Szillokarszmo: Unterschied zwischen den Versionen
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{{Familienforschung Memelland}} | |||
[[Bild: HeydekrugRussklein.jpg|thumb|500 px| Schroetter Karte 1802, Maßstab 1: 160000]] | |||
[[Bild: Ruß1650.jpg|thumb|500 px|Handskizze um 1650]] | |||
'''Hierarchie''' | |||
[[Portal:Regionale Forschung|Regional]] > [[Litauen]] > {{PAGENAME}} <br> | |||
[[Portal:Regionale Forschung|Regional]] > [[Historisches Territorium]] > [[Deutschland 1871-1918]] > [[Königreich Preußen]] > [[Ostpreußen]] > [[Kreis Heydekrug]] > {{PAGENAME}} | |||
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|<center>[[Bild:Lokal_Ort_Musterort_Kreis_Musterkreis.png|thumb|150px|Lokalisierung der Stadt/Gemeinde Musterort innerhalb des Kreises [[Musterkreis]]]] </center> | |||
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== Einleitung == | |||
'''{{PAGENAME}}''', [[Heydekrug]], 1785 [[Szillokarszmo]], Kreis Heydekrug, Ostpreußen. | |||
*1736 gehörten zum Amt Heydekrug: [[Bartel Broszien]], [[Bartel Kuckern]]. | |||
==Name== | |||
[[Bild:Ort Heydekrug Meßtischblatt 01.jpg|850 px|left|thumb|Heydekrug<br><small>(c) Bundesamt für Kartographie und Geodäsie</small>]] | |||
Der Ort entstand aus einem Dorfkrug (einer Gaststätte) auf der Heide in der Nähe des später eingemeindeten Ortes Werden. Krüge waren zunächst einfachste Lokale mit oft nur sechs Trinkgefäßen. Sie wurden meist von Deutschen betrieben und hatten neben ihrer Funktion als Umschlagsplatz von Waren und Neuigkeiten auch die Aufgabe, die baltische Landbevölkerung mit der deutschen Sprache und Kultur vertrauter zu machen. | |||
*prußisch '''"šila, sīla, sylo"''' = Heide, Heideland, Fichtenwald | |||
*preußisch-litauisch '''"šilas"''' = Heide, sandige Heide, Kiefernwald, aber auch Thymian und Monat September | |||
+ prußisch '''"karcemo, karczemo, karčemo"''' = Krug, Dorfschenke, Wirtshaus, verbunden mit Viktualienverkauf | |||
*Mit '''"Abbau"''' wurde in Ostpreußen ein Bauernhof beschrieben, der abseits des Dorfes jedoch innerhalb der Gemarkung lag | |||
*Mit '''"Adlig"''' wird ein adliger Gutsbesitzer mit den entsprechenden adligen Vorrechten bezeichnet: hohe und niedere Gerichtsbarkeit, Jagd- und Fischereirecht, Patronat, Brauerei-, Brennerei-, Verlagsgerechtigkeiten, Herrschaftsrecht gegenüber dem Personal. Selbst der König konnte in diese Rechte nicht eingreifen. Ab 1800 wurden die adligen Güter Rittergüter genannt. | |||
<!--=== Wappen ===[[Bild:Wappen_Ort_Musterort_Kreis_Musterkreis.png]] | |||
Hier: Beschreibung des Wappens | |||
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<!--=== Allgemeine Information === --> | |||
<!-- Hier: Beschreibung der Stadt/Gemeinde, Grösse, Bevölkerung usw.) --> | |||
== Politische Einteilung == | |||
'''1913''' ist {{PAGENAME}} mit [[Barsduhnen]], [[Cynthionischken]] und [[Szibben]] zur Gemeinde '''Heydekrug''' vereinigt worden.<br> | |||
'''1940''' ist {{PAGENAME}} Kreisstadt und Gemeinde mit dem Gut Adlig Heydekrug und den Ortsteilen [[Schlaszen]] und [[Werden]]. | |||
<!--{| border="0" cellpadding="2" cellspacing="1" style="float:right; empty-cells:show; margin-left:1em; margin-bottom:0.5em;" | |||
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[[Bild:Karte_Ort_Musterort_Kreis_Musterkreis.png]] | |||
</center> | |||
|}--> | |||
== Kirchliche Zugehörigkeit == | |||
[[Bild: Heydekrug-Kirche.jpg|thumb|left|Ev. Kirche vor 1945]] | |||
[[Bild:Bild Ort Heydekrug Kirche 2008.jpg|thumb|Ev. Kirche im Jahre 2008]] | |||
=== Evangelische Kirche === | |||
{{PAGENAME}} gehörte bis '''1912''' zum Kirchspiel [[Werden]], seit '''1913''' ist {{PAGENAME}} Kirchspielort. | |||
====Zugehörige Ortschaften==== | |||
Zum Kirchspiel {{PAGENAME}} gehörten '''1913''' folgende Ortschaften: | |||
[[Bismarck (Kr.Heydekrug)|Bismarck]] östlicher Teil, [[Heydekrug]] Ort u. Gut, [[Lapallen]], [[Rupkalwen]], [[Szieszgirren]], [[Szlaszen]], [[Trakseden]]. | |||
====Kirchenbücher==== | |||
Die Kirchenbücher von {{PAGENAME}} sind im Original, wenn auch mit Lücken aufgrund von Vandalismus, in Berlin erhalten ([[Evangelisches Zentralarchiv Berlin]]). | |||
*Taufen 1913-1944 ''mit großen Lücken in den letzten Jahrzehnten'' | |||
*Heiraten 1913-1944 ''mit Lücken'' | |||
*Sterbefälle 1913-1944 | |||
=== Katholische Kirche === | |||
[[Bild:Bild Ort Heydekrug Katholische Kirche 01.jpg|thumb|300px|Kath. Kirche mit Waisenhaus]] | |||
{{PAGENAME}} gehörte '''1907''' zum katholischen Kirchspiel [[Szibben]]. | |||
<!--=== Andere Glaubensgemeinschaften === --> | |||
==Synagoge== | |||
''Hier fehlen noch Informationen.'' | |||
===Juden in Heydekrug=== | |||
*Eine Liste jüdischer Bewohner des Memellandes finden Sie auf der Seite [[Juden im Memelland]]. | |||
== Standesamt == | |||
===Zugehörige Ortschaften=== | |||
Zum Standesamt {{PAGENAME}} gehörten '''1907''' folgende Ortschaften: | |||
[[Barsduhnen]], [[Cynthionischken]], [[Heydekrug]], [[Schlaszen]], [[Szieszgirren]]. | |||
===Standesamtsregister=== | |||
Die Standesamtsregister von {{PAGENAME}} sind fast vollständig verschollen. Im [[Litauisches Historisches Staatsarchiv in Wilna|Litauischen Historischen Staatsarchiv]] in [[Wilna]] sollen folgende Register lagern: | |||
*Geburten: 1939 | |||
*Heiraten: 1939 | |||
*Sterbefälle: 1939 | |||
==Weitere genealogische Quellen== | |||
*[http://www.epaveldas.lt/vbspi/biRecord.do?biRecordId=23620 Notariatsregister des Notars Friedrich Ernst Gessner vom 01.07.-21.12.1869], u.a. mit Kaufverträgen. | |||
==Bewohner== | |||
Folgende Familien bzw. Personen lebten in {{PAGENAME}} oder stehen mit diesem Ort in Verbindung: | |||
*[[Heydekrug/Bewohner von A-K]] | |||
*[[Heydekrug/Bewohner von L-Z]] | |||
== Geschichte == | |||
[[Bild:Bild Ort Heydekrug Gut Adlig Heydekrug 01.jpg|thumb|400 px|Gut Adlig Heydekrug]] | |||
[[Bild:Bild Ort Heydekrug Kreis Heilanstalt 01.gif|thumb|400px|Kreisheilanstalt Heydekrug]] | |||
[[Bild:Bild_Ort_Heydekrug_Am_Markt_Ansichtskarte.jpg|thumb|400 px|Heydekrug - Am Markt]] | |||
[[Bild:Bild_Ort_Heydekrug_Ansichtskarte.jpg|thumb|400 px|Ansichtskarte Heydekrug]] | |||
*'''1511''' erfolgte die Krugverschreibung an einen Georg '''Talat''':<br> | |||
:''„Ich, '''Michel von Schwaben''', Deutschordenskomtur zu [[Memel]], bekenne und tue kund öffentlich vor jedermann, die meinen Brief sehen, hören und lesen, daß ich aus besonderer Gunst Georg '''Talat''', meinen Ordensuntersessenen, den Krug, auf der Heyde gelegen, gegeben habe, und mit Kraft dieses Briefes gebe ich dem vorerwähnten Georg '''Talat''', seinen rechten Erben und Nachkömmlingen denselben Krug auf der Heyde mit seinem Zubehör, Acker, angefangen bis an die [[Sziesze (Fluss)|Sziesze]] und was zwischen solchen Grenzen und Raum nutzbar machen kann für sich und seine rechten Erben und Nachkömmlinge erblich und frei zu kölmischen Rechten gebrauchen und zu besitzen, dazu gebe ich demselben Georg '''Talat''' auch seinen rechten Erben und Nachkömmlingen frei zu ihrer Notdurft einen Anteil mit einem Wintergarn zu fischen im [[Kurisches Haff|Haff]], und solcher Gunst und Verschreibung willen sollen Bedachter Georg '''Talat''', seine Erben und Nachkömmlinge einem Komtur oder dem Haus zu [[Memel]] alle Jahre jährlich zum Termin St. Martini 8 Mark geringen preußischen Zoll gewöhnlicher Münze Pflicht sein zu zinsen. Zu wahren Urkunde und mehreren Sicherheit habe ich, '''Michel von Schwaben''', Komtur zu [[Memel]], auf diesen Brief mein Amtssiegel drücken lassen und gegeben am Sonntag nach St. Petri (23. Februar) im 1511 Jahr nach der Geburt unseres Herrn."'' | |||
*'''1614''' schrieb der Pfarrer zum Marktreiben in Heydekrug: "''Vor der Sonnen Aufgange gehet der teuflische Markt an. Fluchen, Schwören, Fressen und Saufen sind keine Sünde. Es ist zu erbarmen, daß Gottes Wort so schändlich verachtet und gleich mit Füßen getreten wird.''" | |||
*'''1721''' verhinderten die Memeler, daß Heydekrug Stadt wurde. | |||
*'''1723''' erwägt der König abermals, ob bei "dem Heidekrug" nicht eine Stadt angelegt werden soll. Der Grundriß wurde bereits entworfen und war so ähnlich wie die Stadt heute ist; aber auch dieser Plan scheiterte, weil es an Bewohnern fehlte. | |||
*'''1734''' siedeln sich sechs Salzburger Gärtner im Amte Heydekrug an, die aber nicht bleiben, da 1744 kein einziger Salzburger verzeichnet ist. | |||
*'''Anfang 19. Jh.''': "Heydekrug (auf litauisch damals Schilokartschema = Heidekrug) war Anfang des 19. Jahrhunderts eine Verbindung von zwei Orten: | |||
:Das '''Vorwerk Heydekrug''' umfasste vier Anwesen mit 39 Einwohnern. | |||
:Der '''Marktflecken Heydekrug''' mit einer Windmühle hatte auf 22 Anwesen 114 Einwohner. | |||
:Im zukünftigen Stadtteil '''[[Szibben]]''', damals noch ein Kölmerdorf, gab es 15 Anwesen mit 104 Seelen. | |||
*'''1831''': "Dieser kleine Kreisort besteht nur aus 30 Häusern. Gasthof: bei '''Jordan'''" <br> | |||
Quelle: Zedlitz-Neukirch, Leopld v.: Wegweiser durch den Preussischen Staat in die angrenzenden Länder und die Hauptstädte Europa´s, Duncker und Humblot 1831 | |||
*'''1842''' Errichtung einer großen Käsefabrik | |||
*'''1845''' Bau des Gerichtsgebäudes mit Gefängnis | |||
*'''1854''' Bau der Katholischen Kirche | |||
*'''1862''' Errichtung einer Telegraphenanstalt in Heydekrug | |||
*'''1864''' Errichtung einer katholischen Privatschule | |||
*'''1865''' Gründung eines Vorschußvereines | |||
*'''1870''' Einrichtung des jüdischen Friedhofes | |||
*'''1872''' Bau der Synagoge | |||
*'''1873''' Bau der Telegraphenlinie von Heydekrug nach [[Ruß]] | |||
*'''1875''' Inbetriebnahme der Bahnstrecke [[Tilsit]]-[[Memel]] | |||
*'''1876''' Fertigstellung des Landratsamtsgebäudes | |||
*'''1880''' Pflasterung der Straße Heydekrug-[[Szibben]] | |||
*'''1882''' Gründung der Ostpreußischen Torfstreufabrik A.G. | |||
*'''1892''' Eröffnung des [[Hugo-Scheu-Straße in Heydekrug#Haus Nr.1|Kreiskrankenhauses]] | |||
*'''1897''' Errichtung einer landwirtschaftlichen Schule, der sogenannten Winterschule | |||
*'''1901''' Gründung der Kreissparkasse | |||
*'''1905''' Bau des [[Katholische Kirchenstraße in Heydekrug#Haus Nr.1|katholischen Waisenhauses]] | |||
*'''1907''' Errichtung der [[Tilsiter Straße in Heydekrug#Haus Nr.30|Gasanstalt]] | |||
*'''1908''' Bau der Hotels Germania am Platz des alten Kruges auf der Heide | |||
*'''1910''' Bau des Postamtes Heydekrug | |||
*'''1912''' Bau des Bürgermeisteramtes mit Feuerwehr | |||
*'''1913''' Gründung des Kirchspieles Heydekrug, Vereinigung mit [[Barsduhnen]], [[Cynthionischken]] und [[Szibben]] zur Gemeinde Heydekrug vereinigt worden, Eröffnung der Kleinbahnlinie Heydekrug-[[Kolleschen]]. | |||
*'''1914''' Beginn des Baus des Hafens | |||
*'''1917''' Fertigstellung des Hafens | |||
*'''1926''' Einweihung der evangelischen Kirche | |||
*'''1930''' Einweihung der Herderschule | |||
*'''1940''' Kreisstadt und Gemeinde mit dem Gut Adlig Heydekrug und den Ortsteilen [[Schlaszen]] und [[Werden]]. | |||
*'''1944''' Oktober: Flucht der Bevölkerung und Einmarsch der Roten Armee. | |||
Quellen: '''ASCHMANN''', Georg Harry: Die Herderschule zu Heydekrug, Salzgitter 1985. '''SEMBRITZKI''', Johannes u. '''BITTENS''', Arthur: Geschichte des Kreises Heydekrug, Memel 1920, '''[[Memeler Dampfboot]] 1983 Nr.8. | |||
===Räumung des Kreises Heydekrug im Aug. u. Okt. 1944=== | |||
[[Heydekrug/Räumungsbericht|'''Den Artikel dazu finden Sie hier.''']]. | |||
<br> | |||
''Quelle: '''KAUSCH''', Arthur (früher [[Schillwen]]): Niederschrift über die Räumung des Kreises Heydekrug/Ostpr. im August und Oktober 1744 (leicht gekürzt erschienen im Memler Dampfboot 9/2000)''<br> | |||
===Zufallsfunde=== | |||
Um die Mitte des 19. Jahrhundert umfasste | |||
:das adlige '''Gut Heydekrug''' 16 Höfe mit 129 Einwohnern | |||
:und der anliegende '''Marktflecken''' war schon auf 77 Anwesen mit 319 Einwohnern angewachsen. | |||
:Die Gemeinde '''Szibben''' umfasste 185 Anwesen mit 1004 Bewohnern, | |||
:'''[[Werden]]''' 29 Anwesen mit 56 Bewohnern | |||
:und das '''Kölmische Gut [[Werdenberg]]''' 4 Anwesen mit 18 Bewohnern. | |||
Bis 1885 ist die | |||
:'''Gemeinde Heydekrug''' auf 506 Einwohner mit 83 Anwesen, | |||
:'''Szibben''' auf 1480 Einwohner mit 317 Anwesen gewachsen. | |||
:Die Gemeinde '''Werden''' hatte auf 10 Anwesen 62 Einwohner. | |||
:Das '''Gut Adlig Heydekrug''' bewohnten 294 Einwohner in 57 Anwesen | |||
:und das '''Gut Werdenberg''' 24 Einwohner in 3 Anwesen. | |||
Die weitere Entwicklung Heydekrugs wurde durch den Bau der Eisenbahn [[Tilsit]]-[[Memel]] mit einem Bahnhof in Szibben beschleunigt. Auch durch die verbesserten Straßen zu den Orten des weiteren Umlands stieg die Bedeutung Heydekrugs. Zusätzlich durch den Wasserweg [[Sziesze (Fluss)|Schiesze]] begünstigt, wurde Heydekrug für Käufer und Verkäufer ein äußerst interessanter Marktflecken." <br> | |||
*Purvinas, Martynas: Historische Orte am Unterlauf der Memel, in Annaberger Annalen 12/ 2004, S. 86f | |||
== Wanderung durch Heydekrug == | |||
''Folgender Abschnitt stammt aus einem Artikel von Ewald '''Lauks''' im [[Memeler Dampfboot]]'' | |||
Immer kleiner wird der Kreis, wenn wir die Todesnachrichten lesen. Ich will in Gedanken eine Wanderung durch unser kleines Städtchen Heydekrug unternehmen, um alte liebe Erinnerungen wieder aufzufrischen. Sie sollen uns nicht in Vergessenheit geraten, und unsere Kinder sollen wissen, woher wir kamen. | |||
Von der Gemeinde [[Pagrienen]] mache ich den Anfang meiner Wanderung. Es geht längs des alten Weidenweges, rechts vorbei an Nachbar '''Septinus''' und an '''Pawlowski''', die ebenfalls ihr Anwesen auf den von Dr.h.c. Hugo '''Scheu''' gekauften Parzellen erbaut hatten. Zur linken Hand der Ausläufer des schönen romantischen [[Rabenwald in Heydekrug|Rabenwaldes]], auf der anderen Seite endet der [[Kirlicken|Kirlicker]] Landweg nach Heydekrug, ohne Tannenhecken zu beiden Seiten der Eisenbahnstrecke [[Memel]]-[[Tilsit]], zur Linken das Bahnwärtergehöft, dahinter ein kleines, grünes Häuschen, in dem das alte Ehepaar '''Baldszunas''' wohnte. Auf der linken Ecke das neuerbaute Haus von Auto-'''Griga''' mit seinen Verwandten. Wer kannte nicht den immer hilfsbereiten alten Eisenbahner '''Schmähling''' ? Und wer kannte nicht den noch älteren, immer voller derber Witze steckenden Maurer- und Zimmermeister '''Griga'''. Seine gelindesten Ausdrücke waren ''„Noa, koddrige Krät"'' - ''„Du krommet Gestell"'' - ''„Du opjedonnerte Schewschnut"'' - ''„Afjescheiwelte Marjell"'' - ''„He verdrägt nick e mol e vernemftigen Priske"'' - ''„Stänkriger Fulpelz"'' - ''„Pockennarwiger Asiat"''. | |||
Auf der andern Seite der breiten Chaussee, die von [[Memel]] nach [[Tilsit]] führte, stand hinter alten wuchtigen Pappelbäumen, fast wie verträumt, das grüne Haus des netten weißhaarigen Tischlermeisters Franz '''Schlagowski'''. Hinter dem Gehöft von '''Schlagowski''' verlief der Landweg zwischen den [[Werden]]er Kiesgruben nach [[Hermannlöhlen]], den ich mit meinen Angehörigen so oft und gerne gegangen bin. | |||
Jetzt geht die Wanderung aber durch [[Werden]] direkt nach Heydekrug. Wer von der damaligen Jugend hat sich nicht gerne in den vier [[Werden]]er Kiesgruben herumgetummelt ? Selbst die litauischen roten Husaren, die seiner Zeit in Matzicken stationiert waren, haben hier mit ihren Pferden versucht, die "Alpen" zu bezwingen. | |||
Dann kam das evangelische Waisenhaus; und so manches verstoßene Kind hat hier bei Waisenvater '''Jakomeit''' und seiner Ehefrau | |||
liebe Aufnahme gefunden. Es folgte das nette Häuschen, in dem Fleischermeister '''Leitner''' und oben der immer rüstige alte Mehl- '''Jakuttis''' wohnten. Anschließend die „Villa Werden" mit ihrem damaligen Pächter Paul '''Rudat'''. So manches Tänzchen wurde hier im abgelegenen Winkel gedreht. Die so genannten "Sieger", die Franzosen, dann die Befreier vom "deutschen Joch", die Litauer und ihre so zahlreichen politischen Verbände schwangen auch hier oft genug abwechselnd ihr Zepter. Dies aber nur so nebenbei zur Gedankenauffrischung. | |||
