Hochstift Konstanz: Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 21. Mai 2021, 17:52 Uhr

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Hierarchie

Regional > Historisches Territorium > Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation > Schwäbischer Reichskreis > Hochstift Konstanz

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Das Neue Schloss in Meersburg, Residenz der Fürstbischöfe von Konstanz

Einleitung

Das Hochstift Konstanz, auch als Fürstbistum Konstanz bezeichnet, war der weltliche Herrschaftsbereich der Fürstbischöfe von Konstanz. Im Gegensatz zum Bistum Konstanz war das Hochstift zersplittert und wesentlich kleiner; die Besitzungen waren beidseits des Bodensees und Hochrheins verteilt. Eine Landeshoheit in einem großen und geschlossenen Territorium aufzubauen war den Fürstbischöfen im Lauf des Mittelalters nicht gelungen, vor allem aufgrund der Lage des Bischofssitzes zwischen den Reichsabteien Reichenau und St. Gallen.

Wappen

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Das Wappen des ehemaligen Bistums Konstanz

Das Wappen des Hochstifts Konstanz zeigt in Silber ein durchgehendes rotes Kreuz. Dieses Motiv ist bereits um 1340 in der Züricher Wappenrolle belegt. Das Kreuz findet sich erstmals in Siegeln aus dem Jahr 1347 des Bischofs Ullrich Pfefferhard (1344-1351).

Politische Einteilung

Im Heiligen Römischen Reich

Im Schwäbischen Reichskreis des Heiligen Römischen Reiches lagen die folgenden Gebiete der weltlichen Herrschaft des Hochstifts:

Bedeutende verlorene Besitzungen waren die Herrschaft Küssaburg und die Stadt Tiengen.

In der Alten Eidgenossenschaft

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Landvogtei Thurgau
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Gerichtsherrschaften der Landgrafschaft Thurgau um 1750
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Ämter in der Grafschaft Baden

Der größte Teil der weltlichen Herrschaft des Hochstifts Konstanz lag auf dem Gebiet der Alten Eidgenossenschaft, wobei hier das Hochstift nirgendwo die vollständige Landeshoheit ausüben konnte. In den Obervogteien Arbon und Bischofszell erlangte es immerhin die Landeshoheit exklusive der Militärhoheit. In der Helvetischen Republik erloschen hier alle Hoheitsrechte des Hochstifts.

In der Landgrafschaft Thurgau

Bezüglich der altstiftisch-konstanzische Herrschaften war die Landesherrschaft zwischen dem Hochstift und der Alten Eidgenossenschaft umstritten.

Domkapitel und Dompropstei Konstanz gehörten zum Gerichtsherrenstand im Thurgau.

In der Grafschaft Baden

In der Markgrafschaft Baden (später zum Kanton Aargau) lagen folgende Vogteien des Hochstifts:

Regierungssitz: Dillingen an der Donau

Reichrechtliche Stellung

Das Hochstift Konstanz hatte Sitz und Stimme im Reichsfürstenrat. Es hatte dort eine Virilstimme und nahm einen Sitz auf der geistlichen Fürstenbank ein. Als katholischer Reichsstand gehörte das Hochstift auch dem Corpus Catholicorum an.

Im Kreistag des schwäbischen Reichskreises hatte das Hochstift ebenfalls eine Virilstimme und den Vorsitz auf der geistlichen Fürstenbank. Gemeinschaftlich mit dem Herzog von Württemberg nahm der Fürstbischof von Konstanz das Kreisausschreibamt wahr, das wichtigste Amt im Reichskreis. Das Hochstift gehörte zudem dem Ausschuss der Kreisversammlung (Ordinari-Deputation) an.

Kirchliche Einteilung/Zugehörigkeit

Die Orte des Hochstifts Konstanz waren überwiegend katholisch.

