Feuerstätte

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Die Lebensumstände im lokalen und regionalen Bereich mit den natürlichen und kulturellen zeitlichen Gegebenheiten geben Hinweise zur Anlage von Biografien unserer Vorfahren in der jeweiligen Generation. Land und Leute in ihrer Zeit, ihre Siedlung, Sprache, Kirche, und die Vernetzung ihres Lebensraumes. Kurzgefasste Informationen mit Grundlagen für notwendige Einblicke finden sich u.a. (Ackerbürger) im Deutschen Städtebuch ... Hierarchie: Regional > HRR > Historische deutsche Staaten > Lebensumstände > Herdfeuer

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Freilichtmuseum Cloppenburg:
Mit Eisenkorb gesichertes offenes Herdfeuer
mit Pott am Kesselhaken eines Eisengalgens

Einleitung

In alten Bauernhäusern und in Museen sind sie noch zu sehen: Die an einem Balken oder eisernen Galgen aufgehangenen höhenverstellbaren Kesselkaken mit einem angehangenen Kochtopf. Später wurden diese offenen Feuerstellen zur Verminderung der Brandgefahr mit eisernen Körben abgedeckt und einem Funkenschirmüberbau versehen. Diese Art der Wärmeerzeugung für den Raum und der Essensvorbereitung hielt sich noch bis in das 19. Jahrhundert sowohl in kleineren als größeren Bauernhäusern, welche nach dem Einhausprinzip bebaut waren und sich keinen Kamin hatten einbauen lassen. Hier zog der kalte Rauch über den Dachboden ab. Sicherlich werden auch die mittelalterlichen Motten der Vasallen der zeitlichen Landesherren so ausgerüstet gewesen sein.

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Freilichtmuseum "Erve Kots" zu Lievelde (NL):
Offenes Herdfeuer mit Korbsicherung, Funkenflugabdeckung und Balkengalgen für Kesselhaken

Feuermauer oder Schornstein

Seit dem Beginn des Mittelalters entwickelte allmählich sich die offene Feuerstelle zum gemauerten Kamin und wurde von der Mitte des Raumes in eine Wandnische verlegt. Über einen Rauchfang wurde der Rauch durch eine sogenannte Feuermauer oder einen Schornstein nach draußen über das Dach geleitet. Weiter verbreitet waren Kaminzuführungen als Rauchabzüge aus Holz, später auch aus Stein, aber erst im Spätmittelalter, also ab dem späten 13. Jahrhundert.

1722: Dieser Schornstein des Rauchfangs (lat. Fauces) muß weit offen, aber nicht über 1 ½ Fuß breit sein. Die Länge kann an die Dachhöhe angepaßt sein und sollte den First übersteigen. Die Sohle des ohne Krümmungen aufsteigenden Schornsteins (Kamin, Feuermauer) kann inwendig rund und ohne Ecken sein, um unnötige Rußabsetzungen und Entzündungen zu vermeiden. Empfohlen wird die dichte innere Ausmauerung mit glasierten Ziegeln, um den Schornstein (Kamin) leichter fegen zu können. Der (Schornstein) Kamin soll oben von einer Laterne, einem metallenem Kranzwerk nach Prof. Christ. Leon. Sturm, gekrönt werden.

Zugang zum Schornstein

1722: Alle 4 Wände der Feuermauer (Schornstein) sollen aufliegen, zumindest drei direkt auf die Grundplatte durchgehen. Die vierte Wand eröffnet den Zugang zum Rauchfang, der seitlich abgehenden trichterförmigen Erweiterung der Feuermauer zum Auffangen des sich in den tiefer liegenden Feuerstätten entwickelnden Rauches. Diese Rauchfänge mögen 4 Schuh hoch und 6 Schuh breit sein.

Die Rauchfänge (auch Mäntel) der Schornsteine (Kamine) selber waren aus unterschiedlichen Materialien, oft reich verziert, mit Borten und Kränzen versehen und bildeten einen bedeutsamen Schmuck der Räume.

Feuerstellen

1722: Alle Feuerstellen (Feueressen) sollten an statt einer Schwelle mit einer Platte unterlegt werden, um die Asche von solchem erhabenen Boden abkehren zu können. In dem Fall wo der Moden bereits mit Marmor ausgelegt ist, kann man darauf das offene Kaminfeuer auf einem eisernen Rost mit einer untergelegten eisernen Platte anlegen. Innerhalb der Esse, besonders in einer weit hineinstehenden Wand, sollte eine große eiserene Platte als Wandschirm gegen das Feuer fest angebracht werden.

