Plaschken: Unterschied zwischen den Versionen
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Version vom 17. Oktober 2011, 14:47 Uhr
Hierarchie
Regional > Litauen > Plaschken Regional > Historisches Territorium > Deutschland 1871-1918 > Königreich Preußen > Ostpreußen > Kreis Tilsit > Plaschken
Einleitung
Plaschken, bis 1835 Kreis Niederung, (1836-1920) Kreis Tilsit, Ostpreußen; (1920-1939) Kreis Pogegen; (1939-1945) Kreis Heydekrug
- Weitere Informationen siehe unten in den Daten aus dem genealogischen Ortsverzeichnis
Name
Lit. Name (ab 1923): Plaškiai.[1]
Namensdeutung
Der Name weist auf Fischerei.
- preußisch-litauisch „plaškinis“ = eine bestimmte Art Fischernetz
Allgemeine Information
- 1818 Kirchdorf, 33 Feuerstellen, 247 Seelen[2]
Politische Einteilung
1818: Plaschken incl. Karalischken, Domaine Winge, Kreis Niederung[3]
Nach 1818 kommt Müllerischken zu Plaschken.[4]
1.1.1836: Das Kirchspiel Plaschken kommt vom Kreis Niederung an den Kreis Tilsit[5]
1.5.1939: Name der neuen Gemeinde: Plaschken; Die neue Gemeinde ist gebildet worden aus den bisherigen Gemeinden: Plaschken, Leitwarren, Schunellen, Warrischken, Deutsch Pillwarren und dem Gut Pillwarren. [6]
1.10.1939: Plaschken kommt zum Kreis Heydekrug. [7]
Kirchliche Einteilung/Zugehörigkeit
Evangelische Kirche
Plaschken ist seit 1695 Kirchspiel.
Zugehörige Ortschaften
Zum Kirchspiel Plaschken gehörten 1818 folgende Ortschaften (damals lag das Kirchspiel im Kreis Niederung):
Plaschken incl. Karalischken, Kutzen, Deutsch Pillwarren, Brantischken, Pillwarren, Litthauisch Pillwarren, Leutwarren, Warrischken, Alt-Kartzewischken, Pageldienen, Schunnehlen, Müllerischken, Groß Bersteningken, Klein Bersteningken, Pleine, Papleine, Neu-Kartzewischken, Torfgenung, Grandeningken, Galsdun Jonaten (Jonaten), Jurge Szubien (Jebeszen), Schauditten, Uszpelken, Kubsteningken, Bruchhöfen, Heydeberg, Juszka Spötzen (Spötzen), Neu-Szemkehmen, Alt-Szemkehmen, Juszka Budwethen (Strillen), John Kugeleit (Kugehlen), Jacob Titzkus (Weidszenten), Schillgallen, Grünheide, Stonischken, Schillgallen (adelig)[8]
Zum Kirchspiel Plaschken gehörten 1912 folgende Ortschaften (Kreis Tilsit:
Alt Karzewischken, Bruchhöfen, Deutsch Pillwarren, Galsdon Joneiten, Groß Bersteningken, Klein Bersteningken, Klein Karzewischken, Kubsteningken, Lasdehnen Anteil, Leitwarren, Mädewald, Ostradirwen, Pakamonen, Pageldienen, Perwalkischken, Pillwarren Gut, Plaschken, Pleikischken, Pleine, Schauditten, Schunellen, Swareitkehmen, Szameitkehmen, Uszpelken, Warrischken, Werszenhof.
Vor 1870 gehörten auch folgende Ortschaften des Kirchspieles Rucken zum Kirchspiel Plaschken:
Grünheide, Kowgirren, Schillgallen.
Kirchenbücher
Die Kirchenbücher von Plaschken sind fast nur noch als Verfilmungen des Reichsippenamtes erhalten, die heute in Leipzig lagern (Sächsisches Staatsarchiv Leipzig). Von den Originalen sind fast alle verschollen, nur die letzten Jahrgänge sind in Berlin erhalten (Evangelisches Zentralarchiv Berlin). Verfilmungen sind auch bei den "Mormonen" vorhanden.
