Nordseite

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Hierarchie

Regional > Bundesrepublik Deutschland > Niedersachsen > Landkreis Osterholz > Ritterhude > Nordseite

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Blick auf Nordseite 1 und 2 vom Wümmedeich

Einleitung

Name

Nordseite, Gemeinde Ritterhude, Landkreis Osterholz, Land Niedersachsen

Politische Einteilung

Früher wurde das Land nach den Kirchenspielen eingeteilt. So gehörten zum Blockland die Dörfer Wasserhorst, Wummensiede, Nordseite, Hagensfähr und Niederblockland. 1951 wurde das Land neu geordnet. Danach hat man das ganze politisch eingeteilt. Nordseite und Hagensfähr gehörten danach zu Ritterhude. Politisch gehört Nordseite und Hagensfähr zu Ritterhude, kirchlich aber zu Wasserhorst.


Kirchliche Einteilung/Zugehörigkeit

Evangelische Kirche

Nordseite gehört zur evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Wasserhorst

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Kirche in Wasserhorst




Geschichte

Pastor Heinrich Hoops berichtet in seinem Buch Geschichte des Bremer Blocklandes aus dem Jahr 1927:

Zum Kirchspiel und auch zum Schulbezirk Wasserhorst gehören außer den Ortschaften Wasserhorst, Wummensiede und Niederblockland nach alten Herkommen drei Höfe am rechten Wümmeufer, die Nordseite (richtiger Nordsiede = nördliche Niederung) genannt, die politisch mit Ritterhude verbunden sind. Die kleine Gruppe erscheint bereits 1257 (Urkb.1, 276) im Güter-Verzeichnis des Lilienthaler Klosters unter dem Namen "Nordsida". Der eine der drei Höfe wird bis heute "Hagensfähr" genannt; man sagt, in alten Zeiten hätte man dort mit Wagen durch die Wümme fahren können.


Helga Müller aus Ritterhude schreibt über "Die Nordseite":

Der Name Nordseite für drei Höfe an der Wümme erinnert an die Anfänge der Ritterhuder Geschichte im 11./12. Jahr-hundert. In dem Buch „Vom Adligen Gericht zur Gemeinde Ritterhude“ zitiert Kurt Müller eine Untersuchung von Diet-rich Fliedner über „Die Kulturlandschaft der Hamme-Wümme-Niederung". Uns interessiert in erster Linie die „Nordsiede", die um 1200 von Ritterhude aus erschlossen wurde. Östlich des Sebandsgrabens - der "olden Sidwendige" - der das Ritterhuder Wiesenfeld begrenzt, liegen die Bauer-schaften von St.Jürgen, dem ursprünglichen „Wallerbrok“. Die Urbarmachung wird 1230, als die Kirche in St.Jürgen erstmals erwähnt wurde, im wesentlichen beendet gewesen sein. Wallerbrok wird in der 1232 ausgestellten Gründungs-urkunde des Klosters Lilienthal zusammen mit Trupe aufgeführt. Die westlich des Sebandsgrabens anschließen-de Siedlung Nordsiede erscheint ab 1257 in der schriftlichen Überlieferung. Die Kolonisation ist zweifellos, wie die gleich-artige Grabenführung deutlich macht, in Nordsiede und Wallerbrok in einem Zuge durchgeführt worden. Der Zehnte von Nordsiede wurde 1264 vom Erzbischof dem Kloster Osterholz übertragen. Als Eigentümer des Landes selbst traten in großem Umfange die Herren von der Hude auf. Fliedner weist für die St.Jürgenener Bauerschaften 64 Hof-stellen auf 32 Holländerhufen nach. Hier wurden die nach Holler-Recht möglichen Hofteilungen durchgeführt. In Nordsiede sind die Höfe und Hufen im Mittelalter nicht geteilt worden. Es fanden sich innerhalb der ursprünglichen Gemarkung entsprechend der Zahl der Holländerhufen lediglich 10 verlassene Wurten, die bis zur spätmittelalter-lichen Wüstungsperiode bewohnt waren. Alle mittelalter-lichen Wurten liegen auf von Gräben begrenzten Parzellen, den zu den damaligen Höfen gehörenden Streifen. Das Land in Nordsiede blieb nach der Flurwüstung weitgehend unbebaut, es wurde 1535 als "unbebuweth Wyschlandt" bezeichnet. Die Rekultivierung des wüstgefallenen Landes erfolgte erst in der Mitte und der zweiten Hälfte des 16. Jh.

Zum Beginn des 14. Jh. wurde durch Bau von flurumfassen-den Deichen an Hamme und Wümme weiteres Land gewonnen. Dieses wurde von einer Wurt am Holländerkamp und der Düne Eekhorst aus bewirtschaftet. Die Wurt am Holländerkamp mit ca. 2,50 m über NN Höhe birgt eine Kulturschicht in 1,30 m NN Höhe. Bei Bohrungen konnten aus dieser Tiefe mittelalterliche Scherben geborgen werden. Auch auf der Eekhorst fanden sich keramische Scherben aus dem Mittelalter. Der Name „Eekhorst" (auch Eckhorst) kommt ab 1303 vor, besonders in Urkunden der Klöster Lilienthal und Osterholz. Die flache Düne an der Südwest-seite des Kirchenfleets war vermutlich noch im 30jährigen Krieg bewohnt. Beim Bau der neuen Umgehungsstraße 1982 wurde diese alte Siedlungsstelle angeschnitten.

Bei der Archäologischen Landesaufnahme 1967/68 konnte H.J. Killmann in der vormaligen „Nordsiede“ 25 Bodendenk-male nachweisen. Darunter Reste alter Wurten, meist rund im Durchmesser ca. 26 bis 66 m, Höhen bis 1 m; Lage im Acker, in mitten der weiten moorigen Niederung. Funde ein-zelner Ziegelsteine und mittelalterlicher Keramik an der Ackeroberfläche weisen auf die Entstehung hin. Von den ehemaligen Höfen in Nordsiede befinden sich heute nur noch 3 in der Feldmark. Sie liegen nicht an ihrem ursprünglichen Ort, sondern am Wümmedeich und werden als „Nordseite" bezeichnet. Killmann gibt die Maße der Wurten an: Nordseite 1, Grundbesitzer Kropp, Hofwurt und Gastwirtschaft ca. 58 m - Nordseite 2, Grundbesitzer Bavendamm, Hofwurt Durchmesser ca. 80 m, Höhe ca.1,80 m - Nordseite 3 „Hagensfähr", Grundbesitzer Seebeck, Hofwurt am Wümmedeich, Durchmesser ca. 100 m, Höhe ca. 1,80 m.

