Freigrafschaft

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Version vom 27. Juni 2023, 12:10 Uhr von Bodo-stratmann (Diskussion • Beiträge) (Freigrafschaft Borken)
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Beschreibung

  1. Freigrafschaft = frigrêveschap (ndd.)
  2. Freigericht, Femgericht, Heimliches Gericht
  3. Freistuhl, Freygestoil, frîenstôl, frîenstôl (ndd.)

Bedeutung

  • 1. Bedeutung: Amtsgebiet eines Freigrafen
    • Eigentümer der Freigrafschaften waren die Gerichtsherren aus ursprünglichen Dynastenfamilien (Grafen) als Vetreter des obersten Gerichsherren, des Königs. Sie richteten unter "Königsbann" über Freie und Freigüter.
    • Im Rahmen des Bedeutungsverlustes der Freigerichtsbarkeit beauftragten die Gerichtsherren andre freie Leute als "frigrêven" (Freigrafen) mit der Rechtsprechung.
  • 2. Bedeutung: Gerichtswesen einer Freigrafschaft
  • 3. Bedeutung: Gerichtsbank, Gerichtsstätte eines Freigerichtes (Feme)

Beispiel einer Teilung

Beispiel: Freigrafschaft Heiden (ein Lehen der Grafschaft Ravensberg)
1335 übertrug Menso II. von Heiden als Sicherheit für ein Darlehen, mit dem Recht der Wiederlöse, einen Teil der Freigrafschaft Heiden, nämlich über die Kirchspiele Lembeck, Raesfeld, Erle, Schermbeck, Wulfen und Hervest an den Herren von Raesfeld. Vor ihm hatte auch Dietrich von Kleve die Freigrafschaft Heiden und die Gerichtsstühle zu Schermbeck, Erle, Raesfeld, Wulfen und Hervest für eine Pfandschaft von 100 Mark erhalten. Da Menzo dies Darlehen nicht einlösen kann, kauft Bitter von Raesfeld zu Raesfeld und Ostendorf dem Wennemar von Heiden die Freigrafschaft über den genannten Bezirk, mit den Freistühlen zu Ossenkamp bei Erle, Deuten bei Wulfen und Dirking bei Raesfeld im Jahre 1374 ab.

Freigrafschaften im Hochstift Münster

Freigrafschaft Ringenberg

Die Freigrafschaft Ringenberg hieß ursprünglich Freigrafschaft Dingede und erstreckte sich über die Pfarrbezirke Bocholt, Dingden und Brünen. Jeder dieser Pfarrbezirke hatte einen Freistuhl. Die Lage derselben ist aber unbestimmt, nur von dem Stuhl in Brünen heißt es: „in Haviclo (=Havelich) in parochia Brünen.“ Es handelte sich dabei um ein Lehen der Familie von Dingden, welche ab 1217 mit gleichem Siegel als die von Ringenberg urkundeten.

Freigrafschaft Borken

Nach Leopold von Ledebur soll die Freigrafschaft Borken, nach einer von Jodocus Nünning erfassten Urkunde, schon im 11./12. Jahrhundert, das Gebiet der Kirchspiele Borken, Ramsdorf, Velen, Reken, Heiden, Haltern, Lippramsdorf, Wulfen, Lembeck, Schermbeck, Erle, Raesfeld, Hervest, Loen, Winterswijk, Aalten, Vreden, Neede, Eibergen, und Groenlo umfasst haben.

Der Hauptgerichtsstuhl der Freigrafschaft Borken lag nach Nikolaus Kindlinger, in seinen Münsterschen Beiträgen (1787–1793) zunächst in Borken. Der bischöfliche Freistuhl in der Stadt wurde 1352 aus der Freigrafschaft Heiden ausgesondert und mit Bewilligung des Kaisers Karl IV. auf den „Paveyenbrink" vor dem Mühlentor verlegt und der Stadt als Lehen gegeben, ging aber bald ein.