- Taufen 1709-1818, 1857-1875, in Berlin: 1931-1944
- Heiraten 1709-1815, in Berlin: 1935-1944
- Sterbefälle 1709-1815, 1840-1875, in Berlin: 1924-1944
- Konfirmationen in Berlin: 1911-1941 (also Geburtenjahrgänge um 1897-1927)
siehe auch: Ostpreußen/Genealogische Quellen/Kirchbuchbestände Kreis Pogegen
Außerdem gibt es ein Plaschker Taufbuch mit Kirchspielfremden: 1774-1868, in denen u.a. folgende Ortschaften auftauchen: Baltruschkehmen, Jodlauken, Kampinnischken/Campinischken, Klein Moswethen, Kowgirren, Lappiniszken, Lasdehnen, Maszeiten, Nelamischken, Perwalkischken, Raisgen, Rucken, Schanzenkrug, Spingen, Stonischken, Suitkaten, Swareitkehmen, Szameitkehmen.
Der Pastor Gustav Butkewitsch schreibt am 11.10.1960:
Lieber Landsmann Kausch!
...habe ich die Freude und die Ehre Sie zu Ihrem siebzigsten Geburtstag sehr herzlich zu grüßen und Ihnen Gottes reichsten Segen für Ihren Lebensabend zu wünschen!
Gern erinnern wir uns ihres Dienstes als Leiter des Plaschker Posaunenchores! Das Wort Gottes wurde zu allen Zeiten in der Menschheitsgeschichte auf manigfache Weise verkündet und zum Lobe unseres Gottes durften und dürfen wir mit allen technischen Mitteln singen, jubilieren und musizieren. So waren Sie denn auch Prediger des Evangeliums mit Posaunenklang in unserer lieben Plaschker Gemeinde,...
Der Unterzeichnete erinnert sich auch gern Ihres Dienstes in der Gemeinde Plaschken, wo er einige Jahre seine Heimat gefunden hatte als Pflegesohn des unvergessenen Pfarrers Martin Lokies, der schon in der Ewigkeit ist. Ich grüße Sie lieber Landsmann Kausch im Auftrage unseres Herrn Generalsuperintendenten Obereigner mit den Worten: Psalm 150.
Evangelische Kirchengeschichte
- Die Evangelische Kirchengeschichte finden Sie auf einer eigenen Seite.
Bewohner
Friedhöfe
Geschichte
Die erste Verschreibung über eine wüste Hufe war 1639 für Georg Kalau zu kölmischen Rechten gegen 100 Mark Kaufgeld und 10 Mark Zins jährlich. (Nach Kopp: Geschichte des Kreises Tilsit, 1918)
Die Kultivierung des Landes schritt zügig voran, wurde aber durch die ausgebrochene Pest fast zerstört. Von den vor der Pest angesiedelten zwölf Bauern sind von fünf Bauern wenigstens Familienangehörige am Leben geblieben; einige sind vielleicht auch in andere Dörfer gezogen. Drei Bauern sind neu hinzugekommen.
Die Neubesiedelung von Preußisch-Litthauen ist dem Preußenkönig Friedrich Wilhelm I zu verdanken. Er warb in ganz Deutschland und in den Nachbarländern Bauern und Handwerker an, um sie hier anzusiedeln.
Dazu wurden in den Ämtern Kommissionen gebildet, die das Land neu verteilten. Das Ergebnis ist zusammengefasst in der "General-Tabelle von Amtsbauern und Kölmer im nördlichen Ostpreußen um 1736 nach der Repeuplierung des Distrikts Litauens" von Kenkel.
In der Generaltabelle werden Aussagen gemacht "von denen im Litthauischen Department bis ult. Juni 1736 auf Huben angesetzte Salzburger, Schweitzer, Nassauer und anderen Teutschen, wie auch Litthauern, wie viele davon gute oder schlechte Wirte seyen". Der Winger Amtsmann hatte alle Plaschker Wirte als gute Wirte beurteilt.
Die Amtsbauern waren verpflichtet, an 3 bis 4 Tagen in der Woche auf den Domänen zu arbeiten, erst danach konnten sie ihr Land bestellen. Gewiss gab es auf den Dörfern auch Losleute, die sind aber nirgens erfasst.