Ich wandere aber jetzt in wirklich friedlichen und ruhigen Zeiten meinen Weg weiter nach Heydekrug hinein. Hinter unserm Paul '''Rudat''' zweigt eine Chaussee über [[Hermannlöhlen]]-[[Jonaten]] nach [[Kolleschen]] ab. In nächster Nähe befindet sich auch die Kleinbahnstation [[Werden]]. Dahinter die Mahl- und Sägemühle von Willi '''Gailus''', früher '''Schlimm''' sen. Auf der anderen Chausseeseite lag die Gastwirtschaft unseres immer so „feuchtfröhlichen" Paul '''Witzke'''. Wer hat seiner schon vergessen? | |||
Nun aber zurück auf der entgegen gesetzten Straßenseite zur Volksschule [[Werden]]. Wer kennt nicht mehr den alten Präzentor '''Lakiszus''', der damals die Schulleitung hier hatte? Später folgte Lehrer Gustav '''Elbe'''. Können wir jemals die alten hohen und knorrigen Bäume um unsere große und turmlose [[Werden]]er Kirche und die beiden Pfarrhäuser vergessen ? Wer hat nicht mit Freuden und Begeisterung den wundervollen Blumengarten von Pfarrer '''Jopp''' bestaunt? Unsere alten Pfarrer '''Moser''' und '''Ribbat''', die auch seiner Zeit zum [[Werden]]er Kirchspielbezirk gehörten, sollen nicht vergessen werden. Zwischen dem Pfarrhaus und der Werdener Kirche der ganz idyllisch gelegene Weg zum [[Rabenwald in Heydekrug|Rabenwald]] ! | |||
Die Wanderung geht aber weiter auf der [[Kantstraße in Heydekrug|Kantstraße]] zur Straßenbrücke über den [[Sziesze (Fluss)|Szieszefluß]]. Zur linken Seite die Eisenbahnbrücke [[Memel]]-[[Tilsit]], auf der rechten Seite die Kleinbahnbrücke [[Heydekrug]]-[[Kolleschen]]. | |||
Das so genannte „Richterviertel" - es waren tatsächlich ihrer vier - beginnt gleich hinter- dem [[Sziesze (Fluss)|Szieszefluß]]. Auf der linken Straßenseite das kleine bäuerliche Gehöft von Amtsgerichtsdirektor Josef '''Schwarze'''. Auf der anderen Seite unter alten Bäumen das kreiseigene Haus, in dem Amtsgerichtsrat Artur '''Kairies''' wohnte. Davor, ebenfalls in einem kreiseigenen Haus, unser ewig unzufriedener, gestrenger und doch so herzensjunger alter Amtsgerichtsdirektor '''Fasold'''. Amtsgerichtsrat Dr.'''Pipirs''' wohnte später ebenfalls hier. | |||
[[Bild:Bild Ort Heydekrug Schweizertal 01.jpg|thumb|400px|Ausfluglokal Schweizertal in Heydekrug]] | |||
Weiter rechts die [[Kiefernstraße in Heydekrug|Kiefernstraße]] zum schönen und mückenfreien Schweizertal, Kreiswald, führend. Der damalige Schweizerwirt Eduard '''Laetsch''' darf nicht vergessen werden. So manche schöne, ruhige Stunde konnte man bei unserem Ede" und seiner Ehefrau Emma genießerisch verbringen. Wer hat den starken, würzigen Kiefernduft unseres Schweizertals und des Kreiswaldes nicht noch in der Nase ? Selbst die litauische Spritfabrik soll erwähnt werden. Unsere Bauern haben hier für ein paar Litas ihre Kartoffeln hergeben müssen ! | |||
Aber nun wieder zurück zur Hauptstraße. Jetzt [[Tilsiter Straße in Heydekrug|Tilsiter Straße]] rechts das Haus der Produktenhändler '''Jordan und Sohn'''. Daneben das Haus des Viehhändlers '''Koszinowski''' und im Anschluß die Eiserne Schmiede von Schmiedemeister '''Schmähling'''. Nach dem Tode des Schmiedemeisters wurde hier „Die eiserne Schmiede" in Form einer Gastwirtschaft eingerichtet. „Eiserne Gäste" waren hier nicht selten anzutreffen. Dahinter rechts ein Landweg, der zum katholischen Friedhof führte. Gegenüber das Gehöft des Postbeamten Johann '''Bumbullis'''. Etwas abseits das Gehöft von '''Dowideit''' und die Gasanstalt Heydekrug, dessen Meister damals '''Krasemann''' sen. war. Rechts der Hauptstraße und Eisenbahnlinie der evangelische Friedhof. | |||
Rechts ab, hinter der Eisenbahnlinie [[Memel]]-[[Tilsit]], führt die [[Eisenbahnstraße in Heydekrug|Eisenbahnstraße]] zum Hauptbahnhof. Das grüne Haus von Tischlermeister '''Schiewe''', vorher '''Bratz''' anschließend. Es folgt das alte Postgebäude, dessen Besitzer damals Viehhändler '''Bastian''', vor dem '''Kissuth''', war. Die Kreisbauernschaft war hier auch untergebracht. Seitlich das weiße Häuschen von Witwe '''Klammer'''. Anschließend das '''Kiebertsche''' Haus in dem seinerzeit Rechtsanwalt Dr. '''Brindlinger''' (später Oberbürgermeister in [[Memel]]) seine Praxis hatte. Es folgen das Haus von Buchdruckereibesitzer '''Sekunna''' sen. und das des Bierverlegers '''Berger''' mit dem schönen Rosengarten davor. Vor der rechts abbiegenden [[Bahnhofstraße in Heydekrug|Bahnhofstraße]] noch das Haus des Kaufmanns '''Bellmann'''. | |||
Nun aber wieder zurück zur anderen Seite, zur [[Katholische Kirchenstraße in Heydekrug|Katholischen Pfarrstraße]]. Da stand die kleine katholische Kirche, daneben das große katholische Waisenhaus, die katholische Schule, deren Leiter damals Lehrer Leo '''Schwark''' war. Gegenüber das katholische Pfarrhaus, in dem Pfarrer '''Schacht''' wohnte. Dicht an der [[Tilsiter Straße in Heydekrug|Tilsiter Straße]] das Wohn- und Werkhaus von Auto-'''Boguschewski'''. | |||
Ganz wunderbar wirkte die Villa des früheren Kreisbaumeisters '''Gabe'''. Die Sauberkeit war hier wohl kaum zu überbieten. Wer erinnert sich nicht mehr des „Gartens der Vergessenheit?" Hier hat so manch „Müder" wirklich alles vergessen können. Der damalige Inhaber war '''Quittkat'''. | |||
Die Apotheke '''Grygat''' stand vor einer kurzen Querstraße, die zur [[Bauernstraße in Heydekrug|Bauernstraße]] führte. Nun folgte das altersschwache Haus der Geschwister '''Bendig'''. Wer hat die alte unwirsche Dame und den alten Junggesellen '''Bendig''' mit seinen „Aktuellstücken" nicht gekannt? Kurz, ein Original Heydekrugs. Daher will ich auch diese beiden nicht unerwähnt lassen. Dahinter das Tapetengeschäft von Max '''Kühn''' - dem kühnen Feuerwehrmann. Das Haus des Tischlermeisters und Feuerwehrhauptmanns | |||
'''Schlicht''' danach. | |||
Links bog die [[Ackerstraße in Heydekrug|Ackerstraße]] ab. Hier begann das eigentliche Geschäftsviertel der Stadtmitte. Hintereinander die Restauration, die Gastwirtschaft und die Eisenwarenhandlung von Gebr.'''Mikuteit''' sowie ein kleiner Friseurladen. Eine litauische Monopolsteile - einfach „Puskeladen" genannt - war hier auch einmal. | |||
Im anschließenden Gebäude das Ordensgeschäft von Max '''Runde''' sowie eine Schuhmacherwerkstätte und ein Spielwarengeschäft von Friseur '''Neumann'''. Darüber im selben Hause wohnte auch Dr. med. '''Burstein''', der in Heydekrug keineswegs unbeliebt war. Auch wohnte hier unser alter, ebenfalls sehr beliebter Amtsgerichtsrat '''Roch''' mit seinem ungepflegten langen Schnauzbart. Er wurde von uns einfach „Papa" genannt. Das Häuschen des Pferdehändlers '''Mayer''' - einfach „Schniefkeonkel" genannt - anschließend. Meistens wurde man von '''Meyer''' mit den Worten begrüßt: ''„Ist ein guter Prieske gefällig?"'' | |||
Die Bäckerei '''Jodszuweit''' und ein Milch- und Mehlladen waren im nächsten Gebäude. Danach die Restauration, Gastwirtschaft und der Kaufladen von Franz '''Gaidies''', dessen Nachfolger Alois '''Schwark''' und später Gebr.'''Wythe''' waren. | |||
Das lange Haus von '''Wehleit''', ebenfalls beginnend mit einer Kneipe von '''Jurgeneit''' und '''Stephan''' folgend. Hierin befand sich außerdem der Fleischerladen von '''Klein''' mit der immer vorzüglich schmeckenden Wurst und schließlich die Drogerie '''Wehleit''' selbst. | |||
Das folgende Gebäude war ein großes, rotes Ziegelhaus, aber keineswegs unfreundlich wirkend. Es war unser '''Amtsgerichtsgebäude''', in dem ich von 1922 bis 1943 tätig war. Hinter dem Amtsgericht gab es wieder eine Kneipe von '''Schwellnus''' sen., die sogen. „Abteilung VII". Sechs Abteilungen des Amtsgerichts waren rein „dienstlich", dagegen die „Abteilung VII" nur zu feuchtfröhlicher Stärkung. Im selben Gebäude auch unser schönes Cafe '''Deim'''. Spätere Inhaber waren '''Loehrke''' und Fritz '''Schwellnus''' jun. Im oberen Stockwerk von Cafe '''Deim''' hatte Rechtsanwalt Alfred '''Scherlies''' seine Praxis und Wohnung. Das folgende schöne, große Gebäude gehörte '''Treger''' und '''Papendick'''. Hierin auch der Blumenladen von Frl. '''Schlicht''', die Filiale des [[Memeler Dampfboot|Memeler Dampfboots]] mit dem damaligen Leiter '''Parieser''', später '''Wiemer''' und schließlich das Hutgeschäft von Fritz '''Grau'''. Später befand sich hierin die Kleider-Bezugscheinstelle unter Leitung des Mechanikers Leo '''Formella'''. | |||
Es folgte das nicht schöne und kleine Häuschen, in dem die Masseusin '''Boywid''' -'''Hoffmann''' wohnte. Der Trödlerladen von Michael '''Thumeleit''' als nächster. In dem später neuerbauten Gebäude war ein Kolonialwarengeschäft, welches zwei Schwestern besaßen und die '''Roebsdener Spar-und Darlehnskasse''', deren damaliger Leiter der „dicke" '''Schadereit''' war. Die [[Sudermannstraße in Heydekrug|Sudermannstraße]] anschließend. | |||
Aber vordem noch zurück zur [[Bahnhofstraße in Heydekrug|Bahnhofstraße]]. Im Eckhaus der Friseurladen von '''Herberger''' und Färberei '''Neumann'''. Im folgenden Haus das Porzellanwarengeschäft von Emil '''Adomeit''', später Eitel '''Malunat''' und die Strickerei '''Ewert'''. Auto-'''Gruber''' war der Eigentümer des folgenden Gebäudes, hierin auch das Goldwarengeschäft der Geschwister '''Rautenberg'''. Das Haus der Eheleute Max '''Bellgardt''' mit ihrem Milch- und Buttergeschäft sowie von '''Bellgardt''' jun. mit seiner Bäckerei war das nächste. Der Vorgänger, Bäckermeister '''Klamp''', mit seinem guten Gebäck darf aber auch nicht vergessen werden. | |||
Jetzt biegt die [[Bergstraße in Heydekrug|Bergstraße]] nach rechts ab. Hinter der [[Bergstraße in Heydekrug|Bergstraße]] das Haus von '''Ambraß'''. In diesem auch das Klempnergeschäft von '''Szenguleit''' und das Wollwarengeschäft von '''Cyrulies'''. Als folgendes ein kleines Giebelhaus. Dann das Haus von Stellmachermeister '''Kaulitzki'''. Hierin befanden sich auch einst das Uhrengeschäft von '''Briese''' und ein zweites Geschäft. Im Hofgebäude die Stellmacherei von '''Kaulitzki'''. Das Haus des Justizrat '''Hoffmann''' fiel schon durch die beiden mächtigen Silberpappeln auf. Umfang und Höhe waren in Heydekrug wohl kaum noch zu überbieten. Der alte Justizrat '''Hoffmann''' hatte hier seine Praxis und Wohnung. Der Raiffeisenverein mit seinem damaligen Leiter '''Kahmann''' und Frl. '''Schlimm''', das Papier- und Spielwarengeschäft von '''Sekunna''' jun. anschließend. Dann das Porzellanwarengeschäft von '''Podien'''. Im selben Hause auch das Friseurgeschäft von '''Binsau''' und '''Haltner'''. Folgend im Eckgebäude '''Kaisers''' Kaffeegeschäft und ein Manufakturwarengeschäft von '''Isaak'''. Im Keller das Butter- und Milchgeschäft von Frl. '''Schmeil'''. | |||
<!--In der Stockmannstraße (Früher Töpferstr.) rechts die Praxis und Wohnung von Rechtsanwalt Oskar Schneidereit. Wieder kenn¬zeichneten zwei große Silberpappeln dieses Haus. Prozessagent Mathes , der auch in nächster Nähe wohnte, darf nicht unerwähnt bleiben.. Auf der ande-ren Seite der Stockmannstraße die Bäckerei Julius Schaade. | |||
Von hier ab hieß die Tilsiter Straße jetzt Prinz¬ Joachim-Straße. | |||
Das erste Gebäude in der Prinz-Joachim-Straße war Hotel Kaiserhof mit dem damaligen Besitzer Gayer sen., dann Sohn Willi Gayer und schließlich Kröhnert jun. Im Kaiserhof-Saal wurden die ersten Film¬vorführungen gegeben und zwar durch Link-Gudat von Kaukehmen. Die Kauf¬geschäfte im Kaiserhof wechselten oft ihre Inhaber. Anschließend das schöne große Haus von Frl. Zomm mit ihrem Goldwarengeschäft. Daselbst auch das Manufakturwarengeschäft von Jordan - später Fritz Grau - und ein Kolonialwarengeschäft von Kellmereit, später von Mechanikermeister Alfred Glogau. | |||
Das kleine unansehnliche Giebelhaus, in dem sich eine kleine Leihbiblio | |||
thek und eine Eisbar von Frl. Zwieg befand, wurde auch von dem klei-nen Schneidermeister Boy be¬wohnt. Ein Original, der geborene „Schneedermester Fipps" mit seinem weißen Spitzbart. Das anschließen | |||
de Haus gehörte Bäckermeister Szameitat. Als nächstes das ebenfalls- nied¬rige ausdruckslose Haus, in dem ehe¬mals die Vereinsbank, später das Manufakturwarengeschäft von Bruno Schwark untergebracht war. | |||
Das fol¬gende ockergelbe Haus von Drogist Max Jacomeit. Hierin auch das Fri¬seurgeschäft des alten Meisters Schulz und das Schuhwarenge-schäft Kurmies. Im nächsten Gebäude ein Manufakturen¬geschäft. Das folgende Haus mit dem schönen Garten - ebenfalls Max Ja¬comeit gehörend - machte nach sei¬nem Umbau einen sehr netten Ein¬druck. Frau Luise Kissuth wohnte hierin. | |||
Bierverleger LolI sen. und Rechtsanwalt Till waren die Bewoh¬ner des nächsten hellgrünen Hauses. Jetzt das Gebäude der Heydekruger Polizei- und Kriminaldienststelle, deren Beamte uns wohl noch heute gut be¬kannt sind. | |||
Heydekrug hatte neben der Filiale des Memeler Dampfboots noch zwei weitere Zeitungsverlage, nämlich das „Heydekruger Tageblatt", später die „Rundschau". Anschließend wieder ein ockergelbes Haus von Architekt Kurt Gutknecht. In diesem Hause ver¬brachte auch Michael Kubillus seine letzten arbeitsreichen Tage. | |||
Die Domrichstraße führte auch zur Allgemeinen Ortskrankenkasse, deren Leiter damals Tauregg, später Klein¬schmidt waren. Gewerk-schaftssekretär Kislat gehörte auch hierzu. Das kleine häßliche Häus-chen von Fabri¬kant Vonberg folgte. Etwas im Hin¬tergrund die Zement-fabrik und dane¬ben das Kontor und die Wohnung von Vonberg sen. und jun. Im Nachbar¬haus das Lichtspieltheater von Rose jun., die Gastwirt-schaft von Hoff¬mann - in der es immer eine aus¬gezeichnete „Flecksup-pe-` gab. Die „Schlorrenfabrik" von Bernoth. be¬fand sich etwas im Hintergrund. Et¬was davor das Glasergeschäft und die Kohlenhandlung von Ambraß. Im selben Haus auch das Schreibwaren¬geschäft von Frl. Frieda Schossau. Anschließend das Wohn- und Geschäfts¬haus von Max Dingfeld mit den Fa¬brikanlagen. | |||
Die Fr.-Ulrich-Straße führte zum al¬ten Gutsfriedhof Adl. Heydekrug. | |||
Böse Zungen die erzählten: Ein Amtsangehöriger soll sich wieder ein-mal traditionsgemäß vollgesoffen gehabt haben. Um seinen Nachhause-weg abzukürzen, ging er die Hintergasse und kam auch über den Guts-friedhof von Adl. Heydekrug. Nach dem richtigen Weg suchend, fiel er in die frisch ausgehobene Gruft. Für den kommenden Tag war diese Gruft für den verstorbenen alten Dr. h. c. Scheu hergerichtet! Die Kräfte des „Müden" reichten zu seiner Selbstrettung nicht mehr aus. Sanft schlief er ein. Am folgenden Vormittag "soll man ihn noch schla-fend in seiner bedrängten -Lage vorgefunden haben. Ob dies nicht eine peinliche Sache war? | |||
Gegenüber der Fr.-Ulrich-Straße das kleine freundliche Haus von Butter¬händler Gutack. Daneben das helle Haus der Witwe Bierwolf, in dem auch Zahnarzt Herbert Bratkus seine Praxis hatte. Dann das neue Postamt Heydekrug. Die andere Straßenseite will aber auch nicht vergessen sein. | |||
Deshalb zurück zur Sudermannstraße. | |||
Im flachen Eckgebäude war s. Zt. das Schuhwarengeschäft von Hen-schel, später von Jotzat. Daneben die li¬tauische Monopolstelle und ein Kolo¬nialwarengeschäft. Da steht auch noch das kleine Häuschen des Stellmacher¬meisters Albert Dommasch. Dieses Haus soll das Eltern-haus des Heimat¬dichters Hermann S u d e r m a n n ge¬wesen sein. | |||
Schneidermeister Julius Schossau folgte mit seinem Verkaufs ¬und Wohnhäuschen. Stets wurde man von Julius Schossau mit den Worten begrüßt: „Na Kaimins, wat wöllst Du mie abkepe (abkaufen?)" | |||
Die kurze Querstraße - Brauerstr.- vor der neuerbauten Volks¬bank führte auch zur Sudermannstraße. In dieser war die Malzfabrik von Vonberg sen. | |||
Einer unserer schönen lich¬ten Bauten war die Volksbank. Die Häuser von Malermeister Bierwolf und Stellmachermeister Fritz Rudat folg-ten. Im nächsten Haus einstmals das Klempnergeschäft von Hofer. Kröhnert sen. War Eigentümer des folgenden Hauses. Kröhnert war auch Inhaber einer kleinen Bank. Der Den¬tist Barkowski sen. wohnte auch im selben Haus. | |||
Nun die Schulstraße, die über die Hängebrücke zum Rabenwald führte. In dieser Straße stand auch einst die Synagoge. Es folgte die schöne ` ge¬räumige Volksschule mit der gut ein¬gerichteten Turnhalle. Der große Schul- ¬und Sportplatz soll auch nicht ver¬gessen sein. | |||
Wie oft habe ich hier mit der Alten Herrenmannschaft des MTV Faust-ballwettkämpfe ausgetragen. Mit Freuden denke ich, heute noch an unsere Mannschaft mit dem vorbildlichen Lehrer Kurras, Obersekretär Kurmies, Klempnermeister Szengu1eit, Färbermeister Neumann und Mechanikermeister Alfred Glogau. Rektor Brunck, später Henkel, da¬nach Stephan waren hintereinander die Schulleiter. Unsern freundlichen Lehrer Pritzkat will ich aber kei¬neswegs vergessen. | |||