Verwaltungsmäßig gehörten die Höfe immer zu Ritterhude und zwar zur Mittelbauerschaft. Zu den wichtigsten Aufgaben der Bauerschaften gehörte die Instandhaltung von Wegen. Die Strecken wurden unter den „Interessenten“ nach Pfändern aufgeteilt. Für die Bewohner der abseits gelegenen Nordseite dürfte die Belastung erheblich gewe-sen sein. Verständlich ist, dass sie sich kirchlich und schulisch nach Wasserhorst orientierten. Mit dem Boot über die Wümme war dies nur ein kurzer Weg. Um den Unterhalt des von der Schloßbrücke nach Hagens-fähr führenden Weges gab es immer wieder Streit. 1864 beschwerte sich die Gemeinde Ritterhude wegen der ihr auferlegten Herstellung der sogenannten „Hofstraße“. Die Hofbesitzer an der Nordseite behaupteten, dass der Weg öffentlich sei und deshalb von der Gemeinde herzustellen ist. Im Januar 1878 stand im Protokollbuch des Gemeinde-ausschusses: „Zuerst wurde ein Antrag des Franz Baven-damm und Johann Kropp zu Nordseite und Johann Kropp zu Hagensfähr wegen Unterhaltung des Weges von der Schloßbrücke bis Hagensfähr nach baar Geld und nicht nach Pfänder wie bisher geschehen zu unterhalten. Hierauf wurde einstimmig mit Ausschluß des Franz Bavendamm beschlossen, die Wegstrecke von der Schloßbrücke bis Hagensfähr nach wie vor nach Pfänder zu unterhalten.“ 1908 diskutierte der Ausschuß erneut über den Weg nach Hagensfähr. Eine Erhöhung des Weges wurde abgelehnt, weil die Kosten für die Gemeinde zu hoch waren. Im März 1913 schickte Gemeindevorsteher Georg Evers einen Bericht an den Landrat in Osterholz: „Der Weg von Hagensfähr nach Ritterhude, am Deiche entlang, war ursprünglich ein Privatweg und stand dem Vernehmen nach im Eigentum des Deichverbandes Ritterhude-Niederende. Die Unterhaltungslast lag auf den Schultern der Interessen-ten (Kabelhalter). Diese waren jedoch nur verpflichtet, den Weg zu spuren und Löcher durch Kleierde die von den Kabeln entnommen wurde, auszufüllen. 1864 beschloß die Gemeinde Ritterhude - dem Vernehmen nach zwecks Heranziehung der Hagensfährer zu den Gemeindesteuern in Ritterhude - den Weg von Ritterhude nach Hagensfähr als öffentlichen Gemeindeweg in Unterhaltung anzuerken-nen, ohne jedoch eine Unterhaltungslast zu übernehmen. ... Die Unterhaltung geschah vielmehr einerseits von den Kabelhaltern und dem Deichverband ... der wiederholt Sand auf den Weg fahren ließ und andererseits durch eine für die Interessenten der zwischen Hamme und Wümme noch liegenden Ländereien bestehenden Wegekasse, zu der die Anlieger zwischen Hamme und Wümme nach Maßgabe ihrer Grundfläche zu schießen mußten. Diese Kasse ist aufgeflogen. Der Deichverband hat den Weg zu einem großen Teil zu Deichzwecken verwandt, indem er den Deich verbreiterte; angeblich hat er dazu ein Recht. Bei Einführung der Kommunaldeichung sind die Kabelstühle entfernt worden, sodaß die einzelnen Kabelflächen nicht mehr mit Bestimmt-heit bezeichnet werden konnten. Die Kabelhalter besserten denn auch den Weg nicht mehr aus. Um diesem Übelstand zu steuern, wurden vor einigen Jahren die Kabeln neu vermessen und zwar durch das Catasteramt und die einzelnen Kabelhalter von der Gemeinde aufgefordert, ihrer Unterhaltslast nachzukommen. Das eingeleitete Verfahren scheiterte jedoch daran, dass die Kabelhalter resp. einige davon, die erfolgte Vermessung nicht anerkannten. Der Landwirt Harje Kropp hat in letzter Zeit die Gemeinde wiederholt zu bestimmen versucht, die Unterhaltungslast an dem Wege auf die Gemeinde zu übernehmen. Diese hat sich jedoch stets ablehnend verhalten. Sie ist wohl bereit zur Herstellung des Weges eine einmalige Beihülfe zu geben, weigert sich jedoch ganz bestimmt, die Unterhaltung selbst zu übernehmen.“

Eine andere Lösung bahnte sich an. Seit 1910 wurde über die Anlegung eines neuen Wegezuges Ritterhude - Nordsei-te - Oslebshausen gesprochen. Für ein Großbauprojekt wurden in Bremen große Mengen Sand benötigt. Ein neuer Güterbahnhof in Walle war geplant und gleichzeitig die Höherlegung des Geleiskörpers von Oslebshausen bis zum Hauptbahnhof mit einbezogen, damit der Straßenverkehr unter den Geleisen hindurch geführt werden konnte. Um 1909 wurde mit der Planung begonnen, die Reichsbahn beabsichtigte den für das Bauvorhaben erforderlichen Sand in Ritterhude zu entnehmen. Für den Sandtransport wurde eine Bahntrasse benötigt, die am Hamme-Deich entlang Richtung Schloßbrücke, von dort zur Nordseite führte. Die Wümme wurde auf einer für die Transportbahn erbauten Holzbrücke überquert, dann ging es in gerader Richtung nach Oslebshausen. Nach Beendi-gung des Sandabbaus wurde auf bremischer Seite von Oslebshausen bis zur Wümme die „Ritterhuder Heerstraße“ gebaut, die im Herbst 1914 fertiggestellt war. Der Ausbau der „Oslebshauser Heerstraße“ bis zur Schloßbrücke verzö-gerte sich infolge des Krieges. Erst 1925 wurde die Straße gebaut und erlitt bei einer Sturmflut im Oktober 1926 so schwere Beschädigungen, dass sie für längere Zeit gesperrt werden mußte. Erst danach konnte der sogenannte „Paddlangenwisch“, der Weg hinterm Wümmedeich, als öffentlicher Weg aufgehoben werden.


