Memelland

aus GenWiki, dem genealogischen Lexikon zum Mitmachen.
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Datei:Bild Memelland Kreise und Kirchspiele.gif
Karte des Memellandes, seiner Kreise und Kirchspiele während der Abtrennungszeit 1920-1939


Politische Entstehung des Memellandes

Das Memelland, auch Memelgebiet, ist ein nach dem Ersten Weltkrieg von Ostpreußen abgetrenntes Territorium. Durch den Abschnitt X (Art. 99) des Versailler Vertrages wurden

und die nördlich der Memel liegenden Ortschaften

und die Ortschaften


Somit stellte die südliche Grenze des Memellandes der Memelstrom dar: Der Unterlauf der Memel teilt sich dort in mehrere Arme, wobei die Grenzziehung dem Verlauf des Ruß- und Skirwiethstromes folgt. Für das Kurische Haff und die Kurische Nehrung bildet die alte Trennungslinie der Kreise Memel und Fischhausen die Grenze (siehe Karte).

Geschichte des Memellandes

Ab 11.000 v.Chr (nach letzter Eiszeit, Jäger und Sammler)

  • a) Hamburger Kulturkreis, eine Variante der französischen Magdalenien-Kultur, zunächst bei Königsberg, späte Phase Memel
  • b) Swidry-Kultur aus Südeuropa

Ab 7.000 v.Chr (Jäger und Sammler und Fischer, Kiefern- und Föhrenzeit)

  • Das Klima wird wärmer und feuchter, die Gletscher sind verschwunden; nachgewiesene Besiedlung im Memelland.
  • Zuzug der Maglemose-Kultur aus Westen (Erben der Magdalenien-Kultur).

Ab 6.000 v.Chr

  • Vermischung von Maglemose- u. Swidrykulturen
  • Knochenfunde im Memelgebiet: langköpfig, wulstige Brauen, stämmige Statur

Ab 4.000-2.500 v.Chr (Mittlere Steinzeit: Knochen-Kultur-Kreis/ Jüngere Steinzeit: Steinwerkzeuge, Knochen, Holz)

  • Memel-u. Narwa-Kultur: Alteuropäisch, nicht indoeuropäisch
  • Religion: Matriarchat, Erdgöttin, vergleichbar mit griech. Götterwelt, Vergottung der Erde, der Landschaft, von Schlangen, Kröten, Schafen und Ziegen
  • Siedlungsplätze: da wo der Haselnussstrauch wächst(laxte, lagzde, lazdynas)
  • Kurische Nehrung: Knochen- und Geweihhaken
  • Memel-Schmelz: Bearbeiteter Bernstein

Ab 2.500 v. Chr (Ende d. Steinzeit)

  • Ankunft der Indoeuropäer (Balten) aus Zentralasien, damit zusammenhängend andere Kulturtechniken: Baben mit Trinkhorn wie in Zentralasien und Persien, Kugel-Amphoren
  • Handelsbeziehungen mit Griechenland (Bernstein)
  • Religion: Patriarchat, Vergottung von Pferd, Stier, Himmel- und Himmelskörpern
  • Vermischung mit vorhandenen Menschen, keine Ausrottung (Nachweise durch Knochenfunde, neuer Menschentyp ist schlanker)
  • Sprache: Ähnlichkeit mit Sanskrit und Latein (Urbaltisch)
  • Westbalten: Prußen, Kuren, (ähnliche Kultur wie Kelten)
  • Ostbalten: Litauer, Szemaiten, Letten (Kultur mehr wie Finno-Ugrier, Mongolen, Koreaner)
  • Besiedlung: besonders auf Nehrung wird sie dichter

Ab 1.500 v.Chr (Bronzezeit, Hügelgräber)

  • Totenkult: Leichenfunde in Hockerstellung
  • Mitteleuropäische Expansion, die aber im Memelland sehr geschwächt und verspätet ankam
  • Metallkultur im Austausch mit Bernstein

Ab 1.000 v. Chr (Jüngere Bronzezeit/ Frühe Eisenzeit/ Kulturwelle „Lausitzer Kultur“ 500 v. Chr)

  • Totenkult: Leichenverbrennung, Asche in Tongefäßen, Gefäßdeckel mit Löchern, damit die Seele entweichen kann

Pfahlbauten

  • Die „Lausitzer Kultur" kam im Memelland wegen der "Großen Wildnis" zwischen Pregel und Memel nicht an.

