westpreußen angestellten Beamten, in: Familiengeschichtliche Blätter, 20. Jg., Heft 4, 1922. (Datum jeweils nach dem russischen und gregorianischen Kalender).

Adler, Johann Friedrich, Torkommissar in Königsberg, zum Lizent-Packhausbuchhalter in Memel 11./22.4.1760.

Baehr, August Jakob, Kaufmann in Memel, zum adjung. Litzentbesucher in Pillau, 27.2./9.3.1760. Boehm, Jakob Benjamin, Cand. theol. u. Dozent im Friedrichskollegium, zum Rektor der Latein Stadtschule in Memel, 4./15.9.1760. Galwien, Peter, Fischer, zum Lotsen in Memel, 24.4./5.5.1762. Hoffmann, Johann Heinrich, Akzisebuchhalter in Memel, 12./23.4.1759. Holdschue, Friedrich Ämil, Präzentor in Koadjuthen, zum Präzentor in Ruß, 24.4/5.5.1759,; zum Pfarrer daselbst, 11./22.6.1759. [Ein Sohn Ämilius Holdschue, * Koadjuthen 1764, war zuerst litauischer Präzentor in Memel, wurde 1797 Adjunkt des Pfarrers Veithöfer an der Landkirche in Memel, nach dessen am 8.11.1798 erfolgten Tode sein Nachfolger und + 9.2.1818. Hübner, Christian Ephraim, Präzentor in Memel, zum Pfarrer in Kinten, 14.6.1758, [* Königsberg 29.1.1722, Alststdt. Schule daselbst, Universität Königsberg 27.3.1741. Christian Ephraim Hübner, wohl Sohn des vorherg. 27.1.1792 zum Pfarradjunkt in Kinten ordin., 1821 entlassen. Karr, Balthasar, zum Lizent-Packhausbuchhalter in Memel, 17./28.4.1759. Klein, Peter, Postreiter in Memel, zum Strandreiterin Karkelbeck bei Memel, 8./19.7.1760. [Strandreiter Klein erbaut 1772 eine Windmühle in Nimmersatt. Korsch, Johann, zum Lotsen in Memel, 30.3./10.4.1758. Niencke, Paul, Torkommissar, zum Visitier bei der Lizentkammer in Memel, 4./15.4.1761. Rump, Kaufmann, zum Schiffsbesucher in Memel, Marienwerder, 7./18.3.1758. Schultz, Karl Albrecht, Akzisebuchhalter in Memel, zum Akzisekontrolleur daselbst, 12./23.4.1759. [hatte 1758 das Gütchen Prussischken in Berahmung und zahlte 20 Taler Zins, aber "ist total ausgeplündert und gänzlich ruiniert, auch fast alle Gebäude abgetragen". Veithofer, Martin, Stud., zum litauischen Präzentor in Memel, 23.5.1758 [ein Salzburger, * bei Goldeck 15.4.1730, 1771 Adjunkt des Pfarrers Hassenstein an der Landkirche in Memel, nach dessen am 28.11.1773 erfolgten Tode sein Nachfolger, + 8.11.1798. Zimmermann, Baggermeister, zum Lotsen in Memel, 30.3./10.4.1758.

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Krohn, Paul Günter, * Memel 26.3.1929, literaturwissenschaftlicher Publizist in der DDR, Herausgeber, Lyriker, Ressortleiter im Kollektiv für Literaturgeschichte des Verlages Volk und Wissen, Sohn eines Beamten und einer Fischerstochter. (Siehe: Meyers Taschenlexikon, Schriftsteller der DDR, Leipzig 1974).