Allgemeine Übersicht

Höfegeschichte


Falls Sie die alte Höfenummer kennen, können Sie auch einen Hof direkt anwählen:

Nordseite Nr. 1
Nordseite Nr. 2
Nordseite (Hagensfähr) Nr. 3



Genealogische Quellen

Kirchenbücher der ev. Gemeinde Wasserhorst

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Ein Kirchenbuch aus Wasserhorst (Abschrift)

Die Originalkirchenbücher aus älterer Zeit sind 1901 beim Brand des Pfarrhauses in Wasserhorst vernichtet worden. Vorhanden ist nur eine Abschrift des Kirchennebenbuchs von 1746-1802, in dem durchgehend folgende Jahrgänge fehlen 1747-1750, 1753-1758, 1760, 1764. Die vorhandenen Bestände sind im Arbeitsraum der MAUS Gesellschaft für Familienforschung e. V. in Bremen einsehbar.

  • Taufen
    • 1746 - 1802 vorhanden (mit Lücken)
    • 1803 - 1901 verbrannt
    • 1901 ff. bei der Gemeinde
  • Heiraten
    • 1746 - 1802 vorhanden (mit Lücken)
    • 1803 - 1901 verbrannt
    • 1901 ff. bei der Gemeinde
  • Beerdigungen
    • 1746 - 1802 vorhanden (mit Lücken)
    • 1803 - 1901 verbrannt
    • 1901 ff. bei der Gemeinde
  • Konfirmationen
    • bis 1758 nicht überliefert (nur Statistik)
    • 1759 - 1770 vorhanden (mit Lücken)
    • 1771 - 1900 verbrannt
    • 1901 ff. bei der Gemeinde



Sonstige Quellen

  • Besitzerfolgen im Kirchspiel Wasserhorst, zusammengestellt von Hans-Hinrich Murken aus den Quellen:
    • Kirchenbücher ab 1746
    • Jördebuch der Struktur 1717/19 (Staatsarchiv Bremen 6,21 - VII.a.1.c)
    • Designation der kgl. Meier in den vier Gohen vom 12.07.1722 (Staatsarchiv Bremen 6,21 - I.a.8)
    • Verzeichnis der Feuerstellen pp. 1752. 1755. 1766 (Staatsarchiv Bremen 6,21 - XV.a.7)
    • Meierbriefe der Hauptschule
    • historische Grabsteine auf dem Kirchhof Wasserhorst
    • Hofpapiere und Bilder
    • Prof. Dr. Franz Buchenau: Die freie Hansestadt Bremen und ihr Gebiet (1900)
    • Heinrich Hoops: Geschichte des Bremer Blocklandes (1927),
    • Rudolf Stein: Dorfkirchen und Bauernhäuser im Bremer Lande (1967)
    • Hans-Hermann Meyer. Die vier Gohe um Bremen (Hamburg 1977)
    • Georg Garbade: Heimatgeschichte des Blocklandes (1995)


Veröffentlichungen

  • Geschichte des Bremer Blocklandes von Heinrich Hoops
Faksimile-Ausgabe 1984 der Ausgabe von 1927
  • Heimatgeschichte des Blocklandes von Georg Garbade
Herausgeber: Heimatverein Blockland e. V., 1996



Link Sammlung

Offizielle Internetseiten

Genealogische Internetseiten

Zufallsfunde

Daten aus dem genealogischen Ortsverzeichnis

GOV-Kennung NORITE_W2820
Name
  • Nordseite
Typ
  • Häuser (- 1885)
  • Wohnplatz (1885 -)
Postleitzahl
  • W2820 (- 1993-06-30)
  • 27721 (1993-07-01 -)
Karte
   

TK25: 2818

Zugehörigkeit
Übergeordnete Objekte

Wasserhorst ( Kirchspiel)

Ritterhude, Hu’e (1848 -) ( Gemeinde) Quelle

Untergeordnete Objekte
Name Typ GOV-Kennung Zeitraum