Ab 200 v. Chr – 500 n.Chr

  • Expansion der Germanen bis an Weichsel
  • Eindringen von Slawen und Goten bis ins Samland, reger kultureller Austausch und Aufschwung, auch im Memelland
  • Handel: Mit Rom (Münzen-, Glas-, Emaillefunde, Metallimport)
  • Skelettgräber (Weichsel-Einfluss)
  • Goldenes Zeitalter der Balten

Ab 400 n.Chr

  • Expansion der Slawen von Süden und Osten: Sie drängen die Balten Richtung Ostsee

Ab 500 – 800 n.Chr (Völkerwanderung)

  • Slawen drängen nach Norden ins Ostbaltikum, Litauer und Letten werden zur Ostsee gedrängt.
  • Differenzierung zwischen Memelgebiet und Altpreußen
  • Memelland: Eindringen von Schweden und Wikingern
  • Die Handelsbeziehungen nach Süden zwischen abgewanderten Goten und Prußen reißen nicht ab.
  • Nach Abwanderung der Goten Aufspaltung der Prußen in verschiedene Stammesgebiete mit unterschiedlichen Kulturen.
  • Die sogenannte Dekadenzperiode trifft nicht auf das Memelland zu, weil hier stattdessen eine starke Eigenentwicklung stattfindet.
  • Die Beziehungen zwischen Altpreußen und Memelländern verblassen.

Ab 700 n.Chr

  • Das Memelland orientiert sich nach Norden.
  • Es entwickelt sich eine eigenständige Memelland-Kultur (man bleibt im Gegensatz zu Altpreußen bei der Hockerbestattung, erst im 9.-10.Jh. kommt durch skandinavischen Einfluss die Leichenverbrennung).
  • Die Memel-Kultur weitet sich nach Osten aus.

Ab 850 – 1000 n. Chr (Wikingerzeit)

  • Dänische Einfälle bei den Kuren
  • Die Kuren machen ihrerseits Beutezüge bis Dänemark und Island (Erwähnung in der Island Saga)
  • Die Schalauer bilden das Königreich Russ, Feindseligkeiten mit Dänemark, gegenseitiger Menschenraub

Ab 10.Jh. + 11. n.Chr

  • Die Feindseligkeiten mit den Skandinaviern hören auf, statt dessen gibt es regen Handel und kulturellen Austausch:
  • Bronzeschmuck fast barock und bizarr, deutet auf regen Erfindergeist
  • Wikinger-Kämpfer setzten sich als Kaufleute im Memelland nieder
  • Die Schalauer unterhalten Heiratsbeziehungen mit Dänemark (König Knut, 854 n. Chr literarische Quellen der Dänen)
  • Die memelländische Eigenkultur steht in höchster Blüte