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Kröhl, Julius Hermann, * Memel 1820, + 9.9.1867 auf der Insel San Telmo im Golf von Panama. Ingenieur und U-Boot-Konstrukteur. Kröhl studierte in Berlin Ingenieurwesen und wanderte 1844 in die Vereinigten Staaten aus. 1852 erbaute er die Kuppel des New Yorker Glaspalastes, damals ein technisches Kunstwerk, da es von rundgebogenen Eisenträgern gestützt wurde. Er baute 1865 das erste funktionstüchtige U-Boot der Welt, die Sub Marine Explorer. Nach mehreren Tauchfahrten verstarb er; offiziell an Malaria, vermutlich aber an der damals noch unbekannten Taucherkrankheit. Das verrostete Wrack des U-Bootes liegt noch heute am Strand in einer Bucht der Insel San Telmo.[18]

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Schlaffhorst, Clara, * 16.10.1863 Memel, + 1945. Entwickelte mit Hedwig Andersen eine Atem-, Sprech- und Stimmtherapie. [19]

Geschichte

Ansicht von Memel um 1630
Umgebung von Memel, südlicher Teil
Stadtplan Memel 1938

Allgemeiner Kurzabriss

Memel wurde 1252 unter den Mauern der Memelburg gegründet und bekam lübisches Recht. Ein Drittel der Stadt gehörte dem Bischof von Kurland, zwei Drittel besaß der livländische Schwertorden. Letzterer übertrug 1326 seinen Anteil dem Deutschen Orden, der 1328 die ganze Stadt erhielt und sie 1404 aufs neue befestigte. In den Kriegen mit den Litauern und Polen im 13.-15.Jahrhundert hatte die Stadt viel zu leiden, brannte wiederholt ab, war eine Zeitlang im Besitz der Schweden und wurde 1757 von den Russen besetzt. 1762 Memel wieder preußisch. Nach der Schlacht bei Jena (1806) weilten zu Anfang 1807 König Friedrich Wilhelm III und Königin Luise hier, und am 28.Januar 1807 schlossen hier Preußen und England Frieden. Am 27.Dezember 1812 wurde Memel infolge der Kapitulation zwischen Trabenfeld und Paulucci von den Russen besetzt. Memel erhielt erst 1875 Eisenbahnverbindung. Memel ist Geburtsort des Dichters Simon Dach (1605).

[20]


  • 1757.1.-6. Juli. Memel wird von 10.000 Russen belagert, 110 Häuser werden zerschossen.
  • 1802.10.. Juni. Memel. Das preußische Königspaar trifft sich mit Kaiser Alexander I. von Rußland.
  • 1807.8. Jan.-15 Jan. 1808.. Memel. König Friedrich Wilhelm III und Königin Luise in Memel.
  • 1807. Febr. König Friedrich Wilhelm von Preußen flüchtet mit seiner Familie nach Memel.
  • 1807.10.Juli. Reichsfreiherr Karl von und zum Stein übernimmt in Memel als leitender Minister der preußischen Regierung sein schwieriges Amt.
  • 1807.9. Oktober. Die preußische Regierung in Memel beseitigt durch ein Edikt diesmal wirklich und endgültig die Leibeigenschaft der Bauern. Nach dem 11. November 1810 gibt es in Preußen nur noch freie Leute.
  • 1812.27. Dez. Memel. Die Russen rücken in die Stadt ein und werden als Befreier gefeiert.
  • 1812.30. Dez. Der preußische General Yorck von Wartenburg, dem Napoleon Truppenteile übertragen hatte, schließt mit dem russischen General Diebitsch in der Mühle von Poscherun, unweit Tauroggen, eine Konvention ab, auf Grund deren das preußische Korps, das ihm unterstand, für neutral erklärt wurde und zwischen Memel und Tilsit unbehelligt Quartier nahm.
  • 1851.23. Mai. "Jeder Zoll, den wir an der Grenze von Memel bis Krakau nachgeben, ruiniert diese ohnehin schon miserabel schwache Grenze und legt die ganze Ostküste bis nach Stettin bloß" (Friedrich Engels an Karl Marx).
  • 1875.12. Febr. Bonn. + Friedr. Wilh. Argelander, Astronom (* Memel 22.3.1799).
  • 1920.10. Febr. die letzten deutschen Truppen verlassen Memel.
  • 1920.16. Febr. Frankreich übernimmt im Namen der Westalliierten die Verwaltung des Memellandes.
  • 1923.10. Jan. Einfall litauischer Freischaren in das von Franzosen als Besatzungsmacht verwaltete Memelland (Annexion des Memellandes).
  • 1923.16. Febr. Die Botschafterkonferenz der Alliierten beschließt, die Gebietshoheit für das Memelgebiet an Litauen zu übertragen.
  • 1932. 6. Febr. Im Memelgebiet kommt es zu einem litauischen Staatsstreich.