Fischmeister Grunau übernahm 1739 den sogenannten Fährkrug, die Fähre und eine Hufe Wiesen für 38 Taler Kaufgeld. Bei den Wolfsjagden hatte er Leute zu stellen. Den anderen Krug besaß im selben Jahr Johann Christoph Behrendt. 1832 waren hier die Eheleute Engels. 1749 wohnten in Plaschken vier Ußpelkatis.
Nach Goldbecks Topographie war Plaschken 1785 ein königliches Bauerndorf an der Jäge mit einer Kirche und 32 Haushalten im Amtsbezirk Winge.
Plaschken gliedert sich in ein Ober- und Unterdorf. Letzteres lag an der Jäge und blieb vom Hochwasser nicht verschont. Über der Jäge waren die Lankawiesen, die ihre Fruchtbarkeit von den jährlichen Überschwemmungen erhielten. Um zu ihnen und zu den Wiesendörfern zu kommen, musste eine Wagenfähre benutzt werden. Später wurde diese durch eine Holzbrücke ersetzt. In die Jäge rammte man starke Eichenpfähle und darüber lagen dicke Bohlen. Für jede Überfahrt musste ein Brückengeld entrichtet werden. In der Saison der Heuernte, im Sommer und im Herbst, war das gewiß lohnend. Doch in der übrigen Jahreszeit sicher ein Zusatzgeschäft, musste doch tagsüber ein Kassierer gestellt werden. Darum wurde das Kassieren nach dem 1. Weltkrieg bald eingestellt. Bei Hochwasser mussten die Brückenbohlen abmontiert werden. Kam das Wasser plötzlich über Nacht, wurde die gaze Brücke von den Fluten fortgetragen. Dann setzte eine harte Arbeit ein, sie wieder zurück an Land zu bringen. Es wurden daher anfangs der dreißiger Jahre die Eichenpfähle um einen Meter gekürzt und die Bohlen fest verankert. Jetzt brauchte nur das Geländer abgenommen zu werden.
Von der Landstraße Memel-Tilsit wurde Ende des 19. Jahrhunderts von der Ortsgrenze Groß Bersteningken eine 3 km lange Stichstraße nach Plaschken gebaut. Da die untere Dorfstraße schon bei mäßig hohem Wasserstand unpassierbar wurde, ist sie 1910 so weit erhöht worden, dass sie bei mittlerem Hochwasser noch befahrbar blieb.
Von wirtschaftlicher Bedeutung waren die Märkte. Freitags fand der Wochenmarkt statt. Es wurden Eier, Butter, Geflügel und Ferkel verkauft. Angeboten wurden Fleischwaren, Käse , Brot, Fische und Obst. Man konnte auch Weidenkörbe, Holzharken, Haushaltsgeschirr und weitere Waren für die Landwirtschaft kaufen. Bei Hochwasser war der Marktplatz überflutet, der Wochenmarkt wurde dann zum Anger im oberen Dorfteil verlegt.
Durch Baggerungen war die Jäge bis zur Brücke schiffbar gemacht worden. Es kamen Reisekähne mit Kies, Ziegel, Rohr zum Dachdecken, und natürlich brachten sie auch den Stint hierher. Passagierdampfer wurden für Ausflüge nach Nidden oder Schwarzort gechartert. Viermal im Jahr waren Vieh- und Pferdemärkte und zwar im Februar, Mai, August und November. Die Bauern handelten kräftig, um den Preis zu drücken. War man sich einig, wurde der Kauf mit Handschlag besiegelt und man ging zum Umtrunk in die Gastwirtschaft. Im Mai war ein Kramermarkt angeschlossen. Für die Jugend standen eine Schiffsschaukel und ein Kettenkarusell zur Verfügung.
1909 wurde eine Raiffeisenkasse in Plaschken eingerichtet. Um das Gesundheitswesen bemühten sich Dr. med. Ruth Nagel und dann Dr. med. Karl Meyer. Eine Gemeindeschwester kümmerte sich ebenfalls um Kranke und Alte.