Von 1252 bis 1525

  • 1125-26 Der Deutsche Ritterorden kommt in das spätere Ostpreußen.
  • 1252 Memel wird vom Livländischen Schwertritterorden gegründet. Memel gehörte zu dieser Zeit noch nicht zu Preußen, sondern zu dem von Riga aus verwalteten Gebiet des Schwertritterordens.
  • 1254: Die Städte Lübeck u. Dortmund wurden gebeten, ihre Stadtrechte zu übersenden.
  • 1257/58: Memel erhält lübisches Recht. (Erst 1475 bekam Memel wie die übrigen preußischen Städte das Kulmer Recht (kölmisches). Feindliche Szemaiten brannten die Stadt mehrfach ab.
  • 13. Jahrhundert:
  • Die Kuren: Schiffsbau entwickelt sich. Wikingerschiffe sind Vorbild für Kurenkähnen. Wegen feuchter werdenden Klimas wandern die memelländischen Südkuren ab nach Lettland zu ihren nordkurischen Stammesbrüdern.
  • Wikingerhäfen: Gefahrlose Plätze wie das Kurische Haff und Russ, dort auch Wikinger-Kolonien
  • Frauengräber: Weisen auf sorgfältige Körperpflege, besonders der Haare
  • Männergräber: Männer tragen langes Haar. Memelländische Männer tragen bis ins 20.Jh. den Spitznamen „die Langhaarigen“.
  • Schmuck: Massig und schwer
  • Im Gegensatz zu Altpreußen, das sich im Krieg mit den Slawen und dann mit dem Ritterorden befindet, hat das Memelland eine ruhige Zeit mit den Wikingern.
  • 1422 Friede von Melnosee, Verzicht auf Szameiten. Die Grenze zwischen Ostpreußen und Litauen blieb seitdem bis 1920 unverändert.
  • 14. bis 15. Jahrhundert:
  • Mit Einführung des Christentums hören Bodenaltertümer auf. Statt dessen gibt es schriftliche Zeugnisse, die vom Sieger geschrieben wurden.
  • Unterschiede zwischen christlichen und heidnischen Glauben, Riten und Totenkult:
  • Heilige Perkunas-Wälder und der Rombinus werden gerodet
  • Tote müssen ohne Beigaben bestattet werden
  • Grabhügel (damit die Seele besser zu den Göttern kann) werden verboten, statt dessen eingezäunte Friedhöfe mit Reihengräbern
  • Verbrennung wird verboten, statt dessen Skelettbestattung (man hilft sich auf der Nehrung, indem man die Leichen mit brennender Holzkohle überschüttet; Neuhaus/ Pillkoppen u. Rossitten)
  • Grabtafeln werden verboten (man hilft sich, indem man sie mit christlichen Symbolen anreichert)
  • Die Pferdebestattung wird verboten
  • Das Heidentum hält sich im Memelland, besonders bei den Kuren bis 1945.
  • Schriftliches Zeugnis (1413) des französischen Gesandten Ghillebert de Lannoys über Kinder „abtaufen“, wenn sie Schrei-Kinder waren, über Heirats-, Beerdigungs-, Aussaat- u. Ernteriten, über -Žemynele-Huldigung bei allen Feiern
  • Im Gegensatz zu Altpreußen gibt es im Memelland weniger Schlossberge und Burgwälle mit Holzpalisaden sowie u. Gestrüpp-Barrieren (außer in Wartulischken/ Pogegen etwa aus der Bronzezeit)
  • Der Orden brachte aus dem Orient und Italien das rechteckige Kastell mit, zunächst aus Holz, später aus Ziegeln (Deegeln/ Memel).
  • Schlossberge werden durch Ordensburgen abgelöst. Die Bevölkerung mied sie, und das Land um sie herum blieb unbeackert. (Schlossberg = Pillkallnis). Das Vieh allerdings weidete dort.
  • Im Volksglauben rankten sich Legenden um Schlossberge und Grabhügel. Archäologen brauchten nur im Volk zu fragen, wo es spukt, dann hatten sie den Platz gefunden.
  • Die Kuren wandern ins Memelland zurück, haben aber ihre eigene Sprache verloren und sprechen lettisch-kurisch = nehrungs-kurisch. (Immanuel Kant: Vater Kure)
  • Schlacht von Tannenberg-Grunwald: Es handelte sich um eine normale kriegerische Auseinandersetzung; die nationalen Akzente hat erst der Nationalismus des 19.Jh. hineinphantasiert.
  • Friede vom Melnosee: Grenzen werden festgelegt und halten bis 1945. Litauen erhält das kurische Polangen /Palanga (kurisch: am Sumpf) und erstmals Zugang zur Ostsee.
  • Memelland-Kultur
  • Im Memelland hat seit ca 700 n. Chr kein Bevölkerungswechsel stattgefunden:
  • Fortlaufende Belegung der Friedhöfe
  • Formenschatz gleichbleibend, jedoch Anregungen aufnehmend
  • Bei Konflikten und Kontakten kein Kulturabbruch wie in Altpreußen
  • Beibehaltung versteckten Heidentums bis 1945
  • Deutliche Unterschiede zu Alt-Litauisch: Bestattungsbräuche, Schmuck, Fibeln usw.
  • Kurisch: Südliche Grenze bis zum Minge-Fluss. (kurisch: Dange = gebogen; Klaipeda = Flachgrund; Memele/ Mümmel = Haff
  • Prußisch-schalauisch: Südlich der Minge, beidseits der Memel u. des Memeldeltas (prußisch: Russ, rusne = umflossen; Tilsit, tilszus = sumpfig; Ragnit, ragas = Horn, Landzunge, Hereinragendes)
  • Die Schalauer sind nach Grabfunden den Alt-Kuren zuzuordnen, linguistisch nehmen sie eine Zwischenstellung zwischen prußisch, kurisch und und szemaitisch ein.
  • Im Memelland gibt es keine finnische Urbevölkerung und auch keine litauische.

