Schneidemühl: Unterschied zwischen den Versionen
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Schneidemühl, 20.Juni. Herr Erster Bürgermeister Wolff hatte gestern um 10 Uhr Vormittags eine Audienz bei dem Herrn Minister des Innern Graf Eulenburg in Berlin und demselben Vortrag über das hiesige Brunnenunglück. Nachdem die zu ergreifenden Maßregeln im Beisein des Herrn Geh. Ober-Regierungsrath Höpker besprochen worden waren, beauftragte der Herr Minister den Geh. Ober-Regierungsrath Höpker Herrn Ersten Bürgermeister Wolff zu den Herrn Ministern für Handel und Gewerbe und für öffentliche Arbeiten zu begleiten, um auch hier die zu ergreifenden Maßregeln zu besprechen. Es wurden von den Ministern der Ober-Berghauptmann Freund und aus dem Ministerium für öffentliche Arbeiten aus der Wasserbau-Abtheilung der Geh. Regierungsrath Kummer beauftragt, hierher zu reisen, und falls die Arbeiten des Unternehmers Beyer nicht gelängen, andere Maßregeln zur Abhilfe zu ergreifen. Der Herr Minister des Innern, Graf Eulenburg hat weitgehendste finanzielle Unterstützungen zugesagt und besonders noch hervorgehoben, daß er sich speziell als früherer Landrath des Deutsch-Kroner Kreises für Schneidemühl, wo er sehr oft geweilt, interessire. | Schneidemühl, 20.Juni. Herr Erster Bürgermeister Wolff hatte gestern um 10 Uhr Vormittags eine Audienz bei dem Herrn Minister des Innern Graf Eulenburg in Berlin und hielt demselben Vortrag über das hiesige Brunnenunglück. Nachdem die zu ergreifenden Maßregeln im Beisein des Herrn Geh. Ober-Regierungsrath Höpker besprochen worden waren, beauftragte der Herr Minister den Geh. Ober-Regierungsrath Höpker Herrn Ersten Bürgermeister Wolff zu den Herrn Ministern für Handel und Gewerbe und für öffentliche Arbeiten zu begleiten, um auch hier die zu ergreifenden Maßregeln zu besprechen. Es wurden von den Ministern der Ober-Berghauptmann Freund und aus dem Ministerium für öffentliche Arbeiten aus der Wasserbau-Abtheilung der Geh. Regierungsrath Kummer beauftragt, hierher zu reisen, und falls die Arbeiten des Unternehmers Beyer nicht gelängen, andere Maßregeln zur Abhilfe zu ergreifen. Der Herr Minister des Innern, Graf Eulenburg hat weitgehendste finanzielle Unterstützungen zugesagt und besonders noch hervorgehoben, daß er sich speziell als früherer Landrath des Deutsch-Kroner Kreises für Schneidemühl, wo er sehr oft geweilt, interessire. | ||
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Version vom 12. Mai 2018, 20:29 Uhr
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Hierarchie
Regional > Polen > Pommern > Musterkreis > Schneidemühl
Einleitung
Vorläufige Einstellung. Schneidemühl ist heute Pila (mit gestrichenem "l") in Polen. Die korrekte Verwaltungshierarchie (heutige in Polen, oder vor 1945 im DR) ist noch zu erstellen.
