Wenter (Familienname)

aus GenWiki, dem genealogischen Lexikon zum Mitmachen.
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fehler beim Erstellen des Vorschaubildes: Datei nicht vorhanden
Wappen der Wenter; Tir. Wp. B. Bd. XIV. Dipl. 16 G. 1626.

Wenter (auch Herren von Went bzw. de Wente) ist der Name eines alten Tiroler Geschlechts, welches besonders am Ritten und in anderen Gebieten im heutigen Südtirol weit verzweigt und einflussreich war. Die Ursprünge der Wenter lassen sich seit dem 13. Jahrhundert nachweisen. Im Laufe ihrer Geschichte stellten die Familien der Wenter Richter, Postmeister, Mediziner, Gutsbesitzer und Kastner. Geadelt wurden mehrere der verschiedenen Familienzweigen von Erzherzog Leopold V. von Österreich, Landesfürst von Tirol, welcher der Familie 1620 das Wappenrecht und die rittermäßige Lehenswürde verlieh. Dies berechtigte sie zum Erwerb von Burgen, Schlössern und Adelsitzen.

Namensformen

Der Name Wenter hat mehrere, verschiedene Schreibweisen; unter anderem Wennter, Wendter und Wentter.

Ursprung und Überlieferungen

Über den Ursprung der Wenter recherchierte bereits der Südtiroler Heimathistoriker und Professor für Geschichte und Germanistik Johann Adolf Heyl, welcher in seinem im Jahr 1897 erschienenen Buch „Volkssagen, Bräuche und Meinungen aus Tirol“ einen Eintrag zum Ursprung der Geschlechter der Seebacher und Wenter veröffentlichte:[1]

„Die Seebacher kamen über den Brenner herein und siedelten sich in Wangen an, und jezt sind fast alles Seebacher in Wangen: sie stammen, wie man sagt, von der Pemmerer Hexe ab; sie selber hingegen halten sich für adelig. Bei der Pestilenzzeit starb in Ritten herum alles aus; bloß zwei Brüder blieben übrig auf dem Hof Meir im Loch, sie nannten sich Wenter, und von da aus gieng der Wenterstamm; er ist jezt groß und mächtig auf dem Ritten, allenthalben findet man dort Wenter.“

– Johann Adolf Heyl

Geschichte

Rittner-Linie

Die Stammreihe der Rittner-Linie des Geschlechts beginnt mit dem Ministerialen und Amtsadeligen Konrad von Went (Cuncius de Wente) der im Jahr 1242 urkundlich erwähnt wird, als dieser von Albert III. von Tirol, dem letzten Grafen von Tirol aus dem Geschlecht der Albertiner und Vogt von Trient und von Brixen, in das Amt des Richters auf der Burg Stein am Ritten am gleichnamigen Gerichtshof eingesetzt wurde (Cuncius de Wente iudex Comitis Alberti in monte Ritano).[2] Auch im 18. Jahrhundert übten Personen mit dem Namen Wenter das Amt des Richters zum Stein am Ritten aus: Johann Wenter (1700), Christian Wenter (1744), Johann Wenter (1766), Veit Wenter (1782) und Johann Wenter (1778).[3]

Darauf folgte Bertold von Went (Perchtoldus de Wente), der in einer Übereignungsurkunde vom 8. Juli 1298 als Grundbesitzer im Rittner Ortsteil Unterinn genannt wird.[4] Im Jahr 1320 wird Bernhard von Went (auch Pernhard de Went) als Herr des Ritterguts in Went (Curia in Went) genannt.[5] Der Hof zu Went (hoff ze Wende) des Franz zu Went (Franz ze Wennt) wird im Jahr 1406 erwähnt.[5]

Erst im Jahr 1778 wurde das Wenter-Gut (Wenterguet) der Rittner Familie Wenter wieder umfangreicher beschrieben. Zu dieser Zeit gehörten Bewaldungen zu Parzan, ein Wald in Orthl, mehrere Häuser, sowie vermutlich das Locherer-Gut (Locherergüetl) zum Gutshof Wenter.[5] Ob das Locherer-Gut mit dem Hof Meir im Loch, von dem die Wenter laut Sage angeblich stammen sollen, in Verbindung steht, ist nicht bekannt und heute wahrscheinlich nicht mehr nachvollziehbar.