15. – 16. Jh.

  • Eindringen der Szemaiten und Litauer. Zunächst vereinzelt und namentlich gekennzeichnet als Littau, Litwinas, Szemait, Zameit usw (in einer Zeit, als man mit Vornamen noch auskam).
  • Der Orden deckt litauische Flüchtlinge gegen ihre polnisch-litauischen Adelsherren und liefert sie nicht aus.
  • Die Litauer wurden nachweisbar vom Orden angesiedelt.
  • Der Zustrom der Litauer u. Szemaiten hält an bis in die russisch-litauische Zeit.
  • Simon Dachs Vater war Baumeister in Memel und Dolmetscher für Litauisch
  • Die Kirchen in Memel dienten zunächst der kurischen, später der litauischen Bevölkerung.


Von 1525 bis 1918

  • 1525 Der Ordensstaat Preußen wird zum Herzogtum unter Albrecht v. Brandenburg.

17. Jh.

  • Einfall der Schweden: der Große Kurfürst kommt persönlich über das Eis des Haffes. Er richtet Botenkurse 2x wöchentlich zwischen Memelland und Süden ein. Die Route verläuft: Nehrung- Königsberg- Berlin- Kleve am Rhein
  • Der reformierte Fürst siedelt Niederländer, Schotten, Engländer u. Hugenotten in Memel als Kaufleute an.
  • Die früher für das Weichsel- u. das Königsberger-Gebiet angeworbenen Friesen werden für die Niederung und das Memelland angeworben, um auch dort Sümpfe trocken zu legen und landwirtschaftliche Stellen zu schaffen.
  • Alle Einwanderer dürfen eigene Kirchen unterhalten: „Suum cuique“ = „Jedem das Seine“ oder (unter Ordenszeiten) „Gerechtigkeit gegen Jedermann“. Preußen wird zum ersten modernen Rechtsstaat des Kontinents.


Ab 18. Jahrhundert

  • 1709-10 Die Große Pest; 40 Prozent der Bevölkerung Nordostpreußens kommen um. Pest in Memel mit 2000 Toten. Russische Truppen stehen in Polen u. Litauen und bestimmen den politischen Kurs, den auch Memel zu spüren bekommt. Kurland und Litauen sind von 1795-1915 Teil Russlands.
  • 1732 kommen die aus Salzburg vertriebenen evangelischen Glaubenflüchtlinge an. Einige wenige kommen auch nach Memel, kurz nach der Mitte des 18.Jahrhunderts siedeln sich weitere Salzburger Familien im Gebiet des späteren Memellandes an.
  • 1756-63 Der Siebenjähriger Krieg: Russen holzen Nehrungswald ab, Ortschaften werden verwüstet und müssen neu besiedelt werden. 10.000 Russen belagern die Festung Memel, 110 Häuser werden zerschossen. Trotz Zusicherung freien Geleites werden preußische Soldaten nach Russland verschleppt.
  • 1758-1762 Kaiserin Elisabeth v. Russland annektiert im Rahmen des 7-jährigen Krieges (1756-1763) Ostpreußen und damit auch das Memelland. Die Russen bringen Flecktyphus mit, an dem im Hauptamt Memel 8.000 Menschen sterben. Trotzdem wird mit den Russen kollaboriert, weil sie ein flottes Leben führen. Trotzdem werden brav alle Abgaben an Friedrich d.Großen gezahlt.
  • 1770 Frdr. d. Große gibt die Festung in Memel auf.
  • 1806 Bau der katholischen Kirche in Memel (Ecke Töpferstraße)

