Benutzer:Janik/Meine Spielwiese

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Johann Heinrich Joseph Niesert, (* 27. November 1766 Münster; + 14. Juni 1841 Velen) war ein deutscher katholischer Pfarrer, Heimatforscher, Numismatiker und Büchersammler

Leben

Pfarrer zu Velen, Vikar zu St. Aegidus zu Münster, Mitglied der Gesellschaft Pro excolendo jure patrio zu Groningen, Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens. Benefizat des aufgehobenen Domstiftes Paderborn,

Er wurde als ältestes Kind des Kupferschmiedes Bernhard Joseph Niesert geboren und, nachdem er seine Examina mit Auszeichnung bestanden hatte, am 20. September 1790 zum Priester geweiht. 1791 trat er eine Stelle als Kaplan in Drensteinfurt an. Am 19. Januar 1796 nahm er die Stelle eines Hofmeisters und Erziehers beim Freiherrn Paul Joseph von Landsberg-Velen auf Velen an. Nach großen persönlichen Schwierigkeiten setzte er sich, als es im Jahre 1804 um die Neubesetzung der Pfarrstelle in Velen ging, durch.

Niesert wird zu jener Zeit von seinem ehemaligen Kaplan Weidlich als herrschsüchtig und rechthaberisch bezeichnet, der ständig „Ärger und Krakel“ mit seiner Gemeinde gehabt habe, aber keinen persönlichen Umgang pflegte. Sehr bald kam es zum Zerwürfnis zwischen der Gemeinde und dem neuen Pfarrer: Niesert hätte ohne Zustimmung der Gemeinde die alten Kirchenglocken zerschlagen lassen und neue bestellt. Die größte der neuen Glocken erhielt eine Umschrift: ... als Joseph Niesert Pastor in Velen war. Die Kosten von 2200 Talern brachte er dadurch auf, dass er den kirchlichen Wald an einen Holzhändler verkaufte. Es kam zum Rechtsstreit zwischen Pfarrer und Gemeinde, der erst nach Jahren beigelegt werden konnte.

Nach Kaplan Weidlich schloss sich Niesert vor seiner Gemeinde durch seinen „Küchendrachen“ ab. So blieb ihm Zeit für seine eigentliche Leidenschaft: dem Sammeln von Büchern, Urkunden, Manuskripten und anderen Altertümern. Aber er bearbeitete das gesammelte Gut wissenschafflich und machte es somit der Öffentlichkeit zugänglich.

Als im Jahre 1829 ein Lehrer namens Marx die Geschichte des Coesfelder Gymnasiums herausgab (9) und in diesem Buch auf einen angeblichen Fehler in Nieserts Veröffentlichung hinweist, fühlte sich dieser in seiner wissenschaftlichen Ehre tief getroffen. Niesert musste anworten, er entwarf zunächst eine Erwiderung „für irgendeine vaterländische Zeitschrift“, verwarf diesen Plan aber und schrieb als Erwiderung und Richtigstellung unser eingangs erwähntes Büchlein nieder. Mit Albert Wilkens, einem 24 Jahre jüngeren Vikar aus Notuln und ebenfalls Geschichtsforscher, geriet Niesert in Streit. Niesert ignorierte zwar Wilkens Arbeiten in der Literaturübersicht der münsterschen Geschichte in der Einleitung seines Münsterländischen Urkundenbuches, Wilkens revanchierte sich dafür, indem er Nieserts Werk in seiner Schrift über die Geschichtsquellen Westfalens ohne Nennung des Verfassers benutzte.

Ein Benefizat des aufgehobenen Domstiftes Paderborn, sein Vikarsrang zu St. Aegidus in Münster, war für ihn sehr wichtig, ebenso seine Mitgliedschaften in der Gesellschaft Pro excolendo jure patrio zu Groningen und besonders in der Gesellschaft für Geschichte und Atertumskunde Westfalens. Auch archäologische Fragen gehörten zu seinen Interessen.

