Wien/Archive/Bestände Erzdiözese Wien: Unterschied zwischen den Versionen

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===Bestände Erzdiözese Wien===
===Bestände Erzdiözese Wien===


* Zweitschriften aller Matriken. >> NICHT öffentlich zugängig! Nur kirchenintern!
Das Diözesanarchiv: ein Ort, an dem die bunte Geschichte der Diözese gezeichnet wird.
© Stephanscom.atWer beim Namen "Diözesanarchiv" erwartet, verstaubte Räume und Dokumente vorzufinden, die von noch verstaubteren Archivaren bewacht werden, der lässt sich bei einem Besuch schnell eines Besseren belehren. Stephanscom.at schaute bei der Leiterin des Wiener Diözesanarchives Annemarie Fenzl vorbei und lernte das Archiv von einer unerwarteten Seite kennen.


Die drei Büroräume und das kleine Lesezimmer des Archivs im 3. Stock des Erzbischöflichen Palais in der Wollzeile im 1. Wiener Gemeindebezirk sind nur die "Spitze des Eisberges". Das Diözesanarchiv belegt den gesamten Quertrakt des Bischofspalais mit Akten und Büchern. Auch der Dachboden des Bischofhofes wurde adaptiert. Aber mittlerweile herrscht auch hier Platzmangel. Laufend werden mehr oder weniger umfangreiche Aktenbestände der kirchlichen Zentralstellen übernommen und archiviert.
* Taufindex ab ca. 1920. >> NICHT öffentlich zugängig! Nur kirchenintern!


Annemarie Fenzl, die Leiterin des Diözesanarchives.
* Visitationsprotokolle


Die Nachlässe der Wiener Bischöfe und Erzbischöfe von der Gründung des Bistums Wien im Jahre 1469 bis etwa in die Zeit Kardinal Theodor Innitzers (1932-55) zeigen die "Explosion" der Aktenbestände in den letzten Jahrzehnten: der Nachlass Kardinal Melchior Klesls (1598-1630) lässt sich noch in zwei Archivkassetten unterbringen. Die Akten von Kardinal Theodor Innitzer benötigen schon an die 35 Kassetten. Die Korrespondenz, die Kardinal Franz König (*1905) bereits an das Archiv übergeben hat, füllt zur Zeit an die 350 Archivkassetten.
* Herrschaften-, Liegenschaftenarchiv


Und: Die Archivbestände wachsen kontinuierlich an. Das ist ein Problem, das alle Archive kennen und das mit der Zeit immer größer wird. Dabei hat die Erzdiözese gar kein Zentralarchiv, wie es in manch anderen Diözesen vorhanden ist. "Das würde die Raumnot noch verschlimmern", weiß Johann Weißensteiner, einer der Archivare im Wiener Diözesanarchiv.
* Betreuung der alten 'erzbischöflichen Bibliothek'


* Seit 1986 werden ''''Pfarrchroniken'''' verfilmt, um mittels Mikrofiche diese kostbaren Unterlagen zu sichern. Die Pfarrchroniken sind seit 1832 verpflichtend zu führen und jeder angehende Pfarrer, erhält dafür eine eigene Einschulung. Beinhalten soll eine Pfarrchronik alles, was das Leben der Menschen im Pfarrgebiet betrifft. "Pfarrchroniken sind eine Fundgrube für all das, was in einem bestimmten Gebiet an Katastrophen geschehen ist. So sind in Pfarrchroniken des 19. Jahrhunderts auch die Pockenimpfungen verzeichnet. Die Pfarrchroniken waren eine Art Kontrollinstanz bis etwa 1870. Dann werden diese Aufzeichnungen in den neu gegründeten Gemeindearchiven geführt.


Das Archiv von Kardinal Theodor Innitzer.
* Ein großes Projekt des Archives ist die gesamtdiözesane '''Priesterdatenbank'''. In dieser Datenbank sind alle Priester der Erzdiözese seit 1600 verzeichnet. Das Geburts-, Weihe- und Sterbedatum, sowie der Ort des Begräbnisses, jedes einzelnen Pfarrers soll festgehalten werden. Aktuell enthält die Datenbank etwa 40.000 Datensätze.


"Das Archiv ist kein Ort, an dem man - wie gelegentlich gemeint wird - beschaulich seine Tage bis zur Pensionierung verbringen kann, strickend oder meditierend, je nach Neigung oder Talent," räumt die Leiterin des Wiener Diöesanarchives Annemarie Fenzl Missverständnisse aus. Begeistert beginnt Fenzl über ihren Beruf zu erzählen und listet die vielfältigen und anspruchsvollen Tätigkeiten im Archiv auf. Die Wichtigkeit der Archivarbeit fällt erst dann auf, wenn ein Akt, eine Stiftung, die alte Rechtsansprüche bezeugen soll, nicht auffindbar ist.
* Auch die Bilder von Priestern und Bischöfen ('''Fotoarchiv''') werden im Archiv fein säuberlich katalogisiert und in Alben aufbewahrt. Will man ein Foto des Priesters, der die Eltern getraut hat, wird man im Diözesanarchiv zufrieden gestellt.