Memel ist die einzige preußische Stadt, die nicht von Napoleon erobert war.

  • 1807-08 Memel wird im Kampf gegen Napeleon kurzfristig Königssitz des dorthin geflohenen preußischen Königspaares (König Friedrich Wilhelm III. u. Königin Luise). Seitdem gab es besonders im Kreis Memel eine große Verehrung der Königin Luise.
  • 1854 Ein besonders schwerer Brand in der Geschichte der zahllosen Brände wütet in Memel; Neubau weiter Teile der Altstadt.
  • 1871 Deutsche Reichsgründung: Memel nördlichste Stadt, Nimmersatt nördlichster Ort Deutschlands.
  • 1914-18 Erster Weltkrieg. Einfall der Russen 1914/15 in das spätere Memelland. Brandschatzung von Gütern, öffentlichen und privaten Gebäuden, Greueltaten und Besetzung Memels, Flucht der Bevölkerung und Verschleppung der verbliebenen Zivilbevölkerung durch russische Behörden nach Sibirien (besonders aus den Kreisen Tilsit und Ragnit).

Von 1918 bis 1945

  • Am 27.1.1920 wurde das Memelland vom Deutschen Reich abgetrennt und der Völkerbundsverwaltung (Französisches Mandat) unterstellt.
  • 1923 wurde das Memelland durch als Zivilisten getarnte litauische Freischärler besetzt, die französischen Mandatstruppen vertrieben und später das Gebiet von Litauen annektiert.
  • Ab 1924 war das Memelland durch die Memelkonvention ein autonomes Gebiet unter der Souveränität Litauens; Amtssprachen waren Deutsch und Litauisch. Es gab starke Spannungen innerhalb der mehrheitlich deutschgesinnten Bevölkerung mit den eine Litauisierung anstebenden litauischen Behörden, die in der Verhängung des Kriegszustandes und einiger Schauprozesse gipfelten.
  • 1939 wurde das Gebiet wieder an das Deutsche Reich zurückgegeben und an Ostpreußen unter Bildung der Kreise Memel, Heydekrug und Tilsit-Ragnit (nördlich der Memel gelegener Teil) angliedert. Flucht der jüdischen Bevölkerung des Memellandes nach Litauen, meist in grenznahe Städte und Ortschaften.
  • 1941 Überfall auf die Sowjetunion. Ermordung der jüdischen Bevölkerung Litauens, darunter auch jüdische Flüchtlinge aus dem Memelland.
  • Nach der Flucht 1944/45 und nach weitesgehender Aussiedlung der in beträchtlicher Zahl in der Heimat verbliebenen oder nach Sibirien verschleppten Memelländer in den 50er und 60er Jahren, lebt der größte Teil der ehemaligen memelländischen Bevölkerung und deren Nachkommen heute in Deutschland.
  • Das Memelgebiet gehört seit 1945 zu Litauen. Heute noch dort lebende Memelländer bekamen großenteils ihren nach 1945 verlorenen Besitz nach der Unabhängigkeit Litauens, wenn auch manchmal nur teilweise, zurückerstattet.