Reiseführer 1831

"Memel, die nördlichste Stadt Preussens, wurde schon 1250 angelegt und Klaipeda genannt, sie gehört nach wie vor in vielfacher Hinsicht zu den bedeutendsten Städten der Provinz. Sie liegt am Einfluss der Dange in die Ostsee, und ist nicht mehr befestigt, jetzt grösstentheils wohlgebaut, in die Alt- und Friedrichsstadt getheilt und hat einen guten Hafen, 3 Vorstädte, unter ihnen die vor dem Brückenthore, Crameist genannt, mit der katholischen Kirche, 4 Thore, die schöne Lindenstrasse, 3 evangelische Kirchen, 1 katholische-Kirche, 1 Synagoge, 1 Industrieschule, 1 Stadtschule, 1 Mädchenschule, eine Anstalt für verwahrloste Kinder, ein Hospital usw. Im Ganzen zählt man 27 öffentliche Gebäude, unter ihnen Zeughäuser, die Börse, das Theater usw. und 750 Privat-Wohnhäuser und gegen 10000 Einwohner. Im Jahre 1830 wurden hier 897 Kinder geboren und 1007 Personen starben. Hier ist ein Kreisamt, ein Land- und Stadtgericht, ein Intendanturamt, ein Oberpostamt, ein Hauptzollamt, eine Hafen-Polizei-Commission, ein Lootsen-Commando usw. Wichtig ist der Handel mit Getreide, Hölzern und anderen Waaren, auch unterhält die Stadt einige bedeutende Tuchmanufacturen und verschiedene andere Fabriken und Werkstätten. Ein Musikverein fördert die Kunst und den Geschmack im Gebiet der Töne; mehrere beliebte Vergnügungsörter in der Umgebung, als Tauerlauen, Amalienthal, Mesceiken usw., werden fleissig besucht, während die Lindenstrasse in der Stadt selbst einen angenehmen Spazirgang darbiete. Die Anpflanzung der doppelten Lindenreihe verdankt die Stadt einem aus Holland gekommenen Kaufmann. Sehr merkwürdig ist der Leuchtthurm in seiner jetzigen Beschaffenheit, 13 Lampen, von denen jede 100 Thl. kostet, sind von schönen in Eisen gehaltenen Spiegelgläsern umfasst, und verbreiten ihr wohlthätiges Licht, weit hinaus sichtbar, den Schiffen des vielbefahrenen Binnenmeeres. Die ehemalige Citadelle erbaute Eberhard, Landmeister in Liefland 1250, sie bestand aus 4 Bastionen, von denen die Südbastion den Ausgang aus dem kurischen Haff, die Nordbastion den Seehafen bestrich.

Im Jahre 1830 befanden sich hier folgende Consuln: von Dänemark, Herr Müller; von England, Herr Frederik Chatfield; von Hannover, Hr. Geissler; von den Niederlanden, Herr Hefftmann; von Oldenburg, Herr Föderau; von Portugal, derselbe; von Russland, Herr Pachert; von Schweden, Herr Wiesenhüter (Viceconsul). In der Nähe der Stadt ist das Fischerdorf, die Vitte, bekannt durch seine schönen Neunaugen Gasthöfe: das Hotel de Russie, die Sonne, das deutsche Haus, das weisse Ross, der Lorbeerkranz, der goldene Löwe, der schwarze Adler usw. Wir können nicht umhin, ehe wir diesen Artikel beschliessen, die Besorgniss anzusprechen, dass wegen der Aufnahme des Hafen von Liebau und anderer Verhältnisse Memel verlieren muss an früherer Bedeutung. 1830 liefen ein 696, und gingen ab 694 Schiffe. Banquiers: Arons, Meier, Simson."