Die Aufgaben des Diözesanarchives


* Übernahme, Konservierung, Ordnung und Erschließung der Akten und Bücher der diözesanen Verwaltung. Meist kommen die zu archivierenden Akten in ungeordnetem Zustand in den berüchtigten "Bananenschachteln" an. Die erste Arbeit des Archivars besteht aus Sichten, Schlichten und Ordnen. Das Archivgut wird natürlich auch in konservatorischer und restauratorischer Hinsicht betreut. Der Aufbau und die Instand-Haltung einer zentralen historischen Priesterdatenbank, die laufende Ergänzung des Fotoarchives und die Betreuung der alten erzbischöflichen Bibliothek zählen auch zu den Aufgaben des Diözesanarchivs.
* Ein wesentlicher Tätigkeitsbereich ist die Dienstleistung nach außen. Die Benutzer des Archivs, wie etwa Studenten, Chronisten und pensionierte Lehrer, werden bestmöglich mit Übersetzungen, Transkriptionen der oft schwer leserlichen Akten und der archivinternen Handbibliothek bedient. Einen großen Teil der Arbeitszeit bindet naturgemäß die Recherche: hausinterne und auswärtige Anfragen zu Archivbeständen müssen auf telefonischem, schriftlichem oder persönlichem Weg beantwortet werden. Hier steht die positive Dienstleistung der Kirche für Forschungen aller Art im Vordergrund.
* Ein weiterer wichtiger Bereich der Archivarbeit sollte die wissenschaftliche Auswertung der Bestände durch Ausstellungen, Führungen, schriftliche Beiträge in Fachpublikationen und Vorträgen sein. Dafür bleibt in der Regel aber meist zu wenig Zeit. Das Ziel dieser Arbeit ist die Weckung und die Pflege des Bewusstseins für die Wichtigkeit der Erhaltung der Zeugnisse unserer Vergangenheit als Teil unserer christlichen Identität. Dazu gehört auch die Darstellung der kirchlichen Entwicklung in unserer Heimat als ein grundlegender Teilbestand unserer Kultur, mit anderen Worten: die Verbindung von Glaube und Heimat sichtbar und erlebbar zu machen.
* Und schließlich gibt es auch im Archiv eine notwendige Administration, die einen möglichst reibungslosen Ablauf der täglichen Arbeit gewährleisten soll.
Der Hauptteil dieser administrativen Tätigkeiten wird von Gabriele Lisak erledigt, die seit 1980 die "gute Seele" im Team von Annemarie Fenzl ist. Aber nicht nur Sekretariatsagenden werden von ihr bearbeitet. Sie beantwortet auch Anfragen. Die Priesterdatenbanken am Computer oder in Verzeichnissen sind ihr kein Mirakel. "Die Datenerhebung ist für die Benutzer oft ein erster Schritt für die Recherche. In den Verzeichnissen finden sich, neben den Lebensdaten kurioserweise oftmals auch Prüfungsnoten und die Auflistung aller kirchlichen Ämter und Seelsorgestationen." erzählt Gabriele Lisak, "Die Archive liefern also nicht nur Fakten, sondern runden mitunter das Bild eines Menschen ab."
Das Diözesanarchiv: ein Ort, an dem die bunte Geschichte der Diözese gezeichnet wird
Zur Geschichte des Archives
Archive sind Orte, an denen man - wenn man nicht selektive Quellenforschung betreibt - realistische Bilder einer Person oder einer Epoche zeichnen kann.
Johann Weißensteiner, seit 1981 einer der Archivare im Wiener Diözesanarchiv, berichtet mit Archiv-Leiterin Annemarie Fenzl, über die Vielfalt der archivarischen Aufgaben.
© Stephanscom.at
Johann Weißensteiner mit dem Protokollband des Jahres 1716 mit mehr als 2600 handgeschriebenen Seiten.
Eine wichtige Aufgabe des Archives ist die systematische Ordnung der Bestände, die von den Dienststellen oft nach Themen geordnet kommen.
Seit 1986 werden Pfarrchroniken verfilmt, um mittels Mikrofiche diese kostbaren Unterlagen zu sichern. Die Pfarrchroniken sind seit 1832 verpflichtend zu führen und jeder angehende Pfarrer, erhält dafür eine eigene Einschulung. Beinhalten soll eine Pfarrchronik alles, was das Leben der Menschen im Pfarrgebiet betrifft. "Pfarrchroniken sind eine Fundgrube für all das, was in einem bestimmten Gebiet an Katastrophen geschehen ist. Der Pfarrer hat ja einen guten Überblick über die Menschen und ihre Schicksale in seiner Gemeinde," erklärt Johann Weißensteiner. So sind in Pfarrchroniken des 19. Jahrhunderts auch die Pockenimpfungen verzeichnet. Die Impfreaktionen und der Behandlungserfolg ist ebenso festgehalten, wie die Probleme, die bei der Impfung auftraten. Die Pfarrchroniken waren eine Art Kontrollinstanz bis etwa 1870. Dann werden diese Aufzeichnungen in den neu gegründeten Gemeindearchiven geführt. Die Trennung von Staat und Kirche war vollzogen.
Interessantes und Kurioses im Archiv
Die Jahre zwischen 1938 und 1945 waren für die kirchlichen Archive eine schwere Zeit. Zum einen wurden durch die Einführung der staatlichen Geburtenbücher die Matrikenbücher unwichtig. Die bisherige staatliche Kontrolle dieses "Lebensnachweises einer Person" fiel weg, denn der Taufschein war gleichzeitig die Geburtsurkunde gewesen. Diese wird nunmehr vom Standesamt ausgestellt. Zum anderen wurde vieles nicht mehr aufgezeichnet, um die Menschen nicht zu gefährden und der Verfolgung preiszugeben.
Im Nachhinein wurde manches in den Archiven wieder ergänzt.
Auch Kurioses findet sich im Archiv. So wird berichtet, dass Kaiser Joseph II. sich von den vielen Kirtagen der Kirchen gestört fühlte. Die Menschen sollten ihrer Arbeit nachgehen und nicht feiern, meinte der Kaiser. Er sah in den Kirtagen nur eine Geld- und Arbeitskraftverschwendung. Also führte Kaiser Joseph II. per Dekret einen einzigen Kirtag für alle Pfarren am dritten Sonntag im Oktober ein. Bis 1850 galt diese Ordnung. Dann wurden die originalen Kirtage der Pfarren mittels Archivaufzeichnungen nach und nach rekonstruiert.
Ein großes Projekt des Archives ist die gesamtdiözesane Priesterdatenbank. In dieser Datenbank sind alle Priester der Erzdiözese seit 1600 verzeichnet. Das Geburts-, Weihe- und Sterbedatum, sowie der Ort des Begräbnisses, jedes einzelnen Pfarrers soll festgehalten werden. Aktuell enthält die Datenbank etwa 40.000 Datensätze.
Auch die Bilder von Priestern und Bischöfen werden im Archiv fein säuberlich katalogisiert und in Alben aufbewahrt. Will man ein Foto des Priesters, der die Eltern getraut hat, wird man im Diözesanarchiv zufrieden gestellt.
Ziel des Archivs
Annemarie Fenzl und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist es wichtig, bei den Menschen in der Erzdiözese Wien das Bewusstsein zu wecken, dass die Zeugnisse unserer Vergangenheit wesentlich sind und gepflegt werden müssen. Die Leistungen unserer Vorfahren, auf deren Schultern wir stehen, sollen als Teil unserer christlichen Identität empfindbar sein und bleiben, erklärt Fenzl.
"Tradition ist Demokratie für die Toten," sagte der geistreiche englische Katholik Gilbert Keith Chesterton schon vor Jahrzehnten.