Rauchfang, Busen oder Mantel

1722: Der Umfang des Rauchfangs, Busens oder Mantels des Rauchabzugs sollte jeweils größer sein als die Feuerstelle oder der Herd unter ihm und sollte diesen mindestens um 3 Schuh, oder bei Raummangel um mindestens 1 Schuh überschreiten. Es wäre ein grober Fehler, wenn der Rauchfang kaum so breit wie der unter ihm eingerichtete Feuerstelle oder Herd wäre. Der Bodenabstand des Rauchfangs sollte etwa 6 Schuh betragen.

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"Karmeliterkloster" zu Mdina (Malta):
Gemauerter Herd mit 3 Feuerstellen, Topfabstellung und Rauchabzug

Küchenherd

Ein großer Nachteil aller offenen Feuerstellen war unzweifelhaft die Energieverschwendung: Ein Großteil der erzeugten Wärme ging verloren und der Holzverbrauch war dementsprechend hoch.

Im 16. Jahrhundert wurde erstmals eine geschlossene Kochstelle entwickelt, bei der die Feuerstelle an drei Seiten eingemauert und mit einer Eisenplatte oder einem Rost bedeckt werden konnte.

1722: Dieser Küchenherd kann etwa vier Ziegelbreiten oder 3 Schuh betragen, in etwa wie ein niedriger Tisch und kann im Sommer auch mit „schlechtem“ Holz beheizt werden.

Die Dicke des Herdummauerung ist etwa 3 Zoll oder eine Mauerziegeldicke und die Breite beträgt 1 ½ Schuh. Unter dem oberen Boden werden eiserne Stengel untergelegt (Rost), worauf die Ziegel ruhen. Im oberen Raum werden 3 Löcher gelassen, das größte in der Mitte, ein mittleres zur rechten und das kleinste zur linken Hand. Jedes Loch hat einen besonderen Blechschub zur Absperrung an der Seite, wenn es nicht benötigt wird.

Das zum Braten oder Kochen jeweils benötigte „Haf“ (Tiegel, Topf, Kessel) wurde direkt ins Feuer gestellt, daher muß es so angefertigt sein, daß es gerade in das vorgesehene Loch paßt, aber auf dessen Bort (oder oberen Rand) aufliegt, mit zwei Handgriffen versehen sein und einen gut schließenden Deckel besitzen. Benutzte eiserne Töpfe konnten auf den Hersrändern warm gehalten werden.

Sollte in der Küche mehr gebraten oder gebacken werden, sind die so gemauerten Herde jederzeit entsprechend erweiterbar.

Auch zum Backen ist dieser Herd zu benutzen, dazu kann man eine Pfanne der Weite nach einrichten, mit aufliegendem Rand und ebenfalls zwei Handgriffen. Bei eingesperrter Hitze kann darin der vorbereitete Teig geschwind ausgebacken werden.

An der Rückseite des Herdes (hinten an der Mauer), wo der Ofen angesetzt wird, müssen in der Mitte des Zwischenschubs zwei Zug- oder Rauchröhren angebracht werden, damit beim einsetzen der Zwischenschübe das Feuer nicht erstickt. Vor diesen 3 Ofenlöchern müssen gut schließende starke Blechtüren zur Absperrung angebracht werden.

Die Abkehr vom offenen Feuer zu gemauerten Kochherden hatte Vorteile: Holzverbrauch und Funkenflug wurden eingedämmt.

Metallherde

Mitte des 18. Jahrhunderts wurde der erste Herd mit Einsatzringen für das Kochgeschirr in der Herdplatte entwickelt. Die Einsatzringe hatten verschiedene Durchmesser für unterschiedlich große Töpfe. Bei herausgenommenem Ring konnte man direkt über der Flamme kochen, bei eingesetztem Ring mit indirekter Hitze auf der Metallplatte. Da die Topfböden meist verbeult waren, nahmen sie die Hitze über die Platte nicht so gut auf. Noch war es deshalb effizienter, sie direkt ins Feuer zu hängen.

Quellen

  • WDR, Planet Wissen, Geschichte des Herdes
  • F.P.Florini: „Oeconomus prudens et legalis“ pag. 210, 221,222 (1722)