Birstonischken: Unterschied zwischen den Versionen
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Version vom 18. August 2014, 09:38 Uhr
Hierarchie
Regional > Litauen > Birstonischken
Regional > Historisches Territorium > Deutschland 1871-1918 > Königreich Preußen > Ostpreußen > Kreis Tilsit > Birstonischken
Einleitung
Birstonischken bis 1920 Kreis Tilsit, Ostpreußen; (1920-1939) Kreis Pogegen; (1939-1945) Kreis Tilsit-Ragnit
- Weitere Informationen siehe unten in den Daten aus dem genealogischen Ortsverzeichnis
Name
Andere Namen und Schreibweisen
- Litauisch: 1923: Birstoniškiai,[1] heute: Birštoniškiai.[2]
Namensdeutung
Der Name weist auf eine Streusiedlung (das typisch baltische "Gartendorf", das durch Staketenzäune vor Wildtieren schützte). In Analogie zum Ort Birštonas (südlich von Kaunas an der Memel) kann es sich auch um einen Ort mit Heilquellen handeln.
- preußisch-litauisch "birstinti" = sich verstreuen
Allgemeine Informationen
Politische Einteilung
1785 ist Birstonischken ein königliches Bauerndorf, 26 Feuerstellen, landrätlicher Kreis Insterburg, Justizkreis Memel, Amtsbezirk Baublen.[4]
1.5.1939: Die neue Gemeinde Birstonischken wurde gebildet aus der bisherigen Landgemeinde Birstonischken.[5]
1.10.1939: Birstonischken kommt zum Kreis Tilsit-Ragnit.[6]
Kirchliche Zugehörigkeit
Evangelische Kirche
Birstonischken gehörte 1785 zum Kirchspiel Pictupönen.[7]
Birstonischken gehörte 1912 zum Kirchspiel Piktupönen.
Geschichte
Birstonischken – verwüstet und verfallen (Bericht aus dem Memeler Dampfboot von 1975)[8]
Birstonischken mit seinen 18 Hofstellen liegt verkehrsmäßig sehr günstig an der Gabelung der Chaussee Tilsit-Tauroggen-Coadjuthen, die hier von der Chaussee Memel-Schmalleningken gekreuzt wird. Es besaß eine geschlossene Ortslage mit Höfen von durchschnittlich 90 Morgen. Die kleinste Besitzung hatte vier, die größte 320 Morgen. Die Gehöfte waren überwiegend massiv und mit Pfannendächern versehen. Die Gemeindeflur hatte einen humusreichen Boden in guter Kultur.
Die einklassige Schule wurde zuletzt von Lehrer Pauleit versehen. Letzter Bürgermeister war Willi Schwindt - nach dem Krieg in Strohkirchen-Grewesmühlen. Der einzige Laden mit Gastwirtschaft gehörte Emil Kukat. Ein Käsereibetrieb wurde von dem Schweizer Christian Dürrenmatt betrieben.
Der im Piktuppgebiet gelegene Ort wurde durch einige Vorflutgräben entwässert. Jeder Bauer besaß einen eigenen Torfstich. Besondere Erhebungen waren der Schwarze Berg und der Ziegenberg.
Einige Häuser hatten Stochennester, u. a. auch das Gut der Witwe Berta Schneidereit, der größten Besitzerin. Eine Windmühle (Willi Hoffmeister) in Holländer-Bauart hatte auch Motorbetrieb. Wald war nicht vorhanden. Die Einwohner sprachen durchweg deutsch.
Beim Russeneinfall 1914/15 wurde Johann Kantocks bis 1919 nach Rußland verschleppt. Der 1938 verstorbene Rudolf Schwindt machte sich in der Politik einen Namen. Im zweiten Weltkrieg wurde Alfred Schulz mit dem EK I ausgezeichnet. Reinke, Mertin, Bergner und Schulz sind die Gefallenen des Dorfes.