[21]

Ab 1939

  • 1939.22. März. Der Ministerrat Litauens stimmt dem Ersuchen Hitlers zu, das Memelland mit seiner deutschen Bevölkerung dem Deutschen Reich zurückzugeben (Artur Axmann: Hitlerjugend, Koblenz 1995). Die erforderlichen Dokumente sind bereits vorher vom litauischen Außenminister Juozas Urbsys und dem deutschen Außenminister Joachim von Ribbentrop unterzeichnet worden.
  • 1939.23. März. Memel. Wiedervereinigung des Memelgebietes mit dem Deutschen Reich. Hitler trifft an Bord des Panzerkreuzers „Deutschland“ in Memel ein und wird von der Bevölkerung mit Beifallsstürmen begrüßt und gefeiert. Hitler macht eine Fahrt durch die Stadt und begibt sich dann wieder auf die Rückreise nach Berlin.
  • 22.März 1939 Memel Marinegarnison. August 1939 Festungskommandantur unter Kapitän z.S. Hermann v. Bredow, der ebenfalls Kommandeur der Marine-Artillerie-Abteilung und Marineflakabteilung 217 war. Flottillenchef Weingaertner (Crew 28). Nachfolger Karl-Friedrich Merten (Sohn des ehemaligen Bürgermeisters in Elbing). Adjutant von beiden Oberleutnant z.S. Zimmermann. Nachfolgekommandant Albert Lauzemis aus Tilsit, der im März mit der U-68 mit der ganzen Besatzung im Mittelatlantik blieb.
  • Anfang 1939 war Memel schon "judenfrei".
  • Festungskommandant Kapitän z.S. Emil „Milo“ Ruhfus. "...ritt gerne, segelte gerne und pflegte sein Zuneigung zum weiblichen Geschlecht. Auch an ganz normalen Wochentage stach er mit der dem Standort gehörenden Segelyacht am Nachmittag in See. Er blieb dann in der Flaute meist nicht fern der Ansteuerungstonne am Spätnachmittag hängen und hatte deswegen das weiße Chefboot des Standortes an den Molenkopf befohlen, um das Bott einschleppen zu lassen. Beim Einschleppen begegnete dieser etwas auffällige Schleppzug mit nackten jungen Mädchen an Deck dann oft meinen zum Nachtschießen auslaufenden U-Booten und Fangbooten, die zwar die Mädchen und jungen Frauen gerne sahen und beobachteten, aber natürlich auch Vergleiche zu ihrer dienstlichen Beanspruchung stellten.“(S.515). Auf Mertens Veranlassung wurde Ruhfus nach Albanien versetzt und durch Kapitän z.S. Otto Loycke ersetzt. Ruhfus wurde von Tito-Partisanen ermordet. Sommer 1943 wurde Loycke durch Kapitän z.S.d.R. Götze abgelöst, der auf seinem Gefechtstand auf Gut Götzhöfen residierte. Er wurde nach dem Hitlerattentat durch Kapitän z.S. Johannes Möller abgelöst.
  • Die Festung unterhielt eine Fahrbereitschaft und stellte die „Krümperwagen“, die alle namhaften Gäste von der Bahn abholte oder zum Zug brachte. Sie war auch Erholungsstation für die Frontpferde.
  • Marineflakabteilung: Korvettenkapitän d.R. Ruthenberg
  • Hafenkommandant: Meinert
  • Schießlehrer der Kommandantenlehrgänge: Kapitänleutnant Collmann und Oberleutnant z.S. Gerhard Remus
  • Personalfachmann: Oberleutnant z.S.d.R. Gustav Lange, U-Bootfahrer im 1.Weltkrieg
  • Instandhaltung der Fahrzeuge: Flottillen-Ingenieur, Kapitänleutnant (Ing.) Schmidt
  • Flotillenarzt: Dr. Werlhoff
  • Marinepfarrer: Schmidt aus dem Saarland
  • Chef des Stabes: Korvettenkapitän Walter Zander, ab September 1943 Korvettenkapitän Franzius, danach Kapitänleutnant d.R. Kohlmorgen (ehemaliger Handelsschiffsoffizier).