Um die Lankawiesen im oberen Lauf der Jäge zu entwässern wurde 1930 ein 10 m breiter Kanal gegraben. Er nahm das Wasser von Wilke, Kammon und Medszuck auf und endet dort, wo die Jäge einen geraden Lauf bekommt. Kostenaufwand 2 Millionen Litas (1 Litas = 0,24 RM). Von der Brücke, einen Kilometer flußabwärts, stand früher die Bauernbrücke. Sie ist in den dreißiger Jahren abmontiert und durch eine Wagenfähre ersetzt worden.
Bis nach dem 1. Weltkrieg hatte Plaschken ein Postamt, danach war es nur eine Agentur des Postamtes Stonischken. Die Agentur leitete Frau Gawehn, Potzas und dann Frau Wohlgemuth. Die letzten Briefträger waren Richard Woska (im Kriegseinsatz), Fritz Kellweries, Otto Lehnert und Willy Bendig.
Ab 1936 zogen Heinrich Swars und Wilhelm August mit ihrem Wanderkino durch die Orte. Elektrischen Strom erzeugten sie mittels Motor und Dynamo selbst.
Die Gemeinde Plaschken hatte zwei Friedhöfe. Auf dem Friedhof um die Kirche fanden hauptsächlich Verstorbene aus dem unteren Dorfteil ihre letzte Ruhestätte, während die aus dem oberen Dorfteil auf dem Karalischker Friedhof beerdigt wurden; dieser lag in einem Wäldchen am Landweg nach Pageldienen.
Im Oktober 1944 schlug auch für die Plaschker die Abschiedsstunde. Sie wohnen im Restdeutschland weit verstreut.
Plaschken lag von Oktober 1944 bis Januar 1945 im Frontgebiet und wurde mit Granaten beschossen.
Eine Reihe von Häusern wurde beschädigt oder niedergebrannt. Danach wurde das Dorf von den Sowjets völlig verändert, selbst die Felder wurden zu großen Ackerflächen umgewandelt. Die Kirche wurde zum Speicher degradiert. Der stark lädierte Turm hat 1969 seine Spitze verloren, während eines heftigen Sturms ist sie heruntergefallen. Der Kirchhof wurde einplaniert und von Lastwagen befahren.
Anstelle des Winklerschen Hauses wurde ein Achtfamilienhaus erbaut. Auf Jagst und Kleins Grundstücken, die Gebäude waren abgebrannt, kamen Baracken für Arbeiter. Große Viehställe wurden auf Grobers Land gebaut. Zur Streu wurde Sand verwendet, dazu wurde auch der Karalischker Friedhof abgetragen. Eine neue Kiesstraße führt von Stonischken (Geschäft Schlaefert) über Plaschken, 100 m nördlich Swars Hof, entlang des Strohms bis nach Russ. Darauf verkehrten auch Linienbusse. Die Jäge war oberhalb der Brücke bereits so versandet, dass man sie im Sommer fast trockenen Fußes durchwaten konnte.
Die Lankawiesen wurden von Sowchosen gemäht und das Gras zu Silofutter verarbeitet. Plaschken und Pleikischken wurden der Sowchose Stonischken unterstellt, während Pageldienen und Pleine der Sowchose Szameitkehmen angehörten. Die Bewohner fuhren zum Einkaufen nach Pogegen, Tilsit, Tauroggen oder gar nach Memel. Dorthin fuhren täglich Linienomnibusse.
Quelle: Richard Taudien, Memeler Dampfboot Nr.5 - Mai 1985
Plaschken 1960
Plaschken und Pleine - Gegenwart und Erinnerung
Standesamt
Standesamtsregister
Die Standesamtsregister von Plaschken sind verschollen.
Verwaltung
In Preußen trat 1874 eine neue Kommunalverordnung in Kraft. Es wurden Amts-Gemeindevorsteher und Standesbeamte eingesetzt.
Amtsvorsteher
- Bis 1915 (?) Massalski aus Mädewald
- Bis etwa 1921 Zogeiser
- 1922-1938 Hermann Kroll
- 1939-1938 Alfred Schakat
Danach ging dieses Amt auf den Ortrsgruppenleiter in Mädewald über: Daumann - bis zu seinem Eintritt in die Wehrmacht. Sein Stellvertreter war Lehrer Elmenthaler[9] in Szameitkehmen.