Im Jahr 1787 brachte Anton Joseph Wenter die ehemaligen Adelsitze Waldgries und Grünewald in Rentsch bei Bozen in den Besitz der Rittner Familie Wenter.[6] Ebenfalls erwarb er eine Behausung mit dem Namen Nussenhäusl. Beide Anwesen wurden über 150 Jahre von der Familie Wenter bewohnt und als Weingut bewirtschaftet.[7][8] Auch die gegenwärtigen Mitglieder der Familie Wenter am Ritten sind heute noch in der Landwirtschaft und vor allem im Weinbau tätig.

Bozner Linie

Mitglieder dieser Familie waren in der Vergangenheit oft als Hoteliers, Gastwirte und Gutsbesitzer bekannt. Im Jahr 1872 erbaute die Familie die Villa Wenter im Bozner Stadtteil Gries. Heute befindet sich die Villa in der nach der Familie benannten Wentergasse.[9]

Meraner Linie

Nach 1724 erwarb die Meraner Familie Wenter das Schloss Rosenstein (früher auch Rosenberg) und hielt dieses über lange Zeit in ihrem Besitz, wovon es den Namen Wenterschlössl erhielt. Danach gelangte das Schloss in den Besitz der Habsburger und wird heute von den Prinzen von Lichtenstein bewohnt.[10] Den Ansitz Tierburg-Lichtenthurn in Untermais hat die Meraner Familie Wenter nach 1808 von den Erben des Alois von Gasteiger gekauft.[10] Schloss Katzenstein wurde von der verwitweten Freiherrin Elisabeth von Priami geborene von Waid zum Rößl († 1809) ihrem Neffen Josef Wenter zu Rosenstein vermacht.[10]

Wappen

Die Familie führte im Laufe der Zeit und in den verschiedenen Linien unterschiedliche Wappen:

  1. Vincenz Wentter (Wenter), salzburgischer Bergrichter im Ober-Pinzgau, Wappen mit Lehenartikel vom 18. Januar 1567.[11][12] Blasonierung: In Rot ein silbernes springendes Einhorn. Auf dem rot-silbern bewulsteten Helm mit rot-silbernen Helmdecken ein geschlossener roter Flug belegt mit dem silbernen Einhorn.
  2. Nikolaus Wenter, Kastner zu Kufstein, Wappen von 1587. Blasonierung: In Blau eine schrägrechts gestellte goldene Säge, oben und unten von je einem goldenen Stern begleitet. Auf dem Helm mit blau-goldenen Decken ein geschlossener blauer Flug belegt mit Säge und Sternen wie auf dem Schild.[13][2]
  3. Martin, Hans, Veith und Claus Wendter (Wennter), Gebrüder, sowie Gregor, Silg, Hanns, Stephan, Adam und Georg, Phasy und Christian, Vettern, erhielten am 15. April 1620 zu Innsbruck einen Wappen- und Lehensbrief.[14][15][16] Blasonierung: Schräglinks von Schwarz und Gold geteilter Schild, darin auf einem grünen Hügel stehend, ein aufgerichteter, widersehender Löwe in verwechselten Farben, in seinen Pranken einen silbernen, mit roter Schnur umwundenen Regimentsstab haltend. Auf dem schwarz-silbern bewulsteten Helm mit schwarz-goldenen Decken ein offener schwarzer Flug, belegt mit einem goldenen Balken, darauf jeweils ein grünes Laubblatt. Das Wappen wurde nach der ersten Verleihung auch von anderen Familienmitgliedern geführt.[17][18][19][20][2]
  4. Hans Wenter, Richter, vom 1. Dezember 1770[21] und Josef Wenter, Gastwirt und Postmeister zu Meran (1858).[22] Blasonierung: In Rot ein silbern gekleideter Mann eine Helleparte in der Rechten. Auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein wachsendes silbernes Einhorn.
  5. Josef Wenter, Bataillons-Kommandant der Tiroler Schützen und Landesverteidiger zu Barbian, führte ein Wappen vom 16. Oktober 1809.[23] Blasonierung: In Rot ein silberner (?) Balken belegt mit zwei silbernen (?) Sternen, darüber gelegt eine silberne nach unten zeigende, bis zum Schildfuß reichende Spitze, darin eine besichtete Sonne. Auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken zwischen zwei Büffelhörnern ein Greif, in den Pranken einen Pokal haltend.