Landschaften des Memellandes

Der Name Memel leitet sich aus der kurischen Sprache ab: "memelis, mimelis" (stiller, langsamer, schweigender) und bezeichnet sowohl das Haff als auch den Oberlauf des Flusses. Der Fluss Minge stellt die Grenze zwischen den westbaltischen Völkern der Prußen und Kuren dar. Südlich der Minge lebte einst der Stamm der prußischen Schalauer, nördlich der Minge schlossen sich entlang der Ostseeküste die südkurischen Landschaften Lamotina (Gebiet um Heydekrug mit der Bedeutung sumpfig), Pilsaten (Gebiet um Memel mit der Bedeutung Stadt) und Megove (Gebiet um Polangen mit der Bedeutung waldreich) an. Die Kurische Nehrung gilt als kurisches Gebiet. Der Südosten des Memellandes wird den szemaitischen (niederlitauischen) Karschauern zugerechnet.

Kirchspiele des Memellandes

Stadt- und Landkreis Memel

Deutsch Crottingen, Dawillen, Kairinn, Karkelbeck, Memel, Nidden, Plicken, Prökuls, Schwarzort, Wannaggen.

Kreis Heydekrug

Heydekrug, Kinten, Seelsorgbezirk Neu Rugeln, Paleiten, Paszieszen, Ramutten, Ruß, Saugen, Wieszen, Werden.

Kreis Pogegen

Coadjuthen, Laugszargen, Nattkischken, Piktupönen, Plaschken, Pogegen, Robkojen, Rucken, Schmalleningken, Szugken, Willkischken, Wischwill.

Quellen

(Auswahl)

  • HELING, Reinhold (Herausgeber): Die evangelischen Kirchengemeinden in Ostpreußen und Westpreußen in den Pfarr-Almanachen von 1912 und 1913, Hamburg 2000. (Photomechanischer Nachdruck des VFFOW)
  • KAPS, Dr.Dr. Johannes (Bearbeiter): Handbuch über die katholischen Kirchenbücher in der Ostdeutschen Kirchenprovinz östlich der Oder und Neiße und dem Bistum Danzig, bearb. nach dem Stande vom 8. Mai 1945 - herausgegeben vom Katholischen Kirchenbuchamt und Archiv für Heimatvertriebene München, München 1962.
  • Personalschematismus der Diözese Ermland und der Freien Prälatur Memel, Herausgegeben und vervielfältigt vom Bischöflich Ermländischen Generalvikariat in Frauenburg, Stand vom Mai 1944.


Standesämter des Memellandes

Im Jahre 1905 gab es folgende Standesämter auf dem späteren Territorum des Memellandes:

Stadt- und Landkreis Memel

Barschken, Bommelsvitte, Buddelkehmen, Dawillen, Groß Jagschen, Klausmühlen, Kollaten, Krottingen, Memel, Nidden, Prökuls, Sakuten, Königlich Schmelz, Schwarzort, Szarde, Truschellen, Wannaggen, Wittauten.

Kreis Heydekrug

Gaidellen, Heydekrug, Kinten, Kischken, Lapienen, Paszieszen, Rupkalwen, Ruß, Saugen, Schakunellen, Skirwietell, Skirwieth, Sziesze, Tattamischken, Trakseden, Uszlöknen, Wieszen.

Kreis Pogegen

Absteinen, Baubeln, Coadjuthen, Galsdon Joneiten, Kullmen, Laugszargen, Lompönen, Nattkischken, Piktupönen, Plaschken, Rucken, Schmalleningken, Szameitkehmen, Szugken, Timstern, Willkischken, Winge, Wischwill.

Quellen

  • Gemeindelexikon für das Königreich Preußen: Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1905 bearbeitet vom Königlich Preußischen Statistischen Landesamte: Heft I: Gemeindelexikon für die Provinz Ostpreußen, Berlin 1907. (Photomechanischer Nachdruck des VFFOW Hamburg 2003)


