Bismarck (Kr.Heydekrug)
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Einleitung
Bismarck (Kr.Heydekrug), Kreis Heydekrug, Ostpreußen.
Heute ist die Kolonie Bismark geradezu idyllisch im Wald gelegen. Hier beispielhaft ein Flurstück mit Bauernhof.
Name
Die Kolonie war eine Neugründung um armen Leuten die Möglichkeit zu geben sich selbst etwas zu erwirtschaften.
Schilderungen
"Über der noch jungen Moorsiedlung, Kolonie Bismarck, steht die Oktobersonne. Über der breiten Landschaft ruht jene unzerstörbare Stille, wie sie nur in menschenarmen Gebieten lebt. Da ist die Stimme des Menschen ein verlorener Laut. In weiten Abständen liegen die Häuser, anders als in den älteren Teilen der Kolonie, wo man wie durch eine geschlossene Dorfstraße geht.
Klein sind die Häuser und strohgedeckt. Die meisten von ihnen haben noch die Farbe frischen Holzes. Wenige erst sind nachgedunkelt, und vielleicht erst drei von ihnen tragen auf der Nordseite des Daches grünes Moos. Klein sind auch die Gärten, die das anspruchslose Grundstück vervollständigen. Aber es sind doch wenigstens Gärten, und sie helfen ein wenig schmücken. Junge Birken und Erlen stehen noch etwas schüchtern da, mit schmächtigen Kronen. Aber sie leben doch und werden wachsen und schön werden; denn sie haben hier einen Boden, der ihnen behagt. Und alles kann hier einst schön und gut werden, wenn Fleiß und Sparsamkeit Hand in Hand gehen, und der Himmel mit seinen Wettern ein Einsehen hat.
Mit solchen Hoffnungen fängt man hier an zu bauen. Aber es bauen hier nur die Armen und Mittellosen, nur die mit geringen Ersparnissen. Wer Geld hat, wird nicht ins Moorland gehen, der geht lieber dahin, wo schon alles bereit steht, die Ernte zu halten. Hier aber kommen die Menschen auf das braune, feuchte Brachland, und es fängt ein erbitterter Kampf gegen die tote Unfruchtbarkeit an. Alle, die dort hingehen, wissen, daß dies Fleiß und Ausdauer erfordert. Sie wissen auch, daß man von dieser Arbeit allein nicht leben kann, denn zuerst sind die Erträgnisse nur gering. Darum ist dieser Pachtzins auch niedrig und stuft sich von sechs zu sechs Jahren. Doch mit der Zeit geht es schon vorwärts, und wer hier den Mut verliert, der würde gewiß an anderer Stelle auch nichts vor sich bringen."
Quelle: Charlotte Keyser: In stillen Dörfern, Gräfe und Unzer, Königsberg 1939
"Zuerst der Moorvogt. Der Moorvogt ist der unumschränkte Herrscher der Kolonie, der zweitausend Lebensschicksale sorgsam und strenge an obrigkeitlicher Leine führt. Über ihm steht nur noch die Generalkommission; doch wer und was das eigentlich ist, ahnen nur wenige.
Drei Tage später gehen sie also zum Moorvogt. Mit List und Gewalt haben sie sich beide aus ihren Dienststellungen freigemacht. Die Erdme hat sich von ihrer Herrin eine Scheuerbürste an den Kopf werfen lassen und hierauf mit einer Anzeige wegen Körperverletzung gedroht, so daß sie schließlich mit dem Zeugnis auch noch ein Schmerzensgeld bekommen hat, und der Jons, der weniger gerissen ist, hat seinem Brotherrn bloß einen etwaigen Totschlag in Aussicht gestellt, falls er ihn nicht auf der Stelle abziehen lasse. Manchmal hilft das, manchmal geht es auch schlimm aus. Aber diesmal hat es geholfen.
So wandern sie also wohlgemut auf der Rußener Chaussee zur Kolonie Bismarck hinaus, die bald hinter dem Szlaszner Kirchhof beginnt und sich so weit ins Moor hinausstreckt, daß man ihr Ende nirgends absehen kann. Als sie an der langen Brücke sind, die über die Sumpfniederung führt, bleibt die Erdme an dem schwarz-weißen Gelände stehen und zeigt auf die Kuhblumen hinunter, die ihre buttergelben Köpfe aus dem Überschwemmungswasser stecken, und sie sagt:"Wie die Blumchen da vorwärts kommen, ohne zu ertrinken, so werden wir auch vorwärtskommen.""
""Ach so, in Kolonie Bismarck, wo die Diebe und die Mörder hausen", meint er, denn in gutem Ruf steht sie nicht, die Kolonie Bismarck."
Quelle: Hermann Sudermann: "Jons und Erdme" in Litauische Geschichten, Aufbau Verlag Berlin und Weimar, 1979
Politische Einteilung
1940 ist Bismarck (Kr.Heydekrug) ein gemeindefreier Gutsbezirk.
Kirchliche Zugehörigkeit
Evangelische Kirche
Von Bismarck (Kr.Heydekrug) gehörte 1912 der westliche Teil zum Kirchspiel Ruß, der östliche Teil zum Kirchspiel Werden, letzterer ab 1913 zum Kirchspiel Heydekrug.
Verschiedenes
Der I. Weltkrieg hatte auf allen Seiten nur Unglück und Not gebracht. Auch Ostpreußen litt. Die lebenswichtigen Güter wurden von der Behörde unter besonderer Überwachung gestellt.
Hier ist ein Beispiel für die von den Gerichten verhängten Strafen.
Die Eier sollten wohl in Rußland oder Litauen einen hohen Preis erzielen und sollten daher aus dem Memelgebiet unerlaubt ausgeführt werden. Auch das Schmuggelgut Butter, Fleisch und Getreide führten - wenn erwischt - zu heftigen Strafen.
Die Ware wurde beschlagnahmt und meistens sozialen Einrichtungen zum Verbrauch übergeben.
Bewohner
Zufallsfunde
Oft werden in Kirchenbüchern oder anderen Archivalien eines Ortes Personen gefunden, die nicht aus diesem Ort stammen. Diese Funde nennt man Zufallsfunde. Solche Funde sind für andere Familienforscher häufig die einzige Möglichkeit, über tote Punkte in der Forschung hinweg zu kommen. Auf der folgenden Seite können Sie Zufallsfunde zu diesem Ort eintragen oder finden.
Daten aus dem genealogischen Ortsverzeichnis
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