Allgemeine Information
-Schneidemühl, polnisch Piła,Stadt in der polnischen Woiwodschaft Großpolen
-Industrie-und Verwaltungsstadt, etwa 10 km oberhalb der Mündung der Küddow (Gwdą) in die Netze (Notec) auf einer flachen Bodenschwelle im Küddowtal und auf den Sanderterrassen westlich und östlich davon
-nördlich und südlich der Stadt liegende Moorgelände, Baggen, greifen teilweise in die Stadt hinein
-Untergrund enthält Braunkohleflöze, zwischen denen stark wasserführende Sandschichten liegen
-der hohe Wasserdruck führte bei einer Brunnenbohrung 1893 zu einer Katastrophe, zwanzig Häuser stürzten ein
-1850 hat Schneidemühl 4 150 Bewohner
-1856 hat Schneidemühl 6 060 Bewohner
-1900 hat Schneidemühl 19 655 Bewohner
-1939 hat Schneidemühl 45 791 Bewohner
-1980 hat Piła 58 900 Bewohner
-2016 hat Piła fast 74 000 Bewohner
Politische Einteilung
Kirchliche Einteilung/Zugehörigkeit
Evangelische Kirchen
Katholische Kirchen
Geschichte
- entstand auf dem westlichen Ufer der Küddow gegenüber dem slawischen Fischerdorf Piła
- 1160 war Jacobus von Bnin unter König Casimiro, (Boleslai Kriwousti Sohn)Erbherr über die Städtlein Piła und Uscie, nebst dazu gehörigen Gütern
- bereits im 13.Jh. als betriebsame deutsche Siedlung bekannt
- 1380 stellt Königin Hedwig ein erstes Stadtprivileg aus
- 1456 erstmalige Nennung des Ortes als "Snydemole"
- bis 1480 Mediatstadt der Familie von Bnin/ Opalinski (Die Söhne des Andreas von Bnin,Bischoff zu Posen, erwählt 1440, verst. 5.Jan.1479 erwählten sich den Namen Opalinski, darunter Nicolaus von Bnin Opalinski,Castellan von Miedzyrzec)
- Matthias Opalinski,Woywode zu Posen und General in Großpolen schenkte dem König Kasimir von Polen seine Erbgüter Uscię, Piła, Mosina und bekam mit seiner Gemahlin Nawoika von Koniecpole ein großes Heiratsgut
- 1513 verleiht Sigismund I. Schneidemühl das Magdeburger Stadtrecht
- 1605 schenkt König Sigismund III. die gesamte Starostei Usch-Schneidemühl seiner Gemahlin Constantia, einer habsburgischen Prinzessin
- 1626 Stadtbrand und Verlegung des Stadtkerns zum Neuen Markt
- Entstehung der drei Vorstädte Bromberger Vorstadt (Samosz), Uscher Vorstadt (Borkowo) und Stadtberg bzw. Berliner Vorstadt (Pitronke)
- 1709 Ausbruch der Pest, 1710 sollen nur sieben Menschen überlebt haben
- mit der Ersten Polnischen Teilung 1772 kam Schneidemühl an Preußen
- 1807-1815 von Napoleon dem Herzogtum Warschau zugeschlagen
- seit 1914 kreisfreie Stadt
- 1919 musste auf Grund heftiger Proteste der Bürgerschaft die im Versailler Vertrag beschlossene Abtretung der Stadt an Polen wieder rückgängig gemacht werden
- 1922 ist Schneidemühl Hauptstadt der Provinz Grenzmark-Posen-Westpreußen
- 1938 Auflösung der Provinz Grenzmark-Posen-Westpreußen, die Gebiete werden zum größten Teil Pommern angegliedert
- 1945 wurden bei den Kämpfen um die Stadt 75 v.H. der Bausubstanz vernichtet
- 1975-1998 ist Schneidemühl Hauptstadt der Wojewodschaft Wielkopolskie
(Quellen: Hinz,Johannes: Pommern-Wegweiser durch ein unvergessenes Land - Mannheim: Kraft, 1988
Knape, Wolfgang: Hinterpommern zwischen Ostsee und Grenzmark - Würzburg:Kraft, 1994
Sinapio, Johanne: Des Schlesischen Adels, Anderer Theil oder Fortsetzung schlesischer Curiositäten - Leipzig und Breßlau, bey Michael Rohrbach, 1728)
- 1919. 7. Jan.. DZB Danzig. "Nach Berichten aus Schneidemühl sind die Polen bis zur Bahn Schneidemühl-Bromberg vorgedrungen. Kasten und Schrimm sind von den Polen besetzt worden (Bergische Wacht vom 9.1.1919).
- 1933.11. Juni. "Das evangelische Deutschland - Kirchliche Rundschau für das Gesamtgebiet des Deutschen Evangelischen Kirchenbundes" bringt Erfolgsmeldungen der "Reichsschundkampfstelle der evangelischen Jungmännerbünde": In Berlin 10 städt. Büchereien u. gegen 70 Leihbüchereien an einem Tag gesäubert. "In zwei Lastautos wurden 1212 Bücher, zum Teil übelster Art, zur Verbrennung gefahren ... in Schneidemühl ... 500 Bücher aus dem Verkehr gezogen, in Stargard ...".
- 1945.16. Februar. Die Sowjets melden die Einnahme von Schneidemühl.
Genealogische und historische Quellen
Genealogische Quellen
Adressbücher
In der Adressbuchdatenbank ( http://adressbuecher.genealogy.net ) ist das Adressbuch für Schneidemühl von 1896 abfragbar.
Bibliografie
Genealogische Bibliografie
Internetlinks
Offizielle Internetseiten
- http://www.pila.pl/ (Webseite der Stadt) (Polnisch)
- http://www.forum.dawna.pila.pl/index.php (Historisches in Pila) (Polnisch)
- http://www.forum.schneidemuehl.net/phpBB3/index.php (Heimatkreis Schneidemühle)(Deutsch)
- http://pommerndatenbank.de/ (Sucht in Kirchenbüchern, Adressbüchern und Personen aus Pommern)
- Artikel Schneidemühl. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie.
Zufallsfunde
Oft werden in Kirchenbüchern oder anderen Archivalien eines Ortes Personen gefunden, die nicht aus diesem Ort stammen. Diese Funde nennt man Zufallsfunde. Solche Funde sind für andere Familienforscher häufig die einzige Möglichkeit, über tote Punkte in der Forschung hinweg zu kommen. Auf der folgenden Seite können Sie Zufallsfunde zu diesem Ort eintragen oder finden.
Verschiedenes
Kolmarer Kreisblatt vom 10.01.1885
Schneidemühl, 4. Januar. Dem hiesigen Schlossermechaniker Georg Nöttig ist von dem Reichspatentamt für eine von ihm erfundene Handfessel für Exekutivbeamte ein Patent auf die Dauer von 15 Jahren ertheilt worden. Die Fesseln haben die Eigenschaft, ein renitentes Subjekt, selbst das stärkste zur augenblicklichen Folge zu zwingen. Das Stück kostet nur 6 Mark und sind dem Erfinder bereits zahlreiche Aufträge, unter anderem auch von der Oberstaatsanwaltschaft in Posen zugegangen. Außer diesem Patent hat Herr Nöttig schon früher drei andere Patente erworben und zwar für eine Kontrollschießscheibe, einen Holzfräser und einen Milchlocher. – Gestern ist dem hiesigen Schlossermechaniker G. Nöttig von der hiesigen Polizeiverwaltung im Auftrage des Herrn Ministers des Innern für die gezeigte Energie und Umsicht bei dem Brande der Mahnkopf´schen Dampfschneidemühle eine Geldprämie von 100 Mark nebst einem Belobigungsschreiben übergeben worden.
Kolmarer Kreisblatt vom 14.03.1885
Schneidemühl, 11.März. { Verschiedenes } Gestern fand im hiesigen königlichen Gymnasium die Abiturientenprüfung statt, zu welcher die Oberprimaner Heise, Lange, Löwenhardt, Reichert, Schulz und Solmsen zugelassen wurden. Als Kommissarius des Provinzialschulkollegiums fungierte Schulrath Polte aus Posen. Dem Oberprimaner Heise aus Helmsgrün wurde die mündliche Prüfung seiner vorzüglichen schriftlichen Prüfungsarbeiten wegen erlassen und diesem wie auch den übrigen Examinanden das Zeugniß der Reife ertheilt.- - Der Gymnasialdirektor a.D. Hanow ist am 7. d.Mts. zu Charlottenburg verstorben. – Wie wir erfahren hat der Brauereibesitzer Haase die Aronstein´sche Brauerei hierselbst nicht für sich, sondern für Herrn Gustav Schade aus Berlin erworben. Der neue Besitzer ist bereits hier eingetroffen und wird, nachdem verschiedentliche Verbesserungen und Ausbauten der Brauerei durchgesetzt sein werden, sobald als möglich dieselbe eröffnen. Hoffen wir, daß der neue Besitzer, ein junger und wie wir hören tüchtiger Berliner Braumeister, ein wohlschmeckendes Getränk zu liefern im Stande sein wird…
Die Brunnenkatastrophe von 1893
Kolmarer Kreisblatt vom 31.05.1893
Schneidemühl, 28.Mai. Fünf Häuser beginnen wegen Unterspülung des Grundes durch die starke, unverstopfbare Quelle eines neuen artesischen Brunnens … zu bersten. In dieser Angelegenheit berichtet die „Schn.Ztg.“ beruhigend: „Der artesische Brunnen an der Kleinen und Großen Kirchenstraße wird nun hoffentlich nicht lange mehr die Gemüther des Stadttheils beunruhigen. Gestern war ein Bergwerks-Sachverständiger, Herr Bergrath Franke aus Berlin, hier anwesend und besichtigte mit den Herrn Ober-Regierungsrath von Gruben und Regierungsrath Glogau die Brunnenanlagen. Herr Franke erklärte, daß der zeitige Uebelstand durch die Vermauerung des Brunnens gehoben würde. Die hier zu Tage getretene Kalamität sei in Bergwerksdistrikten keine neue Erscheinung. Eine Gefahr für die in der Nähe der Anlage gelegenen Grundstücke ist nicht vorhanden, dieselbe dürfte sich lediglich auf die bisherigen Schäden beschränken. Herr Maurermeister Golz ist bereits mit einer Anzahl von Leuten dabei beschäftigt, um den Brunnen eine Mauer zu ziehen, die in das alte Bohrloch hinabgesenkt wird. Die Arbeiten werden auch während der Nacht fortgesetzt.“
Kolmarer Kreisblatt vom 3.06.1893
Schneidemühl, 1.Juni. Der artesische Brunnen in der Kirchenstraße setzt seine unheilvollen Wirkungen immer weiter fort. Bis jetzt sind 12 Grundstücke in theilweise recht bedenkliche Mitleidenschaft gezogen worden. Da auch die jetzt im Gange befindliche Umfassung der Quelle durch einen aufgemauerten mit Cement verputzten Brunnen, großen Erfolg nicht verspricht, sind weitere Sachverständige vom Ministerium, der Bergakademie und einige erfahrene Techniker berufen worden, um über geeignete Maßregeln zu conferiren. Eine baldige Beseitigung der Kalamität scheint vor der Hand nicht in Aussicht zu stehen…
Schneidemühl, 2.Juni: Der artesische Brunnen in der Kleinen Kirchenstraße setzt sein Zerstörungswerk rastlos fort. Unbefugten wurde heute bereits das Betreten des Polarek´ schen Neubaues verboten, da derselbe eine Menge gefährliche Risse zeigt. Auch das Portofee´sche Grundstück und das Sklow´sche sind zum Theil schon unbewohnbar. Welchen Umfang das bereits jetzt schon große Unglück noch annehmen wird, kann Niemand voraussagen, selbst Sachverständige nicht. Die Beunruhigung in der Bürgerschaft wächst von Tag zu Tag. Heute Nachmittag um 2 Uhr etwa hat sich der Strom einen Weg in den Keller des Hellweg´schen Hauses gebahnt, der in kurzer Zeit vom Wasser angefüllt wurde. Das Haus wurde geräumt…
Kolmarer Kreisblatt vom 7.06.1893
Schneidemühl, 5.Juni. [Brunnen-Angelegenheiten] Die Katastrophe ist, wie mehrere Sachverständige heute erklärten, unvermeidlich und nahe bevorstehend. Die Häuser in der Nähe des Brunnens sind geräumt und dadurch viele Personen in große Noth geraten, da es ihnen unmöglich ist, in den provisorisch bezogenen Wohnungen ihren Gewerbebetrieb fortzusetzen. Das Haus des Herrn Polarek hat sich bereits nach der Kirche zu geneigt, der Einsturz dieses neuen Hauses kann jeden Augenblick erfolgen. Das Pflaster zeigt einen mächtigen Riss, der sich immer mehr erweitert. Von dem Fundament des Hellwig´schen Hauses sind ganze Partien schon gelockert, die Trottoirplatten haben sich an einigen Stellen bedenklich gehoben. Den Umfassungsbrunnen vermag man nicht zu versenken, die einzigste Hoffnung bleibt der Brunnenmacher Beyer mit seinem Projekt die Quellen durch Rohre abzufangen. Herr Beyer wird erst morgen, wie man uns mittheilt, seine Arbeiten in Angriff nehmen. Ob er rechtzeitig wird Hilfe bringen können, bleibt fraglich. Die Sachverständigen glauben, daß, wenn das Erdreich und die nächstgelegenen Häuser einstürzen, dies beim Brunnen zuerst wahrnehmbar sein wird. Sollte die Katastrophe eintreten, so würde das für Schneidemühl ein weit härterer Schlag sein, als die letzt Ueberschwemmung. Daß die Stimmung in der Bevölkerung eine gedrückte ist, daß man mit Besorgniß den kommenden Tagen entgegen sieht, ist ja erklärlich. Die Situation ist sehr ernst!...
Schneidemühl, 6.Juni. Zur Besichtigung des artesischen Brunnens traf heute der Geheime Baurath Reichel aus Bromberg hier ein. Herr Brunnenbauer Beyer trifft heute Nachmittag hier ein und wird sofort die Ausführung seines Projectes in Angriff nehmen. Die Beschädigungen der Gebäude nehmen immer weiteren Umfang an. Die Brucker und Semerau´schen Prachtbauten, Zierden unserer ganzen Stadt, zeigen mächtige Risse. Der dem Einsturze nahe scheinende Neubau des Herrn Polarek ist in seinen unteren Theilen zwischen den Säulen mit Steinen ausgefüllt worden. Das Wasser rauscht mit Allgewalt weiter. Wann eine Wendung zum Besseren eintreten wird, steht noch in weiter Ferne, da Herr Brunnenbauer Beyer telegraphisch angezeigt hat, daß er erst heute Abend hier eintrifft, demnach erst morgen mit seinem Experiment beginnen kann.
Kolmarer Kreisblatt vom 10.06.1893
Schneidemühl, 7.Juni. [Vom artesischen Brunnen] Heute ist der Brunnenmacher Beyer aus Berlin mit seinen Leuten hier eingetroffen und hat die Arbeiten zum Abfangen der Quelle des artesischen Brunnens an der kleinen und großen Kirchenstraßenecke durch Senkung eiserner Röhren begonnen. Infolge dessen sind die Arbeiten zur Senkung des gemauerten Brunnenschachtes eingestellt worden. Herr Beyer glaubt mit den Arbeiten innerhalb 8 Tagen fertig zu sein. Seit dem 5.d.M. enthält das hervorsprudelnde Wasser nicht mehr soviel Erdmassen als bisher. Zur Feststellung der verursachten Bodensenkungen ist die Höhenlage der in Frage kommenden Straßenzüge im Anschluß an Festpunkte im Mauerwerk der evangelischen Kirche, der freireligiösen Kirche, der Synagoge, der Küddowbrücke und der Axtschen Brauerei aufgemessen worden. Durch Wiederholung dieser Messungen werden die weiter eintretenden Bodensenkungen ermittelt werden.
Kolmarer Kreisblatt vom 14.06.1893
Schneidemühl, 13.Juni. Der Brunnenmacher Beyer, dem es bekanntlich gelungen ist, den Strom des artesischen Brunnens abzufangen, beabsichtigt jetzt eine zweite Röhre in einger Entfernung von der ersten einzuführen und glaubt durch diese Röhre aus einer Tiefe von 64 Metern trinkbares Wasser zu schaffen und zugleich noch den Druck des Wassers in der jetzt vorhandenen Quelle auszugleichen.
Kolmarer Kreisblatt von 17.06.1893
Schneidemühl, 15.Juni. Am artesischen Brunnen ist heute die erste Katastrophe erfolgt. Nachmittags nach 4 Uhr versank der etwa 2 Meter hohe Senkbrunnen in die Tiefe, während glücklicher Weise die Arbeiter vesperten. Ein Theil des Hellwig´schen Hauses ist zusammengebrochen. Tausende von Neugierigen umlagern die Unglücksstätte. Herr Brunnenmacher Beyer hofft noch immer, den Brunnen verstopfen zu können, man zweifelt jedoch daran. Der gänzlich abgesperrte Stadttheil wird als dem Untergange geweiht betrachtet. Täglich treffen Fremde hier ein, welche die Stätte in Augenschein nehmen.