Am 20. Mai 1841 richtete Joseph Niesert sein Testament auf. In diesem vermachte Niesert sämtliche von ihm kopierten Urkunden über die Herrschaft Gemen und Raesfeld dem Grafen Landsberg. Von seinem literarischen Kunstnachlass sollte ein vollständiger und instruktiver Katalog gedruckt und durch einen vereidigten Auktionator versteigert werden. Neben einer Armenstiftung zugunsten weiblichen Personen die „durch Verführung unglücklich geworden“ von 3000 Talern kam ein gewisser Michael 38 Taler. Auch drei Dienstmädchen und der Kuhhirt wurden bedacht. Als Testamentsexekutoren bestimmte Niesert Vikar Brüggemann aus Werne und den Sekretär der Landsbergschen Verwaltung, Geißler. Nach dem Tode Niesert beauftragten die Nachlassverwalter den Rektor der Borkener Rektoratschule, Joseph Starking, mit der Erstellung des Kataloges. Die Ablieferung des Manuskriptes sollte am 1. Januar 1842 stattfinden. Aber erst fünf Monate später konnte Joseph Starking seiner Arbeit beenden.

Joseph Niesert hinterließ laut Katalog: 16.366 Bände Bücher; 322 Handschriften; 600 Urkunden und Urkundenkonvolute; 8.432 Münzen, davon viele in Gold und Silber, davon 43 Silbermünzen aus der Zeit Kaiser Antonius Pius‘ (138—161), 400 Holzschnitte; 800 Kupferstiche; 32 römische und germanische Heiligtümer, 450 Siegel, 1261 Siegelabgüsse; 450 Abgüsse vom gelehrten Siegel; 500 unsortierte Siegelabgüsse; 5.000 Wappen; 2.300 Abgüsse von antiken Gemmen; zwei Schränke mit einer Muschelsammlung; zwei Schränke mit einer Mineraliensammlung sowie ein Herbarium.

Von seiner Büchersammlung stehen heute etwa 50 Inkunabeln in der Bodleian Library in Oxford [1] in der British Library London [2] und der Royal Library Albert I Brüssel [3], in einer weiteren Bibliothek in Brüssel [4], weitere befinden sich in der Universitätsbibliothek Münster (28 aus der "Bibliotheca Paulina" und weitere aus der Collectio Erhard). Bücher aus seiner Sammlung tauchen noch heute auf dem Kunstmarkt auf.

Mit dieser ungeheuren Bibliothek und seinen Sammlungen konnte Niesert bei seinen wissenschaftlichen Arbeiten natürlich aus dem vollen schöpfen. Er veröffentlichte während seines Lebens eine große Anzahl von Aufsätzen und schrieb über dreißig Bücher. Es verwundert nicht, dass der Büchersammler sich auch mit der Geschichte des Buchdrucks beschäftigte. Aus seiner Münzsammlung entstanden seine "Beiträge zur Münzkunde des ehemaligen Hochstifts Münster von der ältesten Zeit bis zur Verweltlichung desselben", Coesfeld 1838. Auf den ersten Seiten des Buches listet er alle die Bücher zur Münzkunde auf, die sich zum Zeitpunkt der Drucklegung in seinen Besitz befanden. Zu seinen bekanntesten Veröffentlichungen gehören die „Beiträge zu einem münsterischen Urkundenbuch".

Werke

Mit seiner großartigen Bibliothek und seinen Sammlungen konnte er bei seinen wissenschaftlichen Arbeiten natürlich aus dem vollen schöpfen. Er veröffentlichte während seines Lebens eine große Anzahl von Aufsätzen und schrieb über dreißig Bücher. Es verwundert nicht, dass der Büchersammler sich auch mit der Geschichte des Buchdrucks beschäftigte. Aus seiner Münzsammlung entstanden seine "Beiträge zur Münzkunde des ehemaligen Hochstifts Münster von der ältesten Zeit bis zur Verweltlichung desselben", Coesfeld 1838. Auf den ersten Seiten des Buches listet er alle die Bücher zur Münzkunde auf, die sich zum Zeitpunkt der Drucklegung in seinen Besitz befanden.

  • Robert Simson: Mathias Reder (Übers.), J. H. Joseph Niesert (hrsg.): Die sechs ersten Bücher, nebst dem eilften und zwölften der Elemente des Euclids. Mit Verbesserung der Fehler, wodurch Theon und Andere diese Bücher entstellt haben und den Elementen der ebenen und sphärischen Trigonometrie, Band 2. Kritische Anmerkungen und Zusätze, sowohl über die Abweichungen dieser Auflage vom griechischen Texte und deren Ursachen, als auch über einige besondere Elemente der ebenen und sphärischen Trigonometrie, 1806
  • Selectae quaedam propositiones geometricae methodo analytica veterun solutae, 1812
  • Das Recht des Hofes zu Loen: ein verbesserter Abdruck aus einer authentischen Abschrift mit erklärenden Anmerkungen und einer Einleitung über die hofhörigen Verhältnisse ; ein Beitrag zur Geschichte des westfälischen Bauernhofes, 1818
  • Beiträge zu einem Münsterischen Urkundenbuche aus vaterländischen Archiven, Abt. 1, Münster 1823[5]
  • Beiträge zu einem Münsterischen Urkundenbuche aus vaterländischen Archiven, Abt. 2, Münster 1823[6]
  • Münsterische Urkundensammlung, Band 1: Urkunden zur Geschichte der Münsterischen Wiedertaufer, Coesfeld 1826[7]
  • Münsterische Urkundensammlung, Band 2: Coesfeld 1827[8]
  • Münsterische Urkundensammlung, Band 3: Urkunden über Städtegründung, Stadtrechte, das Gildewesen und die Hanse: Mit einem Siegelabdruck, Coesfeld 1829
  • Münsterische Urkundensammlung, Band 4: 1. Urkunden über Synodal und Archidiakonal-Gegenstände. 2. über mehrere Stifte aus dem XII. Jahrh. 3. über Vogteien mehrerer Stifte. 4. über die Vogtei des Stiftes Borchost. 5. über die Vogtei des Stiftes Breden, Coesfeld 1832[9]
  • Münsterische Urkundensammlung, Band 6: Coesfeld 1835[10]
  • Münsterische Urkundensammlung, Band 7: Coesfeld 1837[11]
  • Beiträge zur Münzkunde des ehemaligen Hochstifts Münster: von der ältesten Zeit bis zur Verweltlichung desselben : mit historischen und kritischen Bemerkungen, Band 1: Coesfeld 1838 [12]
  • Nachträge, Ergänzungen und Berichtigungen zu der ersten Abtheilung der Beiträge zur Münzkunde des ehemaligen Hochstifts Münster, 1840
  • Beiträge zur Münzkunde des ehemaligen Hochstifts Münster von der ältesten Zeit bis zur Verweltlichung desselben … mit historischen und kritischen Bemerkungen. 2. und letzte Abth., 1841
  • Codex diplomaticus Steinfordiensis oder Urkundensammlung zur Geschichte der Herrschaft Steinford, Band 1, Coesfeld 1834, [13]
  • Codex diplomaticus Steinfordiensis oder Urkundensammlung zur Geschichte der Herrschaft Steinford, Band 2, Coesfeld 1835, [14]
  • Beiträge zur Buchdruckergeschichte Münsters: oder Verzeichniß der vom Jahr 1486 bis 1700 zu Münster gedruckten Bücher, 1828
  • Beiträge zur Buchdruckergeschichte Münsters: Fortgesezte Beiträge zur einer Buchdruckergeschichte Münsters, 1834
  • Literärische Nachricht über die erste zu Köln gedruckte niederdeutsche Bibel, Coesfeld 1825, [15]
  • Beweis der Originalität der von Mentelin vor 1466 gedruckten Schrift des H. Augustinus De arte praedicundi, 1825
  • Merkwürdiger Hexen-Process gegen den Kaufmann G. Köbbing zu Coesfeld im Jahre 1632 geführt, Vollständig aus den Original-Acten mitgetheilt und mit einer Vorrede', 1827
  • Über die Gründung des Cistercienser Nonnen-Klosters Marienborn und Verlegung desselben nach Coesfeld: eine historische Untersuchung Coesfeld 1830
  • Nachträge, Ergänzungen und Berichtigugen zu der Ersten Abth. der Beiträge zur Münzkunde des ehemaligen Hochstifts Münster etc., 1840
  • Catalogus ... bibliothecae pastoris Niesert ... quae ... vendetur, 1842 (Exempl. Uni Oxford)

Literatur

Kubisch, Emil: Pfarrer Joseph Niesert in Velen/ein münsterländisches Gelehrtenleben der Spätromantik. In: Westfälische Zeitschrift Nr. 117, S. 3—48.


Normdaten (?):


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