Die Villa von Pferdehändler Adalbert Rittens ist wohl auch noch bekannt. Wer hat die Pferdepracht von Rittens nicht einmal bewun-dert? Dahinter das ;,Hotel zur Post", dessen Inhaber unser Ede | |||
Laetsch, zuletzt wohl Brosius, war. selben Hause wohnte auch der Zeitungsberichterstatter Tobin. Seine Bibliothek war sehr be-liebt. Auch ein Korbwarengeschäft war im selben Hause. Es folgte die Selterfabrik Seidler ¬dann das Haus von Sattlermeister Bläsner und dann das Gemeindeamt. Wer erinnert sich nicht mehr des so bullbeißig aussehenden und doch so netten und humorvollen Bürgermeisters Kude Den Hüter des Gesetzes Ge¬meindewachtmeister Blosza kennt wohl auch noch jedermann! - | |||
Die Straßenbrücke über einen breiten Graben, der bestimmt nicht nach „4711" roch verschwand bald im Zuge der Kultivierung. Dann die frühe-re Mittelschule, in der später die Haushalts¬-Kochschule unter Leitung von Frau Tonne -Wolf eingerichtet wurde. | |||
Links zweigt die Lindenstraße ab. | |||
In dieser Straße steht auch das Haus der Christlich¬en Gemeinschaft unter Leitung des Predigers Zander. - über die Linden¬ße das Haus der Memeler Bank für Handel und Gewerbe, dahinter das Haus von Frau Maskolus, in dem auch Dr. med. Skodlerrack seine Praxis hatte. Als nächstes, der stets gut gepflegte Garten von Rechnungsrat a. D. Hermann. Das Wohnhaus war nicht weniger gepflegt. Späterer Eigen¬tümer war Rechtsanwalt Alfred Scher¬lies. | |||
Es folgte die Parkstraße, | |||
die entlang des Parks von Gut Adl. Heydekrug führte. Erwähnenswert war in diese Straße das Rundhaus von Baumeister Kairies. über die Parkstraße das große und schöne Haus von Tischlermeister Paul Schla- gowski. Hier auch das Goldwarengeschäft von Bartel und Friseur-geschäft Heinrich Melz¬ner. Nicht weniger schön das anschlie¬ßende Haus des Händlers Meier Smolianski. Eine lange, hohe Lebens¬baumhecke vor dem Gut Adl. Heyde¬krug folgte. Jeder Einblick war durch die dichte Hecke verwehrt. Von der Hofauffahrt konnte man ~ das hellblaue Guts-haus, in dem damals Dr. hc. H Scheu, dessen Sohn, Dr. med. Scheu. und seine Familie wohnten, gut er¬kennen, ebenfalls die großen Wirt¬schaftsgebäude. | |||
Auf der anderen Straßenseite ab Post¬straße | |||
die im Jahre 1926 erbaute evan¬gelische Kirche. Eine wirklich schöne Kirche. Das große Altarbild mit Zeitgenossen in der anbetenden Ge¬meinde löste Proteste aus. Das Pfarr¬haus, in dem Pfarrer Eicke wohnte, das etwas seitlich davor stehende Su¬dermanndenkmal sowie der nette Pro¬menadenweg mit den schlanken Birken waren eine wirkliche Augenweide. Ging man die Poststraße entlang, so kam man zur großen Herderschule. Dane¬ben das Haus des Studiendirektors S a¬m el. In nächster Nähe das neue Land¬ratsamt. | |||
Nun zurück zur Prinz-Joachim-Straße. Hinter dem Promenadenweg der Kleinbahnhof. Die Gleise führten einmal zum Sziesze-Holzhafen und nach der anderen Seite zum Hauptbahnhof und nach Kolleschen. Das schöne Haus von Tautrim war das folgende. Hierin das Katasteramt. Dann eine kurze Seitenstraße, die zum Holzmarkt und zur Markthalle führte. | |||
Anschließend das große Wohn-und Geschäftshaus von Adalbert Rittens. Einst war hier ein. Kolonialwarengeschäft von Bilinski, später das Ra-diogeschäft von Rose jun. Oben hatte Geheimrat Dr. med. Cohn seine Praxis. Ein kleines Holzhäuschen, in dem sich ein Butter¬geschäft befand, folgte. Hinter diesem das Klempnergeschäft von Stantin. | |||
Nun das flache, aber sehr ansprechende Salamander - Schuhwarenge-schäft von Julius Smo1ianski. Danach das Wohn¬haus von Händler Isidor Si1berstein. Hierin das Lederwarengeschäft von Schmidt Nachf. Labeit. Im anschließen¬den Gebäude waren die Bank der Ost¬preußischen Landschaft, das Schneider¬geschäft Bilowski- und später eine Bäckerei. | |||
Die Schlachthausstraße - Lüderitzstr. führte zu den beiden großen Marktplätzen und zu der langen Markthalle. In dieser befand sich auch einst die Konservenfabrik. Nun aber wieder zurück zum eigentlichen großen Marktplatz Die zusammenhän¬genden vier großen Marktplätze waren die zweitgrößte Marktfläche Ostpreu¬ßens. | |||
Auf der Ecke das Germania-Ho¬tel mit dem damaligen Eigentümer | |||
Al¬bert Bratkus. Ihm folgte sein Bruder und schließlich Bruno Steppat. - Sakuth. Das Germania-Hotel soll bis 1944 be¬reits dreimal abgebrannt gewesen sein. Immer wieder wurde es erbaut. Viele Ge-schäftsräume befanden sich außer dem eigentlichen Hotel und größten Saal Heydekrugs hierin. Einige dieser Geschäftsleute waren Benno Ofsi- jowitz, Sakuth, Rose sen., Melzner, Wythe, die Kneipe „ Windenbur-ger Ecke Klein und Apotheke Prieß. | |||
Fast ohne Unterbrechung schlossen sich folgende Geschäftshäuser an: Kaufmann Günther, Fleischer-mstr. Max Schu¬mann mit Bäckerei Hoppe und ein Papierwarengeschäft, Fleischermeister Fuhrmann und das zwei-te Kaisers Kaffee-Geschäft, Restaurant von Wwe. Schmidtke nebst Dro-gerie Rasch, später Sagenkahn, und schließlich F. Bratkus. Als letztes freundliches Haus in dieser Front die Adler-Apotheke von Schmitt sen. und jun. Später erwarb dieses Haus Isidor Silberstein. | |||
Ge¬genüber der Memeler Straße | |||
verliefen in ebenfalls gerader Front die Gast wirtschaft von Makain und Schappeit, das Manufakturengeschäft von Simmat, das Eisenwaren-geschäft von Ewald Krasemann, später Eugen Buttgereit. Eigentümer dieses Hauses war C. Schmidt Nachf. Es folgte das Haus des Bäcker-meisters Neuen¬dorf, in dem sich außerdem ein Schreib¬warengeschäft befand. Folgend das Haus, in dem sich das Manufakturen¬geschäft von Max Bräude befand. Als letztes Haus in dieser Front das des Eisenwarenkaufmanns Schwark, „des Dicken"-. | |||
Die nächste Front begann mit dem Manufakturengeschäft von Louis Kuppermann, anschließend das Ko¬lonialwarengeschäft und die Restau¬ration Buttkus. | |||
Durch die Wiesenstraße | |||
wurde diese Front unterbrochen. Wie oft bin ich mit meinen Kollegen Schleszies und Rondeck diese Straße am Sonntag früh zum Angeln und Flimmern nach Szieszgirren gefahren. Es folgte die kleine Drogerie von Rehberg, spä¬ter von Flick jun., dann das Mehl¬geschäft von Schneider. Das letzte Manufakturengeschäft von Louis Epstein. Ebenfalls das letzte Eisenwaren¬geschäft auf dem Marktplatz war das von Johannes Schmidt, später Her¬mann Schwellnus nebst der nicht wegzudenken-den Kneipe. | |||
Diese Front wurde mit dem Wohnhaus von Johannes Schmitt, das unmit¬telbar an der Sziesze stand, abgeschlos¬sen. | |||
Der Fischmarkt begann auch mit einer Kneipe „Zum goldenen Ancker". Ein Getreide- und Mehlwarengeschäft bildete die nächste kurze Front. Etwas im Hintergrund eine Maschinenreparatur¬werkstätte. Daneben das Haus von Fischhändler Gustav Zander nebst seinem kleinen Mietshäuschen. Die Ha¬fenstraße und die Fischstraße danach. Gegenüber von Zander das Getreide-, Eier- und Geflügelversandhaus von Isi¬dor Silberstein und zum Abschluß des Fischmarktes, dicht an der Sziesze, das kleine Kolonialwarengeschäft von Smolianski sen. | |||
Es lohnt sich aber noch, die Hafen¬straße | |||
entlang des Hafens zum Ruder¬vereinshaus zu gehen. Zunächst der Segelbootschuppen, anschließend das zierliche Wohnhaus, in dem der Ver¬walter des Rudervereins wohnte. Dieses war ein Wythe und später Leo Formella. Am Schluß Darszenies. Dieses Haus diente auch als Jugendherberge. | |||
Das Bootshaus. Nichts ist mir hier im Ruder¬haus unbekannt. Da, das eigentliche Clubzimmer mit dem viel benutzten Flügel und dem dauernd besetzten Bil¬lardspiel. So manches nette Tänzchen im kleineren Kreis wurde hier gedreht. Und dort, die kleine und doch so reich¬haltige Kantine. Unmittelbar daran das Vorstandszimmer und schließlich der große Bootsraum mit den Umkleideräu¬men. Die Ruderboote sind alle zu Hause. Es sind dieses: Der Einer „Ewald" - benannt nach dem damaligen Steuermann Ewald Krasemann, der Doppelskuller „Else" - benannt nach Frau Else Kolitz. Der Gigvierer Heydekrug", der zweite Gigvierer „Sieg¬fried" - benannt nach dem jüngsten Sohn des damaligen Vereinsvorsitzenden Michael Kubillus, dann der m. W. vom Ruderverein Essen geschenkte Gigvierer „Germania" und schließlich noch der Renn-vierer ."Hoffnung". Zwar blieb es mit diesem Rennboot immer nur bei der Hoffnung". Zu einem Sieg hier¬mit hatte es nie mehr ausgereicht. O, was waren das für mich nur für wun¬dervolle Wanderfahrten und Regatten! | |||
Der Markt | |||
An jedem Montag Nachmittag trafen Dampfer „Herta" oder "Ruß" mit den Fischern von der Kurischen Nehrung mit ihrem reichen Fischange-bot zum großen Dienstag-Markt in Heydekrug ein. Die Kurenkähne mit ihren stolzen Wimpeln von nah und fern waren eben¬falls mit dem reichen Fischangebot ent¬lang des Szieszeflusses von der Markt¬brücke bis hinter Smolianski sen. ein¬getroffen. Wer kann jemals dieses idyl¬lische Bild vergessen'' | |||
Zurück geht meine Wanderung über den Fischmarkt und den großen Markt¬platz. Meine Wanderung wäre aber un¬vollständig, wenn ich nicht des „Alten Krugs auf der Heide" gedenken wollte. Da steht gegenüber der Landzunge, um¬flossen vom Szieszefluß, ein Haus. In diesem ein Krug, eine Restauration, ein Kolonialwarengeschäft von Seidel und ein Eisenwarengeschäft von Martin La¬buttis, später Hermann Schwelnus und zuletzt Naubur. | |||
Nach diesem „Krug auf der Heide" soll der Orts¬name „Heydekrug" entstanden sein. | |||
Ein kleines Häuschen, in dem s. Zt. der Mechaniker Leo Formella han¬tierte, steht dicht neben dem „Krug auf der Heide". Ja, daneben im Sziesze¬fluß auch noch das schlanke weiße Mo¬torboot von Formella. Der Zeit ge¬horchend, mußte unser alter „Krug auf der Heide" schon im Jahre 1939 von der Bildfläche verschwinden. Ein Be¬dürfnishäuschen wurde dafür neu er¬baut. Wo blieb die Tradition? | |||
Meine Wanderung geht durch den idyllisch und ruhig gelegenen Raben-wald. Also an der Töpferhalle über die Stra¬ßenbrücke entlang des Szieszeflusses. An der Sziesze liegt ganz romantisch ein Haus wie im Dornröschenschlaf. Daneben das alte Landratsamt. Dann nochmals eine Straßenbrücke über einen toten Arm der Sziesze. Rechts die Auf¬fahrt zum großen Holzplatz der Säge und Mahlmühle Kolitz. Ebenfalls auf der rechten Seite ein schönes Gebäude, in dem einst Gerichtsvollzieher Luschnath wohnte. Gegenüber das Kreis¬krankenhaus. | |||
Die Rußer Chaussee, | |||
die über Bismarck nach Ruß führt, wird uns wohl auch nicht verloren gehen. | |||
Rabenwald | |||
Nun aber hinein in unsern schönen Rabenwald. Der Szieszefluß bleibt mein treuer stiller Begleiter zur Linken. Auf der Szieszeseite zieht sich der Guts¬park von Adl. Heydekrug hin. Alte wuchtige Bäume und Neuan-lagen be¬stimmen das schöne Landschaftsbild. Unendlich scheint der Weg durch den Mischwald zu sein. Eine Wanderung, wie sie kaum schö-ner sein kann. Dort, links die schmale Sziesze-Hängebrücke- Elisabeth mit ihren Stahltrossen. Auf der anderen Seite dieser kleinen Brücke ein ganz besonders schöner Ruheplatz unter einer Gruppe von wuchtigen Linden. Rechts die Gehöfte von Bauunternehmer Brusdeilins, Schapals und Böttcher. Hinter einer würzig duftenden Kiefern¬anlage der ganz wundervoll gelegene Sportplatz. Hier wurden nicht nur alle möglichen Sportarten von Vereinen aus¬getragen, selbst unsere Justiz-Sport-¬Gruppe ließ sich hier sehr oft sehen. | |||
Nicht vergessen soll aber unsere schöne erhebende Johannisfeier auf dem Sport¬platz sein, geleitet von Rektor Hen¬kel oder Lehrer Kurras. Fast ganz Heydekrug wollte hieran teilnehmen, und die ländliche Jugend von nah und fern wollte diese schöne Feier auch nie versäumen. | |||
Die schön gelegene Ra¬benwaldschänke darf keineswegs ver¬gessen werden. "Wo lind des Waldes Lüfte weh´n, in hundertjährigen Eichen da Muß auch eine Schänke steh´n zum Zechen und zum Träumen" Die letzte Wirtin war Witwe Bratkus. Von der angrenzen¬den überdachten Tanzfläche wurde bei dieser und anderen Gelegenheiten aus¬giebig Gebrauch gemacht. Wie wunder¬voll waren doch all diese Waldfeste! Ganz besonders schön war das jährliche Pfingstsingen des Männer-gesangvereins. Wer entsinnt sich nicht noch dieser wundervollen Darbietungen bei gutem Kaffee und Kuchen von Tante Bratkus ? Keineswegs will ich aber bei dieser Gelegenheit unsere Stadtkapelle unter Leitung von Lehrer Leo Schwark, später unter Kurt Otto, ver-gessen. Die¬ses war doch ein schöner Aufschwung für unser Heydekrug. Da steht auch das nette Heydekruger Schützenhaus. Neben den vielen Übungs- und Wett¬schießen wurde hier auch jährlich der Schützenkönig „erschossen" und an¬schließend zwei Tage lang „begossen". Dieses gehörte nun einmal zur schönen Tradition des Schützenvereins. | |||
Dann noch eine schmale Holzbrücke über einen kleinen Abzugsgraben, und ich verlasse den schönen Rabenwald, um meinen Heimweg etwas abzukürzen. Waren es nicht erquickende Spazier¬gänge an Sommer-abenden, wenn die Nachtigallen - Sprosser - an der Sziesze jubilierten? | |||
Vorbei ging's am Gut Kallwellisch¬ken, das früher auch zum Gut Adl. Heydekrug gehörte. Der letzte Besitzer dieses Gutes war. | |||
Erich Dommasch, vor dem Karl Borm. In einer Scheune war in den letzten Kriegsjahren ein Kriegsgefangenenlager eingerichtet. Spä¬ter wurde dieses als Judenlager be¬nutzt! | |||
Den alten Pagriener Weg nach Wer¬den fand ich wundervoll. Die Kronen der alten Weidenbäume taten sich zu einem grünen Laubengang zusammen. Dieses war aber das letzte Stück mei¬ner Wanderung entlang wogender Ge¬treidefelder. Mein Nachbar Fritz Bumbullies mit seinem kleinen netten Häus¬chen und seiner „Baumschule" ist das letzte Anwesen meiner Wanderung. | |||
Auf Grund eines selbstgefertigten Stadt¬planes habe ich meinen Gedanken bei dieser Wanderung freien Lauf gelassen. 14 Jahre sind es bereits her, als ich die Heimat verlassen mußte, und da ist es sehr leicht möglich, daß mir falsche Bezeichnungen oder Benennun¬gen un-terlaufen sind. Diese Verfehlun¬gen bitte ich deshalb zu entschuldigen. Für eine Richtigstellung wäre ich dankbar. | |||
Ja, so war es einmal. Damals wußten wir noch gar nicht all das Schöne und Friedliche zu schätzen. Heute wissen wir es, nachdem wir alles Leid über uns ergehen lassen mußten. | |||
Erst wenn du in der Fremde bist, weißt du, wie schön die Heimat ist. | |||
Ja, ebenfalls sehr schön ist unsere „zweite Heimat" in der wir heute le¬ben, aber nur für das Auge. Das Herz ist in der alten Heimat - zu Hause geblieben. | |||
Ein Gedicht aus Heydekrug | |||
Eine Heydekrügerin wurmte es, daß man unsere ostpreußische Heimat zwar überall lobt, aber für unsere Menschen nicht das richtige Ver-ständnis findet. Der Ostpreuße gilt als stur, unbeweg¬lich, ungebildet. Seine Sprache bildet den Quell einer nie versiegenden hämi¬schen Hei-terkeit. Die Heydekrügerin, von der wir sprechen, ist Margot Eich¬holz, geb. Liedtke, die Witwe des Hey¬dekruger Apothekenbesitzers Oscar Eichholz. Frau Eichholz ist die Schwe¬ster des bekannten deutschen Film¬schauspielers Harry Liedtke. Als sie einen Artikel zum Thema „Das Land ist ja schön, aber die Menschen . . ." las, schrieb sie die folgenden Verse, die in der „Memelländischen Rundschau" er¬schienen. | |||
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Der Ostpreuße | |||
Das Land ist wohl schön, und die Menschen sind wohl treu | |||
Das ist aus dem Reiche den Brüdern nicht neu. | |||
Doch was sie nicht sehen und auch nicht versteh'n: | |||
„Kein Ostpreuße wird mit dem Winde sich dreh'n." | |||
Das Leben ist hart, um so härter sind wir, | |||
Doch wissen wir auch um beglückende Zier. | |||
Wir wissen, daß kurz nur der Sommer uns blüht, | |||
Drum haben wir Freuden für Herz und Gemüt! | |||
Nicht jedem erschließen wir gleich unser Sein. | |||
Nicht jeder schaut uns in die Seele hinein. | |||
Noch ist uns der Handschlag soviel wie der Schwur. | |||
Neid, Bosheit und Tücke verachten wir nur. | |||
Wir geben auch fröhlich und sind stets bereit, | |||
Zu helfen, zü lindern, wo Not ist und Leid. | |||
Und braucht uns der Nachbar, dann treten wir ein, | |||
Als ging es bedrängt um das eigene Sein. | |||
Wir steh'n an der Grenze und halten die Wacht. | |||
!n Treue zum Reiche, still, sorgend, bedacht. | |||