  • Schießlehrer auf den U-Booten: Kapitänleutnant d.R. Busetti v. Moltini, Besitzer einer kleinen chemischen Fabrik, ehemaliger k.u.k. Seeoffizier, 60 Jahre alt; Kapitänleutnant Hänig, ehemaliger Obersteuermann und Kommandant auf einem Schul- und Versuchsboot, später ersetzt durch Kapitänleutnant Heinz Walkerling
  • Zeitweise zugeteilt: Ortungsschule 4 mit Sonargeräten ausgestattete Fischdampfer
  • Zugeteilte Handelsschiffoffiziere: u.a. Kapitän Bundesen von der MS Oranjefontein
  • Keine Heeresdiensstellen in Memel, jedoch ein Heeresadjutant beim Festungskommandanten
  • Flottille-Wappen: geschaffen auf Verlassung von Kommandant Merten nach dem Entwurf eines Funkgefreiten.: Hakenkreuz unter Türmen und Tor der Stadt Memel, geschnitzt von einem ortsansässigen Holzschnitzer in Großausführung, an einem Junitag 1943 in einer Feierstunde an der Eingangspforte des Flottillengeländes angebracht. Die Flottille nannt sich nun „24. U-Flottille Memel“. Oberbürgermeister Brindlinger ließ eine aus Birke geschnittene Plastik eines springenden Delphins mit einer herzlichen Widmung für die Flottille anfertigen. Diese fand später auf der MS Daressalam, später auf der MS Oranjefontein einen Platz in der Messe, ist aber in den Kriegswiiren verloren gegangen.
  • Kampfkommandant: General der Infanterie Gollnick, Eichenlaubträger, hatte sich im Oktober 1944 mit seiner Befehlsstelle im Keller des Lituckis-Speichers eingerichtet
  • Oberbürgermeister: Dr. jur. Wilhelm Brindlinger (Jurist aus Heydekrug)
  • Stadtdirektor: Gerber
  • "Die Schul-U-Boote liefen jeden Werktag um 7 Uhr morgens mit den Zielschiffen und Fangbooten in die Schießquadrate eben südlich der Memelmündung entlang an der Kurischen Nehrung aus, und hatten meist bis zum Nachmittag gegen 15 Uhr ihr Tagespensum erreicht. Dann kamen sie in den Hafen, gingen sofort längsseits der auf dem Strom liegenden Klarmachschiffe und übernahmen die Torpedos für das Nachtschießen, während die Fangboote die wieder aufgefischten Torpedos an der anderen Seite längsseits der Klarmachschiffe zur Wiederklarmachung abgaben. Mit der Dämmerung lief dann der ganze Schießverband wieder aus und kehrte nach Erledigung des Nachtschießens gegen Mitternacht bis 1 Uhr morgens wieder zurück, so daß nach dem Torpedowechsel und Verholen die Nachtruhe recht spät einsetzen konnte. An den Sonnabenden wurde nicht geschossen." (S. 506f)
  • In Schmelz befand sich ein Riesenlager (8.000 Tonnen) des Marinearsenals Kiel, das für alle dampfgetriebenen Fahrzeuge der Kriegsmarine Präszisions-Kesselrohre lagerte, wovon die Kommandantur nichts wusste und erst bei der Evakuierung im August 1944 erfuhr. Da zu dieser Zeit das Memelland evakuiert war, hatte man keine Arbeiter mehr diese Schätze zu retten. „Aber woher die Menschen nehmen, um die Rohre zu verladen? Da gab es ein Stalag bei Heydekrug, wie man mir erzählte. … Wir benötigten täglich bis auf weiteres 200 Mann zum Verladen und bekamen sie sogar pünktlich am nächsten Morgen gestellt, mit zwei uralten Landsern als Bewachung. … Wir bekamen genügend Waggons gestellt, nur konnte sie die Reichsbahn nicht nach dem Westen abnehmen, so daß wir zusätzlich an Schiffsverladung denken mußten." (S. 540)

