Motzischken

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Ortsschild von Motzischken, Sommer 1994
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Die Jura in Motzischken, Sommer 1993

Hierarchie

Regional > Litauen > Motzischken

Regional > Historisches Territorium > Deutschland 1871-1918 > Königreich Preußen > Ostpreußen > Kreis Ragnit > Motzischken


Einleitung

Motzischken (1785 auch Motszischken), Kreis Ragnit, Ostpreußen.

Name

Der Name weist auf schwer zu bearbeitendes Areal.

  • lettisch "mocities" = sich quälen, sehr schwer arbeiten


Politische Einteilung

1940 ist Motzischken eine Gemeinde mit den Dörfern Bäuerlich Naußeden, Erbfrei Naußeden und Heydebruch.



Kirchliche Zugehörigkeit

Evangelische Kirche

Motzischken gehörte 1912 zum Kirchspiel Szugken, vor 1900 aber zum Kirchspiel Wischwill.



Geschichte

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Gasthaus R. Brenneisen, Jura-Fluß und Kleinbahn

Erinnerung an Johannes Bobrowski

Hier, im Süden Litauens, in dem Dorf Mociškiai, das damals Motzischken hieß, verbrachte Bobrowski in den dreißiger Jahren die Sommer auf dem Gehöft der Großeltern. Von hier stammt der 1917 in Tilsit Geborene, hier heiratete er seine Frau Johanna, geb. Buddrus, mit der er nach Krieg und Gefangenschaft in Ost-Berlin lebte - als Lektor für den Union Verlag, als in beiden Deutschlands preisgekrönter Dichter.
Bis zu seinem frühen Tod 1965 blieb die Kindheitslandschaft sein Lebensthema, er weitete sie aus zu einem poetischen Kontinent, zu seinem Sarmatien, wie er die Gegend zwischen Weichsel und Wolga nach einer antiken Weltkarte nannte.

Die Kinder, die heute die einsame Bushaltestelle von Motzischken belagern und den Fremden auf der Fährte der Poesie argwöhnisch umtoben, ahnen nichts von Bobrowskis Versuch, dem einst hier ansässigen Völkergemisch aus Litauern, Polen, Russen, Deutschen und Juden ein Denkmal aus Gedichten zu setzen, einen Sarmatischen Divan zu schreiben, der einen Teil des Leids tilgen sollte, das die Deutschen den Völkern des Ostens zugefügt haben.

Niemand spricht mehr deutsch in Mociškiai, die Gegend ist so verlassen, daß die Grenze von traumhaft zu trostlos so schmal ist wie der Weg, der an der Jura entlang zu den zugewucherten Grabsteinen des Friedhofs führt. Nur die Hauptstraße ist asphaltiert, wer sie verlässt, etwa auf der Suche nach den Schauplätzen von Bobrowskis Roman
Litauische Claviere, nach Bittehnen, Schreitlaugken, Prussellen, stellt den Mietwagen auf eine harte Probe. Dies ist eine Art Zonenrandgebiet, mit der Memel als Grenze.

Windschiefe Heuschober, zerfallende Silos erzählen die Geschichte der Landflucht auf Litauisch, sie klingt genauso wie überall: Die Zukunft ist die Stadt, aus Äckern wird Brachland, europäische Steppe, wo ab und an eine Kuh angepflockt ist. Landwirtschaft ist hier trügerische Selbstversorgeridylle.

Die wellblechgedeckten Holzhäuser sind gegürtet mit Bauerngärten, in denen Malven wie pastellfarbene Schwerter stecken, Milchkannen und Bienenkörbe stehen Spalier, und der obligatorische Ziehbrunnen macht noch aus der kleinsten Hütte ein selbstgenügsames Minireich. Die träge Unaufhaltsamkeit, mit der die Jura sich durch die Wiesen schiebt, rhythmisiert nach wie vor den Gang aller Dinge. Am äußersten Scheitelpunkt der Waschbrettpiste rund um die Willkischker Höhen schaukelt ein Günter-Grass-Double auf dem Klapprad entlang. Was sucht der Mensch hier, fernab von allem, was ein Ziel sein könnte? Der Fluss fließt in einer eigenen Zeit, jenseits von allem Zweckdenken.

(Quelle: Auszug aus einem Artikel in ZEIT ONLINE, Reisen)


Verschiedenes

Karten

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Motzischken auf der Schroetterkarte (1796-1802), Maßstab 1:50 000
© Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
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Südöstlich von Willkischken an der Jura (Fluss) auf der Schroetter Karte 1802, Maßstab 1: 160 000


Motzischken im Preußischen Urmesstischblatt 1861
© Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
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Motzischken, Motzischker Wald und Umgebung im Preußischen Urmesstischblatt 1861
© Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz


Unterförster Motzischken im Preußischen Urmesstischblatt 1861
© Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
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Unterförster Motzischken, Motzischker Wald und Umgebung im Preußischen Urmesstischblatt 1861
© Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz


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Skizze aus der Gemeindeseelenliste von Motzischken aus den 50er Jahren, (c) Bundesarchiv



Daten aus dem genealogischen Ortsverzeichnis

GOV-Kennung MOTKENKO15CC
Name
  • Motzischken Quelle (${p.language})
  • Mociškiai (1092) Quelle Seite 1092 (${p.language})
Typ
  • Wohnplatz (- 1945)
  • Dorf (1945 -)
Einwohner
w-Nummer
  • 66133
externe Kennung
  • geonames:596880
Karte
   

TK25: 0899

Zugehörigkeit
Übergeordnete Objekte

Motzischken, Mociškiai (- 1945) ( LandgemeindeGemeinde) Quelle Quelle

Szugken (1907) ( Kirchspiel) Quelle S.254/255

Wischwill, Viešvilė (1907) ( Pfarrei) Quelle S.254/255

Vilkyškiai, Vilkyškių seniūnija (2000 -) ( Gemeindebezirk) Quelle

Untergeordnete Objekte
Name Typ GOV-Kennung Zeitraum