Standesbeamte
- Bis 1915 (?) Massalski
- Bis 1924 Emil Reinecker
- 1924-1938 Hermann Kroll
- Danach Alfred Schakat, Stellvertreterin war Olga Kroll
Gemeindevorsteher
Botschatzki, Zimmermann, Georg Koschubs, Michael Swars, Emil Gilde und ab 1939 Max Petereit als Bürgermeister
Polizei
Drei Plaschker Wachtmeister ließen sich erst nach dem 1. Weltkrieg ermitteln.
- 1920-1925 Hans Paulat
- 1925-1935 Szelies
- Bis 1944 Rooeszies
Fotos
Aus dem Jahr 2010
Aus dem Jahr 2011
Verschiedenes
Memeler Dampfboot
- 1933 Nr.2 (Memelgau): 1. Januar [Kirchlicher Jahresbericht]
Im Anschluß an den Neujahrsgottesdienst in der hiesigen Kirche erstattete Superintendent Obereigner den kirchlichen Jahresbericht, aus dem folgendes zu entnehmen ist: Im Kirchspiel Plaschken fanden im vergangenen Jahr 56 Taufen (74), 23 Trauungen (29), 48 Beerdigungen (53) und 36 Konfirmationen (40) statt. An Kollekten gingen 1307,60 Lit ein, an Gaben 1397,40 Lit und an Hauskollekten 383,35 Lit. Am Heiligen Abendmahl nahmen 1190 Personen teil (1193). Krankenberichte waren im vergangenen Jahr 48 (66). Die Zahlen in Klammern beziehen sich auf das Vorjahr. Am 22.Januar um 11 Uhr vormittags findet im Anschluß an den deutschen Gottesdienst in der hiesigen Kirche die kirchliche Jahresversammlung statt.
- 1933 Nr.6 (Memelgau): 5. Januar [Verschwundene Kähne]
Im Herbst vorigen Jahres verschwand dem Besitzer Schakat aus Schunellen ein Kahn, desgleichen dem Besitzer Auschra aus Bersteningken. Alles Suchen nach den verschwundenen Fahrzeugen verlief ergebnislos. Man nahm ganz richtig an, daß Schmuggler die Kähne für ihr dunkles Gewerbe „requiriert“ hätten. Die Vermutung hat sich nun bezüglich des Kahnes des Besitzers Sch. bestätigt, denn er erhielt sein Eigentum vom Zollamt Ruß zurück, wo es von Grenzbeamten Schmugglern abgenommen worden war. Der zweite Kahn dürfte sich in absehbarer Zeit auf ähnliche Weise wiederfinden.
- 1933 Nr.15 (Memelgau): Rowdies in Plaschken
In einer der letzten Nächte haben anscheinend jugendliche Rowdies in Plaschken gehaust. Bei dem Mehlhändler Grabautzki hatten sie ein Ladenschild herabgerissen, im Eis ein Loch gehackt und das Ladenschild versenkt. Dann schleppten sie den Kahn des Kaufmanns Jakubeit vom Land aufs Eis und stellten ihn über das im Eise gehackte Loch. Hoffentlich gelingt es, die Übeltäter zu ermitteln, damit ihnen die Lust zu ähnlichen „Scherzen“ durch eine exemplarische Straße „versalzen“ wird.
- 1933 Nr.42 (Memelgau): 16. Februar [Vieh- und Pferdemarkt]
Am Mittwoch fand hier ein Vieh- und Pferdemarkt statt. Für hochtragende Kühe wurden 200 – 280 Lit und für ältere Kühe 100 – 120 Lit gezahlt. Sterken kosteten 80 – 150 Lit das Stück. Arbeitspferde sollten 200 – 300 Lit bringen, ältere Tiere wurden schon für 40 bis 80 Lit verkauft.
- 1933 Nr.43 (Memelgau): 18. Februar [Beschlagnahmte Schmuggelware]
An einem der letzten Abende bemerkten Grenzbeamte zwei Männer mit einem Handschlitten über die Memel von deutscher Seite kommend. Als sie das memelländische Ufer erreicht hatten, wurden sie von den Beamten gestellt. Auf den Anruf der Beamten ergriffen die beiden Männer unter Zurücklassung des Handschlittens die Flucht nach deutscher Seite und konnten auch infolge der Dunkelheit entkommen. Auf dem Schlitten befanden sich Waren verschiedener Art, hauptsächlich Apfelsinen im Werte von etwa 400 Lit, welche beschlagnahmt wurden.
