Rastenburg
Regional > Deutsches Reich > Ostpreußen > Regierungsbezirk Königsberg > Landkreis Rastenburg
Allgemeine Informationen
Rastenburg liegt im prußischen Stammesgebiet Barta, das vom Ritterorden von Heilsberg aus erobert wurde. 1245 Rößel.
1399 wurde der Ort erstmals als Rastekaym erwähnt. (1399)
Der Name bedeutet frei übersetz: Pfahlbau-Dorf im Moosbruch.
- prußisch "raistan" = Moosbruch
- "rast" = Pfahl
- "caymis, kaimas" = Dorf, Ort
In der Nähe von Rastenburg liegen der Wallfahrtsort Heilige Linde sowie Hitlers Wolfsschanze.
Einwohner:
1939. 17.247
politische Einteilung/Zugehörigkeit.
Wappen
Das Wappen hat in Silber auf grünem Boden zwischen drei Tannen einen schwarzen Bär.
Kirchen
- Um 1365 wurde das Wahrzeichen der Stadt, die Pfarrkirche St. Georg, in der Nordwestecke als Wehrkirche erbaut.
kirchliche Zugehörigkeit
Kirchhöfe/Friedhöfe
Geschichte
- In der Umgebung von Rastenburg gab es etliche prußische Burgen und Wehranlagen (u. a. Unter-Plehnen, Prömbock, Barten, Rastenburgsfelde).
- 1329 wurde über der Guber ein Ordenshaus angelegt, das zusammen mit der zugehörigen Siedlung 1344 von Litauern zerstört wurde.
- 1345 Bau einer Lischke (Vorburg), in der sich Krüger und Handwerker niederließen.
- 1360-1370 Wiederaufbau der Ordensburg in Stein
- Die wieder aufgebaute Siedlung erhielt 1357 die Handfeste von Henning Schindekopf. Der Ort hatte eine Größte von 102 Hufen und 72 Erben.
- Der Remter des Ordenshauses wurde nach dem Vorbild der Marienburg ausgemalt. Besonders der Kamin galt als Sehenswürdigkeit. Aus den roten Dächern der Stadt soll die Redensart "Er glüht wie ein Rastenburger" hervorgegangen sein.
- 1378 Erneuerung der Handfeste und Erweiterung durch die Neustadt.
- 1757 Die Russen fallen im Sommer (im Siebenjährigen Krieg) unter Graf Fermor und Feldmarschall Graf Apraxin in Ostpreußen ein. Zarin Elisabeth I. erklärt durch Patent vom 31. Dezember 1757 Ostpreußen als russisches Eigentum.
- 1758 Jan. Eine russische Armee unter Graf Fermor besetzt kampflos das ungeschützte Ostpreußen.
- 1762 Nach dem Tod der Zarin Elisabeth (5.1.1762) kommt es unter ihrem Nachfolger, Zar Peter III., zum Frieden mit Preußen (5.5.1762 Vertrag von St. Petersburg). Russland gibt ohne Entschädigung die besetzten bzw. bereits annektierten Gebiete Ostpreußen, Hinterpommern und Neumark zurück. Die Russen ziehen ab, Rastenburg wird wieder preußisch.
- 1818 wurde Rastenburg Kreisstadt.
- 1882 wurde in Karlshof die Heil- und Pflegeanstalt gegründet.
- 1898 Gründung des ersten landwirtschaftlichen Hausfrauenvereins Deutschlands (Landfrauen).
- 1920 eröffnete ein Predigerseminar in Klein Neuhof.
- 1939 hatte die Stadt 19650 Einwohner.
Heiteres
Eine ältere Bäuerin hatte bei den Landfrauen einen Kurs über gesunde Ernährung besucht und erlernte Grundkenntnisse über Eiweiß, Stärke, Fett, Vitamine und Mineralien. Dass Kumst (Weißkohl) ein nahrhaftes, schmackhaftes und gesundes Gemüse ist, hatte sie immer schon gewusst. Aber nun konnte sie es wissenschaftlich untermauern: "Esst esst man, im Strunk sitzt die Kraft und in den Blattchens die Fettamine!"
Archive, Bibliotheken
Genealogische und historische Quellen
Adressbücher
Kirchenbücher
siehe: Ostpreußen/Genealogische Quellen/Kirchbuchbestände Kreis Rastenburg
Grundbücher, Steuerverzeichnisse, Gerichtsbücher u. Sonstiges
Persönlichkeiten
Eduard Grigoleit: Die ostpreußischen Amtmänner im Jahre 1755, in: Archiv für Sippenforschung 29. Jg., Heft 11, S. 178, August 1963.
Rastenburg und Schippenbeil: David Gottlieb Sydow 1754-1760.
Auszug aus: Hans-Wolfgang Quassowski, Die von den Russen 1758-1762 in Ost- und Westpreußen angestellten Beamten. In: Familiengeschichtliche Blätter, 20. Jg., Heft 4 1922. (Daten nach dem russischen und gregorianischen Kalender).
Brockmann, invalider Wachtmeister. zum Visitator in Rastenburg 7./18.5.1759.
Gutt, Invalide, zum Mühlenausreiter in Rastenburg 17./28.12.1759.
Hippel, Dr. med. zum Vicebürgermeister in Rastenburg 28.6./9.7.1759.
Hirsch, Johan Jakob, Student theol., zum Präzentor-Adjunkt in Ballethen 16./27.6.1761. [Hirsch stammt aus Rastenburg].
Jonas, Johann, zum Stadtkämmerer in Rastenburg 29.9./10.10.1759.
