Memelland
Politische Entstehung des Memellandes
Durch den Abschnitt X (Art. 99) des Versailler Vertrages wurden der Stadtkreis Memel unverändert und die nördlich der Memel liegenden Orte des Landkreises Memel und der Kreise Heydekrug, Niederung, Ragnit und des Landkreises Tilsit als neue Kreise Heydekrug, Memel und Pogegen zusammen als Memelgebiet (Memelland) bezeichnet, am 27.1.1920 vom Deutschen Reich, Land Ostpreußen, Regierungsbezirk Gumbinnen abgetrennt und der Völkerbundsverwaltung unterstellt. Ab 1924 war das Memelgebiet durch die Memelkonvention ein autonomes Gebiet unter der Souveränität Litauens; Amtssprachen waren Deutsch und Litauisch.
Landschaften des Memellandes
Der Name Memel leitet sich aus der kurischen Sprache ab: "memelis, mimelis" (stiller, langsamer, schweigender) und bezeichnet sowohl das Haff als auch den Oberlauf des Flusses. Der Fluss Minge stellt die Grenze zwischen den westbaltischen Völkern der Prußen und Kuren dar. Südlich der Minge lebte einst der Stamm der prußischen Schalauer, nördlich der Minge schlossen sich entlang der Ostseeküste die südkurischen Landschaften Lamotina (Gebiet um Heydekrug mit der Bedeutung sumpfig), Pilsaten (Gebiet um Memel mit der Bedeutung Stadt) und Megove (Gebiet um Polangen mit der Bedeutung waldreich) an. Die Kurische Nehrung gilt als kurisches Gebiet. Der Südosten des Memellandes wird den szemaitischen (niederlitauischen) Karschauern zugerechnet.
Kirchspiele des Memellandes
Stadt- und Landkreis Memel
Deutsch Crottingen, Dawillen, Kairinn, Karkelbeck, Memel, Nidden, Plicken, Prökuls, Schwarzort, Wannaggen.
Kreis Heydekrug
Heydekrug, Kinten, Seelsorgbezirk Neu Rugeln, Paleiten, Paszieszen, Ruß, Saugen, Wieszen, Werden.
Kreis Pogegen
Coadjuthen, Laugszargen, Nattkischken, Piktupönen, Plaschken, Pogegen (ev.luth., kath.:Christ-König), Robkojen (kath.), Rucken, Schmalleningken, Willkischken, Wischwill (ev.luth, kath.).
Quellen
(Auswahl)
- HELING, Reinhold (Herausgeber): Die evangelischen Kirchengemeinden in Ostpreußen und Westpreußen in den Pfarr-Almanachen von 1912 und 1913, Hamburg 2000. (Photomechanischer Nachdruck des VFFOW)
- KAPS, Dr.Dr. Johannes (Bearbeiter): Handbuch über die katholischen Kirchenbücher in der Ostdeutschen Kirchenprovinz östlich der Oder und Neiße und dem Bistum Danzig, bearb. nach dem Stande vom 8. Mai 1945 - herausgegeben vom Katholischen Kirchenbuchamt und Archiv für Heimatvertriebene München, München 1962.
- Personalschematismus der Diözese Ermland und der Freien Prälatur Memel, Herausgegeben und vervielfältigt vom Bischöflich Ermländischen Generalvikariat in Frauenburg, Stand vom Mai 1944.
Standesämter des Memellandes
Im Jahre 1905 gab es folgende Standesämter auf dem späteren Territorum des Memellandes:
Stadt- und Landkreis Memel
Barschken, Bommelsvitte, Buddelkehmen, Dawillen, Groß Jagschen, Klausmühlen, Kollaten, Krottingen, Memel, Nidden, Prökuls, Sakuten (Kr.Memel), Königlich Schmelz, Schwarzort, Szarde, Truschellen, Wannaggen, Wittauten.
Kreis Heydekrug
Gaidellen, Heydekrug, Kinten (Kr.Heydekrug), Kischken, Lapienen, Paszieszen, Rupkalwen, Ruß, Saugen, Schakunellen, Skirwietell, Skirwieth, Sziesz, Tattamischken, Trakseden, Uszlöknen, Wieszen.
Kreis Pogegen
Absteinen, Baubeln, Coadjuthen, Galsdon Joneiten, Kullmen, Laugszargen, Lompönen, Nattkischken, Piktupönen, Plaschken, Rucken, Schmalleningken, Szameitkehmen, Szugken, Timstern, Willkischken, Winge, Wischwill.