Bibliographie des Memellandes

Allgemein

  • KURSCHAT, Heinrich A.: Das Buch vom Memelland: Heimatkunde eines deutschen Grenzlandes, Oldenburg (Oldb.) 1968. (S.644. Standardwerk)
  • LAPINS, Martina: Das Memelgebiet: Die Besiedlung des Memelgebiets als Teil Nordostpreußens im Rahmen der Gesamtbesiedlung Preußen, Heddesheim 1997. (232 S., fasst viele Einzelquellen auszugsweise zusammen)
  • MEYER, Richard: Heimatkunde des Memelgebiets, Memel 1922. (116 S.)
  • WILLOWEIT, Gerhard: Die Wirtschaftsgeschichte des Memelgebiets (Inauguraldissertation), Marburg/Lahn 1969. (927 S., in zwei Bände geteilt. Mit umfangreichen Quellenangaben und Tabellenanhang)

Einzelne Kreise

Kreis Heydekrug

  • BUTTKEREIT, Walter: Der Kreis Heydekrug (Memelland), Flensburg-Mürwik 1976. (330 S.)
  • SEMBRITZKI, Johannes u. BITTENS, Arthur: Geschichte des Kreises Heydekrug, Memel 1920. (373 S. Ein ebenso nützliches Werk wie die "Geschichte des Kreises Memel". Mit wertvollem historischen Ortsnamensverzeichnis)

Kreis Memel

  • SEMBRITZKI, Johannes: Geschichte des Kreises Memel, Memel 1918. (400 S. Ein hervorragendes Werk; hierfür wurden vom Verfasser viele Quellen ausgewertet, die heute nicht mehr zur Verfügung stehen. Mit wertvollem historischen Ortsnamensverzeichnis)

Kreis Pogegen

  • GRENTZ, Georg: Der Kreis Pogegen 1919-1939: Die Geschichte eines memelländischen Kreises im ostpreußischen Grenzgebiet, Oldenburg (Oldb.) 1993. (62 S.)
  • GRIGAT, Chr.: Der Kreis Ragnit: Ein Beitrag zur Heimatkunde der Provinz Ostpreußen, Tilsit 1910. (183 S. Leider ohne Register)
  • KOPP, Jenny: Geschichte des Landkreises Tilsit, Tilsit 1918. (226 S. Leider ohne Register und mit nicht ganz vollständigem Historischen Ortsverzeichnis)

Anmerkung: Der Kreis Pogegen wurde hauptsächlich aus Teilen der Kreise Tilsit und Ragnit gebildet.

Stadt Memel

  • SEMBRITZKI, Johannes: Geschichte der Königlich Preussischen See- und Handelsstadt Memel, Memel 1926². (381 S.)


Internet-Links

Genealogieverweise

  • Memelländisches Nachschlagewerk für Familienforscher (im Aufbau) [1]
  • Familienforschergruppe bei Yahoo (um 600 Mitglieder, Stand Jan.2009) [2]
  • Lage der Kirchen des Memellandes auf der Google-Satellitenkarte [3]


Andere Verweise

Daten aus dem genealogischen Ortsverzeichnis

GOV-Kennung object_298734
Name
  • Klaipėdos kraštas
  • Memelland
  • Territoire de Memel
Typ
  • Mandatsgebiet (1920 - 1923)
  • Provinz (1923 - 1939)
Karte
   

TK25: 0796

Zugehörigkeit
Übergeordnete Objekte

Litauen, Litauische SSR, Lithuania, Lituanie, Lietuva, Litwa, Литва, Litouwen, Литовская ССР (1923 - 1939) ( StaatUnionsrepublikRepublik)

Völkerbund, Société des Nations, League of Nations, Sociedad de Naciones, Folkeforbundet, 國際聯盟, Liga Narodów, Volkenbond, 国際連盟, Società delle Nazioni, Milletler Cemiyeti, Sociedade das Nações, Společnost národů (1920 - 1923) ( Staatenbund)

Untergeordnete Objekte
Name Typ GOV-Kennung Zeitraum
Pogegen, Pagėgių apskritis
         KreisLandkreisKreis
object_217926 (1920-01-27 - 1939-03-21)
Heydekrug, Šilutės apskritis
         KreisLandkreis
object_298739 (1920-01-10 - 1939-04-30)
Memel, Klaipėdos apskritis
         KreisLandkreis
object_213956 (1920 - 1939-03-21)