Historische Besitzungen

Rittner/Bozner-Familien:

  • Ansitz Waldgries in Bozen, Rentsch
  • Ansitz Grünewald in Bozen Rentsch
  • Villa Wenter in der Wentergasse in Gries, Bozen, Südtirol

Meraner-Familien:

  • Wenterschlössl (Schloss Rosenstein am Brunnenplatz in Obermais, Meran)
  • Ansitz Tierburg-Lichtenthurn in Untermais, Meran
  • Schloss Katzenstein bei Meran

Persönlichkeiten und Namensträger (Auswahl)

Rittner/Bozner-Linie

  • Martin Wenter (* 1. Juni 1955 in Bozen), italienischer Politiker und Jurist
  • Anton Josef Wenter, Besitzer der Ansitze Waldgries und Grünewald in St. Justina bei Bozen
  • Josef Wenter, Bataillons-Kommandant der Tiroler Schützen und Landesverteidiger zu Barbian; kämpfte während des Tiroler Volksaufstandes im Jahr 1809; Wappen vom 16. Oktober 1809
  • Johann Wenter von Berger, Kurvorsteher und Gründer des Kur-Komités von Bozen (um 1890)

Meraner-Linie

  • Josef Wenter (* 11. August 1880 in Meran; † 5. Juli 1947 in Innsbruck), Südtiroler Schriftsteller und Dramatiker
  • Josef Wenter, Postmeister von Meran (um 1862)
  • Franz Wenter, Stadtkammeramts-Kassier und Verwalter des städtischen Gaswerks in Meran (um 1909)
  • Karl Wenter, Gutsbesitzer (um 1909)
  • Julius Wenter, Jurist; Kanzlei am Rennweg (um 1909)
  • Joseph Anton Wenter, Doktor der Medizin in Meran; Wappen vom 20. November 1797
  • Josef Anton Wenter, Stadt- u. Landrichter zu Meran; Wappen vom 4. September 1740

Sonstige Namensträger:

  • Josef Wenter, Postmeister von Vilpian (um 1862)
  • Nikolaus Wenter, Kastner der Herrschaft Kufstein (um 1587); erkennbarer Bezug nach St. Justina am Ritten bei Bozen

Literatur

  • Hugo von Goldegg: Die Tiroler Wappenbücher im Adelsarchive des k. k. Ministerium des Innern zu Wien. Band 2. Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck 1876, S. 151 (zobodat.at [PDF]).

Weblinks

  • Österreichisches Staatsarchiv:
    • AT-OeStA/AVA Adel HAA AR 1070.29 Wenter (Wentter), Vincenz, Wappen mit Lehenartikel, 1567.01.18.
    • AT-OeStA/AVA Adel RAA 452.34 Wentter (Wenter), Vincenz, salzburgischer Bergrichter im Ober-Pinzgau, Wappen, s.d. (sine dato).
    • AT-OeStA/AVA Adel HAA AR 1069.34 Wendter, Wappenbrief, Verweisblatt, 1620.04.15.

Einzelnachweise

  1. Johann Adolf Heyl: Volkssagen, Bräuche und Meinungen aus Tirol. Hrsg.: Johann Adolf Heyl. Brixen 1897.(online)
  2. Josef Tarneller: Tiroler Familiennamen. Tyolia, Bozen 1923, S. 139 (tessmann.it).
  3. Adolf Schumacher: Die Richter des Gerichtes zum Stein auf dem Ritten. In: Südtiroler Hauskalender. Ferrari-Auer, Bozen 1984, S. 107–109.
  4. Hannes Obermair: Bozen Süd – Bolzano Nord 1. Schriftlichkeit und urkundliche Überlieferung der Stadt Bozen bis 1500. Hrsg.: Stadt Bozen. Band 1: Regesten der kommunalen Bestände 1210–1400. Bozen 2005, ISBN 88-901870-0-X, S. 472, 134 (Reg.Nr. 137).
  5. Archiv für österreichische Geschichte: Hofnamen im untern Eisacktal. In: Das rechte Eisackufer von Velturns bis Wangen. 1. Auflage. 1924, S. 108–109 (160 S.).
  6. Selbstverl. der Gemeinde (Hrsg.): Häuser-Verzeichnis der Gemeinde Zwölfmalgreien 1851. Zwölfmalgreien 1851, S. 15.
  7. Heinz Tiefenbrunner: Häusergeschichte von Zwölfmalgreien. Hrsg.: Heimatschutzverein Bozen. 2011, S. 220.
  8. Selbstverlag der Gemeinde (Hrsg.): Verzeichnis der Häuser und Baugründe der Stadt Bozen. Bozen 1828, S. 21.
  9. Karl Höffinger: Der Curort Gries bei Bozen in Deutsch-Südtirol, Oesterreich. Hrsg.: Höffinger, Karl. Selbstverlag, 1890.
  10. Cölestin Stampfer: Schlösser und Burgen in Meran und Umgebung. 2. Auflage. Wagner, 1909.
  11. AT-OeStA/AVA Adel HAA AR 1070.29.
  12. AT-OeStA/AVA Adel RAA 452.34.
  13. Wappen des Nikolaus Wenter auf Tiroler Wappen – Die Fischnaler Wappenkartei, abgerufen am 11. Juli 2025.
  14. AT-OeStA/AVA Adel HAA AR 1069.34.
  15. Goldegg (1876), S. 151.
  16. Wappen der Familie Wendter/Wennter vom 15. April 1620 in Tiroler Wappen – Die Fischnaler Wappenkartei, abgerufen am 11. Juli 2025.
  17. Wappen des Josef Anton Wenter, Stadt- und Landrichter zu Meran, vom 4. September 1740 in Tiroler Wappen – Die Fischnaler Wappenkartei, abgerufen am 11. Juli 2025.
  18. Wappen des Jacob Wenter vom 10. Juli 1753 in Tiroler Wappen – Die Fischnaler Wappenkartei, abgerufen am 11. Juli 2025.
  19. Wappen des Valentin Wenter von 1780 in Tiroler Wappen – Die Fischnaler Wappenkartei, abgerufen am 11. Juli 2025.
  20. Wappen des Josef Anton Wenter, Dr. med., vom 20. November 1797 in Tiroler Wappen – Die Fischnaler Wappenkartei, abgerufen am 11. Juli 2025.
  21. Wappen des Hans Wenter, Richter, vom 1. Dezember 1770 in Tiroler Wappen – Die Fischnaler Wappenkartei, abgerufen am 11. Juli 2025.
  22. Otto Titan von Hefner: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 5 (Bürgerliche Geschlechter Deutschlands und der Schweiz), 2. Abt.: Zweitausend bürgerliche Wappen, Nürnberg 1873, S. 59 (digitale-sammlungen.de) und Tfl. 99 (digitale-sammlungen.de).
  23. Wappen des Josef Wenter, Bataillons-Kommandant, vom 16. Oktober 1809 in Tiroler Wappen – Die Fischnaler Wappenkartei, abgerufen am 11. Juli 2025
  1. Johann Adolf Heyl: Volkssagen, Bräuche und Meinungen aus Tirol. Hrsg.: Johann Adolf Heyl. Brixen 1897