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[[Bild:Dorsten1647bef.jpg|thumb|450px|Matthaeus Merian der Ältere 1647 Kupferstich: '''Befestigungsanlagen''' <br/>von [[Dorsten|Dorsten an der Lippe]] mit Bastionsspitzen und Zitadelle]]


==Name==
==Name==
[[Festung]], "festen" (ahd.), daher befestigen, "vestunge" (mhd.) daher zu vesten; auch "Feste" und "Veste"
Festung, "festen" (ahd.), daher befestigen, "vestunge" (mhd.) daher zu vesten; auch "Feste" und "Veste"


===Bedeutung===
===Bedeutung===
Eine [[Festung]] war eine ständig oder ausschließlich für den Verteidigungsfall bewohnte Siedlung oder Stadt mit regionaler militärischer Bedeutung, hier beispielhaft im Bild dargestellt mit der [[Stadt]] und [[Festung]] [[Dorsten]]. [[Dorsten]] lag zur Zeit Merians im Norden des kurkölnischen [[Vest Recklinghausen|Vestes Recklinghausen]] am Südufer der Lippe, welche hier den Grenzfluss zum [[Fürstbistum Münster]] bildete.
Eine '''Festung''' war eine ständig oder ausschließlich für den Verteidigungsfall bewohnte Siedlung oder Stadt mit regionaler militärischer Bedeutung, hier beispielhaft im Bild dargestellt mit der [[Stadt]] und Festung [[Dorsten]]. [[Dorsten]] lag zur Zeit Merians im Norden des kurkölnischen [[Vest Recklinghausen|Vestes Recklinghausen]] am Südufer der Lippe, welche hier den Grenzfluss zum [[Fürstbistum Münster]] bildete.


Die [[Stadt]] [[Dorsten]] war zur dauerhaften Verteidigung durch eine mehrgliedrige, starke Befestigungsanlage mit Gräben, Wällen und Bastionsspitzen zur [[Festung]] ausgebaut worden. Der Lippeübergang war nördlich der Lippe durch Anlage einer Zitadelle gesichert. Damit ging die [[Festung]] über den mittelterlichen Wehrbau der Stadtmauer weit hinaus.
Die [[Stadt]] [[Dorsten]] war zur dauerhaften Verteidigung durch eine mehrgliedrige, starke Befestigungsanlage mit Gräben, Wällen und Bastionsspitzen zur Festung ausgebaut worden. Der Lippeübergang war nördlich der Lippe durch Anlage einer Zitadelle gesichert. Damit ging die Festung über den mittelterlichen Wehrbau der Stadtmauer weit hinaus.


===Abwehr von Kanonenbeschuß===
===Abwehr von Kanonenbeschuß===
Mit dem Einsatz von Pulvergeschützen gegen Ende des des 15. Jhdts. entwickelte sich alsbald nach 1500 damit die steile Stadtmauer von einem nun leicht durch Kanonen zerstörbaren Ziel zu einem neuartigen Verteidigungssystem. Dies sollte die bessere Sicherung einer Stadt gegen feindliche Geschütze ermöglichen und ebenfalls eine optimierte Aufstellung eigener Kanonen vor offenem Schussfeld ermöglichen. Demzufolge mußte das mögliche Schußfeld für die eigenen Kanonen vor der Stadtmauer von hinderlichem Bewuchs und Aufbauten bereinigt werden, so wurde in [[Wesel]] aus diesem Grunde sogar ein Kloster niedergelegt.
Mit dem Einsatz von Pulvergeschützen gegen Ende des des 15. Jhdts. entwickelte sich alsbald nach 1500 damit die steile Stadtmauer von einem nun leicht durch Kanonen zerstörbaren Ziel zu einem neuartigen Verteidigungssystem. Dies sollte die bessere Sicherung einer Stadt gegen feindliche Geschütze ermöglichen und ebenfalls eine optimierte Aufstellung eigener Kanonen vor offenem Schussfeld ermöglichen. Demzufolge mußte das mögliche Schußfeld für die eigenen Kanonen vor der Stadtmauer von hinderlichem Bewuchs und Aufbauten bereinigt werden, so wurde in [[Wesel]] aus diesem Grunde sogar ein vor den Mauern liegendes Kloster niedergelegt.


===Interessen der Landesherren===
===Interessen der Landesherren===
Wegen den zeitlichen politischen und rechtlichen Veränderungen kamen den [[Festung|Festungen]] bedeutende Funktionen in der territorial-staatlichen Landesverteidigung zu, wie Reichs-Festungen oder Landes-Festungen. Für die Errichtung der Stadtbefestigung sorgten daher nicht länger die Bürger, sondern zunehmend die Landesherren.
Wegen den zeitlichen politischen und rechtlichen Veränderungen kamen den Festungen bedeutende Funktionen in der territorial-staatlichen Landesverteidigung zu, wie Reichs-Festungen oder Landes-Festungen. Für die Errichtung bestimmter Stadtbefestigung sorgten je nach Interessenlage daher nicht länger die Bürger, sondern zunehmend die Landesherren.


===Bedeutungsverlust===
===Bedeutungsverlust===
An Bedeutung verlor die [[Festung]] im 18. und 19. Jh. durch die Kriegsführung auf offenem Feld durch stehende Heere.
An Bedeutung verlor die Festung im 18. und 19. Jh. durch die Kriegsführung auf offenem Feld durch stehende Heere.


==Literatur==
==Literatur==
* Dürer,A: Etliche Underricht, zu Befestigung der Stett, Schloss, und Flecken (Nürnberg 1527)
* Dürer, A: Etliche Underricht, zu Befestigung der Stett, Schloss, und Flecken (Nürnberg 1527)
* G. B. Bellucci (Belici), G. B.: Nuova inventione di fabricar fortezze [...], (1545, Venedig 1598).  
* Bellucci (Belici), G. B.: Nuova inventione di fabricar fortezze [...], (1545, Venedig 1598).  
* Speckle, D.: Architectura von Vestungen [...] (Straßburg 1589).
* Speckle, D.: Architectura von Vestungen [...] (Straßburg 1589).
* Errard (de Bar-le-Duc), J.: La Fortification reduicte en art et demonstree (Paris 1600)
* Errard (de Bar-le-Duc), J.: La Fortification reduicte en art et demonstree (Paris 1600)
* Brialmont, H. A.: Etudes sur la difense des Etats et sur la fortification (Brüssel 1863)
* Brialmont, H. A.: Etudes sur la difense des Etats et sur la fortification (Brüssel 1863)
* Scheibert, I.:  Die Befestigungskunst (1880-88)
* Scheibert, I.:  Die Befestigungskunst (1880-88)
* Stavenhagen, W.: Grundriss der Befestigungslehre [...] (Berlin 1900)
* Stavenhagen, W.: Grundriss der Befestigungslehre [...] (Berlin 1900)
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* V. Schmidtchen, V. (Hrsg.), Schriftenreihe Festungen
* V. Schmidtchen, V. (Hrsg.), Schriftenreihe Festungen


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Aktuelle Version vom 16. Oktober 2024, 21:27 Uhr

Hierarchie
Kriegswesen > Festung

Matthaeus Merian der Ältere 1647 Kupferstich: Befestigungsanlagen
von Dorsten an der Lippe mit Bastionsspitzen und Zitadelle

Name

Festung, "festen" (ahd.), daher befestigen, "vestunge" (mhd.) daher zu vesten; auch "Feste" und "Veste"

Bedeutung

Eine Festung war eine ständig oder ausschließlich für den Verteidigungsfall bewohnte Siedlung oder Stadt mit regionaler militärischer Bedeutung, hier beispielhaft im Bild dargestellt mit der Stadt und Festung Dorsten. Dorsten lag zur Zeit Merians im Norden des kurkölnischen Vestes Recklinghausen am Südufer der Lippe, welche hier den Grenzfluss zum Fürstbistum Münster bildete.

Die Stadt Dorsten war zur dauerhaften Verteidigung durch eine mehrgliedrige, starke Befestigungsanlage mit Gräben, Wällen und Bastionsspitzen zur Festung ausgebaut worden. Der Lippeübergang war nördlich der Lippe durch Anlage einer Zitadelle gesichert. Damit ging die Festung über den mittelterlichen Wehrbau der Stadtmauer weit hinaus.

Abwehr von Kanonenbeschuß

Mit dem Einsatz von Pulvergeschützen gegen Ende des des 15. Jhdts. entwickelte sich alsbald nach 1500 damit die steile Stadtmauer von einem nun leicht durch Kanonen zerstörbaren Ziel zu einem neuartigen Verteidigungssystem. Dies sollte die bessere Sicherung einer Stadt gegen feindliche Geschütze ermöglichen und ebenfalls eine optimierte Aufstellung eigener Kanonen vor offenem Schussfeld ermöglichen. Demzufolge mußte das mögliche Schußfeld für die eigenen Kanonen vor der Stadtmauer von hinderlichem Bewuchs und Aufbauten bereinigt werden, so wurde in Wesel aus diesem Grunde sogar ein vor den Mauern liegendes Kloster niedergelegt.

Interessen der Landesherren

Wegen den zeitlichen politischen und rechtlichen Veränderungen kamen den Festungen bedeutende Funktionen in der territorial-staatlichen Landesverteidigung zu, wie Reichs-Festungen oder Landes-Festungen. Für die Errichtung bestimmter Stadtbefestigung sorgten je nach Interessenlage daher nicht länger die Bürger, sondern zunehmend die Landesherren.

Bedeutungsverlust

An Bedeutung verlor die Festung im 18. und 19. Jh. durch die Kriegsführung auf offenem Feld durch stehende Heere.

Literatur

  • Dürer, A: Etliche Underricht, zu Befestigung der Stett, Schloss, und Flecken (Nürnberg 1527)
  • Bellucci (Belici), G. B.: Nuova inventione di fabricar fortezze [...], (1545, Venedig 1598).
  • Speckle, D.: Architectura von Vestungen [...] (Straßburg 1589).
  • Errard (de Bar-le-Duc), J.: La Fortification reduicte en art et demonstree (Paris 1600)
  • Brialmont, H. A.: Etudes sur la difense des Etats et sur la fortification (Brüssel 1863)
  • Scheibert, I.: Die Befestigungskunst (1880-88)
  • Stavenhagen, W.: Grundriss der Befestigungslehre [...] (Berlin 1900)
  • Ludwig, M.: Neuzeitliche Befestigungen (Berlin 1938)
  • Glossarium Artis, Bd. 7: Festungen (Tübingen 1979)
  • V. Schmidtchen, V. (Hrsg.), Schriftenreihe Festungen