Polen, Belgier und Franzosen halfen im Krieg in der Landwirtschaft. Sechs Familien aus dem Rheinland waren hierher evakuiert. 1944 wurden die Einwohner im Juli nach Drosselbruch-Szillen evakuiert, im August zurückbeordert und am 7.Oktober erneut evakuiert. Die Kriegsgefangenen wurde dabei mitgenommen und verhielten sich vorbildlich.
Keine Einwohner des Ortes, der heute zum großen Teil verwüstet und verfallen sein soll, befinden sich im Memelland. Die Gemarkung gehört zum Staatsgut Baubeln.
2001 ist Birštoniškai ein Dorf mit 53 Einwohnern.[9]
Bewohner
1922[10]
- Martin Schadereit, 69 ha
- Rudolf Schwindt, 80 ha
Verschiedenes
Memeler Dampfboot
- 1933 Nr.6 (Memelgau): 5. Januar [Ertrunken]
Am Neujahrstage ertrank im nahen Bruch das elfjährige Töchterchen eines hiesigen Besitzers. Die Eltern vermißten in den Nachmittagsstunden ihr Mädchen und nach vergeblichem Suchen im Hause, gingen sie hinaus zum Bruch, um zu sehen, ob die Kleine vielleicht auf dem Eise wäre. Zu ihrem großen Schreck bemerkten sie auf dem Wasser die Holzpantoffeln ihres Kindes schwimmen. Das Mädchen war eingebrochen und ertrunken. Der Schmerz des Eltern ist um so größer, als die Verunglückte ihr einziges Kind war.
- 1933 Nr.14 (Memelgau): 16. Januar: Auf dem Eise eingebrochen und ertrunken
Dieser Tage vergnügte sich das zwölf Jahre alte Töchterchen des Besitzers Weiß auf dem Eis des Ernsthaler Dorfmoors. Dabei brach die schwache Eisdecke und das Kind fiel ins Wasser. Als Hilfe hinzukam, war das Mädchen bereits ertrunken.
Hierzu: Memeler Dampfboot 1933 Nr.35 vom 10.02.1933: Sterbefälle des Standesamtes Lompönen
Besitzertochter Betty Klara Weiß aus Birstonischken, 11 Jahre
Karten
Daten aus dem genealogischen Ortsverzeichnis
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Quellen
- ↑ Amtsblatt des Memelgebiets vom 29.12.1923, S.1085ff, http://www.epaveldas.lt/vbspi/biRecord.do?biExemplarId=74567
- ↑ Artikel "Birštoniškai", Vikipedija.lit [[1]]
- ↑ Lange, Dietrich: Geographisches Ortsregister Ostpreußen einschließlich des Memelgebietes, des Soldauer Gebietes und des Reg.-Bez. Westpreußen (1919-1939)
- ↑ Goldbeck, Johann Friedrich: Vollständige Topographie des Königreichs Preußen, Erster Teil Topographie von Ostpreußen, Königsberg und Leipzig 1785, Nachdruck VFFOW, Hamburg 1990
- ↑ Amtsblatt Gumbinnen 1939: Neugliederung der Gemeinden und Gutsbezirke im ehemaligen Memelland ab 1. Mai 1939, S. 64ff,
http://www.memelland-adm.de/Archiv/13 Verwaltungsbezirke/index.htm - ↑ Amtsblatt des Regierungspräsidenten in Gumbinnen, 2.9.1939
- ↑ Goldbeck, Johann Friedrich: Vollständige Topographie des Königreichs Preußen, Erster Teil Topographie von Ostpreußen, Königsberg und Leipzig 1785, Nachdruck VFFOW, Hamburg 1990
- ↑ Memeler Dampfboot 1975 Nr.10 S.193.
- ↑ Artikel "Birštoniškai", Vikipedija.lit [[2]]
- ↑ Landwirtschaftliches Güter-Adressbuch für die Provinz Ostpreußen mit Anhang Memelland, 4. Auflage, Leipzig 1922.