Lettau, Gottfried, Kreisausreiter in Rastenburg, zum Polizeiausreiter in Barten 10./21.11.1761.
Ohm, Dr., Kreisphysikus, zum Bürgermeister in Rastenburg 11./22.6.1759.
Reishoff, Jakob, Mühlenausreiter in Rastenburg, zum Akzisevisitator daselbst, 17./28.12.1759.
Süß, Johann Gottfried, Stadtwachtmeister in Barten, zum Amts-Polizeireiter in Rastenburg, Lager an der Weichsel 5.6.1758.
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Boehm geb. Steppuhn, Elisabet, *27./9./1859 in Rastenburg, +30./5./1943 in Halle, Begründerin der Landfrauenbewegung. Ihr Vater Hermann Steppuhn war Domänenpächter und Reichstagsabgeordneter.
Holz,, Arno *Rastenburg (Ostpr.) 26.4.1863, + Berlin 26.10.1929, Apothekerssohn, Dichter, Theoretiker des deutschen Naturalismus., Redakteur und freier Schriftsteller in Niederschönhausen bei Berlin; Erster Schriftleiter der neugegründeten "Freien Bühne", der späteren "Neuen Rundschau".
Podehl, Hans Georg, Dichter und Maler
Landfrauen
Elisabet Steppuhn wurde als "höhere Tochter" geboren und erzogen, d.h. ihre hausfraulichen Aufgaben bezogen sich auf das Repräsentieren, das standesgemäße Einkleiden, die Konversation und das Beaufsichtigen des zum Haushalt gehörigen Personals. Mit der Heirat von Otto Boehm, der einen herunter gewirtschafteten Hof gepachtet hatte, reichten die großbürgerlichen Fähigkeiten nicht aus, denn ihr fehlte die landwirtschaftliche Ausbildung einer Bauersfrau. Sie beobachtete die aufkommende Frauenbewegung und die zunehmende Selbstorganisation der Landwirte. Nachdem eine zugezogene Baronin einen örtlichen "Vaterländischen Frauenverein" gegründet hatte, schritt Elisabet Boehm zur Tat und gründete zunächst ein Lesekränzchen und dann im Jahr 1898 analog zum "Bund der Landwirte" einen landwirtschaftlichen Hausfrauenverein.
Zweck dieses Selbsthilfevereins war es, den Bäuerinnen eine landwirtschaftliche Ausbildung zu geben, aber auch Vertriebswege zu schaffen für die Produkte aus Gartenbau und Geflügelzucht, die damaligen Domänen der Bäuerinnen. Um Handelsbeziehungen herzustellen wurden auch Stadtfrauen in den Verein aufgenommen, die ihre Familie gesund mit frischen Produkten ernähren wollten. So wurde der schlecht funktionierende und teure Zwischenhandel ausgeschaltet. Im Statut des Vereins hieß es: "Vermehrung der Werterzeugung des ländlichen Haushaltes mit guter, frischer Ware durch erleichterten Einkauf." Zu diesem Zweck wurde eine Verkaufsstelle eingerichtet, die gleichzeitig Zentrum des Vereinslebens wurde.
Nach dem Rastenburger Vorbild gründeten sich Landfrauenvereine in Bartenstein (1900), Lötzen, Gumbinnen, Insterburg, Gerdauen, Cranz und Königsberg (1903) sowie Treuburg, Goldap, Osterode und Rößel im Jahr 1904. 1905 bildeten 14 Vereine einen ostpreußischen Landesverband. Weitere Landesverbände bildeten sich in Westpreußen, Schlesien, Pommern, Posen und Schleswig-Holstein. Diese sechs Landesverbände schlossen sich 1913 zum "Preußischen Landesverband" zusammen, und dieser wiederum schloss sich 1916 mit anderen neu gegründeten Landesverbänden zum "Reichsbund landwirtschaftlicher Hausfrauenvereine" zusammen. Eine große Bedeutung für die Ernährung der Zivilbevölkerung bekamen die Landfrauen im 1. Weltkrieg. Elisabet Boehm achtete auf konfessionelle und parteipolitische Neutralität. 1929 trat sie nach über drei Jahrzehnten an der Spitze des Reichsverbandes zurück, und trug 1934 keine Verantwortung mehr, als ihre Organisation in den "Reichsnährstand" überführt wurde. Als sich 1948 die Landfrauen zum "Deutschen Landfrauenverband" neu organisierten, war die Gründerin Elisabet Boehm seit fünf Jahren tot.
Quelle: Preußische Allgemeine Zeitung Nr. 21 vom 25. Mai 2013, S.10
Vereine
Zufallsfunde
Oft werden in Kirchenbüchern oder anderen Archivalien eines Ortes Personen gefunden, die nicht aus diesem Ort stammen. Diese Funde nennt man Zufallsfunde. Solche Funde sind für andere Familienforscher häufig die einzige Möglichkeit, über tote Punkte in der Forschung hinweg zu kommen. Auf der folgenden Seite können Sie Zufallsfunde zu diesem Ort eintragen oder finden.
Daten aus dem genealogischen Ortsverzeichnis
GOV-Kennung | RASURGKO04QB | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Karte |
TK25: 1994 |
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Zugehörigkeit | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Übergeordnete Objekte |
Powiat kętrzyński (1999 -) ( Landkreis) Quelle Powiat kętrzyński (1945 - 1975) ( Landkreis) Quelle Kętrzyn ( Stadtgemeinde PL) Rastenburg ( Stadt) |
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Untergeordnete Objekte |
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