- 1933 Nr.50 (Memelgau): 27. Februar [Achtes Stiftungsfest des Männergesangvereins]
Im Saal der Frau Kaufmann Serruns feierte am Sonnabend der hiesige Männergesangverein sein achtes Stiftungsfest. Nach einem einleitenden Konzert betrat due stattliche Sängerschaar die Bühne und brachte unter der bewährten Stabführung von Präzentor Krämer eine Reihe schöner, deutscher Volks- und Kunstlieder zu Gehör. Ganz besonders gefielen „O Schutzgeist alles Schönen“ von Mozart, „Jetzt gang i ans Brünnele“ von Silcher und „Hörst du das mächtige Klingen“ von Marschner. Bei letzterem war der Beifall so groß, daß es wiederholt werden mußte. In einer Konzertpause begrüßte Präzentor Krämer die erschienenen Mitglieder, Gäste und Freunde des Vereins und wies auf die hohe kulturelle Bedeutung des deutschen Männergesanges hin. Am Vortrag der Lieder konnte man recht deutlich spüren, daß an der stimmlichen Durchbildung des Chores ganze Arbeit geleistet worden ist und daß alle Sänger mit der echten Begeisterung bei der Sache waren. Unter großem Beifall fand im Anschluß an die gesanglichen Darbietungen die Aufführung eines humoristischen Zweiakters statt, betitelt: „Der Fürst von und zu Donner und Doria“. Der trotz der Nöte der Zeit so zahlreiche Besuch des Festes dürfte dem Verein einen nicht unbedeutenden Reinertrag gebracht haben, andererseits bewies er aber auch, daß die Feste des hiesigen Männergesangvereins immer noch einen Höhepunkte im Vereins- und Gesellschaftsleben des Kirchspieles bilden, bei denen man unbedingt „dabei gewesen“ sein muß.
- 1933 Nr.68 (Memelgau): 19. März: Im Wiesengebiet der Jäge: Hochwasser über Nacht
Das Frühjahrshochwasser im weiten Jägetal ist in diesem Jahr sozusagen über Nacht gekommen. Am Sonnabend setze plötzlich Rückstau ein. In den Nachmittagsstunden gegen 5 Uhr stieg das Wasser in einer Stunde um etwa 11 Zoll. In den darauffolgenden Nachtstunden dehnten sich die Wassermassen über immer größere Flächen aus, so daß am Sonntag die Marktstraße im Ort sowie die Hälfte des Martkplatzes unter Wasser waren. So weit das Auge reicht, bilden die Wiesen im Flußgebiet der Jäge einen einzigen riesigen See, aus dem die Wiesendörfer: Pillwarren, Leitwarren, Lasdehnen, Warrischken, Suitkaten usw. gleich Inseln hervorragen. Die herumschwimmenden Eisschollen sind recht mürbe, so daß sie sich bald auflösen dürften und die sogenannte „Schacktarpzeit“ in diesem Frühjahr nicht zu lange dauern wird. In den kommenden Tagen wird der Kahn wieder das einzige Verkehrsmittel nach und von den Wiesendörfern sein. Nach Ansicht der „Laukeninker“ (Bewohner der Wiesengebiete) sind größere Hochwasserschäden in diesem Jahr kaum zu erwarten., wenn nicht ganz unvorhergesehene Ereignisse eintreten. Im übrigen ist man, wie alljährlich, für alle Eventualitäten gerüstet, sowohl was Verproviantierung von Menschen und Vieh betrifft, als auch den Schutz der Gebäude. Immerhin ist die Stimmung der Wiesenbewohner alles andere als pessimistisch. Man kennt die Gefahren des Hochwassers, seine Schäden wie auch seine Notwendigkeit und hat jahrelange Erfahrung in der Begegnung der Gefahr. In den Flußgebieten der Kamon, Eisra und Wilke, die ihre Wassermassen nach dem riesigen Wiesenbecken der Jäge entleeren, sind größere Ackerflächen an den Flußränden nur für kurze Zeit überschwemmt gewesen. Gegenwärtig sind diese Flüsse nur bordvoll, oder aber es sind noch kleinere Flächen von Uferländereien unter Wasser. - Nicht unwesentlich an diesem Zustand dürfte auch der neue Jägekanal beigetragen haben.