Kolmarer Kreisblatt vom 22.06.1893
Schneidemühl, 19.Juni. Die durch Bohrung des artesischen Brunnens entstandene Gefahr nimmt fortwährend zu. Die Senkung des gesammten anliegenden Stadttheils schreitet immer weiter fort, so daß er in höchstem Grade gefährdet ist. Die Räumung der Häuser bis zum Wilhelmsplatz ist polizeilich angeordnet worden. Die „Schn.Ztg.“ schreibt: Täglich sieht man dem Unheil neue Opfer verfallen. Die in weitem Umkreise belegenen Gebäude bersten, der Boden senkt sich, das Pflaster wird gehoben und jeden Augenblick ist der Einsturz vieler Gebäude zu erwarten. Es ist ein Bild trostlosen Elends, welches dem Besucher dieser Unglücksstätte entgegenstarrt. Die Furcht, jeden Augenblick das Krachen der einstürzenden Gebäude zu vernehmen, hindert den Arbeiter in seiner ruhigen Beschäftigung. Die Kaufleute, welche aus dem bedrohten Stadttheile flüchten mußten, sind zerstreut in alle Winde und können ihrem Erwerb nicht, wie bisher, nachgehen. Die Hausbesitzer wissen nicht, woher ihnen Hilfe kommen wird, und doch können wir immer wieder nur zur Ruhe mahnen. Das Unglück ist da und breitet sich noch immer weiter aus. Das Hellwig´sche Grundstück, dessen Fundament versunken ist, wird, wie von anderer Seite berichtet wird, durch Stützen gehalten. Die Folgen der Unterspülungen greifen weiter um sich. Bis jetzt sind 21 Hausgrundstücke in Mitleidenschaft gezogen, von denen bereits 18 polizeilich geräumt sind. Die Wohnungsmiethen beginnen zu steigen. Die Umgebung der Unglücksstätte bietet ein belebtes, zum Theil recht trauriges Bild. Hochbeladene Möbelwagen, jammernde Leute, neugierige Fremde, Beamte und Sachverständige drängen sich. Die Straßen und die Trottoirs sind eingefallen, die Häuser zeigen mächtige Risse, und der Putz fällt ab. Auch das Propsteigebäude ist bereits gefährdet und man befürchtet, daß auch die daneben stehende katholische Kirche in Mitleidenschaft gezogen werden wird. Der Neubau des Postamtes ist sistirt worden, Generalpostmeister von Stephan wird morgen erwartet. Ob dem Unglück wird Einhalt getan werden können, ist ganz ungewiß. Alles schwebt zwischen Hoffen und Bangen. Prof. Zerbst hat ausgerechnet, daß zur Zeit an 4600 Kubikmeter Erde ausgeworfen sind.
Schneidemühl, 20.Juni. Herr Erster Bürgermeister Wolff hatte gestern um 10 Uhr Vormittags eine Audienz bei dem Herrn Minister des Innern Graf Eulenburg in Berlin und hielt demselben Vortrag über das hiesige Brunnenunglück. Nachdem die zu ergreifenden Maßregeln im Beisein des Herrn Geh. Ober-Regierungsrath Höpker besprochen worden waren, beauftragte der Herr Minister den Geh. Ober-Regierungsrath Höpker Herrn Ersten Bürgermeister Wolff zu den Herrn Ministern für Handel und Gewerbe und für öffentliche Arbeiten zu begleiten, um auch hier die zu ergreifenden Maßregeln zu besprechen. Es wurden von den Ministern der Ober-Berghauptmann Freund und aus dem Ministerium für öffentliche Arbeiten aus der Wasserbau-Abtheilung der Geh. Regierungsrath Kummer beauftragt, hierher zu reisen, und falls die Arbeiten des Unternehmers Beyer nicht gelängen, andere Maßregeln zur Abhilfe zu ergreifen. Der Herr Minister des Innern, Graf Eulenburg hat weitgehendste finanzielle Unterstützungen zugesagt und besonders noch hervorgehoben, daß er sich speziell als früherer Landrath des Deutsch-Kroner Kreises für Schneidemühl, wo er sehr oft geweilt, interessire.
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Auf der nachfolgenden Seite können sich private Familienforscher eintragen, die in diesem Ort Forschungen betreiben und/oder die bereit sind, anderen Familienforschern Informationen, Nachschau oder auch Scans bzw. Kopien passend zu diesem Ort anbieten. Nachfragen sind ausschließlich an den entsprechenden Forscher zu richten.
Daten aus dem genealogischen Ortsverzeichnis
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