Geschichte

Das Bistum hatte schon als Grundausstattung nicht unbedeutende Güter im Westen und Süden des Bodenseegebiets erhalten. Die wiederholten Versuche, diese durch die großen Abteien St. Gallen und Reichenau abzurunden, wurden mit der Kirchenreform endgültig zunichte gemacht. Neben dem kirchlichen Sprengel bestätigte Friedrich Barbarossa 1155 auch den Besitz; es zeigt sich, dass dieser vielfach der Ansatz zum Territorium wurde, wenn er damals auch allein im Wildbann auf der Höri ein deutlich flächenhaftes Element aufzuweisen hatte. Die in den Händen der Grafen von Heiligenberg als Nachfolger der Linzgaugrafen befindliche Vogtei hatte schon im 13. Jahrhundert kaum mehr Bedeutung. Die zweite Hälfte dieses Jahrhunderts brachte vornehmlich unter Bischöfen aus den Häusern Habsburg-Laufenburg und Klingenberg vielfache Reaktivierung alter Besitzrechte durch Lehnsheimfall und Auskauf des Adels sowie den Vorstoß rheinabwärts in die Herrschaft Klingnau. Das Domkapitel, dessen Güter schon 1155 deutlich von dem des Bistums unterschieden wurden, erwarb um 1300 von der Reichenau und vom Adel die Herrschaft Konzenberg bei Tuttlingen.

Heftige Kämpfe mit der Stadt führten zur Gründung der Bischofsburg in Gottlieben westlich Konstanz, die von etwa 1400 an nach einer Zeit zahlreicher Doppelwahlen und Sedisvakanzen zur Hauptresidenz wurde. Das u. a. durch das Konzil allmählich wiedergekräftigte Bistum konnte erst am Ausgang des Mittelalters eine Territorialbildung versuchen, weil jetzt die einer vollen Landesherrschaft hinderlichen Landgrafschaften in ihrer Bedeutung verblassten. Gleichzeitig setzte aber südlich von See und Rhein das Einrücken der Eidgenossen in den Aargau und Thurgau ein, und damit war dem Bistum endgültig der Weg zu einem einigermaßen zusammenhängenden Territorium verschlossen. Es konnte so nur seine Herrschaft in den Gebieten westlich und nördlich des Untersees durch Erwerb des Blutbannes von der Grafschaft Neuenbürg sowie durch die Inkorporation der Klöster Öhningen (1534) und Reichenau (1540) konsolidieren. Meersburg wurde 1526 Residenz, zumal sich nördlich des Überlinger Sees seit dem 14. Jahrhundert ein Herrschaftsschwerpunkt ausgebildet hatte.

Die Gebiete am Hochrhein mit dem wichtigen Marktort Zurzach waren fortan durch eine Hoheitsgrenze aufgeteilt, und südlich des Stromes setzte sich, wie allgemein im schweizerischen Besitz des Bistums, zunächst die Reformation durch. Die Gegenmaßnahmen der Bischöfe führten in Zusammenarbeit mit den katholischen Kantonen noch um 1535/40 fast überall zu einem Kompromiss mit paritätischen Vertretungen der Bürgerschaft und Simultankirchen. Die Gegenreformation begann aber erst zögernd unter Mark Sittich von Hohenems (1561-1589) und wurde unter Kardinal Andreas von Österreich (1580 Koadjutor, 1589-1600) mit Energie verwirklicht. Unter ihm war das Bistum in Personalunion mit Brixen vereinigt, spätere Bischöfe waren gelegentlich auch Oberhirten von Augsburg, von Speyer (Damian Hugo 1740-1743) und von Mainz-Worms. Es kam aber nicht wie am nördlichen Oberrhein zu einem völligen Anlehnen des Bistums an einen mächtigeren geistlichen Nachbarn. Die unter dem letzten Bischof Karl Theodor von Dalberg (seit 1787 Koadjutor) und seinem Generalvikar Franz Ignaz von Wessenberg nach Konstanz aus den rheinischen Bistümern übertragene Aufklärung sollte im geistlichen Bereich eine starke Prägungskraft entfalten und für die Kirchengeschichte des 19. Jahrhunderts grundlegende Bedeutung haben.

(Quelle: Bearbeitete Fassung aus dem Abschnitt Landesgeschichte, in: Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden, hg. von der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg, Band I, Stuttgart, 2. Aufl. 1977)