[[Kategorie:Wien]]
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Aktuelle Version vom 22. November 2005, 19:35 Uhr

Bestände Erzdiözese Wien

  • Zweitschriften aller Matriken. >> NICHT öffentlich zugängig! Nur kirchenintern!
  • Taufindex ab ca. 1920. >> NICHT öffentlich zugängig! Nur kirchenintern!
  • Visitationsprotokolle
  • Herrschaften-, Liegenschaftenarchiv
  • Betreuung der alten 'erzbischöflichen Bibliothek'
  • Seit 1986 werden 'Pfarrchroniken' verfilmt, um mittels Mikrofiche diese kostbaren Unterlagen zu sichern. Die Pfarrchroniken sind seit 1832 verpflichtend zu führen und jeder angehende Pfarrer, erhält dafür eine eigene Einschulung. Beinhalten soll eine Pfarrchronik alles, was das Leben der Menschen im Pfarrgebiet betrifft. "Pfarrchroniken sind eine Fundgrube für all das, was in einem bestimmten Gebiet an Katastrophen geschehen ist. So sind in Pfarrchroniken des 19. Jahrhunderts auch die Pockenimpfungen verzeichnet. Die Pfarrchroniken waren eine Art Kontrollinstanz bis etwa 1870. Dann werden diese Aufzeichnungen in den neu gegründeten Gemeindearchiven geführt.
  • Ein großes Projekt des Archives ist die gesamtdiözesane Priesterdatenbank. In dieser Datenbank sind alle Priester der Erzdiözese seit 1600 verzeichnet. Das Geburts-, Weihe- und Sterbedatum, sowie der Ort des Begräbnisses, jedes einzelnen Pfarrers soll festgehalten werden. Aktuell enthält die Datenbank etwa 40.000 Datensätze.
  • Auch die Bilder von Priestern und Bischöfen (Fotoarchiv) werden im Archiv fein säuberlich katalogisiert und in Alben aufbewahrt. Will man ein Foto des Priesters, der die Eltern getraut hat, wird man im Diözesanarchiv zufrieden gestellt.