[22]

Evakuierung ab Juli 1944

  • „Erich-Koch-Wall“: Alle entbehrlichen Menschen, die noch einen Spaten halten konnte, wurden aufgerufen, sich freiwillig zum Schanzen zu melden (Gräben für die Soldaten ausheben). Der Frontverlauf im Juli 1944 war nicht mehr auszumachen, kaum reguläre Soldaten, nur die Hitlerjungen schanzten an der Minge (Fluss) 4 km von der Frontlinie entfernt ohne militärische Bedeckung. 6000 Königsberger Hitlerjungen wurden am 29.Juli 1944 daher mit den Transportschiffen MS Weilheim und MS Messina aus dem Memelland evakuiert. Versprengte Soldatentrupps tauchten immer öfter in der Stadt auf, meist betrunken und in Frauenbegleitung. In den letzten Julitagen 1944 erschienen auch ganze Einheiten mit Waffen.
  • Memel galt als der „Luftschutzkeller des Reiches“, weshalb dort unglaubliche Mengen an Vorräten gelagert wurden.
  • Das Kühlhaus war bis an den Rand voll mit Butter, Speck und Fleisch. Um es für ganz Deutschland zu retten braucht es zwei Kühlschiffe: die MS Goya und die MS Angelburg, die je zwei Reisen machen mussten. Das Zuviel an Waren wurde auch mit der Reichsbahn abtransporteiert. Es gab scharfe Bestimmungen gegen Plünderungen, da jedoch keine Menschen mehr da waren, die hätten plündern können, gab es jetzt für die Zurückgebliebenen alles im Überfluss, vor allem Fleisch von den Höfen und Brot einer in Betrieb belassenen Bäckerei.
  • Die Personen-Evakuierung der Stadtbevölkerung lief über das Haff mit der MS Kurisches Haff, teilweise auch mit den beiden Kühlschiffen. Die Landbevölkerung verließ das Memelland Mitte August mit Trecks. Zurück blieben 3000 Zivilisten, die jedoch Fahrscheine für die 24. U- Flottille unter der Führung von Walter Griese ausgehändigt bekamen. Die Schulen hatten bereits Sommerferien.
  • Nach lang anhaltender trügerischer Ruhe, sickerte die Landbevölkerung wieder zurück um die Ernte einzubringen. Nachdem reguläres Militär geschickt worden war, fühlte sich die Landbevölkerung sicherer und war bald nahezu vollständig wieder zurück. Die Stadtbevölkerung hatte sich dagegen nur Eigentum aus Memel geholt und blieb weg. Ein russischer Bombenangriff hinterließ keine nennenswerte Schäden und traf vor allem die Nehrung.
  • Im September 1944 sollte der Kreisbauernführer die Landbevölkerung zum Trecken auffordern. Der sträubte sich jedoch, so dass diese einen Tag zu spät auf die Flucht ging, an den Brücken der Ruß (Fluss) und der Memel (Fluss) wurden sie vor Tilsit abgeschnitten und „fürchterlich zugerichtet".
  • In der Nacht zum 1. Oktober ging die Artillereikannonade los. Marineangehörige schickten ihre Familien mit der MS Heinz Horn weg. Kommandant Merten blieb mit Lüders auf dem Torpedofangboot TF-9 allein im Memeler Hafen zurück. Der Tag war unheimlich ruhig gewesen, nach Einbruch der Dunkelheit stand der gesamt östliche Himmel von Norden bis Süden in leuchtend roten Flammen.
  • 9. Oktober 1944: MS Großdeutschland läuft ein
  • 11. Oktober 1944: Der Russen-Angriff auf die Stadt begann am frühen Morgen und tobte fast zwei Stunden von Norden, Süden und Osten. Man verlud danach alles auf die MS Messina. Um Mitternacht begann die Beschießung von Staft und Hafen erneut. Ab nun war die Stadt praktisch "deutschenfrei".