Wir leihen auch keinem Verräter das Ohr. | |||
Wir lachen auch gerne und haben Humor. | |||
So laßt nur den Ostpreußen sein, wie er ist, | |||
So treu, daß er nie seine Heimat vergißt, | |||
So stark, daß die Bürde des Lebens er trägt | |||
Und nicht erst mit Zagen die Lasten abwägt. | |||
Wenn ihr ihn bekrittelt, ihn umwandeln wollt, | |||
Ist echt er nicht mehr wie des Samlandes Gold. | |||
Nicht fest wie der Felsen am brandenden Meer, | |||
Dann ist er kein richtiger Ostpreuße mehr. | |||
Archiv | |||
Der Heydekruger Markt war sehenswert | |||
Memeler Dampfboot | |||
Von den nahe beieinander liegenden Ort¬schaften Heydekrug, Szibben, Werden. Cyr¬tionischken und Barsduhnen wurden 1911 die schon seit längerer Zeit eine wirtschaft¬liche Interessengemeinschaft bildenden Or¬te Heydekrug, Szibben und Cyntionischken zu einer Gemeinde unter der Bezeichnung Heydekrug vereinigt. Nach der Volkszäh¬lung von 1910 hatte Heydekrug 1142, Szib¬ben 1922 und Werden 272 Einwohner. Schon Friedrich Wilhelm I. hatte die Ab¬sich gehabt, Heydekrug zur Stadt zu erhe¬ben. Der Bebauungsplan war fertiggestellt. Doch dann scheiterte das Vorhaben und mußte bis zum zweiten Weltkrieg warten, als Heydekrug unter Oberbürgermeister Eduard Weberstaedt das Stadtrecht und ei;i Stadtwappen mit Elchschaufel und Eichen¬laub erhielt. Damals wurden Schiaszen und Werden eingemeindet. | |||
Heydekrug verdankte seinen wirtschaftli¬chen Aufschwung den gün-stigen Verkehrs¬verhältnissen. Es liegt an der Grenze zwi¬schen Höhen-zug und Niederung. Es ist ein Knotenpunkt für mehrere wichtige Chaus¬seen und kann mit Autobussen genauso er¬reicht werden wie mit Eisen-bahn oder Dampfer. Im weiteren Umkreis findet sich. von dem im Kreis zu peripher gelegenen Ruß abgesehen. kein Ort. der Hydekrug ernst-haft Konkurrenz machen könnte, Markt und Hafen der bis in die Stadt hinein schiffbaren Sziesze zeigten an Markttagen (bis zur Flucht immer dienstags. unter den Sowjets sonntags) ein reich belebtes Bild. In lan-ger Reihe machten die aus der Nie¬derung und von der Nehrung kom-menden Dampfer und Kähne im Hafen fest. Bis nach dem ersten Welt-krieg waren hier auch die Kurenwimpel von Gilge, Inse. Tawe. Loye und Karkeln vertreten. Berge von Gemüse aus Pokallna und Warruß, Kartof-feln aus Bismarck, Obst aus den litauischen Grenz¬gebieten. Unmengen von Fischen harrten der Käufer. Oftmals waren bis zu 40 Kähne mit Stinten gefüllt. die vorwiegend els Schweinefutter gekauft wurden. aber auch eine beliebte Mahlzeit ergaben. Schameiten brachten Scheithoiz, vorwiegend Birke, in ganzen Fuhren zum Verkauf. Heufuhren, Säcke voll Getreide, Körbe voll quiekender Ferkel warteten auf Käufer. Neben Hoch¬- und Plattdeutsch hörte man das memellän¬dische Litauisch und das Kurisch der Haff¬fischer. Ein besonderer Markttag war der Dienstag nach Johanni, bei dem über die Grenze viele Tagelöhner strömten, um sich bei den Niederungsbauern für die Heuernte zu verdingen. Wichtig waren auch die Schweine- und Viehmärkte sowie die Remonte abnah-men. Zur Befriedigung der Bedürfnisse der Orts- und Kreisbewohner ließen sich in Heydekrug zahlreiche Kaufleute, Gastwirte, Handwerker und Gewerbetreibende nie¬der. Zwei Schneidemühlen, zwei Brauereien, eine Molkerei, drei Dampfmahlmühlen, zwei Zementwarenfabriken und die Traksedener Torfstreufabrik zeugten von der wachsenden Bedeu-tung des Kreisortes. | |||
Die öffentlichen Gebäude verteilen sich zweckmäßig über den gesamten Ort. Die schon vor der Verschmelzung errichtete gehobene Volksschule Heydekrug-Szibben , liegt auf der Grenze beider Ortsteile. „Mit vereinten Kräften" hieß die programmati¬sche Inschrift. | |||
Der Bahnhof, die katholische Kirche und das katholische Waisen-haus, das 1909 bedeutend erweiterte Amtsgericht. ein Postamt und die Gasanstalt befanden sich in Szibben. Ein zweites Postamt, die Markt-halle, das Zollamt, die landwirtschaft¬liche Winterschule, das Kreis-krankenhaus, die Herderschule und das Landratsamt la¬gen in Hey-dekrug. Die evangelische Kirche Heydekrugs konnte erst im November 1926 vollendet werden. Das erste Werdener Gotteshaus stammte aus dem Ende des 16. Jh. Unter Benutzung der alten Umfassungs¬mauern wurde 1847 das neue Gotteshaus " als Rechteckbau gotischen Stils ohne Turm errichtet. Von den übrigen Gebäuden Wer¬dens ist die 1725 von Friedrich Werdens gibt es gewaltige Kieslager, die für den Bau der Eisenbahn und der Chaus¬seen eine große Rolle spielten. Früher führte die Heerstraße Tilsit-Memel durch Werden, ohne Heydekrug zu berühren. | |||
Wochenmarkt in Heydekrug | |||
Die erste Aufregung legte sich, man setzte sich an den Tisch, um „Aus Memeler Dampfboot | |||
Immer kleiner wird der Kreis, wenn wir die Todesnachrichten lesen. Ich will in Gedanken eine Wanderung durch unser kleines Städt-chen Heyde¬krug unternehmen, um alte liebe Er¬innerungen wieder auf-zufrischen. Sie sollen uns nicht in Vergessenheit ge¬raten, und unsere Kinder sollen wis¬sen, woher wir kamen. | |||
Stadtplan | |||
Von der Gemeinde Pagrienen (Roter Punkt) mache ich den An-fang meiner Wanderung. Es geht längs des alten Weidenweges, rechts vorbei an Nachbar S e p t i n u s und an P a w l o w s k i, die eben-falls ihr An¬wesen auf den von Dr.h.c. H. Scheu gekauften Parzellen er-baut hatten. Zur linken Hand der Ausläufer des schö¬nen romantischen Rabenwaldes, auf der anderen Seite endet der Kirliker Landweg nach Heydekrug. ohne Tan¬nenhecken zu beiden Seiten der Eisen¬bahnstrecke Memel -Tilsit, | |||
zur Lin¬ken das Bahnwärtergehöft, dahinter ein kleines, grünes Häus-chen, in dem das alte Ehepaar B a l d s z u n a s wohnte. Auf der lin-ken Ecke das neuerbaute Haus von Auto - G r i g a mit seinen Verwandten. Wer kannte nicht den immer hilfsbereiten alten Eisenbah-ner S c h m ä h l i n g? Und wer kannte nicht den noch älteren, immer voller derber Witze steckenden Maurer- und Zimmermeister G r i g a. Seine gelindesten Aus¬drücke waren „Noa, koddrige Krät" - „Du krommet Gestell" - „Du opje¬donnerte Schewschnut" - „Afjeschei¬welte Marjell" - „He verdrägt nick e mol e vernemftigen Priske" - „Stänk¬riger Fulpelz" - „Pockennarwiger Asiat". | |||
Auf der andern Seite der breiten Chaussee, die von Memel nach Tilsit führte, stand hinter alten wuchtigen Pappelbäumen, fast wie verträumt, das grüne Haus des netten weißhaarigen Tischlermeisters Franz S c h l a g o w s k i. Hinter dem Gehöft von Schlagowski verlief der Landweg zwischen den Wer¬dener Kiesgruben nach Hermannlöh¬len, den ich mit meinen Angehörigen so oft und gerne gegangen bin. | |||
Jetzt geht die Wanderung | |||
aber durch Werden direkt | |||
nach Heydekrug. Wer von | |||
der damaligen Jugend hat sich nicht gerne in den vier Werdener Kiesgruben herum getummelt? Selbst die itaui- schen roten Husaren, die s. Zt. In Matzicken stationiert- waren, haben hier mit ihren i Pferden versucht die "Alpen“ zu bezwingen. | |||
Dann kam das evangeli- Waisenhaus; und so man- ¬ches verstoßene Kind hat hier bei Waisenvater Jako-meit und seiner Ehefrau, | |||
liebe Aufnahme gefunden. Es folgte das nette Häuschen, in dem Flei- schermeister Leitner und oben der immer rüstige alte Mehl- Jakuttis wohnten. | |||
Anschließend die „Villa Wer¬den" mit ihrem damaligen Pächter Paul Rudat. So manches- | |||
Tänzchen wurde hier im abgelegenen Winkel gedreht. Die so genannten "Sieger" Die Fran zosen, dann die Befreier vom deutschen Joch" die Litauer und ihre so zahl-reichen politischen Verbände - schwangen auch hier oft genug ihr Zepter ab¬wechselnd . Dies aber nur so nebenbei zur Gedankenauffrischung. Ich wandere aber jetzt in wirklich friedlichen nd und ruhigen Zeiten meinen Weg weiter nach Villa Werden Heydekrug hinein. Hinter unserm Paul Rudat zweigt eine Chaussee über Hermannlöhlen - Jonaten nach Kolleschen ab. | |||
ner Mühle Stauwehr | |||
Werdener Mühle Stauwehr Mühle- Sägewerk Schlimm, Gailus | |||
-In nächster Nähe befindet sich auch die Kleinbahnstation Werden. Da-hinter die Mahl- und Sägemühle von Willi Gailus früher Schlimm sen. | |||
Auf der anderen Chausseeseite lag die Gastwirtschaft unseres immer so | |||
„feuchtfröhlichen" Paul Witzke. Wer hat seiner schon vergessen? Nun aber zurück auf der entgegen gesetzten Stra¬ßenseite zur Volksschule Werden. Wer kennt nicht mehr den alten Präzentor L a k i s z u s, der damals die Schullei¬tung hier hatte? Später folgte Lehrer Gustav Elbe. Können wir jemals die alten hohen und Porrigen Bäume um unsere gro-ße und turmlose Werdener Kirche und die beiden Pfarrhäuser ver¬ges-sen? Wer hat nicht mit Freuden und Begeisterung den wundervollen Blumengarten von Pfarrer J o p p bestaunt? Unsere alten Pfarrer M o - s e r und R i b b a t, die auch s. Zt. zum Wer¬dener Kirchspielbezirk gehörten, sol¬len nicht vergessen werden. Zwischen dem Pfarrhaus und der Werdener Kirche der ganz idyllisch gelegene Weg zum Raben-wald! | |||
Die Wanderung geht aber weiter auf der Kantstraße zur Straßen-brücke über den Szieszefluß. Zur linken Seite die Eisenbahnbrücke Memel-Tilsit, auf der rechten Seite die Kleinbahnbrücke Heydekrug-Kolleschen. | |||
Straßenbrücke Werden | |||
Das so genannte „Richterviertel" - es waren tatsächlich ihrer vier - beginnt gleich hinter- dem Szieszefluß. Auf der linken Straßenseite das kleine bäuerliche Gehöft von Amtsgerichts¬direktor Josef Schwarze. Auf der anderen Seite unter alten 'Bäumen das kreiseigene Haus, in dem Amtsgerichts¬rat Artur Kairies wohnte. Davor, ebenfalls in einem kreis-eigenen Haus, unser ewig unzufriedener, gestrenger und doc h so her-zensjunger alter Amts¬gerichtsdirektor F a s o l d. Amtsgerichts¬rat Dr.P i p i rs wohnte später eben¬falls hier. | |||
Weiter rechts die „Kiefernstraße", zum schönen und mückenfreien dem „Schweizertal", Kreiswald, füh¬rend. Der damalige Schweizerwirt" Eduard L a e t s ch darf nicht verges¬sen werden. So manche schöne, ru¬hige Stunde konnte man bei unserem Ede" und seiner Ehefrau Emma | |||
ge nießerisch verbringen. Wer hat den starken und würzigen Kiefernduft un¬seres „Schweizertals" und des Kreis¬waldes nicht noch in der Nase? Selbst die litauische Spritfabrik soll er¬wähnt werden. l Unsere Bauern haben hier für ein paar Litas ihre Kartof¬feln hergeben müssen! | |||
Aber nun wieder zurück zur Haupt¬straße. Jetzt Tilsiter Straße Rechts das Haus der Produk¬tenhändler Jordan und Sohn. Dane¬ben das Haus des Viehhändlers Koszinowski und im Anschluß die Eiserne Schmiede von Schmiedemeister Schmähling. Nach dem Tode des Schmiede-meisters wurde hier „Die eiserne Schmiede" in Form einer Gast¬wirt-schaft eingerichtet. „Eiserne Gäste" waren hier nicht selten anzutref-fen. Da¬hinter rechts ein Landweg, der zum katholischen. Friedhof führte. Gegen¬über das Gehöft des Postbeamten Jo¬hann Bumbullis. Etwas abseits das Gehöft von D o w i d e i t und die Gas¬anstalt Heydekrug, dessen -Meister da¬mals Krasemann sen. war. Rechts der Hauptstraße und Eisenbahnlinie der evangelische Friedhof. | |||
Gräber der Eltern von Sudermann | |||
Bilder Friedhof | |||
Soldatengräber auf dem Friedhof | |||
Rechts ab, hin¬ter der Eisenbahnlinie Memel-Tilsit, führt die Eisen-bahnstraße zum Haupt¬bahnhof. Das grüne Haus von Tisch¬lermeister Schiewe, vorher Bratz anschließend. Es folgt das alte Post¬gebäude, dessen Besitzer damals Vieh¬händler Bastian, vor dem Kissuth, war. Die Kreisbauernschaft war hier auch untergebracht. Seitlich das weiße Häuschen von Witwe Klammer. An¬schließend das Kiebertsche Haus in dem s. Zt. Rechtsanwalt Dr. B r i n d¬ 1 in g e r (später Oberbürgermeister in Memel) seine Praxis hatte. Es folgen das Haus von Buch¬druckerei-besitzer S e k u n n a sen. und das des Bierverlegers B e r g e r mit dem schönen Rosengarten davor. Vor der rechts abbiegenden Bahnhofstraße noch das Haus des Kaufmanns B e l l m a n n. | |||
Nun aber wieder zurück zur anderen Seite, zur Katholischen Pfarr-straße. Da stand die kleine katholische-Kirche, da¬neben das große | |||
katholische Waisen¬haus, die katholische Schule, deren Leiter damals | |||
Bilder | |||
Lehrer Leo S c h w a r k war. Gegenüber das katholische Pfarr¬haus, in dem Pfarrer Schacht wohnte. Dicht an der Tilsiter Straße das Wohn ¬und Werkhaus von Auto - B o g u s c h e w s k i. | |||
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Ganz wunderbar wirkte die Villa des früheren Kreisbaumeisters Gabe. Die Sauberkeit war hier wohl kaum zu überbieten. Wer erinnert sich nicht mehr des „Gartens der Verges¬senheit?" Hier hat so manch „Mü-der" wirklich alles vergessen können. Der damalige Inhaber war Quittkat | |||
Die Apotheke Grygat stand vor einer kurzen Querstraße, die zur Bau-ernstraße führte. Nun folgte das altersschwache Haus der Geschwister Bendig. Wer hat die alte unwirsche Dame und den alten Jung¬gesellen Bendig mit seinen „Aktuell¬stücken" nicht gekannt? Kurz, ein Original Heydekrugs. Daher will ich auch diese beiden nicht unerwähnt las¬sen. Dahinter das Tapetengeschäft von Max Kühn - dem kühnen Feuerwehr¬mann. Das Haus des Tischlermeisters und Feuerwehrhauptmanns | |||
S c h l 1 c h t danach. | |||
Links bog die Ackerstraße ab. Hier begann das eigentliche Geschäfts-viertel der Stadtmitte. Hintereinander die Restauration, die Gastwirt--schaft und die Eisenwarenhandlung von Gebr. M i k u t e i t sowie ein kleiner Friseur¬laden. Eine litauische Monopolsteile - einfach „Puskela-den" genannt - war hier auch einmal. | |||
Im anschließenden Gebäude das Ordensgeschäft von Max Runde sowie eine Schuhmacherwerk¬stätte und ein Spielwarengeschäft von Friseur Neumann. Darüber im sel¬ben Hause wohnte auch Dr. med. B u r s t e i n, der in Heydekrug keines¬wegs unbeliebt war. Auch wohnte hier unser alter, ebenfalls sehr beliebter Amtsgerichtsrat Roch mit seinem un¬gepflegten langen Schnauzbart. Er wurde von uns einfach „Papa" ge¬nannt. | |||
Das Häuschen des Pferdehänd¬lers Mayer - einfach „Schniefkeonkel" genannt - anschließend. Meistens wurde man von Meyer mit den Worten be¬grüßt: „Ist ein guter Prieske gefällig?" | |||
Die Bäckerei J o d s z u w e i t und ein Milch- und Mehlladen, waren im näch¬sten Gebäude. Danach die Restauration, Gastwirtschaft und der Kaufladen von Franz G a i d i e s, dessen Nachfolger Alois S c h w a r k und später Gebr. W y t h e waren. | |||
Das lange Haus von W eh l e i t, _ ebenfalls beginnend mit einer Knei-pe von Jurgeneit und Stephan fol¬gend. Hierin befand sich außerdem der Fleischerladen von Klein mit der im¬mer vorzüglich schmeckenden Wurst und schließlich die Drogerie W e h l e i t selbst. | |||
Das folgende Gebäude war ein großes, rotes Ziegelhaus, aber keines¬wegs unfreundlich wirkend. Es war unser Amtsgerichtsgebäude, in dem ich von 1922 bis 1943 tätig war. Hinter dem Amtsgericht gab es wieder eine Kneipe von Schwellnus sen., die sogen. „Abteilung VII" Sechs Abteilungen des Amtsgerichts wa¬ren rein „dienstlich", dagegen die „Ab¬teilung VII" nur zu feuchtfröhlicher Stärkung. Im selben Gebäu-de auch unser schönes Cafe D e i m. Spätere Inhaber waren L o e h r k e und Fritz S c h w e l l n u s jun. Im oberen Stock¬werk von Cafe Deim hatte Rechts¬anwalt Alfred S c h e r l i e s seine Praxis und Wohnung. Das folgende schöne, große Gebäude gehörte T r e g e r und P a p e n d i c k. Hierin auch der Blu¬menladen von Frl. Schlicht, die Fi¬liale des Memeler Dampfboots mit dem damaligen Leiter P a r i e s e r, später W i e m e r und schließlich das Hutgeschäft von Fritz Grau. Später befand sich hierin die Kleider-Bezug¬scheinstelle unter Leitung des Mecha¬nikers Leo F o r m e l l a. | |||
Es folgte das nicht schöne und kleine Häuschen, in dem die Masseusin B o y w i d -Hoffmann wohnte. Der Trödlerladen von Michael T h u m el e i t als nächster. In dem später neuerbauten Gebäude war ein Kolonialwa-rengeschäft, welches zwei Schwestern besaßen und die R o e b s d e n e r Spar- und Darlehns¬kasse, deren damaliger Leiter der „dicke" Schadereit war. | |||
Die Sudermannstraße anschließend. | |||
Aber vordem noch zurück zur Bahn¬hofstraße. Im Eckhaus der Friseur¬laden von Herberger und Färberei Neumann. Im folgenden Haus das Porzellanwarengeschäft von Emil Adomeit, später Eitel Malunat und die Strickerei Ewert. Auto-Gruber war der Eigentümer des folgenden Ge¬bäudes, hierin auch das Goldwaren¬geschäft der Geschwister Rauten¬berg.Das Haus der Eheleute Max Bellgardt mit ihrem Milch und Butter-geschäft sowie von Bellgardt jun. mit seiner Bäckerei war das näch-ste. Der Vorgänger, Bäckermeister Klamp, mit seinem guten Gebäck darf aber auch nicht vergessen werden. | |||
Jetzt biegt die Bergstraße nach rechts ab. Hinter der Bergstraße das Haus von Ambraß. In diesem auch das Klempnergeschäft von Szengu- | |||
leit und das Wollwarengeschäft von Cyrulies. Als folgendes ein kleines Giebelhaus. Dann das Haus von Stellmachermeister Kaulitzki. Hierin be¬fanden sich auch einst das Uhrenge¬schäft von Briese und ein zwei-tes Geschäft. Im Hofgebäude die Stell¬macherei von Kaulitzki. | |||
Das Haus des Justizrat Hoffmann fiel schon durch die beiden mächtigen Silberpappeln auf. Umfang und Höhe waren in Heyde¬krug wohl kaum noch zu überbieten. Der alte Justizrat Hoffmann hatte hier seine Praxis und Wohnung. Der Raiff¬eisenverein mit seinem damaligen Lei¬ter Kah-mann und Frl. Schlimm, das Papier- und Spielwarengeschäft von Sekun-na jun. anschließend. Dann das Porzellanwarengeschäft von Po¬dien. Im selben Hause auch das Friseurgeschäft von Binsau und Haltner. Folgend im Eckgebäude Kaisers Kaffeegeschäft und ein Manu-faktur¬warengeschäft von Isaak. Im Keller das Butter- und Milchge-schäft von Frl. Schmeil. | |||
In der Stockmannstraße (Früher Töpferstr.) rechts die Praxis und Wohnung von Rechtsanwalt Oskar Schneidereit. Wieder kenn¬zeichneten zwei große Silberpappeln dieses Haus. Prozessagent Mathes , der auch in nächster Nähe wohnte, darf nicht unerwähnt bleiben.. Auf der ande-ren Seite der Stockmannstraße die Bäckerei Julius Schaade. | |||
Von hier ab hieß die Tilsiter Straße jetzt Prinz¬ Joachim-Straße. | |||
Das erste Gebäude in der Prinz-Joachim-Straße war Hotel Kaiserhof mit dem damaligen Besitzer Gayer sen., dann Sohn Willi Gayer und schließlich Kröhnert jun. Im Kaiserhof-Saal wurden die ersten Film¬vorführungen gegeben und zwar durch Link-Gudat von Kaukehmen. Die Kauf¬geschäfte im Kaiserhof wechselten oft ihre Inhaber. Anschließend das schöne große Haus von Frl. Zomm mit ihrem Goldwarengeschäft. Daselbst auch das Manufakturwarengeschäft von Jordan - später Fritz Grau - und ein Kolonialwarengeschäft von Kellmereit, später von Mechanikermeister Alfred Glogau. | |||
Das kleine unansehnliche Giebelhaus, in dem sich eine kleine Leihbiblio | |||
thek und eine Eisbar von Frl. Zwieg befand, wurde auch von dem klei-nen Schneidermeister Boy be¬wohnt. Ein Original, der geborene „Schneedermester Fipps" mit seinem weißen Spitzbart. Das anschließen | |||
de Haus gehörte Bäckermeister Szameitat. Als nächstes das ebenfalls- nied¬rige ausdruckslose Haus, in dem ehe¬mals die Vereinsbank, später das Manufakturwarengeschäft von Bruno Schwark untergebracht war. | |||
Das fol¬gende ockergelbe Haus von Drogist Max Jacomeit. Hierin auch das Fri¬seurgeschäft des alten Meisters Schulz und das Schuhwarenge-schäft Kurmies. Im nächsten Gebäude ein Manufakturen¬geschäft. Das folgende Haus mit dem schönen Garten - ebenfalls Max Ja¬comeit gehörend - machte nach sei¬nem Umbau einen sehr netten Ein¬druck. Frau Luise Kissuth wohnte hierin. | |||
Bierverleger LolI sen. und Rechtsanwalt Till waren die Bewoh¬ner des nächsten hellgrünen Hauses. Jetzt das Gebäude der Heydekruger Polizei- und Kriminaldienststelle, deren Beamte uns wohl noch heute gut be¬kannt sind. | |||
Heydekrug hatte neben der Filiale des Memeler Dampfboots noch zwei weitere Zeitungsverlage, nämlich das „Heydekruger Tageblatt", später die „Rundschau". Anschließend wieder ein ockergelbes Haus von Architekt Kurt Gutknecht. In diesem Hause ver¬brachte auch Michael Kubillus seine letzten arbeitsreichen Tage. | |||
Die Domrichstraße führte auch zur Allgemeinen Ortskrankenkasse, deren Leiter damals Tauregg, später Klein¬schmidt waren. Gewerk-schaftssekretär Kislat gehörte auch hierzu. Das kleine häßliche Häus-chen von Fabri¬kant Vonberg folgte. Etwas im Hin¬tergrund die Zement-fabrik und dane¬ben das Kontor und die Wohnung von Vonberg sen. und jun. Im Nachbar¬haus das Lichtspieltheater von Rose jun., die Gastwirt-schaft von Hoff¬mann - in der es immer eine aus¬gezeichnete „Flecksup-pe-` gab. Die „Schlorrenfabrik" von Bernoth. be¬fand sich etwas im Hintergrund. Et¬was davor das Glasergeschäft und die Kohlenhandlung von Ambraß. Im selben Haus auch das Schreibwaren¬geschäft von Frl. Frieda Schossau. Anschließend das Wohn- und Geschäfts¬haus von Max Dingfeld mit den Fa¬brikanlagen. | |||
Die Fr.-Ulrich-Straße führte zum al¬ten Gutsfriedhof Adl. Heydekrug. | |||
Böse Zungen die erzählten: Ein Amtsangehöriger soll sich wieder ein-mal traditionsgemäß vollgesoffen gehabt haben. Um seinen Nachhause-weg abzukürzen, ging er die Hintergasse und kam auch über den Guts-friedhof von Adl. Heydekrug. Nach dem richtigen Weg suchend, fiel er in die frisch ausgehobene Gruft. Für den kommenden Tag war diese Gruft für den verstorbenen alten Dr. h. c. Scheu hergerichtet! Die Kräfte des „Müden" reichten zu seiner Selbstrettung nicht mehr aus. Sanft schlief er ein. Am folgenden Vormittag "soll man ihn noch schla-fend in seiner bedrängten -Lage vorgefunden haben. Ob dies nicht eine peinliche Sache war? | |||
Gegenüber der Fr.-Ulrich-Straße das kleine freundliche Haus von Butter¬händler Gutack. Daneben das helle Haus der Witwe Bierwolf, in dem auch Zahnarzt Herbert Bratkus seine Praxis hatte. Dann das neue Postamt Heydekrug. Die andere Straßenseite will aber auch nicht vergessen sein. | |||
Deshalb zurück zur Sudermannstraße. | |||
Im flachen Eckgebäude war s. Zt. das Schuhwarengeschäft von Hen-schel, später von Jotzat. Daneben die li¬tauische Monopolstelle und ein Kolo¬nialwarengeschäft. Da steht auch noch das kleine Häuschen des Stellmacher¬meisters Albert Dommasch. Dieses Haus soll das Eltern-haus des Heimat¬dichters Hermann S u d e r m a n n ge¬wesen sein. | |||
Schneidermeister Julius Schossau folgte mit seinem Verkaufs ¬und Wohnhäuschen. Stets wurde man von Julius Schossau mit den Worten begrüßt: „Na Kaimins, wat wöllst Du mie abkepe (abkaufen?)" | |||
Die kurze Querstraße - Brauerstr.- vor der neuerbauten Volks¬bank führte auch zur Sudermannstraße. In dieser war die Malzfabrik von Vonberg sen. | |||
Einer unserer schönen lich¬ten Bauten war die Volksbank. Die Häuser von Malermeister Bierwolf und Stellmachermeister Fritz Rudat folg-ten. Im nächsten Haus einstmals das Klempnergeschäft von Hofer. Kröhnert sen. War Eigentümer des folgenden Hauses. Kröhnert war auch Inhaber einer kleinen Bank. Der Den¬tist Barkowski sen. wohnte auch im selben Haus. | |||
Nun die Schulstraße, die über die Hängebrücke zum Rabenwald führte. In dieser Straße stand auch einst die Synagoge. Es folgte die schöne ` ge¬räumige Volksschule mit der gut ein¬gerichteten Turnhalle. Der große Schul- ¬und Sportplatz soll auch nicht ver¬gessen sein. | |||
Wie oft habe ich hier mit der Alten Herrenmannschaft des MTV Faust-ballwettkämpfe ausgetragen. Mit Freuden denke ich, heute noch an unsere Mannschaft mit dem vorbildlichen Lehrer Kurras, Obersekretär Kurmies, Klempnermeister Szengu1eit, Färbermeister Neumann und Mechanikermeister Alfred Glogau. Rektor Brunck, später Henkel, da¬nach Stephan waren hintereinander die Schulleiter. Unsern freundlichen Lehrer Pritzkat will ich aber kei¬neswegs vergessen. | |||
Die Villa von Pferdehändler Adalbert Rittens ist wohl auch noch bekannt. Wer hat die Pferdepracht von Rittens nicht einmal bewun-dert? Dahinter das ;,Hotel zur Post", dessen Inhaber unser Ede | |||
Laetsch, zuletzt wohl Brosius, war. selben Hause wohnte auch der Zeitungsberichterstatter Tobin. Seine Bibliothek war sehr be-liebt. Auch ein Korbwarengeschäft war im selben Hause. Es folgte die Selterfabrik Seidler ¬dann das Haus von Sattlermeister Bläsner und dann das Gemeindeamt. Wer erinnert sich nicht mehr des so bullbeißig aussehenden und doch so netten und humorvollen Bürgermeisters Kude Den Hüter des Gesetzes Ge¬meindewachtmeister Blosza kennt wohl auch noch jedermann! - | |||
Die Straßenbrücke über einen breiten Graben, der bestimmt nicht nach „4711" roch verschwand bald im Zuge der Kultivierung. Dann die frühe-re Mittelschule, in der später die Haushalts¬-Kochschule unter Leitung von Frau Tonne -Wolf eingerichtet wurde. | |||
Links zweigt die Lindenstraße ab. | |||
In dieser Straße steht auch das Haus der Christlich¬en Gemeinschaft unter Leitung des Predigers Zander. - über die Linden¬ße das Haus der Memeler Bank für Handel und Gewerbe, dahinter das Haus von Frau Maskolus, in dem auch Dr. med. Skodlerrack seine Praxis hatte. Als nächstes, der stets gut gepflegte Garten von Rechnungsrat a. D. Hermann. Das Wohnhaus war nicht weniger gepflegt. Späterer Eigen¬tümer war Rechtsanwalt Alfred Scher¬lies. | |||
Es folgte die Parkstraße, | |||
die entlang des Parks von Gut Adl. Heydekrug führte. Erwähnenswert war in diese Straße das Rundhaus von Baumeister Kairies. über die Parkstraße das große und schöne Haus von Tischlermeister Paul Schla- gowski. Hier auch das Goldwarengeschäft von Bartel und Friseur-geschäft Heinrich Melz¬ner. Nicht weniger schön das anschlie¬ßende Haus des Händlers Meier Smolianski. Eine lange, hohe Lebens¬baumhecke vor dem Gut Adl. Heyde¬krug folgte. Jeder Einblick war durch die dichte Hecke verwehrt. Von der Hofauffahrt konnte man ~ das hellblaue Guts-haus, in dem damals Dr. hc. H Scheu, dessen Sohn, Dr. med. Scheu. und seine Familie wohnten, gut er¬kennen, ebenfalls die großen Wirt¬schaftsgebäude. | |||
Auf der anderen Straßenseite ab Post¬straße | |||
die im Jahre 1926 erbaute evan¬gelische Kirche. Eine wirklich schöne Kirche. Das große Altarbild mit Zeitgenossen in der anbetenden Ge¬meinde löste Proteste aus. Das Pfarr¬haus, in dem Pfarrer Eicke wohnte, das etwas seitlich davor stehende Su¬dermanndenkmal sowie der nette Pro¬menadenweg mit den schlanken Birken waren eine wirkliche Augenweide. Ging man die Poststraße entlang, so kam man zur großen Herderschule. Dane¬ben das Haus des Studiendirektors S a¬m el. In nächster Nähe das neue Land¬ratsamt. | |||
Nun zurück zur Prinz-Joachim-Straße. Hinter dem Promenadenweg der Kleinbahnhof. Die Gleise führten einmal zum Sziesze-Holzhafen und nach der anderen Seite zum Hauptbahnhof und nach Kolleschen. Das schöne Haus von Tautrim war das folgende. Hierin das Katasteramt. Dann eine kurze Seitenstraße, die zum Holzmarkt und zur Markthalle führte. | |||
Anschließend das große Wohn-und Geschäftshaus von Adalbert Rittens. Einst war hier ein. Kolonialwarengeschäft von Bilinski, später das Ra-diogeschäft von Rose jun. Oben hatte Geheimrat Dr. med. Cohn seine Praxis. Ein kleines Holzhäuschen, in dem sich ein Butter¬geschäft befand, folgte. Hinter diesem das Klempnergeschäft von Stantin. | |||
Nun das flache, aber sehr ansprechende Salamander - Schuhwarenge-schäft von Julius Smo1ianski. Danach das Wohn¬haus von Händler Isidor Si1berstein. Hierin das Lederwarengeschäft von Schmidt Nachf. Labeit. Im anschließen¬den Gebäude waren die Bank der Ost¬preußischen Landschaft, das Schneider¬geschäft Bilowski- und später eine Bäckerei. | |||
Die Schlachthausstraße - Lüderitzstr. führte zu den beiden großen Marktplätzen und zu der langen Markthalle. In dieser befand sich auch einst die Konservenfabrik. Nun aber wieder zurück zum eigentlichen großen Marktplatz Die zusammenhän¬genden vier großen Marktplätze waren die zweitgrößte Marktfläche Ostpreu¬ßens. | |||
Auf der Ecke das Germania-Ho¬tel mit dem damaligen Eigentümer | |||
Al¬bert Bratkus. Ihm folgte sein Bruder und schließlich Bruno Steppat. - Sakuth. Das Germania-Hotel soll bis 1944 be¬reits dreimal abgebrannt gewesen sein. Immer wieder wurde es erbaut. Viele Ge-schäftsräume befanden sich außer dem eigentlichen Hotel und größten Saal Heydekrugs hierin. Einige dieser Geschäftsleute waren Benno Ofsi- jowitz, Sakuth, Rose sen., Melzner, Wythe, die Kneipe „ Windenbur-ger Ecke Klein und Apotheke Prieß. | |||
Fast ohne Unterbrechung schlossen sich folgende Geschäftshäuser an: Kaufmann Günther, Fleischer-mstr. Max Schu¬mann mit Bäckerei Hoppe und ein Papierwarengeschäft, Fleischermeister Fuhrmann und das zwei-te Kaisers Kaffee-Geschäft, Restaurant von Wwe. Schmidtke nebst Dro-gerie Rasch, später Sagenkahn, und schließlich F. Bratkus. Als letztes freundliches Haus in dieser Front die Adler-Apotheke von Schmitt sen. und jun. Später erwarb dieses Haus Isidor Silberstein. | |||
Ge¬genüber der Memeler Straße | |||
verliefen in ebenfalls gerader Front die Gast wirtschaft von Makain und Schappeit, das Manufakturengeschäft von Simmat, das Eisenwaren-geschäft von Ewald Krasemann, später Eugen Buttgereit. Eigentümer dieses Hauses war C. Schmidt Nachf. Es folgte das Haus des Bäcker-meisters Neuen¬dorf, in dem sich außerdem ein Schreib¬warengeschäft befand. Folgend das Haus, in dem sich das Manufakturen¬geschäft von Max Bräude befand. Als letztes Haus in dieser Front das des Eisenwarenkaufmanns Schwark, „des Dicken"-. | |||
Die nächste Front begann mit dem Manufakturengeschäft von Louis Kuppermann, anschließend das Ko¬lonialwarengeschäft und die Restau¬ration Buttkus. | |||
Durch die Wiesenstraße | |||
wurde diese Front unterbrochen. Wie oft bin ich mit meinen Kollegen Schleszies und Rondeck diese Straße am Sonntag früh zum Angeln und Flimmern nach Szieszgirren gefahren. Es folgte die kleine Drogerie von Rehberg, spä¬ter von Flick jun., dann das Mehl¬geschäft von Schneider. Das letzte Manufakturengeschäft von Louis Epstein. Ebenfalls das letzte Eisenwaren¬geschäft auf dem Marktplatz war das von Johannes Schmidt, später Her¬mann Schwellnus nebst der nicht wegzudenken-den Kneipe. | |||
Diese Front wurde mit dem Wohnhaus von Johannes Schmitt, das unmit¬telbar an der Sziesze stand, abgeschlos¬sen. | |||
Der Fischmarkt begann auch mit einer Kneipe „Zum goldenen Ancker". Ein Getreide- und Mehlwarengeschäft bildete die nächste kurze Front. Etwas im Hintergrund eine Maschinenreparatur¬werkstätte. Daneben das Haus von Fischhändler Gustav Zander nebst seinem kleinen Mietshäuschen. Die Ha¬fenstraße und die Fischstraße danach. Gegenüber von Zander das Getreide-, Eier- und Geflügelversandhaus von Isi¬dor Silberstein und zum Abschluß des Fischmarktes, dicht an der Sziesze, das kleine Kolonialwarengeschäft von Smolianski sen. | |||
Es lohnt sich aber noch, die Hafen¬straße | |||
entlang des Hafens zum Ruder¬vereinshaus zu gehen. Zunächst der Segelbootschuppen, anschließend das zierliche Wohnhaus, in dem der Ver¬walter des Rudervereins wohnte. Dieses war ein Wythe und später Leo Formella. Am Schluß Darszenies. Dieses Haus diente auch als Jugendherberge. | |||
Das Bootshaus. Nichts ist mir hier im Ruder¬haus unbekannt. Da, das eigentliche Clubzimmer mit dem viel benutzten Flügel und dem dauernd besetzten Bil¬lardspiel. So manches nette Tänzchen im kleineren Kreis wurde hier gedreht. Und dort, die kleine und doch so reich¬haltige Kantine. Unmittelbar daran das Vorstandszimmer und schließlich der große Bootsraum mit den Umkleideräu¬men. Die Ruderboote sind alle zu Hause. Es sind dieses: Der Einer „Ewald" - benannt nach dem damaligen Steuermann Ewald Krasemann, der Doppelskuller „Else" - benannt nach Frau Else Kolitz. Der Gigvierer Heydekrug", der zweite Gigvierer „Sieg¬fried" - benannt nach dem jüngsten Sohn des damaligen Vereinsvorsitzenden Michael Kubillus, dann der m. W. vom Ruderverein Essen geschenkte Gigvierer „Germania" und schließlich noch der Renn-vierer ."Hoffnung". Zwar blieb es mit diesem Rennboot immer nur bei der Hoffnung". Zu einem Sieg hier¬mit hatte es nie mehr ausgereicht. O, was waren das für mich nur für wun¬dervolle Wanderfahrten und Regatten! | |||
Der Markt | |||
An jedem Montag Nachmittag trafen Dampfer „Herta" oder "Ruß" mit den Fischern von der Kurischen Nehrung mit ihrem reichen Fischange-bot zum großen Dienstag-Markt in Heydekrug ein. Die Kurenkähne mit ihren stolzen Wimpeln von nah und fern waren eben¬falls mit dem reichen Fischangebot ent¬lang des Szieszeflusses von der Markt¬brücke bis hinter Smolianski sen. ein¬getroffen. Wer kann jemals dieses idyl¬lische Bild vergessen'' | |||
Zurück geht meine Wanderung über den Fischmarkt und den großen Markt¬platz. Meine Wanderung wäre aber un¬vollständig, wenn ich nicht des „Alten Krugs auf der Heide" gedenken wollte. Da steht gegenüber der Landzunge, um¬flossen vom Szieszefluß, ein Haus. In diesem ein Krug, eine Restauration, ein Kolonialwarengeschäft von Seidel und ein Eisenwarengeschäft von Martin La¬buttis, später Hermann Schwelnus und zuletzt Naubur. | |||
Nach diesem „Krug auf der Heide" soll der Orts¬name „Heydekrug" entstanden sein. | |||
Ein kleines Häuschen, in dem s. Zt. der Mechaniker Leo Formella han¬tierte, steht dicht neben dem „Krug auf der Heide". Ja, daneben im Sziesze¬fluß auch noch das schlanke weiße Mo¬torboot von Formella. Der Zeit ge¬horchend, mußte unser alter „Krug auf der Heide" schon im Jahre 1939 von der Bildfläche verschwinden. Ein Be¬dürfnishäuschen wurde dafür neu er¬baut. Wo blieb die Tradition? | |||
Meine Wanderung geht durch den idyllisch und ruhig gelegenen Raben-wald. Also an der Töpferhalle über die Stra¬ßenbrücke entlang des Szieszeflusses. An der Sziesze liegt ganz romantisch ein Haus wie im Dornröschenschlaf. Daneben das alte Landratsamt. Dann nochmals eine Straßenbrücke über einen toten Arm der Sziesze. Rechts die Auf¬fahrt zum großen Holzplatz der Säge und Mahlmühle Kolitz. Ebenfalls auf der rechten Seite ein schönes Gebäude, in dem einst Gerichtsvollzieher Luschnath wohnte. Gegenüber das Kreis¬krankenhaus. | |||
Die Rußer Chaussee, | |||
die über Bismarck nach Ruß führt, wird uns wohl auch nicht verloren gehen. | |||
Rabenwald | |||
Nun aber hinein in unsern schönen Rabenwald. Der Szieszefluß bleibt mein treuer stiller Begleiter zur Linken. Auf der Szieszeseite zieht sich der Guts¬park von Adl. Heydekrug hin. Alte wuchtige Bäume und Neuan-lagen be¬stimmen das schöne Landschaftsbild. Unendlich scheint der Weg durch den Mischwald zu sein. Eine Wanderung, wie sie kaum schö-ner sein kann. Dort, links die schmale Sziesze-Hängebrücke- Elisabeth mit ihren Stahltrossen. Auf der anderen Seite dieser kleinen Brücke ein ganz besonders schöner Ruheplatz unter einer Gruppe von wuchtigen Linden. Rechts die Gehöfte von Bauunternehmer Brusdeilins, Schapals und Böttcher. Hinter einer würzig duftenden Kiefern¬anlage der ganz wundervoll gelegene Sportplatz. Hier wurden nicht nur alle möglichen Sportarten von Vereinen aus¬getragen, selbst unsere Justiz-Sport-¬Gruppe ließ sich hier sehr oft sehen. | |||
Nicht vergessen soll aber unsere schöne erhebende Johannisfeier auf dem Sport¬platz sein, geleitet von Rektor Hen¬kel oder Lehrer Kurras. Fast ganz Heydekrug wollte hieran teilnehmen, und die ländliche Jugend von nah und fern wollte diese schöne Feier auch nie versäumen. | |||
Die schön gelegene Ra¬benwaldschänke darf keineswegs ver¬gessen werden. "Wo lind des Waldes Lüfte weh´n, in hundertjährigen Eichen da Muß auch eine Schänke steh´n zum Zechen und zum Träumen" Die letzte Wirtin war Witwe Bratkus. Von der angrenzen¬den überdachten Tanzfläche wurde bei dieser und anderen Gelegenheiten aus¬giebig Gebrauch gemacht. Wie wunder¬voll waren doch all diese Waldfeste! Ganz besonders schön war das jährliche Pfingstsingen des Männer-gesangvereins. Wer entsinnt sich nicht noch dieser wundervollen Darbietungen bei gutem Kaffee und Kuchen von Tante Bratkus ? Keineswegs will ich aber bei dieser Gelegenheit unsere Stadtkapelle unter Leitung von Lehrer Leo Schwark, später unter Kurt Otto, ver-gessen. Die¬ses war doch ein schöner Aufschwung für unser Heydekrug. Da steht auch das nette Heydekruger Schützenhaus. Neben den vielen Übungs- und Wett¬schießen wurde hier auch jährlich der Schützenkönig „erschossen" und an¬schließend zwei Tage lang „begossen". Dieses gehörte nun einmal zur schönen Tradition des Schützenvereins. | |||
Dann noch eine schmale Holzbrücke über einen kleinen Abzugsgraben, und ich verlasse den schönen Rabenwald, um meinen Heimweg etwas abzukürzen. Waren es nicht erquickende Spazier¬gänge an Sommer-abenden, wenn die Nachtigallen - Sprosser - an der Sziesze jubilierten? | |||
Vorbei ging's am Gut Kallwellisch¬ken, das früher auch zum Gut Adl. Heydekrug gehörte. Der letzte Besitzer dieses Gutes war. | |||
Erich Dommasch, vor dem Karl Borm. In einer Scheune war in den letzten Kriegsjahren ein Kriegsgefangenenlager eingerichtet. Spä¬ter wurde dieses als Judenlager be¬nutzt! | |||
Den alten Pagriener Weg nach Wer¬den fand ich wundervoll. Die Kronen der alten Weidenbäume taten sich zu einem grünen Laubengang zusammen. Dieses war aber das letzte Stück mei¬ner Wanderung entlang wogender Ge¬treidefelder. Mein Nachbar Fritz Bumbullies mit seinem kleinen netten Häus¬chen und seiner „Baumschule" ist das letzte Anwesen meiner Wanderung. | |||
Auf Grund eines selbstgefertigten Stadt¬planes habe ich meinen Gedanken bei dieser Wanderung freien Lauf gelassen. 14 Jahre sind es bereits her, als ich die Heimat verlassen mußte, und da ist es sehr leicht möglich, daß mir falsche Bezeichnungen oder Benennun¬gen un-terlaufen sind. Diese Verfehlun¬gen bitte ich deshalb zu entschuldigen. Für eine Richtigstellung wäre ich dankbar. | |||
Ja, so war es einmal. Damals wußten wir noch gar nicht all das Schöne und Friedliche zu schätzen. Heute wissen wir es, nachdem wir alles Leid über uns ergehen lassen mußten. | |||
Erst wenn du in der Fremde bist, weißt du, wie schön die Heimat ist. | |||
Ja, ebenfalls sehr schön ist unsere „zweite Heimat" in der wir heute le¬ben, aber nur für das Auge. Das Herz ist in der alten Heimat - zu Hause geblieben. | |||
Ein Gedicht aus Heydekrug | |||
Eine Heydekrügerin wurmte es, daß man unsere ostpreußische Heimat zwar überall lobt, aber für unsere Menschen nicht das richtige Ver-ständnis findet. Der Ostpreuße gilt als stur, unbeweg¬lich, ungebildet. Seine Sprache bildet den Quell einer nie versiegenden hämi¬schen Hei-terkeit. Die Heydekrügerin, von der wir sprechen, ist Margot Eich¬holz, geb. Liedtke, die Witwe des Hey¬dekruger Apothekenbesitzers Oscar Eichholz. Frau Eichholz ist die Schwe¬ster des bekannten deutschen Film¬schauspielers Harry Liedtke. Als sie einen Artikel zum Thema „Das Land ist ja schön, aber die Menschen . . ." las, schrieb sie die folgenden Verse, die in der „Memelländischen Rundschau" er¬schienen. | |||
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Der Ostpreuße | |||
Das Land ist wohl schön, und die Menschen sind wohl treu | |||
Das ist aus dem Reiche den Brüdern nicht neu. | |||
Doch was sie nicht sehen und auch nicht versteh'n: | |||
„Kein Ostpreuße wird mit dem Winde sich dreh'n." | |||
Das Leben ist hart, um so härter sind wir, | |||
Doch wissen wir auch um beglückende Zier. | |||
Wir wissen, daß kurz nur der Sommer uns blüht, | |||
Drum haben wir Freuden für Herz und Gemüt! | |||
Nicht jedem erschließen wir gleich unser Sein. | |||
Nicht jeder schaut uns in die Seele hinein. | |||
Noch ist uns der Handschlag soviel wie der Schwur. | |||
Neid, Bosheit und Tücke verachten wir nur. | |||
Wir geben auch fröhlich und sind stets bereit, | |||
Zu helfen, zü lindern, wo Not ist und Leid. | |||
Und braucht uns der Nachbar, dann treten wir ein, | |||
Als ging es bedrängt um das eigene Sein. | |||
Wir steh'n an der Grenze und halten die Wacht. | |||
!n Treue zum Reiche, still, sorgend, bedacht. | |||
Wir leihen auch keinem Verräter das Ohr. | |||
Wir lachen auch gerne und haben Humor. | |||
So laßt nur den Ostpreußen sein, wie er ist, | |||
So treu, daß er nie seine Heimat vergißt, | |||
So stark, daß die Bürde des Lebens er trägt | |||
Und nicht erst mit Zagen die Lasten abwägt. | |||
Wenn ihr ihn bekrittelt, ihn umwandeln wollt, | |||
Ist echt er nicht mehr wie des Samlandes Gold. | |||
Nicht fest wie der Felsen am brandenden Meer, | |||
Dann ist er kein richtiger Ostpreuße mehr. | |||
Archiv | |||
Der Heydekruger Markt war sehenswert | |||
Memeler Dampfboot | |||
Von den nahe beieinander liegenden Ort¬schaften Heydekrug, Szibben, Werden. Cyr¬tionischken und Barsduhnen wurden 1911 die schon seit längerer Zeit eine wirtschaft¬liche Interessengemeinschaft bildenden Or¬te Heydekrug, Szibben und Cyntionischken zu einer Gemeinde unter der Bezeichnung Heydekrug vereinigt. Nach der Volkszäh¬lung von 1910 hatte Heydekrug 1142, Szib¬ben 1922 und Werden 272 Einwohner. Schon Friedrich Wilhelm I. hatte die Ab¬sich gehabt, Heydekrug zur Stadt zu erhe¬ben. Der Bebauungsplan war fertiggestellt. Doch dann scheiterte das Vorhaben und mußte bis zum zweiten Weltkrieg warten, als Heydekrug unter Oberbürgermeister Eduard Weberstaedt das Stadtrecht und ei;i Stadtwappen mit Elchschaufel und Eichen¬laub erhielt. Damals wurden Schiaszen und Werden eingemeindet. | |||
Heydekrug verdankte seinen wirtschaftli¬chen Aufschwung den gün-stigen Verkehrs¬verhältnissen. Es liegt an der Grenze zwi¬schen Höhen-zug und Niederung. Es ist ein Knotenpunkt für mehrere wichtige Chaus¬seen und kann mit Autobussen genauso er¬reicht werden wie mit Eisen-bahn oder Dampfer. Im weiteren Umkreis findet sich. von dem im Kreis zu peripher gelegenen Ruß abgesehen. kein Ort. der Hydekrug ernst-haft Konkurrenz machen könnte, Markt und Hafen der bis in die Stadt hinein schiffbaren Sziesze zeigten an Markttagen (bis zur Flucht immer dienstags. unter den Sowjets sonntags) ein reich belebtes Bild. In lan-ger Reihe machten die aus der Nie¬derung und von der Nehrung kom-menden Dampfer und Kähne im Hafen fest. Bis nach dem ersten Welt-krieg waren hier auch die Kurenwimpel von Gilge, Inse. Tawe. Loye und Karkeln vertreten. Berge von Gemüse aus Pokallna und Warruß, Kartof-feln aus Bismarck, Obst aus den litauischen Grenz¬gebieten. Unmengen von Fischen harrten der Käufer. Oftmals waren bis zu 40 Kähne mit Stinten gefüllt. die vorwiegend els Schweinefutter gekauft wurden. aber auch eine beliebte Mahlzeit ergaben. Schameiten brachten Scheithoiz, vorwiegend Birke, in ganzen Fuhren zum Verkauf. Heufuhren, Säcke voll Getreide, Körbe voll quiekender Ferkel warteten auf Käufer. Neben Hoch¬- und Plattdeutsch hörte man das memellän¬dische Litauisch und das Kurisch der Haff¬fischer. Ein besonderer Markttag war der Dienstag nach Johanni, bei dem über die Grenze viele Tagelöhner strömten, um sich bei den Niederungsbauern für die Heuernte zu verdingen. Wichtig waren auch die Schweine- und Viehmärkte sowie die Remonte abnah-men. Zur Befriedigung der Bedürfnisse der Orts- und Kreisbewohner ließen sich in Heydekrug zahlreiche Kaufleute, Gastwirte, Handwerker und Gewerbetreibende nie¬der. Zwei Schneidemühlen, zwei Brauereien, eine Molkerei, drei Dampfmahlmühlen, zwei Zementwarenfabriken und die Traksedener Torfstreufabrik zeugten von der wachsenden Bedeu-tung des Kreisortes. | |||
Die öffentlichen Gebäude verteilen sich zweckmäßig über den gesamten Ort. Die schon vor der Verschmelzung errichtete gehobene Volksschule Heydekrug-Szibben , liegt auf der Grenze beider Ortsteile. „Mit vereinten Kräften" hieß die programmati¬sche Inschrift. | |||
Der Bahnhof, die katholische Kirche und das katholische Waisen-haus, das 1909 bedeutend erweiterte Amtsgericht. ein Postamt und die Gasanstalt befanden sich in Szibben. Ein zweites Postamt, die Markt-halle, das Zollamt, die landwirtschaft¬liche Winterschule, das Kreis-krankenhaus, die Herderschule und das Landratsamt la¬gen in Hey-dekrug. Die evangelische Kirche Heydekrugs konnte erst im November 1926 vollendet werden. Das erste Werdener Gotteshaus stammte aus dem Endee Schlubberche ¬Kaffee zu trinken und zu schabbern. Zuerst erzählte jede von ihrem Erge¬hen in den letzten einsamen Jahren, doch dann wurde das Herz freier und es hieß immer wieder: .,Weißt du noch?" | |||
Ja, wenn ich an unser liebes Hey¬dekrug denke, steht mir auch der „hohe" Mann vor Augen, der reich ge¬worden war, wenn auch nicht im-mer auf ehrliche Weise. Der hatte eine Frau, ich glaube aus Jodekrandt oder Bismarck, deren ganze Bildung die Einbildung war. Die Mutter des Man¬nes verkaufte Gemüse auf dem Markt. Als die aufgetakelte Schwie-gertochter vorübergeht, ruft die alte Frau: „Gri¬tike, willst paar Radies-chen für An¬ses mitnehmen?" Empört sagt die Jun¬ge: „Was will die Frau von mich, ich kenne ihr doch gar nicht!" | |||
Der Wochenmarkt bei uns! Denke an das Angebot! Wir wollen mal im Gei¬ste dort einkaufen! Wenn man vom Ho¬tel „Germania" an den Töpferbuden vorbeigegangen war, begann der Bee¬renmarkt. In großen Mengen wurden hier die Früchte der jeweiligen Jah¬reszeit aus Wald und Garten angeboten. In den Körben lockten frisch gepflück¬te Erd-, Blau-, Stachel-, Johannisbee¬ren, Kirschen, Pflaumen und Pilze zu sehr mäßi-gen Preisen. Verlockend war auch die nahebei ausgebreitete Blu¬men-pracht. An der Sziesze entlang bil¬deten die dort sitz3nden Gemüse-frauen einen Gang, der manchmal zum ,.Spie߬rutenlaufen- tiverdzn konnte. Süß lächelnd rief manche Frau eine Vor¬übergehende, die die erste Jugend lan¬ge vergessen hatte. an: ,.Ach, trautstes. junges Madamche, hier schöne Gurken, nehmen Se mit." Doch wenn diese die manchmal nicht ganz einwandfreie Wa¬re ablehnte. hiieß es wohl: "Sone dam¬liche Vogelscheuche. wenn die im Ha¬ferfeld steht, rennt selbst de Ilske weg!". | |||
Endlich war der Fischmarkt erreicht. Welch ein Reichtum an herr-lich fri¬schen, noch zappelnden Exemplaren wurden hier angeboten: In der Sziesze hatten viele Kurenkähne und der Dampfer aus Nidden fest-gemacht, die F1undern. Aale. Hechte. Karauschen. Zander. Plötze; Schleie, Pukes, groß ¬und kleine Stinte und Neunaugen zum Markt gebracht hatten. Der Dampfer wurde auch von Sommergästen aus Nidden benutzt, die den Markttrubel genießen und einkaufen wollten | |||
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Unser Netz schwenken wir beglückt. das Mittagessen wird schmek-ken! Ge¬bratener Fisch, Salat mit Schwand, Stachelbeersuppe, Früchte aus eigenem Garten! Jetzt auf zum Buttermarkt: In vielen Reihen stan-den die Landfrauen nebeneinander, vor sich blütenweiß ausgekleidete Körbe. aus denen die goldgelbe Butter den Käufer anlachte. Ausgewo-gen, manchmal in Formen ge¬drückt. daß sie nun Blüten und Blät¬ter oder Ornamente zeigten, waren die Stücke mit Pergamentstreifen oder Runkelblättern umgeben. In manchen Körben lagen Stücke von drei und mehr Pfund. Die Eimer mit 20l Pfund waren beim Händler abgegeben wor¬den. Diese umrahmten mit ihren Stän¬den den Buttermarkt und hat-ten die Ware aufgetürmt. die dann .ins Reich gesandt wurden. Es wurde erzählt, daß eine "Dame" zum Abschmecken dar Butter statt eines Teelöffels den Dau¬mennagel mit Trauerrand verwandte und fragte: "Kind vom Land, was kost' de Butter?" | |||
„Städtsche Keeter, Mark dat Pund", war die Antwort. | |||
Bei den Bergen von Eiern, die dort feilgeboten wurden, lachte das Herz, besonders in der billigen Sommerzeit. Da ist eine sehr freund-liche Stadtfrau zu einem Korb getreten und hat ge¬fragt: „Mannche, kann ich mir de Eier von de schwarze Hühner aussuchen? | |||
„Gewiß, Madammche! Aber segge Se moal, woran erkenne Se dat?" | |||
„Ja, die schwarzen Hühner legen die großen Eier!" | |||
Neben der Straße, die durch das Marktgewoge gen Augstumal führte, | |||
standen Wagen nebeneinander, Hohl- ¬und Leiterwagen, die Deichsel der Stra¬ße abgewandt. Dies war der Getreide¬markt, durch den mehrere We-ge, durch Wagenschlangen gebildet, führten. Je nach Jahreszeit konnte man hier Ge¬treide aller Art, Äpfel, Pflaumen in Mengen, Kirschen nach Scheffeln, Kar¬toffeln, Gänse- und Entenbraten erste¬hen. An den Häu-sern des Marktplatzes bildeten Holzbuden eine Straße, in der Seiler-waren, Schuhmachererzeugnisse, Holzschuhe und Schlorren zum Kauf angeboten wurden. Gehandelt und ge¬feilscht wurde überall auf dem Markt. | |||
Das Auge war vom Sehen bereits müde, der Kopf benommen von dem Handeln. Wenn es auch nur um ein paar Cent oder einen Apfel ging, man freute sich, den Landmann oder Händ¬ler angeschmiert zu haben! | |||
An der Apotheke vorbei ging es über den Schweinemarkt zur Fleischhalle. Von der Kneipe nebenan gröhlten be¬reits einige Männer, die den Erlös teils aus Freude, teils aus Ärger in „Skei¬drojas" umge-setzt hatten. Früh waren sie unterwegs, der Markt begann im Sommer um fünf, im Winter um sie¬ben Uhr. Einige wollten sogar tanzen, denn vor der Tür spielte ein Leier¬kastenmann: „Lott is dot, Lott is dot, Lieske liggt em Starwe. Dat es got, dat es got, war' wie ock wat arwe!" Manch Geldstück fiel in den Hut des Mannes der neben ihm stand. Die Fa¬ma berichtet, er komme aus Memel, wo er zwei Häuser sein eigen nenne. | |||
Auf dem Schweinemarkt handelte man um große und Läuferschweine und reizende, rosige Ferkelchen. Lei¬der war oft das Angebot viel größer als die Nachfrage. | |||
Die Fleischhalle war ein Kapitel für sich! Diese Fülle! Viele stellten sich an: Die warmen Würstchen tauch¬ten nach jedem Bissen in den Mostrich¬topf, bis der Fleischer ihnen den Krug wegzog! Frau Siemens mit dem Käse¬stand war ein Anziehungspunkt; die Geschäftsfrau be-scheiden, freundlich und tüchtig, die Ware duftend und sehr gut. | |||
Vom ersten Eingang der Halle bis zum Ausgang waren alle Stände durch Fleischer belegt, die manchmal laut die Käufer anriefen und scheel drein schauten, wenn die angerufene Haus¬frau am Nebentische kaufte. Wenn der Frost einsetzte, schlachteten die Bau¬ern selbst und verkauften einen Teil des Schweines zu einem etwas geringe¬ren Preise als die Fleischer. Da die vorhandenen Stände nicht ausreichten, wur-den lange, mit weißen Laken be¬deckte Tische im breiten Gang der Halle aufgestellt, und das Fleisch darauf gelegt. Der tüchtige Bauer zeigte sich von einer anderen Seite, der war Geschäftsmann! | |||
Die Schlachthofstraße führte zur Hauptstraße. Auf dem Wege dort-hin, kam man am Holzmarkt vorüber. Hier versuchten die Leute von jen seits der früheren russischen Grenze - Szameiten - Holz zu verkaufen und die Städter mehr oder weniger anzuführen. Oft kam es vor, daß sie | |||
die Fuhre nochmals verkauften, sich ihres mehrfachen Gewinnes freuten, und die Betrogenen warten ließen. Oft erkannte der Geleimte am nächsten Wochenmarkt den Betrüger wieder und übergab ihn der Polizei. | |||
„War das ein Leben Madline'. Wie freuten sich die Jugend und das Ge¬sinde auf den Herbstjahrmarkt! Die Kuchen- und Würstchenbuden, die | |||
„Schmeißweg", auf dem Radauplatz" verschiedene Karussells, Schau-keln, Glücksräder, Würfelbuden, Lukasschla¬gen und unendlich viel mehr. Das Kreischen der Marjellens, das Singen der Jünglinge und sonstiger Krach, der den Jahrmarktstag beschloß! In Ham¬burg reden sie stolz von ihrem „Dom". Ich war auch einmal dort und dachte Wunder zu sehen. Der Radau war viel¬leicht noch toller als bei uns - aber sonst! Zu Hause war's schöner, viel¬leicht auch weil wir jünger waren! Na ja, ich will zugeben, etwas wilder gings hier doch zu als in Heydekrug, aber schöner nicht! Es war eben die Heimat!" M Kühn | |||
Es ist gut, von Zeit zu Z | |||
großen Ebene ist. Sie gek _ _ . ,,... uei ivoraeulapälschen Tiefebene ist. Von der gewaltigen Weite und Einsamkeit geht ein starker Zauber aus, den nur ein Mensch des Flachlandes voll empfinden kann. So sehr uns steile Berge und romantische Flußtäler begeistern können - volles Glück empfin¬den wir nur unter dem hohen Himmel der Heimat, in dem Land des weiten Horizontes. Vielleicht war es deshalb in unseren Häusern, besonders im Winter, so gemütlich, weil das Heim der Gegenpol des ins Grenzen¬lose fließenden Landes war, das sich in genau so grenzenlose Gewässer verliert. Darum kehren auch heute noch unsere Gedanken so gern in das winterliche Heydekrug zurück, das wie verloren zwischen Schnee und Himmel liegt und uns doch mit tausend lieben Erinnerungen umfängt. Aufn.: E. Friedrich.--> | |||
==Straßen== | |||
{{#dpl: | |||
| category = Straße in Heydekrug | |||
| redirects = include | |||
| format = *Folgende Straßen sind bisher erfaßt:\n,[[%PAGE%|²{#replace:%TITLE%¦in Heydekrug¦}²]], - ,\n | |||
}} | |||
Dabei sind auch die Einwohner aus dem Adressbuch 1942 erfaßt. | |||
==Schulen== | |||
===Herderschule=== | |||
[[Bild: Herderschule.jpg|thumb|300 px|left|Herderschule]] | |||
Das Schulgebäude steht in der [[Herderstraße in Heydekrug#Haus Nr.2-6|Herderstraße 2-6]]. | |||
====Schulbilder==== | |||
[[Bild:Bild Ort Heydekrug Herderschule Abitur 1934.JPG|thumb|400px|Abiturklasse der Herderschule Heydekrug im Jahre 1934. Der Schmuck auf den Reverse-Klappen sind "Alberten", von Verwandten, Freunden, Bekannten und Paten geschenkte goldene Anstecknadeln, die anzeigen, dass der Abiturient nun berechtigt ist, ein Studium an der Albertina-Universität in Königsberg aufzunehmen.]] | |||
'''Abitur 1934''' | |||
*Die offizielle Liste der Abiturienten 1934 steht in '''ASCHMANN''', Georg Harry: Die Herderschule zu Heydekrug, Salzgitter 1985, S.88: | |||
*Margarete Auksutat, Lydia Batschansky, Ilse Behl, Johanna Jucewitsch, Martina Killus, Artur Kairies, Helmut Klein, Sigrid Kupffer, Rita Lax, Heinrich Ludszuweit, Siegfried Ludszuweit, Maximilian Müller (nicht auf dem Foto?), Helene Neumann, Horst Oloff, Emil Sziegaud (nicht auf dem Foto?), Benno Winkler. | |||
''Anhand der mit den Initialen bestickten Mützen kann man die meisten Personen konkret zuordnen. Da Nikolai Motritsch (laut Aschmann Abiturjahrgang 1932) definitiv zugeordnen werden konnte, ist anzunehmen, dass noch mehrere "Jahrgangsfremde" dabei sind. Nach Durchsuchung zweier Jahrgänge ist die Namenszuordnung aufgrund der Initialenkombination bis auf zwei Fälle eindeutig:'' | |||
*'''Reihe unten von links''': Johanna '''Jucewitsch''', [http://www.online-ofb.de/famreport.php?ofb=memelland&ID=143142&nachname=BATSCHANSKY&modus=&lang=de Lydia '''Batschansky'''], [http://www.online-ofb.de/famreport.php?ofb=memelland&ID=145894&nachname=AUKSUTAT&modus=&lang=de Margarete '''Auksutat'''], [http://www.online-ofb.de/famreport.php?ofb=memelland&ID=168369&nachname=KILLUS&modus=&lang=de Martina '''Killus'''], Helene '''Neumann''', Ilse '''Behl''', Sigrid '''Kupffer''', Elma '''Petereit''' (1933) oder Erika '''Peldszus''' (1933), [http://www.online-ofb.de/famreport.php?ofb=memelland&ID=155420&nachname=LAX&modus=&lang=de Rita '''Lax''']. | |||
*'''Reihe Mitte von links''': Benno '''Winkler''', Hausmeister Gustav '''Fabian''', Lehrer '''Mallon''' oder '''Ulrich''' (?), Helmut '''Klein''', Artur '''Lautzas''' (1933) oder Arno '''Launert''' (1933), Heinz '''Maskolus''' (1933). | |||
*'''Reihe oben von links''': [http://www.online-ofb.de/famreport.php?ofb=memelland&ID=52669&nachname=LUDSZUWEIT&modus=&lang=de Siegfried '''Ludszuweit'''], [http://www.online-ofb.de/famreport.php?ofb=memelland&ID=134149&nachname=MOTRYTSCH&modus=&lang=de Nikolai '''Motritsch'''] (1932), [http://www.online-ofb.de/famreport.php?ofb=memelland&ID=153068&nachname=AWI%DFUS&modus=&lang=de Erich '''Awiszus'''] (1933), [http://www.online-ofb.de/famreport.php?ofb=memelland&ID=145893&nachname=OLOFF&lang=de Horst '''Oloff'''], Direktor Dr. Heinrich '''Samel''', Artur '''Kairies''' (1934) oder Alfred '''Kupffer''' (1933), [http://www.online-ofb.de/famreport.php?ofb=memelland&ID=115932&nachname=LUDSZUWEIT&modus=&lang=de Heinrich '''Ludszuweit''']. | |||
''Die Verlinkungen sind nicht immer ganz sicher.'' | |||
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===Landfrauenschule=== | |||
Landwirtschaftliche Haushaltungsschule für Jungbäuerinnen | |||
[[Bild: LandfrauenschuleHeydekrug.jpg|thumb|400 px|left|Landfrauenschule]] | |||
[[Bild: Heydekrug-Haushaltungsschule.jpg|thumb|600 px|Schülerinnen um 1930]] | |||
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<!-- Hier: geschichtlicher Abriss --> | |||
<!-- == Genealogische und historische Gesellschaften == --> | |||
<!-- === Genealogische Gesellschaften === --> | |||
<!-- === Historische Gesellschaften === --> | |||
<!--== Genealogische und historische Quellen == | |||
=== Genealogische Quellen ===--> | |||
<!-- Hier: z.B. Kirchenbücher, Verfilmte Quellen, Batchnummern, --> | |||
<!-- Zivilstandsregister, andere Urkunden, Volkszählung, --> | |||
<!-- Bürgerbücher, Matrikel, Zunftbücher, Grundbücher usw. --> | |||
<!-- mit geeigneten Überschriften einfügen. --> | |||
<!-- === Historische Urkunden === --> | |||
<!-- == Bibliografie == --> | |||
<!-- === Genealogische Bibliografie === --> | |||
<!-- === Historische Bibliografie === --> | |||
<!-- === Weitere Bibliografie === --> | |||
<!-- == Archive und Bibliotheken == --> | |||
<!-- === Archive === --> | |||
<!-- === Bibliotheken === --> | |||
<!-- == Verschiedenes == --> | |||
<!-- === Karten === --> | |||
<!-- === Regionale Verlage und Buchhändler === --> | |||
<!-- === Berufsgenealogen === --> | |||
<!-- === Heimat- und Volkskunde === --> | |||
<!-- === Auswanderungen === --> | |||
<!-- === LDS/FHC === --> | |||
<!--== Internetlinks ==--> | |||
<!--=== Offizielle Internetseiten ===--> | |||
<!-- === Genealogische Internetseiten === --> | |||
<!-- === Weitere Internetseiten === --> | |||
==Zufallsfunde== | |||
Oft werden in Kirchenbüchern oder anderen Archivalien eines Ortes Personen gefunden, die nicht aus diesem Ort stammen. Diese Funde nennt man ''[[Zufallsfunde]]''. Solche Funde sind für andere Familienforscher häufig die einzige Möglichkeit, über [[toter Punkt|tote Punkte]] in der Forschung hinweg zu kommen. Auf der folgenden Seite können Sie Zufallsfunde zu diesem Ort eintragen oder finden. | |||
* [[{{PAGENAME}}/Zufallsfunde]] | |||
==Daten aus dem genealogischen Ortsverzeichnis== | |||
<gov>HEYRUGKO05RI</gov> | |||
[[Kategorie:Ort in Ostpreußen]] | |||
[[Kategorie:Ort in Litauen]] | |||
[[Kategorie:Ort im Memelland]] | |||
[[Kategorie:Ort im Kreis Heydekrug]] | |||
[[Kategorie:Ansichtskarte aus dem Memelland]] | |||
[[Kategorie:Kirchspiel im Memelland]] | |||
[[Kategorie:Synagoge im Memelland]] | |||
[[Kategorie:Standesamt im Memelland]] | |||
[[Kategorie:Schulort im Memelland]] | |||
[[Kategorie:Schulort im Kreis Heydekrug]] | |||
[[Kategorie:Schulbild aus dem Memelland]] | |||
Version vom 19. Dezember 2009, 18:58 Uhr
Hierarchie
Regional > Litauen > Szillokarszmo
Regional > Historisches Territorium > Deutschland 1871-1918 > Königreich Preußen > Ostpreußen > Kreis Heydekrug > Szillokarszmo
Einleitung
Szillokarszmo, Heydekrug, 1785 Szillokarszmo, Kreis Heydekrug, Ostpreußen.
- 1736 gehörten zum Amt Heydekrug: Bartel Broszien, Bartel Kuckern.
Name
Der Ort entstand aus einem Dorfkrug (einer Gaststätte) auf der Heide in der Nähe des später eingemeindeten Ortes Werden. Krüge waren zunächst einfachste Lokale mit oft nur sechs Trinkgefäßen. Sie wurden meist von Deutschen betrieben und hatten neben ihrer Funktion als Umschlagsplatz von Waren und Neuigkeiten auch die Aufgabe, die baltische Landbevölkerung mit der deutschen Sprache und Kultur vertrauter zu machen.
- prußisch "šila, sīla, sylo" = Heide, Heideland, Fichtenwald
- preußisch-litauisch "šilas" = Heide, sandige Heide, Kiefernwald, aber auch Thymian und Monat September
+ prußisch "karcemo, karczemo, karčemo" = Krug, Dorfschenke, Wirtshaus, verbunden mit Viktualienverkauf
- Mit "Abbau" wurde in Ostpreußen ein Bauernhof beschrieben, der abseits des Dorfes jedoch innerhalb der Gemarkung lag
- Mit "Adlig" wird ein adliger Gutsbesitzer mit den entsprechenden adligen Vorrechten bezeichnet: hohe und niedere Gerichtsbarkeit, Jagd- und Fischereirecht, Patronat, Brauerei-, Brennerei-, Verlagsgerechtigkeiten, Herrschaftsrecht gegenüber dem Personal. Selbst der König konnte in diese Rechte nicht eingreifen. Ab 1800 wurden die adligen Güter Rittergüter genannt.
Politische Einteilung
1913 ist Szillokarszmo mit Barsduhnen, Cynthionischken und Szibben zur Gemeinde Heydekrug vereinigt worden.
1940 ist Szillokarszmo Kreisstadt und Gemeinde mit dem Gut Adlig Heydekrug und den Ortsteilen Schlaszen und Werden.
Kirchliche Zugehörigkeit
Evangelische Kirche
Szillokarszmo gehörte bis 1912 zum Kirchspiel Werden, seit 1913 ist Szillokarszmo Kirchspielort.
Zugehörige Ortschaften
Zum Kirchspiel Szillokarszmo gehörten 1913 folgende Ortschaften:
Bismarck östlicher Teil, Heydekrug Ort u. Gut, Lapallen, Rupkalwen, Szieszgirren, Szlaszen, Trakseden.
Kirchenbücher
Die Kirchenbücher von Szillokarszmo sind im Original, wenn auch mit Lücken aufgrund von Vandalismus, in Berlin erhalten (Evangelisches Zentralarchiv Berlin).
- Taufen 1913-1944 mit großen Lücken in den letzten Jahrzehnten
- Heiraten 1913-1944 mit Lücken
- Sterbefälle 1913-1944
Katholische Kirche
Szillokarszmo gehörte 1907 zum katholischen Kirchspiel Szibben.
Synagoge
Hier fehlen noch Informationen.
Juden in Heydekrug
- Eine Liste jüdischer Bewohner des Memellandes finden Sie auf der Seite Juden im Memelland.
Standesamt
Zugehörige Ortschaften
Zum Standesamt Szillokarszmo gehörten 1907 folgende Ortschaften:
Barsduhnen, Cynthionischken, Heydekrug, Schlaszen, Szieszgirren.
Standesamtsregister
Die Standesamtsregister von Szillokarszmo sind fast vollständig verschollen. Im Litauischen Historischen Staatsarchiv in Wilna sollen folgende Register lagern:
- Geburten: 1939
- Heiraten: 1939
- Sterbefälle: 1939
Weitere genealogische Quellen
- Notariatsregister des Notars Friedrich Ernst Gessner vom 01.07.-21.12.1869, u.a. mit Kaufverträgen.
Bewohner
Folgende Familien bzw. Personen lebten in Szillokarszmo oder stehen mit diesem Ort in Verbindung:
Geschichte
- 1511 erfolgte die Krugverschreibung an einen Georg Talat:
- „Ich, Michel von Schwaben, Deutschordenskomtur zu Memel, bekenne und tue kund öffentlich vor jedermann, die meinen Brief sehen, hören und lesen, daß ich aus besonderer Gunst Georg Talat, meinen Ordensuntersessenen, den Krug, auf der Heyde gelegen, gegeben habe, und mit Kraft dieses Briefes gebe ich dem vorerwähnten Georg Talat, seinen rechten Erben und Nachkömmlingen denselben Krug auf der Heyde mit seinem Zubehör, Acker, angefangen bis an die Sziesze und was zwischen solchen Grenzen und Raum nutzbar machen kann für sich und seine rechten Erben und Nachkömmlinge erblich und frei zu kölmischen Rechten gebrauchen und zu besitzen, dazu gebe ich demselben Georg Talat auch seinen rechten Erben und Nachkömmlingen frei zu ihrer Notdurft einen Anteil mit einem Wintergarn zu fischen im Haff, und solcher Gunst und Verschreibung willen sollen Bedachter Georg Talat, seine Erben und Nachkömmlinge einem Komtur oder dem Haus zu Memel alle Jahre jährlich zum Termin St. Martini 8 Mark geringen preußischen Zoll gewöhnlicher Münze Pflicht sein zu zinsen. Zu wahren Urkunde und mehreren Sicherheit habe ich, Michel von Schwaben, Komtur zu Memel, auf diesen Brief mein Amtssiegel drücken lassen und gegeben am Sonntag nach St. Petri (23. Februar) im 1511 Jahr nach der Geburt unseres Herrn."
- 1614 schrieb der Pfarrer zum Marktreiben in Heydekrug: "Vor der Sonnen Aufgange gehet der teuflische Markt an. Fluchen, Schwören, Fressen und Saufen sind keine Sünde. Es ist zu erbarmen, daß Gottes Wort so schändlich verachtet und gleich mit Füßen getreten wird."
- 1721 verhinderten die Memeler, daß Heydekrug Stadt wurde.
- 1723 erwägt der König abermals, ob bei "dem Heidekrug" nicht eine Stadt angelegt werden soll. Der Grundriß wurde bereits entworfen und war so ähnlich wie die Stadt heute ist; aber auch dieser Plan scheiterte, weil es an Bewohnern fehlte.
- 1734 siedeln sich sechs Salzburger Gärtner im Amte Heydekrug an, die aber nicht bleiben, da 1744 kein einziger Salzburger verzeichnet ist.
- Anfang 19. Jh.: "Heydekrug (auf litauisch damals Schilokartschema = Heidekrug) war Anfang des 19. Jahrhunderts eine Verbindung von zwei Orten:
- Das Vorwerk Heydekrug umfasste vier Anwesen mit 39 Einwohnern.
- Der Marktflecken Heydekrug mit einer Windmühle hatte auf 22 Anwesen 114 Einwohner.
- Im zukünftigen Stadtteil Szibben, damals noch ein Kölmerdorf, gab es 15 Anwesen mit 104 Seelen.
- 1831: "Dieser kleine Kreisort besteht nur aus 30 Häusern. Gasthof: bei Jordan"
Quelle: Zedlitz-Neukirch, Leopld v.: Wegweiser durch den Preussischen Staat in die angrenzenden Länder und die Hauptstädte Europa´s, Duncker und Humblot 1831
- 1842 Errichtung einer großen Käsefabrik
- 1845 Bau des Gerichtsgebäudes mit Gefängnis
- 1854 Bau der Katholischen Kirche
- 1862 Errichtung einer Telegraphenanstalt in Heydekrug
- 1864 Errichtung einer katholischen Privatschule
- 1865 Gründung eines Vorschußvereines
- 1870 Einrichtung des jüdischen Friedhofes
- 1872 Bau der Synagoge
- 1873 Bau der Telegraphenlinie von Heydekrug nach Ruß
- 1875 Inbetriebnahme der Bahnstrecke Tilsit-Memel
- 1876 Fertigstellung des Landratsamtsgebäudes
- 1880 Pflasterung der Straße Heydekrug-Szibben
- 1882 Gründung der Ostpreußischen Torfstreufabrik A.G.
- 1892 Eröffnung des Kreiskrankenhauses
- 1897 Errichtung einer landwirtschaftlichen Schule, der sogenannten Winterschule
- 1901 Gründung der Kreissparkasse
- 1905 Bau des katholischen Waisenhauses
- 1907 Errichtung der Gasanstalt
- 1908 Bau der Hotels Germania am Platz des alten Kruges auf der Heide
- 1910 Bau des Postamtes Heydekrug
- 1912 Bau des Bürgermeisteramtes mit Feuerwehr
- 1913 Gründung des Kirchspieles Heydekrug, Vereinigung mit Barsduhnen, Cynthionischken und Szibben zur Gemeinde Heydekrug vereinigt worden, Eröffnung der Kleinbahnlinie Heydekrug-Kolleschen.
- 1914 Beginn des Baus des Hafens
- 1917 Fertigstellung des Hafens
- 1926 Einweihung der evangelischen Kirche
- 1930 Einweihung der Herderschule
- 1940 Kreisstadt und Gemeinde mit dem Gut Adlig Heydekrug und den Ortsteilen Schlaszen und Werden.
- 1944 Oktober: Flucht der Bevölkerung und Einmarsch der Roten Armee.
Quellen: ASCHMANN, Georg Harry: Die Herderschule zu Heydekrug, Salzgitter 1985. SEMBRITZKI, Johannes u. BITTENS, Arthur: Geschichte des Kreises Heydekrug, Memel 1920, Memeler Dampfboot 1983 Nr.8.
Räumung des Kreises Heydekrug im Aug. u. Okt. 1944
Den Artikel dazu finden Sie hier..
Quelle: KAUSCH, Arthur (früher Schillwen): Niederschrift über die Räumung des Kreises Heydekrug/Ostpr. im August und Oktober 1744 (leicht gekürzt erschienen im Memler Dampfboot 9/2000)
Zufallsfunde
Um die Mitte des 19. Jahrhundert umfasste
- das adlige Gut Heydekrug 16 Höfe mit 129 Einwohnern
- und der anliegende Marktflecken war schon auf 77 Anwesen mit 319 Einwohnern angewachsen.
- Die Gemeinde Szibben umfasste 185 Anwesen mit 1004 Bewohnern,
- Werden 29 Anwesen mit 56 Bewohnern
- und das Kölmische Gut Werdenberg 4 Anwesen mit 18 Bewohnern.
Bis 1885 ist die
- Gemeinde Heydekrug auf 506 Einwohner mit 83 Anwesen,
- Szibben auf 1480 Einwohner mit 317 Anwesen gewachsen.
- Die Gemeinde Werden hatte auf 10 Anwesen 62 Einwohner.
- Das Gut Adlig Heydekrug bewohnten 294 Einwohner in 57 Anwesen
- und das Gut Werdenberg 24 Einwohner in 3 Anwesen.
Die weitere Entwicklung Heydekrugs wurde durch den Bau der Eisenbahn Tilsit-Memel mit einem Bahnhof in Szibben beschleunigt. Auch durch die verbesserten Straßen zu den Orten des weiteren Umlands stieg die Bedeutung Heydekrugs. Zusätzlich durch den Wasserweg Schiesze begünstigt, wurde Heydekrug für Käufer und Verkäufer ein äußerst interessanter Marktflecken."
- Purvinas, Martynas: Historische Orte am Unterlauf der Memel, in Annaberger Annalen 12/ 2004, S. 86f
Wanderung durch Heydekrug
Folgender Abschnitt stammt aus einem Artikel von Ewald Lauks im Memeler Dampfboot
Immer kleiner wird der Kreis, wenn wir die Todesnachrichten lesen. Ich will in Gedanken eine Wanderung durch unser kleines Städtchen Heydekrug unternehmen, um alte liebe Erinnerungen wieder aufzufrischen. Sie sollen uns nicht in Vergessenheit geraten, und unsere Kinder sollen wissen, woher wir kamen.
Von der Gemeinde Pagrienen mache ich den Anfang meiner Wanderung. Es geht längs des alten Weidenweges, rechts vorbei an Nachbar Septinus und an Pawlowski, die ebenfalls ihr Anwesen auf den von Dr.h.c. Hugo Scheu gekauften Parzellen erbaut hatten. Zur linken Hand der Ausläufer des schönen romantischen Rabenwaldes, auf der anderen Seite endet der Kirlicker Landweg nach Heydekrug, ohne Tannenhecken zu beiden Seiten der Eisenbahnstrecke Memel-Tilsit, zur Linken das Bahnwärtergehöft, dahinter ein kleines, grünes Häuschen, in dem das alte Ehepaar Baldszunas wohnte. Auf der linken Ecke das neuerbaute Haus von Auto-Griga mit seinen Verwandten. Wer kannte nicht den immer hilfsbereiten alten Eisenbahner Schmähling ? Und wer kannte nicht den noch älteren, immer voller derber Witze steckenden Maurer- und Zimmermeister Griga. Seine gelindesten Ausdrücke waren „Noa, koddrige Krät" - „Du krommet Gestell" - „Du opjedonnerte Schewschnut" - „Afjescheiwelte Marjell" - „He verdrägt nick e mol e vernemftigen Priske" - „Stänkriger Fulpelz" - „Pockennarwiger Asiat".
Auf der andern Seite der breiten Chaussee, die von Memel nach Tilsit führte, stand hinter alten wuchtigen Pappelbäumen, fast wie verträumt, das grüne Haus des netten weißhaarigen Tischlermeisters Franz Schlagowski. Hinter dem Gehöft von Schlagowski verlief der Landweg zwischen den Werdener Kiesgruben nach Hermannlöhlen, den ich mit meinen Angehörigen so oft und gerne gegangen bin.
Jetzt geht die Wanderung aber durch Werden direkt nach Heydekrug. Wer von der damaligen Jugend hat sich nicht gerne in den vier Werdener Kiesgruben herumgetummelt ? Selbst die litauischen roten Husaren, die seiner Zeit in Matzicken stationiert waren, haben hier mit ihren Pferden versucht, die "Alpen" zu bezwingen.
Dann kam das evangelische Waisenhaus; und so manches verstoßene Kind hat hier bei Waisenvater Jakomeit und seiner Ehefrau liebe Aufnahme gefunden. Es folgte das nette Häuschen, in dem Fleischermeister Leitner und oben der immer rüstige alte Mehl- Jakuttis wohnten. Anschließend die „Villa Werden" mit ihrem damaligen Pächter Paul Rudat. So manches Tänzchen wurde hier im abgelegenen Winkel gedreht. Die so genannten "Sieger", die Franzosen, dann die Befreier vom "deutschen Joch", die Litauer und ihre so zahlreichen politischen Verbände schwangen auch hier oft genug abwechselnd ihr Zepter. Dies aber nur so nebenbei zur Gedankenauffrischung.
Ich wandere aber jetzt in wirklich friedlichen und ruhigen Zeiten meinen Weg weiter nach Heydekrug hinein. Hinter unserm Paul Rudat zweigt eine Chaussee über Hermannlöhlen-Jonaten nach Kolleschen ab. In nächster Nähe befindet sich auch die Kleinbahnstation Werden. Dahinter die Mahl- und Sägemühle von Willi Gailus, früher Schlimm sen. Auf der anderen Chausseeseite lag die Gastwirtschaft unseres immer so „feuchtfröhlichen" Paul Witzke. Wer hat seiner schon vergessen?
Nun aber zurück auf der entgegen gesetzten Straßenseite zur Volksschule Werden. Wer kennt nicht mehr den alten Präzentor Lakiszus, der damals die Schulleitung hier hatte? Später folgte Lehrer Gustav Elbe. Können wir jemals die alten hohen und knorrigen Bäume um unsere große und turmlose Werdener Kirche und die beiden Pfarrhäuser vergessen ? Wer hat nicht mit Freuden und Begeisterung den wundervollen Blumengarten von Pfarrer Jopp bestaunt? Unsere alten Pfarrer Moser und Ribbat, die auch seiner Zeit zum Werdener Kirchspielbezirk gehörten, sollen nicht vergessen werden. Zwischen dem Pfarrhaus und der Werdener Kirche der ganz idyllisch gelegene Weg zum Rabenwald !
Die Wanderung geht aber weiter auf der Kantstraße zur Straßenbrücke über den Szieszefluß. Zur linken Seite die Eisenbahnbrücke Memel-Tilsit, auf der rechten Seite die Kleinbahnbrücke Heydekrug-Kolleschen.
Das so genannte „Richterviertel" - es waren tatsächlich ihrer vier - beginnt gleich hinter- dem Szieszefluß. Auf der linken Straßenseite das kleine bäuerliche Gehöft von Amtsgerichtsdirektor Josef Schwarze. Auf der anderen Seite unter alten Bäumen das kreiseigene Haus, in dem Amtsgerichtsrat Artur Kairies wohnte. Davor, ebenfalls in einem kreiseigenen Haus, unser ewig unzufriedener, gestrenger und doch so herzensjunger alter Amtsgerichtsdirektor Fasold. Amtsgerichtsrat Dr.Pipirs wohnte später ebenfalls hier.
Weiter rechts die Kiefernstraße zum schönen und mückenfreien Schweizertal, Kreiswald, führend. Der damalige Schweizerwirt Eduard Laetsch darf nicht vergessen werden. So manche schöne, ruhige Stunde konnte man bei unserem Ede" und seiner Ehefrau Emma genießerisch verbringen. Wer hat den starken, würzigen Kiefernduft unseres Schweizertals und des Kreiswaldes nicht noch in der Nase ? Selbst die litauische Spritfabrik soll erwähnt werden. Unsere Bauern haben hier für ein paar Litas ihre Kartoffeln hergeben müssen !
Aber nun wieder zurück zur Hauptstraße. Jetzt Tilsiter Straße rechts das Haus der Produktenhändler Jordan und Sohn. Daneben das Haus des Viehhändlers Koszinowski und im Anschluß die Eiserne Schmiede von Schmiedemeister Schmähling. Nach dem Tode des Schmiedemeisters wurde hier „Die eiserne Schmiede" in Form einer Gastwirtschaft eingerichtet. „Eiserne Gäste" waren hier nicht selten anzutreffen. Dahinter rechts ein Landweg, der zum katholischen Friedhof führte. Gegenüber das Gehöft des Postbeamten Johann Bumbullis. Etwas abseits das Gehöft von Dowideit und die Gasanstalt Heydekrug, dessen Meister damals Krasemann sen. war. Rechts der Hauptstraße und Eisenbahnlinie der evangelische Friedhof.
Rechts ab, hinter der Eisenbahnlinie Memel-Tilsit, führt die Eisenbahnstraße zum Hauptbahnhof. Das grüne Haus von Tischlermeister Schiewe, vorher Bratz anschließend. Es folgt das alte Postgebäude, dessen Besitzer damals Viehhändler Bastian, vor dem Kissuth, war. Die Kreisbauernschaft war hier auch untergebracht. Seitlich das weiße Häuschen von Witwe Klammer. Anschließend das Kiebertsche Haus in dem seinerzeit Rechtsanwalt Dr. Brindlinger (später Oberbürgermeister in Memel) seine Praxis hatte. Es folgen das Haus von Buchdruckereibesitzer Sekunna sen. und das des Bierverlegers Berger mit dem schönen Rosengarten davor. Vor der rechts abbiegenden Bahnhofstraße noch das Haus des Kaufmanns Bellmann.
Nun aber wieder zurück zur anderen Seite, zur Katholischen Pfarrstraße. Da stand die kleine katholische Kirche, daneben das große katholische Waisenhaus, die katholische Schule, deren Leiter damals Lehrer Leo Schwark war. Gegenüber das katholische Pfarrhaus, in dem Pfarrer Schacht wohnte. Dicht an der Tilsiter Straße das Wohn- und Werkhaus von Auto-Boguschewski.
Ganz wunderbar wirkte die Villa des früheren Kreisbaumeisters Gabe. Die Sauberkeit war hier wohl kaum zu überbieten. Wer erinnert sich nicht mehr des „Gartens der Vergessenheit?" Hier hat so manch „Müder" wirklich alles vergessen können. Der damalige Inhaber war Quittkat.
Die Apotheke Grygat stand vor einer kurzen Querstraße, die zur Bauernstraße führte. Nun folgte das altersschwache Haus der Geschwister Bendig. Wer hat die alte unwirsche Dame und den alten Junggesellen Bendig mit seinen „Aktuellstücken" nicht gekannt? Kurz, ein Original Heydekrugs. Daher will ich auch diese beiden nicht unerwähnt lassen. Dahinter das Tapetengeschäft von Max Kühn - dem kühnen Feuerwehrmann. Das Haus des Tischlermeisters und Feuerwehrhauptmanns Schlicht danach.
Links bog die Ackerstraße ab. Hier begann das eigentliche Geschäftsviertel der Stadtmitte. Hintereinander die Restauration, die Gastwirtschaft und die Eisenwarenhandlung von Gebr.Mikuteit sowie ein kleiner Friseurladen. Eine litauische Monopolsteile - einfach „Puskeladen" genannt - war hier auch einmal.
Im anschließenden Gebäude das Ordensgeschäft von Max Runde sowie eine Schuhmacherwerkstätte und ein Spielwarengeschäft von Friseur Neumann. Darüber im selben Hause wohnte auch Dr. med. Burstein, der in Heydekrug keineswegs unbeliebt war. Auch wohnte hier unser alter, ebenfalls sehr beliebter Amtsgerichtsrat Roch mit seinem ungepflegten langen Schnauzbart. Er wurde von uns einfach „Papa" genannt. Das Häuschen des Pferdehändlers Mayer - einfach „Schniefkeonkel" genannt - anschließend. Meistens wurde man von Meyer mit den Worten begrüßt: „Ist ein guter Prieske gefällig?"
Die Bäckerei Jodszuweit und ein Milch- und Mehlladen waren im nächsten Gebäude. Danach die Restauration, Gastwirtschaft und der Kaufladen von Franz Gaidies, dessen Nachfolger Alois Schwark und später Gebr.Wythe waren.
Das lange Haus von Wehleit, ebenfalls beginnend mit einer Kneipe von Jurgeneit und Stephan folgend. Hierin befand sich außerdem der Fleischerladen von Klein mit der immer vorzüglich schmeckenden Wurst und schließlich die Drogerie Wehleit selbst.
Das folgende Gebäude war ein großes, rotes Ziegelhaus, aber keineswegs unfreundlich wirkend. Es war unser Amtsgerichtsgebäude, in dem ich von 1922 bis 1943 tätig war. Hinter dem Amtsgericht gab es wieder eine Kneipe von Schwellnus sen., die sogen. „Abteilung VII". Sechs Abteilungen des Amtsgerichts waren rein „dienstlich", dagegen die „Abteilung VII" nur zu feuchtfröhlicher Stärkung. Im selben Gebäude auch unser schönes Cafe Deim. Spätere Inhaber waren Loehrke und Fritz Schwellnus jun. Im oberen Stockwerk von Cafe Deim hatte Rechtsanwalt Alfred Scherlies seine Praxis und Wohnung. Das folgende schöne, große Gebäude gehörte Treger und Papendick. Hierin auch der Blumenladen von Frl. Schlicht, die Filiale des Memeler Dampfboots mit dem damaligen Leiter Parieser, später Wiemer und schließlich das Hutgeschäft von Fritz Grau. Später befand sich hierin die Kleider-Bezugscheinstelle unter Leitung des Mechanikers Leo Formella.
Es folgte das nicht schöne und kleine Häuschen, in dem die Masseusin Boywid -Hoffmann wohnte. Der Trödlerladen von Michael Thumeleit als nächster. In dem später neuerbauten Gebäude war ein Kolonialwarengeschäft, welches zwei Schwestern besaßen und die Roebsdener Spar-und Darlehnskasse, deren damaliger Leiter der „dicke" Schadereit war. Die Sudermannstraße anschließend.
Aber vordem noch zurück zur Bahnhofstraße. Im Eckhaus der Friseurladen von Herberger und Färberei Neumann. Im folgenden Haus das Porzellanwarengeschäft von Emil Adomeit, später Eitel Malunat und die Strickerei Ewert. Auto-Gruber war der Eigentümer des folgenden Gebäudes, hierin auch das Goldwarengeschäft der Geschwister Rautenberg. Das Haus der Eheleute Max Bellgardt mit ihrem Milch- und Buttergeschäft sowie von Bellgardt jun. mit seiner Bäckerei war das nächste. Der Vorgänger, Bäckermeister Klamp, mit seinem guten Gebäck darf aber auch nicht vergessen werden.
Jetzt biegt die Bergstraße nach rechts ab. Hinter der Bergstraße das Haus von Ambraß. In diesem auch das Klempnergeschäft von Szenguleit und das Wollwarengeschäft von Cyrulies. Als folgendes ein kleines Giebelhaus. Dann das Haus von Stellmachermeister Kaulitzki. Hierin befanden sich auch einst das Uhrengeschäft von Briese und ein zweites Geschäft. Im Hofgebäude die Stellmacherei von Kaulitzki. Das Haus des Justizrat Hoffmann fiel schon durch die beiden mächtigen Silberpappeln auf. Umfang und Höhe waren in Heydekrug wohl kaum noch zu überbieten. Der alte Justizrat Hoffmann hatte hier seine Praxis und Wohnung. Der Raiffeisenverein mit seinem damaligen Leiter Kahmann und Frl. Schlimm, das Papier- und Spielwarengeschäft von Sekunna jun. anschließend. Dann das Porzellanwarengeschäft von Podien. Im selben Hause auch das Friseurgeschäft von Binsau und Haltner. Folgend im Eckgebäude Kaisers Kaffeegeschäft und ein Manufakturwarengeschäft von Isaak. Im Keller das Butter- und Milchgeschäft von Frl. Schmeil.
Straßen
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Dabei sind auch die Einwohner aus dem Adressbuch 1942 erfaßt.
Schulen
Herderschule
Das Schulgebäude steht in der Herderstraße 2-6.
Schulbilder
Abitur 1934
- Die offizielle Liste der Abiturienten 1934 steht in ASCHMANN, Georg Harry: Die Herderschule zu Heydekrug, Salzgitter 1985, S.88:
- Margarete Auksutat, Lydia Batschansky, Ilse Behl, Johanna Jucewitsch, Martina Killus, Artur Kairies, Helmut Klein, Sigrid Kupffer, Rita Lax, Heinrich Ludszuweit, Siegfried Ludszuweit, Maximilian Müller (nicht auf dem Foto?), Helene Neumann, Horst Oloff, Emil Sziegaud (nicht auf dem Foto?), Benno Winkler.
Anhand der mit den Initialen bestickten Mützen kann man die meisten Personen konkret zuordnen. Da Nikolai Motritsch (laut Aschmann Abiturjahrgang 1932) definitiv zugeordnen werden konnte, ist anzunehmen, dass noch mehrere "Jahrgangsfremde" dabei sind. Nach Durchsuchung zweier Jahrgänge ist die Namenszuordnung aufgrund der Initialenkombination bis auf zwei Fälle eindeutig:
- Reihe unten von links: Johanna Jucewitsch, Lydia Batschansky, Margarete Auksutat, Martina Killus, Helene Neumann, Ilse Behl, Sigrid Kupffer, Elma Petereit (1933) oder Erika Peldszus (1933), Rita Lax.
- Reihe Mitte von links: Benno Winkler, Hausmeister Gustav Fabian, Lehrer Mallon oder Ulrich (?), Helmut Klein, Artur Lautzas (1933) oder Arno Launert (1933), Heinz Maskolus (1933).
- Reihe oben von links: Siegfried Ludszuweit, Nikolai Motritsch (1932), Erich Awiszus (1933), Horst Oloff, Direktor Dr. Heinrich Samel, Artur Kairies (1934) oder Alfred Kupffer (1933), Heinrich Ludszuweit.
Die Verlinkungen sind nicht immer ganz sicher.
Landfrauenschule
Landwirtschaftliche Haushaltungsschule für Jungbäuerinnen
Zufallsfunde
Oft werden in Kirchenbüchern oder anderen Archivalien eines Ortes Personen gefunden, die nicht aus diesem Ort stammen. Diese Funde nennt man Zufallsfunde. Solche Funde sind für andere Familienforscher häufig die einzige Möglichkeit, über tote Punkte in der Forschung hinweg zu kommen. Auf der folgenden Seite können Sie Zufallsfunde zu diesem Ort eintragen oder finden.
Daten aus dem genealogischen Ortsverzeichnis
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