Westerwald/Adressbuch 1922/Beschreibungen zu den Kreisen und Gemeinden
Der Westerwald
Der Westerwald ist ein hohes Gebirge,zwischen.dem Rhein, der Lahn und Sieg, worauf man nichls als Himmel, Pliii7.cn (Sümpfe) und große Steine sichi" heiöt es in einem alten geographischen Lexikon. Und auch heute noch ruft der Name Westerwald bei manchem ein nicht sehr verlockendes Gelühl wach, flber deefa ist es in Wirklichkeit nicht so schlimm, obwohl aul dein hohen Wesler-wald, ein Hochplateau von 450 m, welches von den höchsten Kuppen nur um weniges Überragt wird, ein recht kr&Kiger Luftzug und aucli eine empfindlich« Temperatur herrschst] kann, Aber der Westerwald breitet sich j.i rmiil nur in die Gegend aus, wo das Kothaargebirge mit ihm zusammenhingt, sondern erstreckt sich von hier aus nach Westen in allmählicher VsrQachung Idsl ohne größere Unierbruchuri^ bis an die Sieg und den Khein hin, wo' das hochaulragundi1 Siebengebirge sein westliches Vorgebirge bildet. Nach Norden steil in das Tal der Ht'lli'r abfallend, bildet hier der f'luii die natürliche Grenze. Nach den anderen Himmelsrichtungen verflacht sich das Land in gleicher Weise wie nach Westen, nur dali die Abdachung hier überall mit kegelförmigen Bergen besetzt ist, worunter dic_ bekanntesten im Osten der Hirschbergskopf 538 m, im Süden der Almerskopf 365 m, die Höhenburg 395 m, das 1 kidtnli.uischen 3W m, der Höchst 444 m, der Uielkopl 474 m, der Scharpingerkopf 442 m, der Große Knpl 423 m sind. So wie im Westen durch den Khein und im Norden durch die Heller, wird auch hier der Weslerwald durch die Lahn von dem umliegenden Bergland begrenzt.
Diu höchsten Kuppen des Wrslcrwaldes ziehen sich als deutlich erkennbarer Bergrücken durch das Land. Im Dillkreis macht der Barslein <>I8 m, bei Güstern-haiii den rtnlang dieses Bergzuges, der sich in Cd, 50 km Länge bis in den yeis Monlabaur hinzieht. Im Kreise Oberweslcrwald bei dem Orte WiUingeo liegt die Kuchskaule 657 m, es Folgen der Salzburg Kopl 655 m, die Schlimme niwc 5^7 m, dem sich die Erhöhungen um Höhn uiul I'nnganhahn anschließen. ■-s loljji bei Kltinghausen der Ueulslcin 4H4 m, bei Leuterod der Malberg, 428 m und dann noch dia Mnntabaurer Hölien mit ca. 546 m. hin sogenanntei ttebirKsknoten bildet sich im Oberwesterwoldkreis. Während sich vom Salz-ourger Kopl ein Höhenzug nach Westen, der Kalteiche zuwendul und ein anderer mit den Stegskopf, der Friedswalder Höhe und dem Steimel nach Sücl-westen der Sieg zustrebt, geht ein tirilier von der Fuchskautc mit dem Homberg, ™soerg, GattpQsch und dem Knoten in südlicher Richtung. Doch bilde! der hier entstehende Knoten keinen ragenden imposanten Kegel, sondern schließt vielmehr einen von kegellörmifen Berten utnachlossensn Beiirk in sich. Hier, im höchslcn Weslerwald, ist der Wald so gut wie ^iir nulil vertreten, nur breite t iniHiislrcilen schützen als mächligc Scluit/.heckcii die kleinen Dörfer mit ihren Fluren vor der Unbill der Witterung.
Der ganze Westerwald ist im allgemeinen sehr wasserreich. Hit- vielen Niederschlage, die in dem Basaltboden nur sehr langsam verdunsten, bilden in den Niederungen sowohl als auch auf den Höhen viellach Sümpfe und Moräste, aus denen zahlreiche Bäche ihren Ursprung nehmen. An Entwicklung und Ausdehnung überträft wohl die Wied alle anderen Bicha des Westerwaldes. ijie entsteht in dem Weihergebtsi von Dreilelden und mündet mit einer Länge von ca. 33 km mit nordwestlicher Richtung bei Irlich in den Rhein. Der Holzbach und der JVlehrbach sind ihre bedeuiendslen Zubäche. Die Nister, mit nord-westUchem I Üul li-it ihre Quelle in den Sümpfen clor Gegend bei Neukirch in einer Höhe von ca. 530 m. Die Schwarze und die Kleine Nister, die sich mit ihr verbinden, haben ihren Ursprung ebenso in den Sümpfen (kr Ntukircher Gegend. In mannigfachen Windungen slrdmt sie an der malerischen Abtei Ma-rifiislalt vorbei durch die Kroppacher Schweiz und münde! hei Wissen in die Sieg in einur Höhe von 1hl) m. Grdflert Bflche sind noch die Elb und der Gelbbach, Ersterc kommt aus einem Sump! bei Ailerlchen. An ihrem Lauf lie^l rechts die Dornburf; und links das Heidcnhäusdii'n.
I )it eigentliche Haupterwerb der Bewohner dos Westerwaldes waren von jeher die. Landwirtschaft und Viehzucht. Hart war die Arbeit auf eigener Scholle und die Aussicht auf Erfolg war Kt>ri»K- ü" manchen Irieb. es fort in die weile Welt. Doch in den letzten Jahren hal man die reichen Bodenschätze des Westerwaides n» vollen Verwendung herangezogen, L'nM'o'jhnte VerdierislmöKlichkcilcn entstanden und wurden nun Segen weiter Volkskrcise. Während auf dem Oberwesterwalde di« Basalt- und Braunkohlen-Industrie vor-herrschi \— in Marienbcrj; belindpl sich die Filiale des Rheinischen Braunkohlen-Syndikats, sind es im Unlerwtblcrwrtldhryis die mflchtigeo Tonlagei dnrt d.is blühende Krug- und Kannenbäckerland erstehen ließen. Von \aht ?.u Jahr entwickelt säch die Industrie, immer neue Werke erstehen, muchende Schorp-steine ragen in die I uH, Bremsbahnen laultn die Abhänge herunter, Drahtseil- ' bahnen schweben übt-r tlie Hrmien der Wäldtir hinweg. Der große Holzreichtum jjibt vielen Sägewerken, Möbel- und Holzlabnken Arbeit. Verschiedene Bahnstrecken durchschneiden den Wcslerwald und ein großer Güter-ii hal sich aal denselben entwickelt. Sollten die neuen Projekte zur Ausführung k-immen, dürfte dies zum weiteren Aufblühen des Westerwaldes llich beiti So ist der westerwald mit seinem gesunden Volksschlag und seiner empor-blähenden Industrie ein starkes Glied lür den Wiedcraulbau unseres deutschen Vaterlandes.
Der Oberwesterwaldkreis
a) Allgemeines.
Der Oberweslerwaldkreis liegt in der Provinz Hessen-Nassau und gehört 7.um Regierungsbezirk Wiesbaden. Marienberg ist Sitz des I.andralsamtes. (Lmdnt Ulrici.) ZustÜndi« Handelskammer ist Dillenburg. Der Kreis mit einer Stadt und R4 Gemeinden sel?.l sich zusammen aus den früheren Acmtern Hachenburg und Marienberg, sowie aus den Gemeinden Dreifctden, Linden. Schmidthahn und Stoinebach des früheren Amtes Selters. Sein FUcheninhall beträgt 32523 Hektar, wovon 11 508 Hektar Ackerland. 5657 Hektar Wiese und 10690 Hektar Wald sind. Die Höhenlage beträgt an der höchsten Stelle, dem Fuchskauten, h57 Meter, während der tiefste Punkt sich bei flltburg mit 16» Meiern findet. Der Oberwesterwaldkrcis ist das Gewinnungsientrum der bekannten Weslmväldcr Braunknhle.'dercn Förderung durch den unglücklichen Kriegs-ausganir bedeutend gesteigert wurde und dem Kreis großen industriellen Forlschritt brachte. Hie bedeutende Ueherlandzentrale jn Höhn, die in weitem l'm-kn-is «ine große flniahl Städte und Gemeinden mit Elektrizität versorgt, wird nur mit Braunkohle' gespeist. Fine bedeutende Basalt-Industrie blüht im Kreise, deren Erzeugnisse wogen der Gülc für den Straßenbau sehr gesucht sind. Neben der Landwirtschaft, die sich über den ganzen Kreis erstreckt, ist noch besonders die Holz- und Leder-Industrie vertreten. Durch verschiedene Vtill- und Nchenbahnen' ist das Land den Strecken des Lahn-, Dill- und Sieytals angeschlossen, rtls Kuraufenthalt wird der Kreis mehr und mehr auf-hl. Den ganzen Snmmer hindurch wird er gerne besucht und seine landschaftlichen Reize, verbunden mit der gesunden'Höhenlage, sichern' 'ihm immer neue Freunde. Modern eingerichtete Hoteh finden sich in den größeren Orten, doch auch in den Dörfern ist man dalür eingerichtet, dem Fremden, der Erholung' und Ruhe sucht, einen'angcnehmen*rtulenthaUTzuTbieten.
b) Verwaltung
Zun Oberwesterwaldkreis gehören S4 Landgemeinden und die Stadt Hachen-burg. Die Landgemeinden1 Miindersbach und RoßbaclVtalten' hiervon in das hinsetzte" Gebiet.