Genealogische und historische Gesellschaften

Bibliografie

Historische Bibliografie

  • Achtermann, Eberhard: Der Besitzstand des Hochstifts Konstanz zu Anfang des 18. Jahrhunderts, S. 93–106, Schriften des Vereins … 103. Jg., 1985
  • Baumann, Franz Ludwig: Die Territorien des Seekreises 1800. Karlsruhe : Braun, 1894 (Badische Neujahrsblätter 4) im Internet Archive
  • Beckmann, Ludger: Konstanzer Bischöfe vom 13. zum 14. Jahrhundert. Freiburg im Breisgau, 1995
  • Beyerle, Konrad: Grundherrschaft und Hoheitsrechte des Bischofs von Konstanz in Arbon. Zugleich ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Stadtverfassung, in: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung, 32. Jg. 1903, S. 31–116; 34. Jg. 1905, S. 25–146
  • Bihrer, Andreas: Handbuch Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich, Band 15.I, S. 368–370 pdf
  • Bischof, Franz Xaver: Das Ende des Bistums Konstanz. Hochstift und Bistum Konstanz im Spannungsfeld von Säkularisation und Suppression (1802/03-1821/27). Stuttgart / Berlin / Köln 1989; ISBN 3-17-010575-2
  • Fleischhauer, M.: Das geistliche Fürstentum Konstanz beim Übergang an Baden. Heidelberg, 1934
  • Hasenfratz, Helene: Die Landgrafschaft Thurgau vor der Revolution von 1798, Frauenfeld, 1908 (Inaugural-Dissertation der Universität Zürich) im Internet Archive
  • Hungerbühler, Hugo: Staat und Kirche im Thurgau während Helvetik und Mediation 1798-1814, I. Teil Digitalisat
  • Landesarchivdirektion Baden-Württemberg (Hrsg.): Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden, Band I, Stuttgart, 2. Aufl. 1977
  • Maier, Konstantin: Das Domkapitel von Konstanz und seine Wahlkapitulationen. Ein Beitrag zur Geschichte von Hochstift und Diözese in der Neuzeit. Stuttgart, 1990; ISBN 3-515-04362-4
  • Müller, Anneliese: Hochstift Konstanz. In: Historischer Atlas von Baden-Württemberg. Erläuterungen Beiwort zu Karte 6 & 8, Entwicklung ausgewählter geistlicher Territorien in Südwestdeutschland von Meinrad Schaab, H.-M. Maurer, Anneliese Müller, Hans Pfeifer, S. 12–16 Landeskundliches Informationssystem Baden-Württemberg (LeoBW)
  • Reinhardt, Rudolf: Die Beziehungen von Hochstift und Diözese Konstanz zu Habsburg-Österreich in der Neuzeit. Wiesbaden, 1966
  • Schwarzmaier, Hansmartin: Hochstift Konstanz. In: Meinrad Schaab, Hansmartin Schwarzmaier (Hrsg.) u.a.: Handbuch der baden-württembergischen Geschichte. Band 2: Die Territorien im alten Reich. Hrsg. im Auftrag der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg, S. 466–480, Klett-Cotta, Stuttgart, 1995; ISBN 3-608-91466-8

Siehe auch Bibliografie des Bistums Konstanz

Archive und Bibliotheken

Archive

Bibliotheken

Weblinks

Historische Webseiten

Weitere Webseiten

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Daten aus dem genealogischen Ortsverzeichnis

GOV-Kennung object_406925
Name
  • Fürstbistum Konstanz
Typ
  • Hochstift (- 1803)
Karte
   

TK25: 8221

Zugehörigkeit
Übergeordnete Objekte

Schwäbischer Reichskreis (- 1803-04-26) ( Reichskreis)

Untergeordnete Objekte
Name Typ GOV-Kennung Zeitraum
Kloster Engelberg
         Kloster
object_1023904 (- 1538)
Kloster Pfullingen
         Kloster
object_1043402 (- 1802)
Öhningen
         Propstei
object_1082199 (1540 - 1803)
Konstanz (Pfalzvogtei)
         Amt
object_1085001 (- 1803)
Ittendorf
         Vogtei
object_810093 (1693 - 1803)
Rielasingen
         Dorf
RIEGE2JN47KR (1610 - 1803)
Arlen
         Dorf
ARLLENJN47KR (1610 - 1803)
Meersburg
         Oberamt
object_1190794 (- 1803-04-26)
Konzenberg Stabsamt
         Amt
object_406843 (- 1803-04-26)
Bohlingen
         Amt
object_1084999 (- 1803-04-26)
Gaienhofen
         Amt
object_1082364 (- 1803-04-26)
Reichenau
         Amt
object_1082363 (- 1803-04-26)
Oehningen
         Amt
object_1085000 (- 1803-04-26)
Konstanz (Pfalzvogtei)
         Amt
object_1085001 (- 1803-04-26)
Roggenbeuren
         Dorf
ROGREN_W7779 (- 1803-03-08)
Markdorf
         StadtStadtteil
MAROR2JN47QR (1356 - 1803-03-08)
Taisersdorf, Dodersdorf
         Dorf
TAIORF_W7799 (- 1803-03-08)