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Hafen


Straßen

Stadtplan von Memel von 1923

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| category = Straße in Memel 
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Adressbücher

Schulen

Eine Darstellung der Schulen in Memel finden Sie auf einer eigenen Seite.

Handel und Gewerbe

Bankbetriebe

Bank der Ostpr. Landschaft
Credit- und Spar-Verein
Deutsche Bank A.-G.
Dresdner Bank
Kreissparkasse
Landesbank der Provinz Ostpreußen
Raiffeisenbank
Sparkasse der Stadt Memel
Volksbank Memel

Bibliographie

Genealogische Bibliographie

  • BLODE, Kurt u. Walter (Bearbeiter): Geschichte des Luisen-Gymnasiums Memel, 1978. (96 S. + Anhang. Mit Lehrer- und Schülerlisten)
  • JAHN/SCHREIBER (Herausgeber): Die Selbstverwaltung der Kaufmannschaft in Memel: Von ihren Anfängen bis zur Gegenwart, Memel 1929. (144 S. / Nachdruck vom VFFOW, Hamburg 1970; Mit Namenslisten der Mitglieder)

Historische Bibliographie

  • SEMBRITZKI, Johannes: Geschichte der Königlich Preussischen See- und Handelsstadt Memel, Memel 1926². (381 S.)


Verschiedenes

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Ännchen-von-Tharau-Denkmal vor dem Stadttheater von Memel 2008. Mit Simon-Dach-Gedenkmedaille

Dichtung

Simon Dach, dem lange auch das Gedicht Ännchen von Tharau zugeschrieben wurde, besingt 1655 seine Vaterstadt Memel:


Seht, diesen Weg bin oftmals ich
Das Schloß hinauf gegangen,
Woselbst mein frommer Vater mich
Mit aller Lieb' empfangen.


Mich auf dem Wall umhergeführt,
Dort, sprach er, schau doch, Lieber,
Ward vormals keine See gespürt,
Der Sandberg ging vorüber.


Jetzt kannst du sie und Segel sehn
In ihren Wellen fahren;
Dies ist bei meiner Zeit geschehn
Nur inner 30 Jahren. —


Und so ist aller Ding ein Ziel.
Hier, hätt' ich dann gesprochen,
Ward jährlich um das Fastnachtsspiel
Geritten und gestochen.


Viel Gärten sind zu jener Zeit
Hier, dünket mich, gewesen;
Mars hat dies alles für den Streit
Sich nun zum Wall erlesen.


Wie dort auch, wo die Pfarrgebäu
Und Schule damals stunden;
Jetzt, seht ihr, wird nur Wüstenei
Und Erde da gefunden.


Die Meinen wohnten letztlich dort,
Wie hat es sich verkehret.
Das Feuer, seh' ich, hat den Ort
Bis auf den Grund verzehret.


G'nug, wo mein Reim das Glück nur hat
Und wird nach mir gelesen,
Daß dennoch meine Vaterstadt
Mein Memel ist gewesen.



Karten

Memel auf der Schroetterkarte (1796-1802) 1:50 000. Siehe südlich der Fähre und der Zitadelle noch den Rest der Alten Dange.
© Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz.
Memel im Preußischen Urmesstischblatt 1834
© Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
Memel im Preußischen Urmesstischblatt 1860
© Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz



Internetlinks

Offizielle Internetseiten

Quellen

  1. Dietrich Lange: Geographisches Ortsregister Ostpreußen einschließlich des Memelgebietes, des Soldauer Gebietes und des Reg.-Bez. Westpreußen (1919-1939)
  2. Sembritzki, Johannes: Geschichte des Kreises Memel, Memel 1918
  3. Meyer Großes Konversation-Lexikon 1906, Bd.13., S.585-586.
  4. Bojate, A., Pizova, F: Latviešu-Franču Vārdnīca, Riga 1970
  5. Kurschat, Alexander: Litauisch-Deutsches Wörterbuch, Vandenhoeck & Ruprecht, 1968
  6. Kwauka, Paul, Pietsch, Richard: Kurisches Wörterbuch, Verlag Ulrich Camen Berlin, 1977
  7. Matulaitis, K.A.: Die Schalauer des Altertums, Tauto praeitis II, 2, 1965, in Tolkemita Texte 52, Dieburg 1997
  8. Prußischer Wortschatz, Privatsammlung Szillis-Kappelhoff
  9. Peteraitis, Vilius: Mažosios Lietuvos ir Tvankstos Vietovardžiai, Ju kilme ir reikšme, Vilnius 1997, S. 188ff
  10. Kurschat, Heinrich A.: Das Buch vom Memelland, Siebert Oldenburg 1968
  11. Heling, Reinhold: Die evangelischen Kirchengemeinden in Ostpreußen und Westpreußen in den Pfarr-Almanachen von 1912 und 1913. Sonderschrift des Vereins für Familienforschung in Ost- und Westpreußen e.V., Nr. 59, Hamburg 2000, [darin: Diözese Memel, Kreis Memel, Seite 24-26]
  12. http://de.wikipedia.org/wiki/Hedwig_Andersen
  13. http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Wilhelm_August_Argelander
  14. http://de.wikipedia.org/wiki/David_Bruhn
  15. http://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_Bublath
  16. http://de.wikipedia.org/wiki/Arno_Esch
  17. http://de.wikipedia.org/wiki/James_Hobrecht
  18. http://de.wikipedia.org/wiki/Julius_Kröhl
  19. http://de.wikipedia.org/wiki/Clara_Schlaffhorst
  20. Meyer Großes Konversation-Lexikon 1906, Bd.13., S.586
  21. Zedlitz-Neukirch, Leopld v.: Wegweiser durch den Preussischen Staat in die angrenzenden Länder und die Hauptstädte Europa´s, Duncker und Humblot 1831, S. 368f
  22. Merten, Karl-Friedrich: Nach Kompaß, Die Erinnerungen des Kommandanten von U-68, Ullstein 2006, S. 503ff Kapitel „Memel“ (Zitate in Kursivschrift)
  23. Merten, Karl-Friedrich: Nach Kompaß, Die Erinnerungen des Kommandanten von U-68, Ullstein 2006, S. 503ff Kapitel „Memel“ (Zitate in Kursivschrift)


Zufallsfunde

Oft werden in Kirchenbüchern oder anderen Archivalien eines Ortes Personen gefunden, die nicht aus diesem Ort stammen. Diese Funde nennt man Zufallsfunde. Solche Funde sind für andere Familienforscher häufig die einzige Möglichkeit, über tote Punkte in der Forschung hinweg zu kommen. Auf der folgenden Seite können Sie Zufallsfunde zu diesem Ort eintragen oder finden.

Daten aus dem genealogischen Ortsverzeichnis

GOV-Kennung KLAEDAKO05NR
Name
  • Memel Quelle (${p.language})
  • Klaipėda
Typ
  • Stadt (Siedlung)
Postleitzahl
  • LT-5800 (2004)
w-Nummer
  • 66111
externe Kennung
  • geonames:598098
Webseite
Karte
   

TK25: 0292

Zugehörigkeit
Übergeordnete Objekte

Memel, Klaipėdos miestas, Klaipėdos miesto savivaldybė ( StadtStadtkreisStadtStadtgemeinde) Quelle

Memel, Memel (Hlste. Dreifaltigkeit), Klaipėda (1907) ( Pfarrei) Quelle S.152/153

Memel/St. Johannis, Memel Stadt (1907) ( Kirchspiel) Quelle S.152/153

Memel/Jakobus (1907) ( Kirchspiel) Quelle S.152/153

Untergeordnete Objekte
Name Typ GOV-Kennung Zeitraum
Ref. Memel
         Kirche
object_164526
Memel/Jakobus
         Kirche
object_169352
St. Johannis, Memel/St. Johannis
         Kirche
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Memel, Memel Land
         Kirche
object_169354
Hlste. Dreifaltigkeit
         Kirche
object_292809