Quellen
- Gemeindelexikon für das Königreich Preußen: Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1905 bearbeitet vom Königlich Preußischen Statistischen Landesamte: Heft I: Gemeindelexikon für die Provinz Ostpreußen, Berlin 1907. (Photomechanischer Nachdruck des VFFOW Hamburg 2003)
Bibliographie des Memellandes
Allgemein
- KURSCHAT, Heinrich A.: Das Buch vom Memelland: Heimatkunde eines deutschen Grenzlandes, Oldenburg (Oldb.) 1968. (S.644. Standardwerk)
- LAPINS, Martina: Das Memelgebiet: Die Besiedlung des Memelgebiets als Teil Nordostpreußens im Rahmen der Gesamtbesiedlung Preußen, Heddesheim 1997. (232 S., fasst viele Einzelquellen auszugsweise zusammen)
- MEYER, Richard: Heimatkunde des Memelgebiets, Memel 1922. (116 S.)
- WILLOWEIT, Gerhard: Die Wirtschaftsgeschichte des Memelgebiets (Inauguraldissertation), Marburg/Lahn 1969. (927 S., in zwei Bände geteilt. Mit umfangreichen Quellenangaben und Tabellenanhang)
Einzelne Kreise
Kreis Heydekrug
- BUTTKEREIT, Walter: Der Kreis Heydekrug (Memelland), Flensburg-Mürwik 1976. (330 S.)
- SEMBRITZKI, Johannes u. BITTENS, Arthur: Geschichte des Kreises Heydekrug, Memel 1920. (373 S. Ein ebenso nützliches Werk wie die "Geschichte des Kreises Memel". Mit wertvollem historischen Ortsnamensverzeichnis)
Kreis Memel
- SEMBRITZKI, Johannes: Geschichte des Kreises Memel, Memel 1918. (400 S. Ein hervorragendes Werk; hierfür wurden vom Verfasser viele Quellen ausgewertet, die heute nicht mehr zur Verfügung stehen. Mit wertvollem historischen Ortsnamensverzeichnis)
Kreis Pogegen
- GRENTZ, Georg: Der Kreis Pogegen 1919-1939: Die Geschichte eines memelländischen Kreises im ostpreußischen Grenzgebiet, Oldenburg (Oldb.) 1993. (62 S.)
- GRIGAT, Chr.: Der Kreis Ragnit: Ein Beitrag zur Heimatkunde der Provinz Ostpreußen, Tilsit 1910. (183 S. Leider ohne Register)
- KOPP, Jenny: Geschichte des Landkreises Tilsit, Tilsit 1918. (226 S. Leider ohne Register und mit nicht ganz vollständigem Historischen Ortsverzeichnis)
Anmerkung: Der Kreis Pogegen wurde hauptsächlich aus Teilen der Kreise Tilsit und Ragnit gebildet.
Stadt Memel
- SEMBRITZKI, Johannes: Geschichte der Königlich Preussischen See- und Handelsstadt Memel, Memel 1926². (381 S.)
Internet-Links
Genealogieverweise
- Familienforschergruppe bei Yahoo (um 600 Mitglieder, Stand Jan.2009) [1]
- Lage der Kirchen des Memellandes auf der Google-Satellitenkarte [2]
Andere Verweise
- Artikel Memelgebiet. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie.
- http://www.gonschior.de/weimar/Memelgebiet/index.htm
Daten aus dem genealogischen Ortsverzeichnis
| GOV-Kennung | object_298734 | ||||||||||||||||
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| Karte |
TK25: 0796 |
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| Zugehörigkeit | |||||||||||||||||
| Übergeordnete Objekte |
Litauen, Litauische SSR, Lithuania, Lituanie, Lietuva, Litwa, Литва, Litouwen, Литовская ССР (1923 - 1939) ( StaatUnionsrepublikRepublik) Völkerbund, Société des Nations, League of Nations, Sociedad de Naciones, Folkeforbundet, 國際聯盟, Liga Narodów, Volkenbond, 国際連盟, Società delle Nazioni, Milletler Cemiyeti, Sociedade das Nações, Společnost národů (1920 - 1923) ( Staatenbund) |
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| Untergeordnete Objekte |
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