- 1933 Nr.77 (Memelgau): 29. März; Aus dem Hochwassergebiet der Jäge
Im Überschwemmungsgebiet des weiten Jägetals ist das Wasser fortgesetzt im Fallen begriffen. Trotzdem sind aber noch große Flächen überschwemmt. Die Wiesendörfer Pillwarren, Leitwarren, Warrischken, Suitkaten und Lasdehnen sind noch ganz oder doch zum großen Teil vom Wasser umgeben. Die Wege zu den genannten Orten liegen unter Wasser. Die Verbindung zum hiesigen Martkort kann nur mittels Kähnen aufrechterhalten werden. Der Marktplatz wir teilweise noch immer von den schmutzig-grauen Fluten überspült. Es ist aber damit zu rechnen, daß der nächste Wochenmarkt schon auf dem eigentlichen Martkplatz wird stattfinden können, nicht wie bisher auf dem Hochwassermarktplatz an der Straße Plaschken-Pleine. Da in der Zeit des höchsten Hochwasserstandes die Witterung windstill war, wurde der so gefürchtete Wellengang, die die Fundamente unterspült und größere Schäden verursacht, vermieden. Soweit es sich daher übersehen läßt, dürfte das diesjährige Frühjahrshochwasser keine größeren Schäden an den Häusern und bestellten Ackerflächen verursacht haben.
- 1933 Nr.99 (Memelgau): 26. April [Wiesenwege wieder unter Wasser]
Die letzten Regenfälle im Quellgebiet der Memel und die Weststürme haben auch für das Wiesengebiet der Jäge ein Ansteigen des Wassers gebracht. Gegenwärtig ist ein Stillstand im Steigen des Wassers zu beobachten. Die Wiesenwege Plaschken-Pillwarren und Plaschken-Lasdehnen sind überschwemmt und können zu Fuß nicht passiert werden, höchsten mit Fuhrwerk oder zu Pferde.
- 1976 Nr.4 S.65: Bauernhöfe des Memellandes: Palm, Plaschken.
Verschiedenes
Karten
Internetlinks
Offizielle Internetseiten
Teilauswertung zu Plaschken: Memelland, OFB
Daten aus dem genealogischen Ortsverzeichnis
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Quellen
- ↑ Amtsblatt des Memelgebiets vom 29.12.1923, S.1085ff, http://www.epaveldas.lt/vbspi/biRecord.do?biExemplarId=74567
- ↑ Ortschafts-Verzeichnis des Regierungsbezirks Gumbinnen 1818, Sonderschrift Nr.48 des VFFOW
- ↑ Ortschafts-Verzeichnis des Regierungsbezirks Gumbinnen 1818, Sonderschrift Nr.48 des VFFOW
- ↑ Dietrich Lange: Geographisches Ortsregister Ostpreußen einschließlich des Memelgebietes, des Soldauer Gebietes und des Reg.-Bez. Westpreußen (1919-1939)
- ↑ Hubatsch, Walther: Grundriss zur deutschen Verwaltungsgeschichte, 1815-1945, Reihe A: Preußen, Band 1: Ost- und Westpreußen, Johann-Gottfried-Herder-Institut, Marburg/Lahn, 1975
- ↑ Amtsblatt Gumbinnen 1939: Neugliederung der Gemeinden und Gutsbezirke im ehemaligen Memelland ab 1. Mai 1939, S. 64ff,
http://www.memelland-adm.de/Archiv/13 Verwaltungsbezirke/index.htm - ↑ Amtsblatt des Regierungspräsidenten in Gumbinnen, 2.9.1939
- ↑ Ortschafts-Verzeichnis des Regierungsbezirks Gumbinnen 1818, Sonderschrift Nr.48 des VFFOW
- ↑ Möglicherweise Kurt Wilhelm Elmenthaler (* 27.12.1905). Er war Volksschullehrer und bis 1936 im Kreis Heiligenbeil tätig. Angaben nach Lehrerkarteikarte Kurt Wilhelm Elmenthaler in der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung.