Dynastenübergang: Unterschied zwischen den Versionen

aus GenWiki, dem genealogischen Lexikon zum Mitmachen.
Zur Navigation springen Zur Suche springen
K (Fehlerkorrektur)
(→‎Weblinks: Wikipedia-Link Morganatische Ehe)
Zeile 112: Zeile 112:


* A. Tacke: Wir wollen der Liebe Raum geben: Konkubinate geistlicher und weltlicher Fürsten um 1500. Wallsteinverlag 2006. ISBN: 978-3-8353-0052-1
* A. Tacke: Wir wollen der Liebe Raum geben: Konkubinate geistlicher und weltlicher Fürsten um 1500. Wallsteinverlag 2006. ISBN: 978-3-8353-0052-1
==Einzelnachweise==
==Weblinks==
* {{Wikipedia-Link|Morganatische Ehe}}
==Fußnoten==
<references />
<references />
[[Kategorie:Genealogischer Begriff]]
[[Kategorie:Genealogischer Begriff]]

Version vom 30. September 2016, 11:57 Uhr

Als Dynastenübergang oder teilweise als Dynastenbrücke (im englischen Sprachgebrauch gateway ancestors) wird in der genealogischen Forschung, vor allem bei der Erforschung der Vorfahren eines Probanden der Übergang von einer bürgerlichen Ahnenreihe zu Ahnen aus dem Hochadel, bezeichnet. Oft wird über diesen Übergang ein Anschluss an bereits gut erforschte Genealogien und eine direkte Abstammung bis hin zu den Karolingern und Ottonen erreicht, und darüber hinaus manchmal bis ins Altertum (englisch descent from antiquity, DFA), wobei Abstammungen jenseits des 8. Jahrhunderts zunehmend zweifelhaft und legendär werden.

Dynastenübergänge stellen eine Besonderheit da, da im Mittelalter und der Frühen Neuzeit die einzelnen Stände (Bürgertum, Niederadel, Hochadel) üblicherweise geschlossener Heiratskreis bildeten. Hierdurch blieben in der überwiegenden Zahl die Nachkommen, zumindest soweit sie durch Quellen erfassbar sind, im gleichen Stand wie ihre Eltern.

Grundsätzlich dürften zwei Arten von Dynastenübergängen zu unterscheiden sein:

  • direkte Übergänge von Dynasten (Hochadligen) ins Bürgertum. Diese entstanden vorwiegend durch anerkannte, aber "illegitime" Nachkommen eines Dynasten, die dann Ehen mit Bürgern (oft Beamten oder Pfarrern bzw. deren Töchtern) eingingen. Bekannt sind entweder eine Tochter Heinrichs III. von Hessen oder die Kinder des Bischofs von Münster und Osnabrück, Franz von Waldeck, mit der bürgerlichen Anna Polmann. Vor allem solche Übergange werden auch als Dynastenbrücke bezeichnet.
  • Übergänge, die zunächst vom Bürgertum zum Kleinadel führen, von wo aus über viele Generationen rückwärts und oft parallel über mehrere Linien Übergänge in den Hochadel zu finden sind. Hierbei weist allerdings keineswegs jede kleinadlige oder gar "uradelige" Familie (z.B. Ministeralien) Übergänge in den Hochadel auf.

Beispiele

Im Rahmen der Quantitativen Genealogie sind Dynastenübergänge ein Spezialgebiet von Arndt Richter und Wolfgang Trogus in ihren beiden Internetseiten:

Von ihnen stammen viele der folgenden Beispiele:

Beispiele für direkte Übergänge vom Hochadel zum Bürgertum

Ein Beispiel für einen direkten Übergang vom Bürgertum zum Hochadel (hier über Heinrich III. von Hessen) enthält die Ahnentafel Goethes.

Heinrich III. von Hessen, Kind: Conzel Dietz

Heinrich III., 1440-1483; o-o Christine (Styne) N.N.; Kind: Conzel Dietz (v. Hessen) in der Ahnenliste Goethe: http://goethe-genealogie.de/verwandtschaft/vorfahrenst.html und von Chemie-Nobelpreisträger Prof. Hermann Staudinger: http://goethe-genealogie.de/staudinger-al/staudingerst.html

sowie alle "Lexikonberühmtheiten" oder Familienforscher, die in der Goethe-Ahnengemeinschaftsliste in der Goethe-AL unter folgenden Goethe-Kekule-Nummer angegeben sind: 14/15 Lindheimer/Seip (7); 250/251 Lyncker/Weigel (8); 2014/2015 Orth/Dietz (6); dazu Link: "Namensindex und Ahnengemeinschafts-Liste" unten bei: http://goethe-genealogie.de/verwandtschaft/ahnengemeinschaftst.html

Ludwig III. (II.) von Hessen mit Margarethe von Holzheim

Ludwig III. (II.), Bruder von Heinrich III., 1438-1471; o-o Margarethe von Holzheim, * um 1443, + nach 1515

in der Ahnenliste Chemie-Nobelpreisträger Prof. Hermann Staudinger: http://goethe-genealogie.de/staudinger-al/staudingerst.html

und als Beispiel eines Genealogen: AL Ludwig Becker, *1920, Dr. jur., Rechtsanwalt und Genealoge, von 1984-2000 Geschäftsführer der Zentralstelle für Personen- und Familiengeschichte - Institut für Genealogie - mit Sitz in Berlin und Archiv in Frankfurt a.M.

Eine Übersicht der 5-maligen(!) direkten Dynastenabstammungen in der Ahnenliste von Prof. Hermann Staudinger zeigt die Übersicht von Arndt Richter und Wolfgang Trogus (3mal über Heinrich III. und 2-mal über Ludwig III. (II.) in: http://goethe-genealogie.de/orth/al_staudinger_uebersicht_04-12.pdf

Wilhelm IV. von Hessen, Sohn: Philipp Wilhelm von Cornberg

Wilhelm IV. zu Hessen, 1532-1592; o-o Elisabeth Wallenstein * um 1530; Sohn: Philipp Wilhelm v. Cornberg, 1553-1616; dieser ist Ahn 142 in Ahnenliste Fürst Otto v. Bismarcks und auch in Ahnenliste Amalie Stürenburg, Gattin von Prof. Siegfried Rösch. Wilhelm v. Cornberg erhielt 1597 in Prag die Adelslegitimation, wodurch seine gesamte umfangreiche Nachkommenschaft von Detlev Schwennicke (siehe Literaturhinweise) aufgenommen worden ist. In diesen Tafeln werden nur die männlichen Nachkommen weiterverfolgt.

Zum Beispiel sind Anna Sabina von Cornbergs Kinder mit oo 1629 Klaus Ernst von Witzleben dort nicht mehr aufgeführt. Eine dieser Nachkommen-Linie bis zur Gegenwart findet sich in der Ahnenliste Rösch (Kinder): http://www.genetalogie.de/roesch2/index.html

Kasimir Wilhelm von Homburg, Landgraf zu Hessen

Kasimir Wilhelm von Homburg, 1690-1726; o-o Sybille Bader, Sohn: Johannes Boetticher, in der Ahnenliste des bekannten Genealogen Friedrich Wilhelm Euler, 1908-1995,

Franz von Waldeck, Bischof von Münster

Franz von Waledekck, 1491(?)-1553, Graf von Waldeck und Bischof von Osnabrück und Münster. Aus seiner eheähnlichen Gemeinschaft mit Anna Polmann (1505-1557) aus Einbeck stammen acht Kinder, vier Söhne und vier Töchter. Von den Söhnen wurden drei Geistliche. Durch seine mit Beamten verheirateten Töchter und deren Nachkommen erscheinen Franz von Waldeck und Anna Polmann auf den Ahnentafeln zahlreicher waldeckischer und hessischer Beamten- und Pastorenfamilien. Aus einer anderen Verbindung des Waldeckers stammt Christoph von Waldeck (1510/1520 - nach 1561)[1].

Graf Eberhard V. v. Württemberg

Graf Eberhard V. v. Württemberg, 1388-1419; o-o Agnes v. Dagersheim; + Stuttgart um 1399.

Eine weitreichende Übersicht über dessen Nachkommen bietet die Übersicht von Arndt Richter und Wolfgang Trogus, "Streifzüge durch Ahnentaflen namhafter Dichter und Denker": http://goethe-genealogie.de/uebersichten/streifzuege_ahnentafeln_graf3.html

Graf Ludwig v. Wirtemberger

Graf Ludwig v. Wirtemberger, 1412-1450, o-o N.N. (Hofdame); Sohn: Johann Württemberger, genannt der Ehrbarmann, + Stuttgart 1504

Hier zeigt eine der Übersichten von Arndt Richter und Wolfgang Trogus die zahlreichen bürgerlichen und briefadligen Nachkommen aus der deutschen Geistesgeschichte: http://goethe-genealogie.de/uebersichten/ahnengem_graf2.html

dazu auch Näheres bei der Ahnenliste Anna v. Mohl: http://www.genetalogie.de/annavonmohl/annavonmohlindex.html

Ullrich IV., der Vielgeliebte v. Württemberg

Ullrich IV., der Vielgeliebte v. Württemberg 1413-1480; o-o(1) um 1435 Margaretha Möwer; Sohn: Kaspar Forstmeister; in der Ahnenliste der Genealogin Dr. Irmgard Khuen (+), * 1921, sowie bei GEDBAS: http://gedbas.genealogy.net/person/descendants/1178034529

o-o(2) um 1450 N.N.; Tochter: Margaretha oo Hans Kungsbach (Königsbach); in Ahnenliste Prof. Siegfried Rösch: http://www.genetalogie.de/roesch2/index.html sowie bei GEDBAS: http://gedbas.genealogy.net/person/show/1136151800

Dynastenübergänge in der Ahnenliste von Wernher v. Braun

Dynasten Übergänge finden sich auch in der Ahnenliste des briefadligen Raketen- und Weltraumpioniers Prof. Wernher von Braun, 1912-1977, väterlicher- und mütterlicherseits, auch im Rahmen seiner Ahnengemeinschaft mit Goethe: http://goethe-genealogie.de/uebersichten/goethe-ahnenfamilien-graf1.html

Beispiele für Übergänge vom Hochadel über den Niederadel zum Bürgertum

Ahnenliste von Eckhard Preuschhof

Beispiel für Übergänge aus dem Bürgertum in den Kleinadel, hier die bürgerliche Ahnenliste von Eckhard Preuschhof, die über den ostpreußischen Kleinadel führt:

Ahnenliste Rübel-Blass

Umfangreiche Angaben zu Dynastenübergängen enthält auch die Ahnentafel Rübel-Blass, die von Wolfang Trogus digital aufbereitet und aufgrund seiner umfangreich-neuzeitlichen mittelalterlichen Quellenkenntnis ergänzt hat:

Ahnenliste Arno Lange

Ein Beispiel eines Überganges aus einer vorwiegend sächsisch-bäuerlichen Ahnenliste, zunächst über einen kleinen Forstmann (Wildhüter) und dann über zehn Kleinadelsgeschlechter, ist die Ahnenliste von Prof. Arno Lange, Dresden: http://www.genetalogie.de/alange/start.html

Literatur

Eine systematische Erfassung von Dynastenübergängen scheint noch nicht zu existieren. Literatur existiert zu einzelnen Familien:

  • Bürgerliche und bäuerliche Nachkommen Bernhard VII zur Lippe (1428-1511). Bis zum Beginn des 18 Jahrhunderts. ISBN978-3-402-13890-0.
Zu Bernhard VII siehe: www.nhv-ahnenforschung.de/Bernhard/index.htm
  • Detlev Schwennicke, "Die Nichtstandesgemäßen und illegitimen Nachkommen der regierenden Häuser Europas", "Europäischen Stammtafeln", NF (grün Reihe) Band III Teilband 2, 1983. Nach Auskunft von Arndt Richter sind diese Tafeln aber für Familienforscher von Aszendenzen (Ahnenlisten) nur sehr bedingt brauchbar/nützlich, da die bürgerliche Seite entweder nur mit einem Namen (ohne Vorfahren) oder auch bloß mit "N.N." angegeben ist.
  • Eberhard Winkhaus: Ahnen zu Karl dem Großen und Widukind in 765 Ahnenstämmen, 1953 mit Ergänzungsband
  • A. Tacke: Wir wollen der Liebe Raum geben: Konkubinate geistlicher und weltlicher Fürsten um 1500. Wallsteinverlag 2006. ISBN: 978-3-8353-0052-1

Weblinks

Fußnoten

  1. P. Hermann Deitmer/Clemens Steinbicker, Ahnen der Familie Deitmer-Gerlach, Saalhausen/Lennestadt 14 in XIV Generationen, in: Beiträge zur Westfälischen Familienforschung, Band 41 (1983), Westfälische Gesellschaft für Genealogie und Familienforschung/Werner Frese (Hrsg.), S. 175-307 (S. 285-286, Nr. 7280); Hans-Joachim Behr, Franz von Waldeck 1491-1553. Sein Leben in seiner Zeit, Teil 1: Darstellung, Münster 1996, S. 481; Ernst Waldschmidt, Die Waldeckische Familie Waldschmidt und die Vorfahren Waldschmidtscher Ehefrauen, Bad Wildungen 1927, S. 181; Wilhelm Kohl (Bearb.), Germania Sacra, Neue Folge 37,3, Bistum Münster 7, Die Diözese 3, Berlin 2003, S. 555. - Zitiert nach Artikel Franz von Waldeck. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie.