Nidden

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Nidden, Ausblick aufs Haff
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Nidden - Italienblick auf den Dorfteil Purwin
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Plan von Nidden von Paul Jsenfels
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Kurenhaus ohne Schornstein
mit den gekreuzten zirgs auf dem First (um 1895)

Hierarchie



Einleitung

Nidden, Kreis Memel, Ostpreußen


Name

Andere Namen und Schreibweisen


Namensbedeutung

Der Name wurde vermutlich aus Kurland importiert und bezieht sich auf Wasser.

  • idg. "neid, nid" = fließen, strömen


Allgemeine Informationen

  • Fischerdorf mit Kirche
  • Beliebter Ausflugs- u. Badeort
  • Mit Molen-Hafen
  • Gegründet vor 1437
  • Unweit von Nidden (ca. 1,5 km südwestlich) lag Alt Nidden[4], eine in den Dünen versunkene alte Dorfstelle[5].


Die Bilder wurden freundlicherweise von H.G. Moors zur Verfügung gestellt

Politische Einteilung

1940 ist Nidden eine Gemeinde mit den Dörfern Nidden, Ortsteil Purwin und Skrusdin und Perwelk.


Kirchliche Einteilung/Zugehörigkeit

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Eingang zum Kirchhof Nidden (Bild: Walter Keck 2010)
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Ansicht der Niddener Kirche von Süden
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Evang Kirche (Bild: Heinrich Stauffer 2010)



Evangelische Kirche

Vor der Gründung des Kirchspiels Nidden gehörte Nidden zum Kirchspiel Schwarzort.
Niddens evangelische Pfarrkirche ist relativ jung. Ab 1812 wurden Gottesdienste in einem einfachen Wohnhaus abgehalten, das noch bis in die 1860er Jahre auch als Pfarr- und Schulhaus diente. 1832/33 wurde ein Wohnhaus zur Kirche eingerichtet. [6] Vorher gehörte der Ort zum Kirchspiel des versandeten Dorfs Kunzen, ab 1797 zum Kirchspiel Schwarzort. Nidden wurde 1854 zusammen mit Preil und Perwelk zu einem eigenen Kirchspiel zusammengefasst. Die heutige Backsteinkirche konnte erst gegen Ende der 1880er Jahre errichtet werden (Einweihung am 10. Oktober 1888). Es ist "ein schöner Bau in gotischen Formen, nur mit Kopfsteinen gemauert. Der Dachverband freischwebend." [7] Der Altar und die Kanzel stammen noch aus der Kirche zu Kunzen.

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Kreuz im Kirchhof auf dem Weg zur Kirche (Bild: Walter Keck 2010)
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Kirchenfenster von Nidden, 2009


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Alte Ansicht des Altarraumes der Niddener Kirche
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Ansicht des Altarraumes der Niddener Kirche, 2009


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Kurenwimpel im Kircheninneren (Bild: Walter Keck 2010)
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Früheres Kreuz in der Kirche (Bild: Walter Keck 2010)
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Orgelprospekt in der Kirche von Nidden, 2009
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Nach dem Kirchgang



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Pfarrerliste in der Kirche von Nidden, 2009
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Haffpartie von Nidden mit Blick auf die Kirche


Pfarrer

  • Johann Woyser (1555-1564)
  • Crispin Liebermann (1564-1579)
  • Ambrosius Otto (1579-1602)
  • Andreas Walther (1602-1604)
  • Paul Biber (1604-1605)
  • Friedrich Engelke (1605- )
  • David Heidenreich (1610-1621)
  • Martin Schulz (1621-1630)
  • Johann Kersten (1632-1655)
  • Erhard Waldeck (1655-1663)
  • Johann Ludovice (1663-1664)
  • Michael Burckhardt (1664-1707)
  • Gustav Ebert Sylla (1847-1855)
  • unbesetzt (1855-1861)
  • Johann Pippirs (1861-1863)
  • Albert Hoffheinz (1863-1868)
  • Christop Gottlieb Pohl (1868-1873)
  • August Jussas (1873-1876)
  • Karl Gustav Echternach (1876-1894)
  • Hermann Jopp (1894-1903)
  • Arthur Bruno Pippirs (1903-1906)
  • Franz Großjohann (1906-1913)
  • unbesetzt (1913-1915)
  • Eduard Kittlaus (1915-1918)
  • Johann Magnus (1918-1923)
  • Paul Schenke (1923-1925)
  • unbesetzt (1925-1927)
  • Georg Henkys (1927-1929)
  • Ewald Edelhoff (-1929)
  • Johannes Kypke (1929-1934)
  • Erst Bruno Ribbat (1935-1937)
  • Johann Buttgereit (1937-1940)
  • Walter Pallentin (1940-1943)
  • Waldemar Küther (1943-1944)
  • Pastor Raubereit (1944-1945)

Zugehörige Ortschaften

Zum Kirchspiel Nidden gehörten 1912 folgende Ortschaften:

Klooschen Forstgutsbezirk, Nidden Dorf, Forst u. Leuchtturm, Perwelk, Preil Dorf u. Forst.

Kirchenbücher

Die Kirchenbücher von Nidden gelten als verschollen.



Katholische Kirche

Nidden gehörte 1907 zum katholischen Kirchspiel Memel.

Eine katholische Kirche wurde erst 2003 in der Ortsmitte eingeweiht. [1]


Standesamt

Zugehörige Ortschaften

Zum Standesamt Nidden gehörten 1888 und 1907 folgende Ortschaften:

Nidden, Perwelk, Preil.

Standesamtsregister

Eine wertvolle Hilfe angesichts der fehlenden Kirchenbücher von Nidden stellen die Zweitbücher des Standesamtes Nidden dar, die im Standesamt I in Berlin lagern. Verfilmungen sind auch bei den "Mormonen" vorhanden.

  • Geburten 1874-1938.
  • Heiraten 1874-1885, 1887-1929, 1932-1938.
  • Sterbefälle 1874-1885, 1887-1915, 1918-1938 (1887 unvollständig).

Geschichte

Jüngere Steinzeit (Neolithikum) ca. 4 000 - 2 000 v. Chr.

In Nidden wurde ein Steinbeil und Pfeilspitzen aus Feuerstein gefunden, die dieser Zeit zugeordnet werden.

Quelle: Dr. Wilhelm Gaerte: Urgeschichte Ostpreußens, Gräfe und Unzer Verlag, 1929

Ab 1437

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Thomas-Mann-Haus
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Leuchtturm Nidden (Hardy 1997)

Nidden, der größte Ort auf der Kurischen Nehrung, wurde bereits 1437 erwähnt und erhielt 1529 seine älteste Handfeste bezüglich eines Kruges.

  • Die ursprüngliche Lage des Ortes bis 1675 lag gut 5 km weiter südlich jenseits der Hohen Düne am Grabscher Haken (prußisch "grabis" = Berg).
  • Die zweite Dorflage von Nidden befand sich von etwa 1675 bis in die 30-iger Jahre des 18. Jh. direkt am Haffstrand, etwa auf der Höhe des Grabscher Haken. 1709 wurde durch die Pest fast die gesamte Bevölkerung hingerafft.
  • Der von Agnes Miegel in ihrem Gedicht "Die Frauen von Nidden" geschilderte Pestfriedhof liegt etwas südlich von der zweiten Ortslage.

Die Bevölkerung sprach kurisch, mit den Gästen selbstverständlich deutsch. Südlich von Nidden wurde dagegen kaum noch kurisch sondern deutsch und plattdeutsch gesprochen. Nidden war ein Ort, der gerne von Künstlern aufgesucht wurde. Es gab eine Künstlerkolonie, die im Gasthaus Blode [2] ausstellte (Lovis Corinth, Ernst Mollenhauer, Max Pechstein, Karl Schmidt-Rottluff), und der Schriftsteller Thomas Mann bewohnte dort eine eigene Villa, bis er 1933 aus Deutschland emigrieren musste (heute Thomas Mann Museum und Kulturzentrum, Tomo Mano Namas [3]). Von hier hatte man einen herrlichen Blick auf das Haff. Berühmt ist Nidden auch wegen seiner bis heute noch nicht befestigten Wanderdüne.

Auf dem Urbo Kalnis (kurisch „ausgehöhlter Berg“) steht seit 1874 ein Leuchtturm mit Blinkfeuer. Sehenswert in der dritten Ortslage von Nidden ist nach wie vor der Friedhof mit den heidnischen Grabstelen, der vom ostpreußischen Maler Lovis Corinth gemalt wurde.

Posthalterei

Casimir Kywert (Kuwert), Bruder des Amtmann Kywert war ein reicher Mann und betrieb 1743 in Nidden eine große, für damalige Verhältnisse luxuriöse Posthalterei mit 40 Pferden.

Quelle:

  • Charlotte Keyser: "Und immer neue Tage. Roman um eine memelländische Familie zwischen zwei Jahrhunderten (1700-1800", Königsberg: Grafe & Unzer, 1939

Die preußische Königin Luise soll dort auf ihrer Flucht vor Napoleon nach Memel (1807) übernachtet und mit ihrem Diamantring den Goethe-Vers "Wer nie sein Brot mit Tränen aß ..." in ein Fenster geritzt haben. Später wurde der Postkrug nach ihr "Hotel Königin Luise" benannt (heute "Hote Jurate"). [8]


Schule

1743 wurden in Schwarzort und Nidden Schulmeister angesetzt, deren Schulhäuser 1745 erbaut wurden. 1792 zählte Schwarzort 26 Schüler: 14 Knaben und 12 Mädchen. An Schulbüchern waren gegen Ende der 18. Jh. in Gebrauch: Bibel, Gesangbuch, Rambachs Heilordnung, Hübners biblische Historien, der Kinderfreund, ein "Wirthschaftskatechismus". 1780 konnte von den 18 Schulzen des Amtes Althof nur ein einziger seine Gehaltsquittung mit seinem Namen unterschreiben: Engelin aus Nidden.


Bewohner

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Gedenktafel für Thomas Mann an [9]
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Das Hotel Hermann Blode in Nidden

Unter folgenden Straßen bzw. Ortsteilen sind die Einwohner von Nidden aus dem Jahre 1942 aufgeführt: Am Haken, Dorfstraße, Dünenweg, Leuchtturmweg, Purwin, Seestraße

Bewohner 1540

  • Denn, Krauße, Kruger zu Nydden, Lambat, Lammat, Lammatt, Lange, Pantick, Petschenks
  • Ramba, Raßelke, Rauch, Rauer, Reuter, Schmidt, Sollwyn, Zeutzer


Hermann Blode


Haus Hermann Blode in Nidden


Haus Hermann Blode liegt im Sonnenschein;
blauweiß die Giebel, blau die Fensterläden.
Ein stiller Wandspruch grüßt am Tore jeden,
bevor er froh in dieses Haus tritt ein.


"Mensch, deine Seele birgt die ganze Welt,
den ganzen Gott und sein Wunderweben.
Denn Gott und du - ihr beide seid ein Leben,
das nicht einmal im Tade einst verfällt!"


Bei dem, der um so tiefe Weisheit weiß,
bei solchem Wirte ist man wohl geborgen.
O Freund, tritt ein. Er nimmt dir alle Sorgen.
Die Welt wird Licht in seinem Zauberkreis.


Fritz Kudnig in "Das Wunder am Meer", Gräfe und Unzer, 1954



Weitere Bewohner

Weitere Einwohner von Nidden, die in verschiedenen Quellen ohne Adresse (Straße) angegeben sind, befinden sich auf folgender Seite:

Unterkunftsverzeichnis 1941

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Nidden 2009/2010

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Haus in Nidden 2010 (Bild: Walter Keck)
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2010 (Bild: Walter Keck)
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2010 (Bild: Walter Keck)


Friedhof

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Eingang zum Friedhof (Bild: Walter Keck 2010)

Der Friedhof in Nidden weist noch viele Grabdenkmäler aus deutscher Zeit auf. Hier zunächst eine sehr kleine Auswahl:

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Alte Ansicht des Niddener Friedhofes zur deutschen Zeit
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Restauriertes Eingangstor zum Niddener Friedhof (Bild: Horst Warthun 2004)

Bilder von Beate Szillis-Kappelhoff 2003:

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Grabtafel Purwin, 26.8.1812 und 11.6.1919
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Heidnische Tafeln in Krötenform und Vogelverzierungen (Vergleiche unten mit dem Bild von 2004 und weiter unten rechts mit dem Bild von 2010)
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Oft auch mit christlichen Symbolen versehen oder ganz schlicht in stilisierter Krötenform


Bilder von Horst Warthun 2004:

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Vergleiche dieselbe Stelle auf dem Friedhof mit 2003
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Grab von Johann Sakuth und Martin Sakuth
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Grab von Hermann Blode
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Grab von Else Engelin
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Grab von Richard Pietsch zwischen seiner Mutter (links) und seiner Großmutter (rechts). Der schwer zu entziffernde Text ist das "Vater Unser" in kurischer, deutscher und litauischer Sprache. (Foto: Annelie Stoellger 2010)
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Gedenkstein auf dem Seefriedhof
  • George David Kuwert begann ab 1828 mit der Bepflanzung der Dünen bei Nidden. Sein Gedenkstein (Foto rechts) steht noch heute auf dem Seefriedhof.


Bilder von Heinrich Stauffer 2010:

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(Bild: Heinrich Stauffer 2010)
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(Bild: Heinrich Stauffer 2010) (Vergleiche weiter oben links mit den Bilder von 2003 und 2004)
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(Bild: Heinrich Stauffer 2010)
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(Bild: Heinrich Stauffer 2010)



Karten


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Schroetter Karte 1802, Maßstab 1: 160 000
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Nidden auf der Schroetterkarte (1796-1802) 1:50 000
© Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz


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Nidden im Preußischen Urmesstischblatt 1834
© Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
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Nidden im Preußischen Urmesstischblatt 1859
© Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz


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Nidden und Umgebung im Preußischen Urmesstischblatt 1834
© Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
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Nidden und Umgebung im Preußischen Urmesstischblatt 1859
© Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz


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Alt Nidden und Umgebung im Preußischen Urmesstischblatt 1834
© Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
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Alt Nidden in den Dünen versunken im Preußischen Urmesstischblatt 1859
© Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz


Schilderungen

Kurgäste

"Pietsch III hatte Glück, es kamen nicht nur Maler nach Niegeln, sondern gewöhnliche Badegäste, die sich bei den Fischern einmieteten und den ganzen Tag an der See zubrachten. Sie konnten sich nicht genug damit tun, die Schönheiten Niegelns und der ganzen Nehrung zu preisen. Die Fischer trugen den Kopf hoch, es blieb ein schönes Stück Geld im Dorf. Um Büsch hatte sich eine ganze Malerkolonie gebildet, die aus dem Sand, der bisher als das Gewöhnlichste von der Welt galt, eine Attraktion machten. Ebenso wurden die Elche, um die sich die Fischer gar nicht gekümmert hatten, über Nacht zu Berühmtheiten, und die Badegäste fuhren fast jeden Nachmittag auf den breiträdrigen Fischerwagen in das Elchrevier und kamen vor dort erfüllt mit großen Erlebnissen zurück.

Frau Marthe hatte alle Hände voll zu tun, denn abends ging es in ihrer Krugstube, dem einzigen "Kurhotel" des Dorfes, hoch her. Jedermann wollte geräucherte Flundern und Breitaale essen, die plötzlich zur Delikatesse erklärt worden waren. Pietsch III nahm mit Wollust seine Prise und sah, wie seine Kurkasse von dem Geld der Fremden anschwoll. Niemand hatte daran gedacht, daß es in und um Niegeln soviel Sehenswertes gab und daß die Badegäste jeden Tag neue Ausblicke, neue Spaziergänge und neue Merkwürdigkeiten entdecken würden. Einer preis die Elche, der andere die Reiher, der dritte die hohe Düne, der vierte die verträumten Schilfbuchten, der fünfte die Möwen und Wasservögel, der sechste die interessante Pflanzenwelt, der siebente die unwahrscheinlichen Sonnenuntergänge, der achte die himmlische Ruhe ... ach, es war ohne Ende!

Nur einige Fischer gingen mit verkniffenen Gesichtern umher und meinten, die Fremden wären viel zu laut und machten sich viel zu breit. Zu ihnen gehörte der alte Froese, der mit seiner Posaune den Untergang des Dorfes verkündet hatte. Er mochte die braungebrannten, eleganten Frauen nicht, die kichernd und lachend, hübsch und gesund über die Dorfstraße schritten, als wäre das Leben ein ewiger Tanz. Vor allem hatten sie im Gegensatz zu den sieben Röcken der kurischen Frauen kaum einen an. ...

Der Spätsommer neigte sich dem Ende zu. Die ersten Tropfen eines kalten Regens preschte gegen die Fenster und rannen schwerfällig an dem Glas herab. Die Maler saßen in der Krugstube von Frau Marthe und tranken ihren Rotwein. An den Wänden hingen viele Gemälde, die alle Farben des Sommers eingefangen hatten, von der unwahrscheinlichen Bläue einer stillen Haffbucht bis zum Gelbrot einer nachmittäglichen Sonnenglut über der Hochdüne. ...

Am Morgen traf Martin Pietsch III wieder an den Baracken. Es waren eine Menge Bretter übriggeblieben, oft auch nur Reststücke. Martin sagte beiläufig: "Wenn ich Bürgermeister wäre, würde ich aus den übrigen Brettern eine kleine Badeanstalt am Seestrand bauen lassen. Die Badegäste wollen sicher nicht immer im Sand liegen, und wenn es regnet oder stürmt, ist so eine Bude nicht mit Gold zu bezahlen. ..."

Quelle: Naujok, Rudolf: Der Herr der Düne, K.Thienemanns Verlag, Stuttgart, 1955

Dichtung

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Hohe Düne bei Nidden
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Hohe Düne bei Nidden 2010

Die Frauen von Nidden
von Agnes Miegel

Die Frauen von Nidden standen am Strand,
Über spähenden Augen die braune Hand,
Und die Boote nahten in wilder Hast,
Schwarze Wimpel flogen züngelnd am Mast.


Die Männer banden die Kähne fest
Und schrien: "Drüben wütet die Pest!
In der Niedrung von Heydekrug bis Schaaken
Gehn die Leute im Trauerlaken!"


Da sprachen die Frauen: "Es hat nicht Not,
Vor unsrer Türe lauert der Tod,
Jeden Tag, den uns Gott gegeben,
Müssen wir ringen um unser Leben,


Die wandernde Düne ist Leides genug,
Gott wird uns verschonen, der uns schlug!"
Doch die Pest ist des Nachts gekommen,
mit den Elchen über das Haff geschwommen.


Drei Tage lang, drei Nächte lang,
Wimmernd im Kirchstuhl die Glocke klang.
Am vierten Morgen, schrill und jach,
Ihre Stimme in Leide brach.


Und in dem Dorf, aus Kate und Haus,
Sieben Frauen schritten heraus.
Sie schritten barfuß und tief gebückt
In schwarzen Kleidern bunt bestickt.


Sie klommen die steile Düne hinan,
Schuh und Strümpfe legten sie an,
Und sie sprachen: "Düne, wir sieben
Sind allein noch übrig geblieben.


Kein Tischler lebt, der den Sarg uns schreint,
Nicht Sohn noch Enkel, der uns beweint,
Kein Pfarrer mehr, uns den Kelch zu geben,
Nicht Knecht noch Magd ist mehr unten am Leben.


Nun, weiße Düne, gib wohl Acht:
Tür und Tor ist dir aufgemacht,
In unsre Stuben wirst du gehn
Herd und Hof und Schober verwehn.


Gott vergaß uns, er ließ uns verderben.
Sein verödetes Haus sollst du erben,
Kreuz und Bibel zum Spielzeug haben,
Nur, Mütterchen, komm, uns zu begraben!


Schlage uns still ins Leichentuch,
Du unser Segen, - einst unser Fluch.
Sieh, wir liegen und warten ganz mit Ruh"
Und die Düne kam und deckte sie zu.


Diverses

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Ausschreibung Dünenwärter, Memeler Dampfboot 18.10.1873

Internetlinks

  • [4] (Künstlerkolonie in Nidden)

Offizielle Internetseiten

Teilauswertung zu Nidden: Memelland, OFB

Zufallsfunde

Oft werden in Kirchenbüchern oder anderen Archivalien eines Ortes Personen gefunden, die nicht aus diesem Ort stammen. Diese Funde nennt man Zufallsfunde. Solche Funde sind für andere Familienforscher häufig die einzige Möglichkeit, über tote Punkte in der Forschung hinweg zu kommen. Auf der folgenden Seite können Sie Zufallsfunde zu diesem Ort eintragen oder finden.

Literatur

  • Barfod Jörn, Künstlerkolonie auf der Kurischen Nehrung, edition fischerhuder kunstbuch, 2005

Daten aus dem genealogischen Ortsverzeichnis

GOV-Kennung NIDDENKO05MH
Name
  • Nidden Quelle (${p.language})
  • Nida (1923) Quelle Seite 1087 (${p.language})
Typ
  • Wohnplatz
w-Nummer
  • 66132
externe Kennung
  • nima:-2617145
  • geonames:596612
Karte
   

TK25: 0692

Zugehörigkeit
Übergeordnete Objekte

Nidden, Nida ( LandgemeindeGemeindeGemeindebezirk) Quelle

Nidden, Nidden (Kurische Nehrung) (1907) ( Kirchspiel) Quelle S.158/159

Untergeordnete Objekte
Name Typ GOV-Kennung Zeitraum
Nidden, Nidden (Kurische Nehrung)
         Kirche
object_169348

Einzelnachweise

  1. Dietrich Lange: Geographisches Ortsregister Ostpreußen einschließlich des Memelgebietes, des Soldauer Gebietes und des Reg.-Bez. Westpreußen (1919-1939)
  2. GOV: http://gov.genealogy.net/
  3. Dietrich Lange: Geographisches Ortsregister Ostpreußen einschließlich des Memelgebietes, des Soldauer Gebietes und des Reg.-Bez. Westpreußen (1919-1939)
  4. Urmesstischblatt von 1834
  5. Dietrich Lange: Geographisches Ortsregister Ostpreußen einschließlich des Memelgebietes, des Soldauer Gebietes und des Reg.-Bez. Westpreußen (1919-1939)
  6. Nijolė Strakauskaitė, Die Kurische Nehrung - die alte Poststraße Europas (Klaipeda: S.Jokužio leidykla-spaustuvė, 2006), S.81-85
  7. Bötticher, Adolf: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Ostpreußen, Heft V. Litauen, Königsberg 1895, S. 94
  8. Nijolė Strakauskaitė, Die Kurische Nehrung - die alte Poststraße Europas (Klaipeda: S.Jokužio leidykla-spaustuvė, 2006), S.38
  9. seinem Sommerhaus, 2009